"Sie erwarten von mir, dass ich Ihnen sage, dass ich Ihnen definiere: Was ist Kunst? Wenn ich es wüsste, würde ich es für mich behalten." (Pablo Picasso)




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 Das Dilemma des "perfekten" Bildes 
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Beitrag  Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Hallo ihr lieben,

in den letzten Wochen und Monaten hatte ich mit Kunst, mit Ausnahme der pflichtbewussten Anfertigung von Weihnachtskarten, gar nichts zu tun.
Beim Stöbern in diversen Seiten, stieß ich letzte Woche aber auf einen Absatz eines Bloggers, der mich sehr nachdenklich stimmte.

Es ging um das vermeintlich perfekte Bild und den Ansatz, dass viele Künstler danach strebten. Der Grund hierfür sei, seiner Meinung nach, in diversen Medien und der darin vorgegaukelten Scheinrealität zu suchen.

Ich habe mich dann gefragt, wie viel Wahrheit in dieser Aussage steckt und musste beim ersten Nachdenken erkennen, dass auch ich diesem Streben unterworfen bin. Die Erkenntnis führte sogleich zur nächsten Frage: Wo liegt das Idealmaß?
Denn ohne Strebsamkeit gibt es meines Erachtens auch keine Verbesserung. Der Lernprozess, dem man sein gesamtes Leben lang in allen Bereichen unterworfen ist, würde plötzlich enden.
Andererseits ist das Streben wohl gleichermaßen gefährlich, da Ehrgeiz einen leicht in Unzufriedenheit stürzen kann.
Wenn das also schwammig bleibt, hängt die ganze Sache vielleicht an dem Wort perfekt.
Perfektionismus ist für einige Kunstrichtungen unabdingbar, viele Zeichnungen leben davon.

Um ehrlich zu sein, erachtete ich es bis letzte Woche ebenfalls als absolutes Ideal bei meinen Zeichnungen ein perfektes Abbild der Realität zu erschaffen, ganz gleich wie viel Übung dafür noch erforderlich ist.
Doch jetzt habe ich den Punkt erreicht, an welchem ich mich frage, ob ich nicht blauäugig war und bei all dem Streben und pflichtbewusstesten Lernen etwas tat, das für Kunst im Grunde tötlich ist. Ich habe völlig aus den Augen verloren, worum es eigentlich geht.

In meinem Fall ist das, endlich die Zeit fürs Malen/Zeichnen zu haben.

Denn wohin führte ein perfektes Bild? Wäre es nicht das sprichwörtliche Ende der Kunst?

Da mich dieses Thema nun seit beinah einer Woche nicht mehr loslässt, würde ich gern von euch erfahren, wie ihr zu diesem Thema steht bzw., ob ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt.

Nach oben 08.03.2016, 08:27 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Beitrag: Das Dilemma des "perfekten" Bildes - 08.03.2016, 08:27 Eveningprayer hat geschrieben:


Es ging um das vermeintlich perfekte Bild und den Ansatz, dass viele Künstler danach strebten. Der Grund hierfür sei, seiner Meinung nach, in diversen Medien und der darin vorgegaukelten Scheinrealität zu suchen.



Was meinst Du damit?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir mein Perfektionismus eher im Weg steht, als dass er mich weiter bringt. Ich bemühe mich von der Idee des perfekten Bildes wegzukommen, zu Gunsten dessen, was ich ausdrücken möchte. Natürlich möchte ich mich weiter entwickeln und lernen - ich denke aber mein Weg führt durch die Übung - Versuch und Irrtum - viele Irrtümer!

LG claudia

Nach oben 08.03.2016, 18:21 Nach unten

Bleistift/Aquarell

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Hihoo :winken:

Was bitte ist ein "Perfektes Bild"?

:hmm: :hmm: :hmm:

Schöne Grüße

JohannesF :opa:

Nach oben 08.03.2016, 18:30 Nach unten

Stifte/Tusche/Aquarell

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Zum besseren Verständniss wäre es vielleicht ratsam den Artikel zu verlinken oder genau zu zitieren.
Den was heißt perfekt? Die genaue Wiedergabe der Realität, die perfekte Komposition, die perfekte Farbharmonie oder vielleicht alles zusammen?
Es gibt soviele verschiedene Kunstrichtungen und alle haben eine andere Definition von perfekt.
Meine persönliche Meinung zu perfekt ist, dieser Anspruch schränkt mich in meiner künstlerischen Ausdrucksweise total ein.
Deshalb verwende ich ihn in Bezug auf meine Zeichnungen nicht. Alles unperfekte trägt zur Aussage und zur Kunst meiner Werke bei und läßt mir genug Spielraum kreativ zu sein.
Ich glaube Du vermischt das zwei Dinge. Auf der einen Seite ist es wichtig das Handwerk zu lernen, also Sachen wie Licht, Schatten, Perspektive, sein Medium beherrschen etc. Grundlagen eben. Auf der anderen Seite kommt dann Deine Kreativität und Phantasie dazu. Es geht ja nicht unbedingt darum eine gerade Linie ziehen zu können (kann aber auch mal wichtig sein :mrgreen: ) sondern Dich, Deine Seele oder wie immer man das nennen mag, einzubringen. Beim einbringen Deiner Selbst schadet, meiner Meinung nach, das Streben nach Perfektion eher als das es nützt.
Also mach Dir keinen Kopf und zeichne und male wie Dir danach ist.
LG Tanja :winken:

Nach oben 08.03.2016, 18:58 Nach unten

(noch) Bleistift

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Ich betreibe ja hauptsächlich ein anderes Kunsthandwerk, was oftmals gerne "Zeichnen mit der Nähmaschine" genannt wird.

Im Zeichnen bin ich lange nicht mehr so gut wie ich vielleicht früher war und wenn ich hier die tollen Arbeiten sehe, dann wünsche ich mir das auch zu können. Manchmal bin ich baff, daß man so nah an der Natur zeichnen kann und bin steckesteif vor Ehrfurcht. Und dann zeichne ich und es ist absoluter Murcks. Und irgendwann pfeife ich drauf und dann gefällt es mir, aber es ist dann nicht mal annähernd an der Natur.
Ich glaube nicht, daß es darum geht, das perfekte Bild abzugeben, sondern daß man sich bei der Arbeit spürt und das erkennen bestimmt auch die anderen.

Beim Zeichnen mit der Nähmaschine sage ich immer in meinen Kursen, daß man zwar die Technik schon kennen und können sollte, aber es ist ebenso wichtig, die eigene Handschrift nicht zu verleugnen.

Ich finde, wenn jemand sagt, daß dies z.B. ein typischer Nana-Quilt ist, dann macht mich das sehr glücklich, auch wenn ich weiß, daß er nicht perfekt ist und alle das sehen können.

Nach oben 08.03.2016, 19:53 Nach unten

Aquarell und Tempera

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
In der Malerei ist es wie in der Musik. Perfektionismus ist langweilig und für mich daher nicht erstrebenswert.

Nach oben 08.03.2016, 20:09 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Das perfekte Abbild schafft ein Fotoapparat.
Zeichnen und Malen ist auch Interpretation und die eigene Handschrift.
Etwas weglassen kann wesentlich interessanter sein als das perfekte Abbild.
Ich arbeite zur Zeit daran von der Perfektion dwegzukommen. ich hab die Perfektoion bisher nicht erreicht. hatte sie aber als Ziel.
:winken:

Nach oben 08.03.2016, 20:31 Nach unten

Kohle, Graphit, Pastell, Rötel

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Beitrag: Das Dilemma des "perfekten" Bildes - 08.03.2016, 08:27 Eveningprayer hat geschrieben:

Doch jetzt habe ich den Punkt erreicht, an welchem ich mich frage, ob ich nicht blauäugig war und bei all dem Streben und pflichtbewusstesten Lernen etwas tat, das für Kunst im Grunde tötlich ist.

Nuja, das sehe ich nicht so. :wink:
Du warst bestrebt, Dein handwerkliches Können zu verbessern und hast damit eine wichtige Grundlage für jeden Weg geschaffen, den Du in Zukunft einschlagen wirst.

Beitrag: Das Dilemma des "perfekten" Bildes - 08.03.2016, 08:27 Eveningprayer hat geschrieben:
Ich habe völlig aus den Augen verloren, worum es eigentlich geht.


Der Weg ist das Ziel, davon bin ich überzeugt. :-) Und wer meint zu wissen, worum es eigentlich geht, hört auf zu suchen. :ja:
(poah, gebündelte pseudo-Weisheiten von Klars....und das am späten Abend :shock: :rofl: )

Zum perfekten Bild:
Wenn es denn wirklich das perfekte Bild geben sollte, würde ich es bestimmt todlangweilig finden. :grins: :winken:

Nach oben 08.03.2016, 23:15 Nach unten

Stifte/Tusche/Aquarell

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Nana´letzter Absatz bringt es ziemlich genau auf den Punkt.
Zitat
"Ich finde, wenn jemand sagt, daß dies z.B. ein typischer Nana-Quilt ist, dann macht mich das sehr glücklich, auch wenn ich weiß, daß er nicht perfekt ist und alle das sehen können."
LG Tanja :winken:

Nach oben 08.03.2016, 23:18 Nach unten

Stifte/Tusche/Aquarell

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Na Klars sooooo pseudo sind Deine Wahrheiten nicht :grins:
Ich stimme Dir da absolut zu.
LG Tanja

Nach oben 08.03.2016, 23:20 Nach unten

Bleistift/Aquarell

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Hihoo Ihr Lieben :winken:

meiner Meinung nach gibt kein perfektes Bild. Alleine die Frage, was ist perfekt beantwortet jeder anders. Man müsste "perfekt" erst einmal definieren (auf Bilder usw. angewandt) und das geht sofort in die Hose. Frage 1000 Menschen, was für sie perfekt ist und du erhälst 1000 verschiedene Antworten. Das "Erschaffen" von Kunst ist viel zu subjektiv. Das "Betrachten" und für sich selbst bewerten ebenfalls. Emotionen, Sichtweisen, Wirkung auf den Betrachter...persönliche Vorlieben alles ist so individuell, dass für jeden "perfekt" etwas anderes bedeutet.

Klar, man kann handwerklich "perfekt" sein. Man kann (versuchen) etwas "perfekt" abmalen, aber das hat mit Kunst nix zu tun. Zum einen kann ich dann direkt zum Fotoapparat greifen, dann bekommt man ein genaues Abbild. Aber auch das funktioniert nicht, denn selbst ein Foto empfindet jeder Mensch anders. Man nehme nur den großen Bereich der Kunst-Fotografien. Der Fotograf "komponiert" sein Bild, bringt Empfindungen, Stimmungen, Blickwinkel usw. beim Fotografieren ein, und die Wirkung, das was ein Foto dann beim Betrachter auslöst, ist auch wieder so individuell, dass es ein perfekt nicht geben kann.

Viele Werke leben auch von ihren "Fehlern". Klar sind die meisten "Künstler" und "Kritzler" bestrebt ihr Handwerk so gut wie möglich auszuüben, aber meist beginnt hier die Kunst. Man hat zwar meist ein Vorstellung, wie das Endergebnis aussehen soll, freut sich auch, wenn es dann letztendlich so wird. Aber seien wir ehrlich, das erreicht man (Gott sei Dank) sogut wie nie. Aber durch die Arbeit an einem Werk, das langsame Entstehen, das Erleben des Enstehens, die Emotionen während des Prozesses, all das ist im Grunde wichtiger und erfüllt mehr mit Freude als das Ergebnis. Mir ist das wohl wichtiger als dann das Endergebnis, egal wie es wird. Hier steht meiner Meinung nach sogar die sogenannte Perfektion im Wege. Habe selbst schon erlebt, dass ich beim Malen eines Bildes, Aussuchen der Vorlage, Vorzeichnung machen, Ausführen des "Werks" einen riesigen Spass hatte, mir das Endergebnis gefiel, mir etwas bedeutete und es dann voller Erwartung im Forum gepostet habe und dann bekam ich viele Kommentare, viel Kritik, viele Hinweise auf Fehler, Verbesserungsvorschläge......und war vollkommen deprimiert.....Dies war natürlich nicht die Absicht der Kritiker, im Gegenteil, und natürlich war die meiste Kritik berechtigt....aber sie haben meine Freude über mein Werk zerstört.....im ersten Moment. Nach der Umsetzung der Kritik war das Bild logischerweise besser....aber ich habe auch ein Teil meiner Beziehung zu dem Bild verloren. Ok, treibt man sowas auf die Spitze, dann hat man vielleicht irgendwann ein "Perfektes Bild", aber wofür? Für wen? Ist es dann noch mein Bild? Meiner Meinung nach ist das schwierig.

Also bei allem Bestreben ein "perfektes" Bild zu erschaffen, stellt sich mir die Frage für wen.

Wichtiger ist für mich meine Beziehung zu dem Bild und wenn es auch anderen gefällt freut mich das sehr, denn dann teilen sie meine Beziehung zu dem Bild. Aber wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, denn wie oben ausgeführt, wirkt ein Bild auf jeden Menschen anders. Und so denke ich, ein perfektes Bild kann und wird immer nur für mich perfekt sein können, niemals für alle.

Uiuiui....das war das Wort zum Mittwoch....und das am frühen Morgen....aber ihr kennt das ja...ab und zu überkommts mich...

Liebe Grüße

JohannesF :opa:

Nach oben 09.03.2016, 07:37 Nach unten

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Die Beschreibung des Begriffs "das perfekte Bild" und die Meinung, die der Blogger dazu hatte war im Grunde das, was mich nachdenklich machte.
Es ist wie Johannes fragte: Was ist das perfekte Bild?

Dem Blogger ging es, wie Tanja fragte, um die Abbildung der Realität, explizit den Fotorealismus. Sein Bestreben ist es mit den Tipps, die er (in diesem Fall Zeichenanfängern gibt) mit Missverständnissen aufraümen möchte:
"Ich möchte an dieser Stelle gerne mit dem größten Missverständnis aufräumen, das immer wieder die Runde macht und einfach nicht aussterben will. Es liegt, wie oben bereits erwähnt, nicht nur zu einem kleinen Teil an den auf dem Markt erhältlichen Zeichenbüchern. Sie gaukeln einem eine Scheinrealität vor, in der Zeichnungen perfekt sein müssen. In der Fotorealismus das einzig erstrebenswerte Ziel ist."
Das Zitat stammt von Alexander, einem der Betreiber von farbensammler.de (
http://www.farbensammler.de/zeichnen-le ... -21-tipps/ )
Der Knackpunkt für mich ist nicht so sehr, die Sache mit den Medien oder die dadurch erzeugte Scheinrealität. Es war vielmehr die Begrifflichkeit um das Attribut perfekt im Zusammenhang mit einem Bild.
Ich denke ihr alle habt daher recht.
Spectrum sagte, dass ihr der eigene Perfektionismus eher im Weg stünde und Tanja fragte ebenso wie Johannes nach dem, was mit dieser Begrifflichkeit gemeint ist.

Tanja muss ich sogar noch mehr recht geben im Bezug auf die Vermischung zweier Denkansätze.
Wie gesagt, ich hatte dieses Ziel und habe alles darauf verwandt. Aber ich komme dennoch nicht umhin zu sagen, dass genau das das von mir gemeinte Dilemma des perfekten Bildes ist.
Es ist gemalt und es wird aus persönlichen Gründen nicht mehr geändert, was jetzt noch bescheuerter klingt
Im Grunde habe ich, wie Trappatoni fertig und könnte mich zur Ruhe setzen, was wiederum das von mir empfundene Dilemma widerspiegelt.
Durch die Konzentration auf das Ziel habe ich zwar viel gelernt, aber vermutlich das Augenmerk für das Wesentliche, das Drumherum, verloren.
Was ich an mir beobachtete und was mir durch diesen einen Ansatz eben auffiel war die Tatsache, dass ich die letzten drei Jahre damit zubrachte, bestimmte Fähigkeiten im Bereich des Malens/Zeichnens zu erwerben, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das Ziel war es ein Bild von einer bestimmten Person anzufertigen. Es musste diese Person werden und das Portait, was ich mittlerweile auch angefertigt habe, sollte nach Möglichkeit "perfekt" werden und zugleich Bild sein.

Das Streben nach diesem einen Bild, koste es was es wolle, war die Motivation. Die treibende Kraft all das zu lernen, was dafür wichtig war.
Ich weiß, dass sich das im Endeffekt krankhaft anhören muss.
Und jetzt, da das Ziel erreicht ist, frage ich mich wirklich, ob es nicht genau dieser Irrsinn des vermeintlich perfekten Bildes war, der mich dazu brachte, all die anderen Aspekte des Malens zunimdest gekonnt zu ignorieren.
Und das ist, wie ich finde, gefährlich. Ganz gleich, was die Motivation dazu war, das Anstreben des Perfektionismus und den Druck, den man sich dadurch macht, wird schnell zur Falle.
Was dann den Kreis schließt und wieder zum Zitat des Bloggers führt.

Ich hoffe, meine Gedanken zu dem Dilemma sind nun etwas besser zur Geltung gekommen.

Nach oben 09.03.2016, 07:39 Nach unten

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Hallo Johannes,

herrje, da warst Du zwei Minuten schneller als ich und ich sah es nicht. Deswegen gehe quasi der Doppelpost ☺

Im Übrigen bin ich froh, dass es Dich bzw auch alle anderen überkommt. Wie sonst soll man zu neuen Denkansätzen finden?

Zuerst zu der Frage:
Das vermeintlich perfekte Bild war für meine Eltern.

Das Bild an sich ist behaftet durch eine hochemotionale Geschichte.
Nichtsdestotrotz führt sie, vielleicht auch gerade deshalb, zu diesem Irrglaube.

Ich meine, wenn ein Blogger schon in seinen Anfängertipps auf dieses Dilemma eingeht, muss es ja viele Betroffene geben, die einem ähnlichen Denkprozess unterworfen sind.
Es ist, denke ich, auch ein gesellschaftliches Problem.
Ständig, so habe ich das Gefühl, wird nach dem Erstreben des Perfektionismus verlangt. Wenn ich da so an die Mannschaft zurückdenke, war es das Erfolgsstreben um jeden Preis des Trainers, das eine gute Mannschaft zerbrach. Es war halt eine gute Fußballertruppe, die sich gut verstand, die zusammenhielt und mit dem Trainerwechsel, dem Erfolgsstreben usw. nahm das Schicksal seinen Lauf.

In einem Punkt, kann ich nicht ganz zustimmen, aber auch nicht ganz widersprechen.
Du sagtest, Du hast Freude am Entstehungsprozess und nicht so sehr am Ergebnis.
Was das eine Bild angeht, zählte tatsächlich nur das Ergebnis.
Bei anderen Bildern ist das nicht so.
Womit wir wieder beim Dilemma des perfekten Bildes wären. Das Portait ist sicherlich nicht perfekt und zugleich musste es das werden aufgrund der Geschichte die dahinter steckt. Es ist ein absoluter Widerspruch!
Die anderen Bilder aber besitzen ganz einfach nicht das Potential des Dilemmas, denn hier stand für mich das Lernen im Vordergrund.
Vielleicht ist es die von Dir erwähnte Beziehung zu diesem einen Bild, welches das vermeintliche Dilemma hervorrief zumindest in meinem Fall.

Aber gerade durch mein eigenes Dilemma, ist mir auch bewusst geworden, wie rasch ein angemessenes Streben nach Verbesserung zur Blockade werden kann.
Der Blogger beispielsweise riet ja seinen Lesern dazu sich von Anfang an von diesem extremen Anspruchsdenken zu lösen.
Aber letztlich ist das auch ein Problem. Nach wie vor möchte man ja immer noch ein "perfektes" Bild. Und wenn das nicht erreicht werden kann, soll es "wenigstens" so gut sein, das man damit "leben" kann.

Nach oben 09.03.2016, 08:44 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
"perfektes" Bild mag zwar alles gut und richtig haben, aber wie leer ist es, wenn kein Gefühl, kein Herz rüberkommt? :winken:

Nach oben 09.03.2016, 08:49 Nach unten

Öl, Acryl

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Man kann auch eine ganz einfache Sache heillos kompliziert reden, wenn jeder einen wohldefinierten Begriff neu und anders definiert, als seine Bedeutung eigentlich ist.

Es ist theoretisch möglich ein perfektes Bild zu machen und dieses kann schon von der Definition des Begriffes 'perfekt' nie langweilig sei, weil perfekt schliesst Langeweile ganz einfach aus.

Wenn man aber wie hier geschehen 'perfektes Bild' mit 'perfekter Kopie' gleich setzt, dann ist das schlicht Unsinn, dann wäre ja jeder Fotokopierer der 'perfekte' Künstler und Picasso, Klee, Kandinsky usw. könnte man getrost in den Eimer der Vergessenheit kippen.

Und ein Künstler sollte immer bestrebt sein ein 'perfektes Bild' zu machen, ausser man findet es toll Leinwände voll zu klecksen, um sie dann im Estrich vermodern zu lassen....

Hier mal eine unvollständige Definition was eine 'perfektes Bild ausmachen könnte:
- 97% aller Kunstkritiker gehen vor dem Bild in die Knie und möchten Dir sofort ein Denkmal auf dem Berg Ararat erstellen
- Die Hälfte aller Russen, Chinesen und Amerikaner sind bereit, ihr halbes Vermögen zu opfern, um dieses Bild zu bekommen.
- Das Bild beinhaltet eine für jedermann nachvollziehbare Farb- und Kompositionsharmonie
- Und es beinhaltet mindestens in Teilaspekten Dinge die wir so noch nie gesehen haben (also sicher keine Kopie)
. . .
. . .

Nach oben 09.03.2016, 09:33 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Beitrag: Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes - 09.03.2016, 09:33 jobr hat geschrieben:
und ein Künstler sollte immer bestrebt sein ein 'perfektes Bild' zu machen


Ja, so sehe ich es auch! Ich zumindest versuche es jedesmal,das FÜR MICH "perfekte" Bild zu malen..... und scheitere natürlich jedesmal.
Ohne diesen Anspruch fange ich erst gar nicht an, geschweige denn nur ein bisschen Spaß zu haben. Es muss aber nach meinen Maßstäben perfekt sein
Lg Lilla

Nach oben 09.03.2016, 09:42 Nach unten

Tusche

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Beitrag: Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes - 09.03.2016, 09:42 LillaVa hat geschrieben:
Beitrag: Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes - 09.03.2016, 09:33 jobr hat geschrieben:
und ein Künstler sollte immer bestrebt sein ein 'perfektes Bild' zu machen


Ja, so sehe ich es auch! Ich zumindest versuche es jedesmal,das FÜR MICH "perfekte" Bild zu malen..... und scheitere natürlich jedesmal.
Ohne diesen Anspruch fange ich erst gar nicht an, geschweige denn nur ein bisschen Spaß zu haben. Es muss aber nach meinen Maßstäben perfekt sein
Lg Lilla



Du sprichst mir aus der Seele, liebe Lilla.
Genauso fange ich an...und es kommt jedesmal anders...aber dadurch hat dieses Werk, meine Handschrift, meine Seele und mein Gefühl. Wenn das nicht da ist, kann es für mich auch nicht perfekt sein.

Noch mal zu Johannes:
Lieber Johannes, wenn ich dass Gefühl habe, dass sich durch Umsetzung der Kritik, mein Verhältnis zu meinem Bild ändert, setze ich die Kritik nicht um. Du bist der Künstler, und Du triffst diese Entscheidung, wann es für Dich fertig ist. Ist doch schliesslich Dein Bild!!!

LG Christine

Nach oben 09.03.2016, 11:01 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Beitrag: Das Dilemma des "perfekten" Bildes - 08.03.2016, 08:27 Eveningprayer hat geschrieben:

Wenn das also schwammig bleibt, hängt die ganze Sache vielleicht an dem Wort perfekt.
Perfektionismus ist für einige Kunstrichtungen unabdingbar, viele Zeichnungen leben davon.
[...]
Denn wohin führte ein perfektes Bild? Wäre es nicht das sprichwörtliche Ende der Kunst?

Interessantes Thema!

Zunächst einmal zum Wort "perfekt", bzw. dem Substantiv "Perfektion". Bevor wir uns hier über die individuelle Definitionen den Kopf zerbrechen, schauen wir doch erstmal was der Duden dazu meint:
Perfektion: "höchste Vollendung in der [technischen] Beherrschung, Ausführung von etwas; vollkommene Meisterschaft"
perfekt: "einwandfrei, fehlerfrei, fehlerlos, frei von Mängeln, makellos, meisterhaft, mustergültig, ohne Fehler/Makel/Mangel, untadelig, vollendet, vollkommen, vorbildlich; (gehoben) ohne Fehl [und Tadel]; (bildungssprachlich) in optima forma; (umgangssprachlich) tipptopp; (emotional) tadellos".

Und hier haben wir schon das erste Problem: Was ist in der Kunst "richtig" und "falsch", wenn nicht bezogen auf rein individuelle Regelvorgaben, sei es vom Künstler selbst oder von einem Betrachter? Wie will man "Perfektion" bemessen, wenn nicht nach mehr oder minder willkürlichen Maßstäben? In der Umsetzung eines angestrebten Realismus (den man praktisch nie in Gänze erreichen kann), oder in dessen Vermeidung? In der Präzision einer gewollten Umsetzung, oder gerade durch das Zulassen willkürlicher Einflüsse? In der Kunst als solche hat all dies keine Relevanz, zumindest keine allgemein gültige.

Was bleibt ist der Umsetzungswille des Künstlers, bezogen auf eine konkrete Erwartungshaltung. So wie man bei einem technischen Gerät wie einem Drucker erwartet, dass er seine Aufträge mit hoher Perfektion und Zuverlässigkeit abarbeitet und zu "perfekten" Ergebnissen gelangt, so kann man als Maler und Zeichner durchaus einen handwerklichen Anspruch an sich selbst haben, seine jeweiligen Vorhaben gleichfalls ohne unbeabsichtigte Abweichungen umzusetzen. Sprich: "Fehlerfrei" zu arbeiten, "Perfektion" anzustreben. Doch das "muss" man in der Kunst nicht tun, das ist eine freie Entscheidung (und bei manchen auch ein Zwang), deren Ursache entweder in eigenem oder in fremdem Anspruchsdenken begründet liegt. Man "kann" es tun, und vielleicht hilft es einem sich damit der Kunst zu nähern. Für wirklich wichtig halte ich dabei die Erkenntnis, dass "Perfektion" keine Voraussetzung ist, sondern eine Entscheidung; eine sehr spezielle Art sich dem Kunstschaffen zu nähern, die für die Kunst allgemein jedoch keine Voraussetzung ist. Das Streben nach Perfektion (egal in welcher Hinsicht) ist dabei nur ein einziger Aspekt eines mannigfaltigen Kontexts, der darüber bestimmt ob und wie sich Kunst in einem Kunstwerk manifestiert. Perfektion ist keine Voraussetzung, auch kein Hindernis, sondern eine ideelle Möglichkeit von unendlich vielen.

Ich zitiere ihn nicht oft, wenn ich von Kunst rede, aber in diesem Fall möchte ich ihn noch abschließend zu Wort kommen lassen: "There are no mistakes, only happy little accidents. -- Es gibt keine Fehler, nur kleine glückliche Unfälle" (Bob Ross).

Nach oben 09.03.2016, 16:45 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Jetzt habe ich hin und her überlegt...stimmt...letztendlich muß jeder selbst wissen, was ihm wichtig ist!
Aber warum ist dann z.B. die Moa Lisa besonders und hängt in einem Museum? Was macht diese Besonderheit aus?
Ist es einfach nur Zufall, daß die Mona Lisa in den Augen vieler ein besonderes Bild ist?
So muß es doch Kriterien geben für ein Bild das sich hervorhebt von vielen anderen.... :mhh: ... wenn diese Kriterien aber nie allgemeingültig sind und immer im "Auge" des Betrachters oder des Malers liegen...warum kann dann jemand sagen, diese Bild hat was und ein anderes hängt besser über dem Sofa?... :hmm:
Und accident impliziert für mich etwas negatives...einen Unfall halt...auch wenn er lustig ist....etwas, das Schaden anrichtet...so würde ich aus meiner Erfahrung sagen...versuche einen Fehler zu deinem eigenen zu machen, manchmal führen sie dich auf andere Wege....aber das ist nur einer meiner persönlichen Ansätze... :grins:
Grüße
Eva :winken:

Nach oben 09.03.2016, 19:10 Nach unten

Bleistift/Aquarell

Beitrag  Re: Das Dilemma des "perfekten" Bildes
Hihoo Nora :winken:
hihoo Ihr Lieben,

die Mona Lisa ist deswegen so berühmt, weil sie 1911 aus dem Louvre geklaut wurde, bis 1913 verschollen war und dann in Italien auftauchte,wo sie von den Kunstexperten, die ihre Echtheit bestätigen sollten, an die Polizei ausgeliefert wurde.

In dieser Zeit herrschten heftigste Zwistigkeiten zwischen Italien und Frankreich, der Dieb wollte angeblich die Mona Lisa "Nach Italien zurückbringen" wodurch die extreme Berichterstattung über den Raub zwei Jahre zuvor noch weit übertroffen wurde.

Vor 1913 hing die Mona Lisa als eines von vielen ganz normal zwischen den Werken anderer italienischer Maler im Louvre.

Natürlich ist die Mona Lisa ein spitzenmässiges Gemälde, aber Berühmtheit erlangen Kunstwerke meist durch die um sie herum geschehenen Ereignisse. Ob das allerdings ein Qualitätsmerkmal im Sinne von "Perfektion" ist, sei dahingestellt.

Oder den Hype, den in den letzten Jahrzehnten die Werke von van Gogh erlebten. Zu seinen Lebzeiten hatte sein Bruder enorme Schwierigkeiten seine Bilder zu verkaufen. Sehr schwierig zu beurteilen, ob seine Bilder "perfekt" sind. Legt man das auch hier im Forum oft angelegte Mass der "Ähnlichkeit" eines Porträts an die Bildnisse van Goghs an, wäre er meilenweit davon entfernt. Wohingegen auch heute viele Menschen die exakten Porträts der Maler des 17. und 18. Jahrhunderts alleine als reine Kunst gelten lassen.

Unter anderem diese Betrachtungsweise lässt mich persönlich sehr zweifeln, ob der Begriff "Perfektion" überhaupt für den Bereich Kunst anwendbar ist.

Liebe Grüße

JohannesF :opa:

Nach oben 09.03.2016, 19:36 Nach unten
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