"Das Zeichen der großen Kunst ist Mühelosigkeit." (Alberto Moravia)




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 Auseinandersetzung mit der Kunst 
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Beitrag  Auseinandersetzung mit der Kunst
Ich weiss gar nicht wie ich anfangen soll aber es beschäftigt mich schon sehr lange.Es würde mich freuen wenn ihr mir eure Meinung dazu schreiben würdet.Da ich mich schon lange mit der Kunst auseinandersetze,bin ich im Zwiespalt mit mir selber,in Stuttgart war ich im Kunstverein habe so viele Ausstellungen (Vernissagen)angeschaut das ich total die Nase voll hatte von den Hochgestochenen Reden.Man hat Mathematik in Bezug auf ein Bild das ausgesehen hat wie Eierstöcke gesetzt. Ich will es nicht abwerten aber ich fand es nur komisch er hat sein Werk für ein paar Tausend D.M verkauft.Seitdem nehme ich es nicht mehr so Ernst.Aber was mich wirklich Interresiert ist was Denkt ihr darüber.Muss man sich erst total in Gedanken Erschöpfen um ein gutes Bild zu machen oderErschöpft Gedanken machen.Meine Meinung dazu ist was ich mache bin ich.Das heisst für mich das ist mein Geist Intuition,muss ich das alles erst breittreten.Ich finde es gut wenn es Menschen gibt die es machen,aber es geht doch auch anders oder coconing :winken:

Nach oben 10.09.2008, 17:39 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Hallöle,

na, dann möchte ich mal meinen Senf dazu geben. Es geht mir so ähnlich wie dir. Als Mitglied in unserem Kulturverein bin ich natürlich auch bei jeder Vernissage im Rathaus zugegen, und höre die reden, die sich gerne reden hören, auch wenn sie nicht wirklich wissen über was sie da reden. Ich schaue mir die Bilder immer und immer wieder an, in den letzten Jahren waren sie, egal von welchem Künstler, Profi oder Hobby, immer gegenstandslos. Keiner malt mehr, was er sieht. Ich beobachte immer gerne die Reaktionen des Publikums, die wahrlich begeistert erscheinen. Ich für meinen Teil denke, keiner möchte sich die Blöße geben und als Kunst-Nichtversteher dastehen. Ich bin sicher viele dieser "Spezialisten" würden sich freuen, wieder Etwas auf den Bildern erkennen zu können, ohne sich vorher, währenddessen und danach den Sekt zur Verstärkung der Sinne zu gönnen.
Kunst ist für mich das, was ich mit meinen Händen erschaffe, ich denke man darf dieses auch erkennen können, es ist dann nicht minder Kunst.

Wahrscheinlich habe ich jetzt total an deinem Thema vorbeigeredet, aber das mußte jetzt raus.

Übrigens, ich habe mich auch für solch eine Ausstellung beworben. Schauen wir mal, was kommt... :grins:

Nach oben 10.09.2008, 19:19 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Ich bin in einer Welt von Künstlern "aufgewachsen". Es begann harmlos und endete auch mit so manchen Vernisagen und Interpretation der Bilder, wo auch mir dann zeitweise definitv der Zugang fehlte.
Heute bin ich soweit, dass ich denke es gibt einfach völlig verschiedene Formen des sich Mitteilens.
Kunst ist für mich mitteilen. Es gibt die Akribiker ( neidisch immer wieder über die Schulter gesehen... :wink: ) es gibt die intuitiven Maler, die Grobmotoriker ( zu denen ich mich zähle),
aber verbinden tut alle schlussendlich die Idee etwas eigenes ganz Einzigartiges zu schaffen.
Ich nennen es gemalte Lebensphilosophie.
Jeder hat einen anderen Zugang und andere Affirmationen und somit ist das Unikat Mensch
genauso differenziert wie das Unikat Bild. Wertung und Gefallen liegen im Auge des Betrachters.
Tja da komm ich richtig in Redeschwall.... :dops: Mich kann die einfache Zeichnung eines Kindes genauso berühren, wie ein Gemälde alter Meister oder ein Seelenbild meiner Freundin....
Alles ist möglich ... je nachdem von wo man guckt.... :winken:
:knuddelbunt: In diesem Sinne ... .... es gibt keine reale Zensur...alles ist.... Einstein(relativ)... LG Meera

Nach oben 10.09.2008, 19:37 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Hallo ,nettes Thema.
Ich war noch nicht auf so vielen Vernissagen , das hat aber einen guten Grund , ich kann dieses hochgestochene Gerede ( " Was hat sich der Künstler dabei gedacht ?") nicht ab. Man kann ein Bild auch Tot-reden, und wer weiß schon immer was man sich dabei dachte ....muß man sich überhaubt immer was dabei denken...das schöne am Malen ist doch auch, mal nicht zu denken !
Auf Ausstellungen muß dann immer alles einen möglichst hochtrabenden Namen haben, mit einer noch hochtrabenderen erklärung.... :nein:
Auch wenn ein Bild ganz klar nach " Kuh auf Wiese" aussieht ,wird ewig über die Stimmung des Künstlers beim malen gemutmaßt,und was hat er sich bloß gedacht ...nee echt nervig!
Deshalb gehe ich am liebsten in Kunstmuseen ,ohne Führung. Da darf ich dann selber denken, ohne das mir jemand sagt was ich sehen soll.
Ich krieche auch gerne ganz nah an Bilder ran um zu sehen wie sie gemalt wurden. :grins: Das finde ich fast am spannensten.

Nach oben 10.09.2008, 20:23 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Daniela ...........JA .Ja und nochmal Ja auch die Anderen alles ok ..... So denke ich auch .es wurde alles gesagt und da brauche ich mich nicht wiederholen .Habe selbst viele .." AUSTELLUNGSERÖFFNUNGEN " sage ich immer ( gibt ja auch ein Fremdwort dafür ) auf deutsch mitgemacht und auch selber als Berufsmaler mit_ ERLEBT ... :rofl: Aber ist alles nur SCHWACHsinn ............Hab mich manchmal selbst gefragt : was hast Du da gemalt ,Worüber reden die da ... Aber die Welt ist so und es muss wahrscheinlich so sein .Aber besser finde ich es ..ANDERS ..

Nach oben 10.09.2008, 21:11 Nach unten

Mischtechniken

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Ich bin "Kunstbanausin"... mich kannst du quer durch den Harz hetzen - aber bitte in keine Ausstellung!
Ich hasse es, mich durch endlose Gänge und Hallen schieben zu lassen, um mir anzugucken,
was Leute, die ich gar nicht oder wenig kenne sich so ausgedacht haben. Vor allem fällt mir das Rumstehen schwer.

Ich habe auch einige Ausstelluingen und Vernissagen besucht. Aber das ist Jahrzehnte her. Nach einem
Dutzend Bildern mochte ich keine ägyptischen Totenmasken, Ikonen, keine Picassos mehr sehen.
Ich wollte nur noch raus an die frische Luft.

Das einzige Museum nach meinem Geschmack ist das Nolde-Museum in Seebüll. Klein und übersichtlich,
zwischendurch kann man in Noldes Blumengarten spazieren gehen oder sich ins Cafe setzen.
Wenn man Lust hat, geht man ein 2. Mal ins Museum, um die Eindrücke zu festigen.

Und sonst habe ich eine Menge Kunstbände, die ich mir gemütlich zu Hause anschaue... :-)

Nach oben 10.09.2008, 22:32 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Nun, dieses Thema taucht immer wieder auf, in allen möglichen Facetten, die große Frage "Was ist Kunst?" und wie geht man damit um?

Ich erlaube mir mal Dietmar's Antwort aus dem Fraktal-Thema (viewtopic.php?f=9&t=3807) zu zitieren:

dietmar hat geschrieben:
aber Kunst ? Ja ,was ist überhaupt Kunst ? -Jedenfalls für mich ist es keine Kunst in dem Sinne etwas zu bedienen .Für mich ist Kunst immer noch was zu können .Und das mit Stift ,Pinsel ,Worten Gesten ...und ........... und ...............und ...............Aber ein Gerät zu bedienen und wenn es noch so perfekt gelingt ist in meinen Augen keine Kunst .Jedenfalls nicht die ,die ICH meine .Kunst ist es heute schon seine Steuererklärung aus zu füllen .aber dann ist ja alles KUNST


Also, das sehe ich ganz anders: :mhh:

Etwas zu bedienen schließt sich nicht mit Kunst aus. Für Kunst als solche ist es irrelevant, wie sich diese zum Ausdruck bringt. Im weitesten Sinne "bedient" der Künstler auch seine Pinsel, seinen Malstock, seine Farben, seine Spachtel. Kunst manifestiert sich in der Art, WIE das Gerät bedient wurde, aus was für einem GRUND das Gerät bedient wurde, ergo und insbesondere aus dem gesamten KONTEXT! Und genau dieser Kontext ist begrifflich das umfassendste und am schwersten zu packen - aber am wichtigsten von allem, weit vor Können! (deswegen wird auch so viel darüber geredet und gefragt, was der Künstler macht, denkt, tut, usw.)

"Kontext" beinhaltet alles (ja, alles!) aus der Vergangenheit des Künstlers, all sein Können, all sein Wissen, all seine Antriebsursachen, seine Kindheit, seine Erziehung, seine Hobbies, seine Lieblingsessen, seinen Charakter, seine Beziehungen und so weiter. Es beinhaltet weiterhin den Entstehungsort, den Zeitpunkt, die gesellschaftlichen Umstände, den Zweck, die Absicht, den Impuls, die Idee, jede einzelne Entscheidung, etc. Kontext allein entscheidet über Kunst oder Nicht-Kunst, und nur Kontext! Weder der Betrachter, noch der Aussteller, noch Kritiker können dies bestimmen - und oftmals der Künstler selbst nicht!

Kunst allein offenbart sich mittels dieses Kontexts des Werkes durch den Kontext des Betrachters! Und wenn das passt, dann hat der Betrachter "einen Zugang gefunden" - in Wahrheit hat er das aber gar nicht, der Betrachter öffnet sich vielmehr und verbindet beide Kontexte zu einem gemeinsamen, in dem sich die Kunst offenbart.

Um feststellen zu können, wo Kunst ist oder nicht, muss man das Wirken der Kunst verstehen. Und Kunst offenbart sich immer in einem selbst und nur dort. Und genau da ist das Problem:

Entweder man müsste seinen eigenen Kontext absolut verstehen (dann wäre man erleuchtet) und könnte dann ohne weiteres durch den Kontext des Kunstwerks Kunst wahrnehmen. Sehr schwierig, jedenfalls kenne ich keinen der das kann...

Oder man müsste den gesamten Kontext des Kunstwerkes kennen - ein nicht minderschwieriges Unterfangen, aber offensichtlich der Grund warum so viel darüber geredet und gefragt wird, das "verstehen wollen" ist zu verlockend.

Und da beides recht schwierig ist, hat man meist eine Mischung aus beiden: Etwas Bewusstsein über den eigenen Kontext und etwas Wahrnehmung über den Künstler und das Kunstobjekt. Und dann wurschtelt man damit rum, begutachtet, informiert sich, fühlt, denkt, redet, grübelt, betrachtet, urteilt, mutmaßt, unterstellt, usw. - mal mehr mal weniger, mal intensiv, mal flüchtig. Wie bei einem unvollständigen Puzzlespiel. Und manchmal passiert etwas: Für einen kurzen Moment, wie ein Einfall oder ein Gedankenblitz, gibt es einen unheimlich kurzen, nicht bewusst greifbaren Einblick in den gesamten Kontext. Und genau diese Momente sind es, die Werke zu Kunstwerken machen.

Als Inder könnte man auch sagen: Kunst offenbart eine halbreale Verbindung zwischen Atman (die innerste Seele) zum Brahman (die Weltseele), indem sie Materie und Geist vereint und gleichzeitig erkennbar macht.

So, das dürft ihr jetzt mal erstmal verdauen :knuddelbunt:

Nach oben 10.09.2008, 23:47 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
mit ein paar Kaffee krieg ich es vielleicht runter! :D

mein Mann hat keine Ahnung von Kunst, kann absolut nicht malen, hat auch irgendwie sonst zwei linke Hände...

bei der Friedenstaube von Picasso sagte er: das könnte sogar ich!
Bei uns steht ein Steinblock mit ein paar reingeschlagenen Rillen im Park: auch das könnte er

Computerkunst ist für mich die Kunst ihn bedienen zu können.

irgendwie ist alles Kunst, vielleicht sogar wie ich mich schminke?

Nach oben 11.09.2008, 08:53 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Alles Ansichtssache und "relativ"... Vielleicht brauchen die ganzen Kunstjünger das Geschwafel, andere brauchen es eben nicht... Blödes Zitat, aber: Kunst liegt im Auge des Betrachters... Mehr auch nicht... Es kommt ja auch immer auf die Zeit drauf an... Das Subjektive wird auch oft durch das Objektive beeinflusst... Und was viele bewegt und eben grade "hip" ist, ist dann die neue Kunstepoche... Sich einen Monet anzuschaun oder einen van Gogh, daran kann nichts falsch sein, oder eben doch... Wie man will...

Nach oben 11.09.2008, 09:02 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
:daumen3:

Nach oben 11.09.2008, 09:08 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Wouh! Das ist starker Tobak, Adrian! :mrgreen: Aber irgendwie steckt da was Wahres drin.

Für mich persönlich ist das Zitat (von wem, weiß ich leider nicht) "Kunst liegt im Auge des Betrachters" sehr nah an der Wahrheit dran. Die letztlich reale Wahrheit gibt es hier jedoch nicht, oder wir wissen es einfach (noch) nicht. Kunst wird zu Kunst, wenn viele verschiedene Menschen viel über ein Kunstwerk reden. Das heißt, dieses Kunstwerk hat ganz unabhängig bei vielen Menschen einen bestimmten Eindruck hinterlassen. Hätte es dies nicht, wäre es auch nicht wert, darüber zu reden - ganz krass ausgedrückt. Denn der Mensch verschwendet im Allgemeinen nicht kostbare Energie fürs Reden, wenn es nicht wirklich etwas zu sagen gibt (Ausnahmen bestätigen die Regel :dops: ). Daher denke ich, dass ein Kunstwerk nicht vom Künstler gemacht wird, sondern es wird von den Betrachtern dazu gemacht. In vielen Fällen heutzutage vor allem durch Kunstkritiker.

Wird über ein Bild/Plastik etc. nicht geredet, dann ist es - streng genommen - mit dieser Argumentation auch kein Kunstwerk. Banal und ganz schön hart, aber möglicherweise auch eine mögliche Lösung zu diesem "Problem": Was ist Kunst?

Auch dies sieht jeder anders. Das ist nur das, was mir gerade so durch mein Köpfchen geschossen ist. :logisch:

Viele Grüße,
Midge

Nach oben 11.09.2008, 11:17 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Vielen Dank Adrian,auch an alle anderen.Ich sollte ein paar beschreibungen,über meine Bilder abgeben es ist so schwer für mich ,das ich aus diesem Grundnoch nie Ausgestellt habe .Selbst bei meinem Lebenslauf komm ich ins stocken.Ich habe noch nie einen geschrieben,ich kann einfach besser Reden als schreiben.Ich bin schon Tagelang dabei etwas zu Formulieren,
was du geschrieben hast,hat bei mir einen sehr Nachdenklichen Eindruck hinterlassen.coconing :mhh: :winken:

Nach oben 14.09.2008, 07:37 Nach unten

Mischtechniken

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Hallo coco,

ich finde, Du brauchst nichts über Deine Bilder zu schreiben... Deine Bilder sprechen für Dich...
und die sagen mehr als tausend Worte...

einen schönen Sonntag wünsch ich Dir
Karin :winken:

Nach oben 14.09.2008, 08:24 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Danke Camkar ,fühle mich das erste mal angenommen oder besser gesagt angekommen an dem Punkt wo es eigentlich anfängt,spannend zu werden.Was ich gemerkt habe ist das das Unterbewusstsein sich verselbstständigt,und die Ideen die ich eigentlich schon beiseite geschoben habe,zum vorschein kommen.Der Hammer ,ich hätte nicht gedacht das es bei mir selber auch möglich ist.Bei anderen habe ich es schon mitbekommen.Also um es zu verdeutlichen,Gestern hab ich meine Bilder ausgedruckt,mach ich immer wieder.Hab ich mein Plastisch blau Ausgedrukt,tolle Farben mit meinem H.P Drucker.Und es bewegt sich ,es ist eine optische Täuschung.Schon lange hab ich so etwas machen wollen,jetzt ist es da.Ich Denke das wir Menschen mit unserem Unterbewusstsein eine Menge bewirken können,das macht mir Mut.Das bei mir auch zu Entdeken,und mein Positiv eingestelltes Wesen in meinen Bildern wiederzuspiegeln.coconing :logisch: :logisch: :knuddelbunt: :winken:

Nach oben 14.09.2008, 13:04 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Aus dem Thema Wie errechne ich den Verkaufspreis meines Bildes? zur weiteren Diskussion zu Kunst und Kontext:
Beitrag: Re: Wie errechne ich den Verkaufspreis meines Bildes? - 12.08.2010, 15:11 zugast hat geschrieben:
Auch ob etwas in einem zeitlich kulturellen Kontext steht, unterliegt einer allgemeinen Kunstauffassung im Vorfeld. Es ist prozesshaft. Der Kontext hat immer eine Vorgeschichte, die auch wieder von Beeinflussern geprägt war und so weiter.
Wer heute vor Amazonasindianern ein schwarzes Quadrat malt wird sicher nicht für talentiert gehalten.
Anderes Beispiel: Der Eiffelturm. Nach der Weltausstellung sollte er abgerissen werden, weil er als potthäßlich empfunden wurde. Heutíge Umfragen belegen, dass die Pariser ihn alle schön finden. Die haben negativ formuliert per Diktat gelernt ihn schön zu finden. Positiv formuliert kann man sagen: Die haben seine Schönheit entdeckt.
Es ist aber sicher so, dass man nur intelligente Kunst aufdrängen kann, das belegen die Kunstwerke der Sowjetzeit. Da hat die Diktatur nichts gebracht, alle finden es heute schlecht.
Gute Kunst ist immer auch häßlich, zumindest hat es Aspekte davon. Die hässlichsten Kunstresultate wurden wohl am Bauhaus erzielt, der berühmtesten Kunsthochschule der Welt. Ganz Amerika würde heute anders aussehen, gäbe es das Bauhaus nicht.

Nach oben 12.08.2010, 16:05 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
@zugast: Genau das meinte ich mit folgendem Abschnitt:
Beitrag: Re: Auseinandersetzung mit der Kunst - 10.09.2008, 23:47 Adrian hat geschrieben:
"Kontext" beinhaltet alles (ja, alles!) aus der Vergangenheit des Künstlers, all sein Können, all sein Wissen, all seine Antriebsursachen, seine Kindheit, seine Erziehung, seine Hobbies, seine Lieblingsessen, seinen Charakter, seine Beziehungen und so weiter. Es beinhaltet weiterhin den Entstehungsort, den Zeitpunkt, die gesellschaftlichen Umstände, den Zweck, die Absicht, den Impuls, die Idee, jede einzelne Entscheidung, etc. Kontext allein entscheidet über Kunst oder Nicht-Kunst, und nur Kontext! Weder der Betrachter, noch der Aussteller, noch Kritiker können dies bestimmen - und oftmals der Künstler selbst nicht!

:winken:

Nach oben 12.08.2010, 16:07 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Zitat:
So, das dürft ihr jetzt mal erstmal verdauen

Na war doch nicht so schwer zu verdauen.

Ich bin auch gerade umgezogen.

Ich weiß nicht, was Du so alles unter Kontext verstehst!

Zur Threaderöffnerin: Wenn einer hochgestochen Unsinn und Unzutreffendes über ein Bild erzählt, bleibt es Unsinn und Unzutreffendes, ist doch klar!
Nur um Kunst gerecht zu werden, muss man manchmal etwas ausholen. Das wird dann manchmal zwangsläufig etwas hochgestochen.
Mit Adrians Kontextbegriff in der Kunst kann ich zum Beispiel nicht ganz soviel anfangen. Ich bin aber auch kein Theoretiker, sondern Praktiker. Für mich ist Kunst ein "Umstand" der einem Werk anhaften kann. DEn meisten Werken haftet es meines Erachtens nicht an. Ich treffe meine Unterscheidung subjektiv, aber es rattert bei solchen Bewertungen natürlich mein ganzer Kopf mit. Kunst ist für mich das letzte sakrale Terrain, etwas das man als gläubiger Mensch in der Religion findet. Kunst ist metaphysisch und eröffnet einen kurzen Blick in eine transzendente Welt, so als könnte man kurz hinter eine Kulisse sehen. Wenn ein echter Künstler ein abstraktes Kunstwerk malt, sind es oftmals innere Wahrheiten. Das können platt gesagt bloß Ordnungen sein, aber im Idealfall sind es Innenwelten, die psychologisch "aufgestelltsind" und auch außerhalb des Künstlers bei anderen Menschen "wirken". Das hört sich pathetisch an, ist aber meine Vorstellung von Kunst. Dort wo einem Werk solche Attribute anhaften, sagt meine "innere Stimme": Kunst!
Was Adrian sagte, ist aus meiner Sicht eher eine soziologische Beschreibung, wie wo und unter welchen Umständen das Phänomen Kunst in Gesellschaften auftritt.
Ein rein objektiver Umstand, der Kunst soweit ich weiß immer anhaftet: Kunst ist intelligibel. Also mittels Intelligenz entschlüsselbar, oder auch Futter für die Intelligenz. Sogar Kunst von geistig Behinderten, aber das führt jetzt vom Thema ab.
Womit ich bei Adrian konkret nicht einverstanden bin, ist das Wissenmüssen, wie und in welchem Kontext ein Bild entstanden ist. Das will ich absichtlich niemals wissen ( es sei denn Adrian meint Epochen oder Stile. Wenn ich eine modern anmutende Formulierung sehe und stelle fest, dass diese z.B. von 1920 ist, dann ist das ein sehr relevanter Umstand).
Aus folgendem Grund will ich über Bildhintergründe nichts wissen: Ein Bild ( jedes auf der Welt) sollte sich gefälligst selbst erklären. Natürlich dem intelligenten kunstinteressierten Betrachter, was nicht Kunstinterssierte denken, muss nicht interessieren.
Vor- und Nacherklärungen zu Bildern sollte man nur Laien machen. Ich verbitte mir sowas und kann es auch in Museen nicht ertragen.
Wenn ich ein Bild betrachte, erkenne ich womit sich der Maler ebschäftigt hat, ich erkenne die Bildidee, die Ausführung und ob es etwas von dem transportiert, was ich oben schon als meine Auffassung von Kunst beschrieben habe. Wenn ich eine Erklärung brauche, um das Bild zu verstehen, taugt das Bild nichts. Für Erklärungen, Ansichten und Meinungen gibt es die Kunstform des Essays.

Nach oben 12.08.2010, 18:54 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Beitrag: Re: Auseinandersetzung mit der Kunst - 12.08.2010, 18:54 zugast hat geschrieben:
Ich weiß nicht, was Du so alles unter Kontext verstehst!

Alles - absolut alles. Den gesamten allumfassenden Kontext.

Beitrag: Re: Auseinandersetzung mit der Kunst - 12.08.2010, 18:54 zugast hat geschrieben:
Aus folgendem Grund will ich über Bildhintergründe nichts wissen: Ein Bild ( jedes auf der Welt) sollte sich gefälligst selbst erklären.

So wird das allerdings nur bei relativ wenigen Bildern funktionieren. Ein Bild "erklärt sich nur selbst", wenn sein unbekannter Kontext zufälligerweise mit dem Kontext des Betrachters übereinstimmt bzw. harmoniert - oder dies meist stillschweigend einseitig hineininterpretiert wird. Dann sind wir wieder bei "gefallen" oder "nicht-gefallen", und nicht bei der Frage, ob, wann und wo Kunst ist, und wie sie sich offenbart.

Nach oben 12.08.2010, 19:07 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Ich mach mal hier weiter, der Text flutscht weg, wenn es so viel wird. :grins:
Also wie gesagt, wenn man einen Wandteppich sieht und bekommt als Zusatzinformation, dass eine Bauhauskünstlerin um 1920 Urheberin ist, so ist die Information sehr wichtig. Ebenso z.B. beim Künstler AR. Penck, der lange vor der Mauereröffnung seine Bilder in den Westen hat schmuggeln lassen. Da muss man halt wissen, dass er in der DDR unter persönlicher Gefahr gemalt hat. Die entsprechenden Bilder sollten deshalb gekennzeichnet sein. Ebenso die sog. ungemalten Bilder von Emil Nolde, da gab es dasselbe Problem in "grün" mit den Nazis.

Was in einem Bild als Zusatzinformation im Sinne von Erklärung nichts zu suchen hat, ist die Intention, der Zweck, die Lebensgeschichte und Lebenshintergrund des Künstlers.

Nach oben 12.08.2010, 19:16 Nach unten

Beitrag  Re: Auseinandersetzung mit der Kunst
Zitat:
So wird das allerdings nur bei relativ wenigen Bildern funktionieren. Ein Bild "erklärt sich nur selbst", wenn sein unbekannter Kontext zufälligerweise mit dem Kontext des Betrachters übereinstimmt bzw. harmoniert - oder dies meist stillschweigend einseitig hineininterpretiert wird. Dann sind wir wieder bei "gefallen" oder "nicht-gefallen", und nicht bei der Frage, ob, wann und wo Kunst ist, und wie sie sich offenbart.


Das funktioniert bei jedem abstrakten Bild der Bild und soweit ich weiß, auch bei allen gegenständlichen.
Ich rede nicht von gefallen und nicht gefallen.
Es gibt universelle Gesichtspunkte, die ein Bild oder eine Skulptur als Kunst erscheinen lassen. Sie können nur nicht abstrakt benannt werden, sondern werden nur am konkreten Ergebnis sichtbar.
Man muss nichts einseitig hineininterpretieren. Die Probleme der Malerei sind seit 2000 Jahren überall die gleichen.

Stelle doch mal bitte ein Bild ein, dass man gemeinhin als Kunst bezeichnet, dessen Kunstgehalt nicht aus sich selbst heraus verständlich ist. Gern eines oder mehrere von denen Du glaubst, dass ich sie nicht kenne. Dann kann ich es am Beispiel erläutern!
Ich vergaß: Bei manchen Beuys Sachen geht es tatsächlich nicht, bei den meisten allerdings schon.

Nach oben 12.08.2010, 19:28 Nach unten
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