"Oft trifft man wen, der Bilder malt - viel selt'ner wen, der sie bezahlt." (Wilhelm Busch)




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 Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :) 
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PC

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Beitrag: Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :) - 18.12.2013, 21:43 GoldSeven hat geschrieben:
Was ist denn Inspiration? Inspiration kommt immer von irgendwoher. Mein Gehirn produziert sie durch etwas, was es stimuliert hat.

Jaaa, da kommen wir der Sache doch schon näher. :D

"Inspiration" ist für mich jedenfalls etwas anderes als die Reproduktion einer Manipulation respektive Illusion. Wenn man wirklich "inspiriert" ist von Etwas, dann macht man sich immer die Quelle der Inspiration zueigen, die Essenz, die Ursache des Etwas, nicht das Etwas an sich. Im Gegensatz zur Manipulation und Illusion, bei der die wahre Quelle immer im Verborgenen liegt und das reine Etwas alles andere dominiert. Dann ist man ein "Fan" von diesem Etwas. Inspiration hingegen ist eine Eingebung, die einem zu wahrhaft Neuem leitet, etwas Individuellem.

Das bedeutet: Wenn man von einer Geschichte, von einem Film, von einem erfundenen Charakter, von einem literarischen Werk oder von einem Gemälde wahrhaft inspiriert ist, dann entsteht etwas vollkommen Neues, Eigenständiges, allenfalls noch mit elementaren Ähnlichkeiten, aber definitiv keine Fan-Art - das wäre schon ein Widerspruch in sich.

Was nun die komplette Bandbreite von Fan-Art betrifft: Es gibt sicherlich Randbereiche, wo man hervorragende Fan-Art von rein individuellen Kunstwerken kaum noch unterscheiden kann. Für mich ist das ein ähnlicher Grenzbereich wie zwischen Kunst und Design: In der Praxis oftmals sehr schwer zu entscheiden, was nun genau was ist - aber die jeweiligen Intentionen unterscheiden sich fundamental.

Beitrag: Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :) - 18.12.2013, 22:07 Bessy hat geschrieben:
Aber was ist daran falsch? [...] Normalerweise fragt man sich doch immer nach einem Film "Warum hat er das in der Situation gemacht?"...

Wenn man sich das fragt, ist man bereits Opfer der Illusion, gefangen in der irrealen Geschichte, kurz: erfolgreich manipuliert. Fragt man sich hingegen, was den Autor dazu verleitet hat, das so zu schreiben, welche kreativen Impulse und Inspirationen dazu notwendig waren, welche Ursachen dafür am Werk waren und welcher Effekt damit erzielt wird, dann befindet man sich in der Realität - ist dann allerdings für Fan-Art vollkommen ungeeignet :rofl:

Nach oben 18.12.2013, 22:42 Nach unten

Bleistift, Buntstift, Aquarell

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Huiii, hier wird ja ganz schön was ausgepackt ;) das Thema wird immer interessanter...ich bezweifle nur dass sich die ganzen Leute, die ihre Fanarts machen (seien es jetzt Fanarts oder irgendwelche hybridartigen Zwischenformen) sich da so viele Gedanken bei machen wir ihr hier gerade; teilweise wird das ganze hier ja philosophisch..in der Praxis sieht das ganze dann sowieso viel einfacher aus. Und wenn man vorm Richter steht weil einer sagt "Hey, der hat Fanart verkauft, den verklag ich" dann weiß ich nicht ob jeder Richter die Gedanken hier nachvollziehen kann :D aber das nur am Rande ;)

Nach oben 19.12.2013, 02:06 Nach unten

Bleistift, Pastell, Buntstift

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Stimmt. Der Hintergrund interessiert mich nicht die Bohne. Mir gefällt der Film, Schauspieler etc und ich habe Lust ein Portrait zu zeichnen und suche mir eine geeignete Vorlage. Ziehe sie auf Papier und habe Spaß daran diese auszuarbeiten. Für mich eine ganz einfache Sache. Klar, das Foto (die Idee) war nicht meins. Das Endergebnis jedoch schon. Und deshalb bin ich auch so dreist meine Signatur darauf zu setzen. Die Ausarbeitung an sich ist auch meines Erachtens Kunst.

Ich denke an FanArt kann man weder mit Logik, Philosophie noch sonst irgendwie dran gehen, das ist ne Herz-Bauch-Geschichte.
Ich frage mich auch nicht wieso, weshalb, warum ein Autor irgendetwas bestimmtes so angelegt hat... ich genieße und fühle mit. Und wie man u.a. auch mich gerne bezeichnet... dann bin ich eben ein unreflektierendes Fan-Girlie... ... ...

Den Buchtipp finde ich interessant. Ich denke da riskiere ich auch mal einen Blick.

Nach oben 19.12.2013, 07:38 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Ich schrieb ja schon über die Motivation ein Bild zu zeichnen/zu malen.
Nehmen wir z.B. das Bild einer Blume
Ich glaube, was ein gutes Blumenbild auch ausmacht ist, daß die Blume vom Maler auf seine eigene Weise interpretiert wurde.
Eine Blume zu malen wie sie z.B. in Lehrbüchern abgebildet ist, hat daher für mich weniger mit künstlerischem Ausdruck zu tun- wenn sie gut gemalt ist, eher mit handwerklichem Können.
Bei Fanart sehe ich auch weniger die Möglichkeit eine Figur auf die eigene persönliche Weise zu interpretieren, hier ist vieles vorgegeben,so hinterläßt ein Buch bei mir oft mehr Nachhall als ein Film, da ich mir hier die Welt um die Handlung selbst erfinden kann.
Die Motivation ist hier vielleicht eher, eine Figur genau nachzuzeichnen um sie für sich so lebendig zu erhalten, wie man sie z.B. im Film gesehen hat.
Dann ist da noch die Fangemeinschaft, die sich solchen Bildern widmet.
Ich kann mir vorstellen, daß sie auch vorgibt, wie etwa eine Figur dargestellt sein sollte.
Käme jemand auf die Idee z.B.- übertrieben gesagt- einen dicken, häßlichen Elben zu malen gäbe es wohl einen Aufschrei... :grins:
Das engt die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten auch ein....aber dann wäre ja auch die Motivation eine andere...
Grüße
Eva :winken:

Nach oben 19.12.2013, 08:12 Nach unten

Öl, Acryl

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Mal ne grundsätzliche Frage:
Gegen wen oder was müsst ihr euch eigentlich so vehement verteidigen :?:

Für mich ist Fanart einfach eine Leidenschaft und die hat man oder eben nicht und Leidenschaft muss auch nicht erklärt werden.
Wenn man sie nicht hat kann man trotzdem Respekt vor dem hohen technischen Können der Werke haben
und den habt ihr doch gewiss in diesem Forum :?:

Nach oben 19.12.2013, 09:26 Nach unten

Aquarell, Gouache, Acryl

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Beitrag: Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :) - 19.12.2013, 09:26 jobr hat geschrieben:
Mal ne grundsätzliche Frage:
Gegen wen oder was müsst ihr euch eigentlich so vehement verteidigen :?:

Für mich ist Fanart einfach eine Leidenschaft und die hat man oder eben nicht und Leidenschaft muss auch nicht erklärt werden.
Wenn man sie nicht hat kann man trotzdem Respekt vor dem hohen technischen Können der Werke haben
und den habt ihr doch gewiss in diesem Forum :?:


Das war jetzt genau die richtige Frage. Wenn ich das (als nicht-Fan-Art Machende) von außen beurteilen kann müssen sich die Fan-Artists gegen folgende Gruppen von Leuten verteidigen:

- Anwälte/Künstler die klagen, weil sie ihr Werk nicht kopiert oder verfremdet sehen wollen
- andere Malende/Zeichnende, die eifersüchtig sind, weil FanArtists mehr Zuspruch bekommen durch das Publikum in gewissen Communities
- andere Künstler, die mangelnde eigene kreative Leistung in solchen Werken sehen und die FanArt als minderwertig, bzw. gar nicht als Kunst ansehen.


Habe ich eine Gruppe vergessen?

Nach oben 19.12.2013, 10:16 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Aber man kann doch mal drüber reden, oder.... :grins:
Es geht doch nicht darum jemanden anzugreifen oder niederzumachen, egal welche persönliche Sicht er hat, sondern es ist einfach eine Auseinandersetzung mit einem Thema und ich finds interessant und so erhalte ich auch manch neuen Einblick.
Grüße
Eva :winken:

Nach oben 19.12.2013, 10:25 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Also, der eigentliche Grund, warum wir hier diskutieren, liegt doch schon in der Existenz von Fan-Art begründet. Warum gibt es diesen Begriff überhaupt?

Rein konservativ-rechtlich betrachtet sind alle Fan-Art Werke mehr oder minder Plagiate, sie basieren erkennbar auf der Bekanntheit und dem Erfolg von anderen Schöpfungen und weisen selbst keine ausreichende Schöpfungshöhe auf, um urheberrechtlich als eigenständiges Werk zu gelten. Sonst wäre es keine Fan-Art, sondern Collagen-Art, Kunst die sich von anderen Werken hat inspirieren lassen, oder Zufalls-Ähnlichkeiten.

Jetzt ist es aber auch nicht so, dass das groß jemanden stört, wenn sich daran jemand inoffiziell gestalterisch austobt und es der Welt kostenlos präsentiert, eher im Gegenteil. Und da sind wir nun beim rechtlichen Graubereich der sogenannten "Fan-Art", die sich stets im kreativ-künstlerisch uneinigen Spannungsfeld zwischen Original und Kopie ansiedelt.

Darum geht's! :winken:

Nach oben 19.12.2013, 13:30 Nach unten

Pastell, Bleistift, Aquarell

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Beitrag: Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :) - 18.12.2013, 20:00 Cerberus hat geschrieben:
Ich sehe nicht mal im Abpausen ein Problem. Klar...das kann jeder... aber kann das auch jeder so ausfüllen, dass es auch echt aussieht?


Äh, ich finde, es kann auch nicht jeder abpausen.... Ich habe viele abgepauste Zeichnungen gesehen, bei denen man ganz klar sehen konnte, dass der Zeichner gar nicht verstand, was er da gerade machte.

Z. B., wenn sich Beine im Lauf (z. B. bei einem Tier) überkreuzen und die "Schatten", die man beim Durchpausen sieht, einfach zusammengezogen und gar nicht als 2 einzelne Beine abgegrenzt werden. Oder wenn das Können des Pausers dort aufhört, wo er beim Durchpausen z. B. den Flügel gar nicht mehr richtig sehen kann, weil er in der Masse des Körpers verschwindet, der Zeichner aber zu wenig Verständnis oder Fantasie hat, das selbst zu kreeiren....

Oder wenn man von einem Foto abmalt und man sieht, dass der Zeichner das Foto gar nicht "versteht", dass er ungenau, unkorrekt wird, wo das Foto vielleicht zu wenig Licht (z. B. im Gesicht/Portrait) hat oder zu verschwommen wird.

Da ist es wohl schon eine Kunst.....
:hmm:

Nach oben 19.12.2013, 14:02 Nach unten

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
@Irini und andere: Es geht hier um Fan-Art. Wenn Ihr Euch allgemein über das Abpausen unterhalten wollt, macht bitte ein eigenes Thema auf.

:offtopic:


Signatur


Nach oben 19.12.2013, 14:46 Nach unten

Aquarell, Gouache, Acryl

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Das mit der Fan-Art, so leicht ist es nicht. Das Problem ist, dass unter diesen Oberbegriff ziemlich viel und ziemlich unterschiedliches zusammenläuft.

Zugegebenermaßen, das erste was einem im Bereich der Fan-Art bei den Zeichnungen/Bildern einfällt sind meist (mittelprächtige) Zeichnungen von Filmstars, üblicherweise in ihren Rollen im jeweiligen Film. Diese Bilder sind fast immer von Teenagern gemalt und sind normalerweise abgemalt von irgendwelchen Fotos oder aus Filmausschnitten. Rein rechtlich gesehen dürfte man wohl kaum so ein Bild im Internet hochladen, wegen Copyright.

Ist es schlecht ein Fan von jemanden zu sein und sein zeichnerisches Talent darin zu üben, dass man seinen Lieblingsstar abmalt? Sicherlich nicht. Ganz im Gegenteil, ich bin der Überzeugung dass wer wirklich gut malen lernen will, unbedingtimmer das zeichnen sollte, was ihm am meisten am Herzen liegt. Einfach schon aus dem psychologischen Grund, weil man sich da mehr Mühe gibt, die Ähnlichkeit hinzubekommen. Natürlich gibt es bei so einem abgezeichnetem Bild keine eigene schöpferische Leistung. Man bedient sich viel mehr bei der Kunst eines anderen, in diesem Fall der Maskenbildnerin, die den Star geschminkt hat, der Kostümassistentin, die ihn angezogen hat und bei den Beleuchtungtechnikern, die das Licht eingestellt haben und nicht zuletzt bei dem Kameramann/Fotografen, der das Bild geschossen hat. Darum ist es rechtlich gesehen einfach nicht drin solche Bilder hochzuladen, weil das Copyright für die ursprüngliche Vorlage bei jemand anderem liegt.

Aber dann gibt es auch Leute, die in der Lage sind ihre Lieblingsgeschichten/-gedichte/-romane zu illustrieren. Sie haben eine eigene innere Vision der Geschichte und sind in der Lage diese in ein Bild umzusetzen. Die Kunstwerke die hier entstehen können verblüffend sein und brauchen sich nicht zu verstecken. Ich habe wunderschöne Ölbilder gesehen, die Szenen aus Romane nachstellten. Einige davon waren sehr klassisch/altmeisterlich aufgebaut mit ausgesprochen gut ausmodellierten Modellen, Symbolik in Haltung/Kleidung/Farbwahl, Tiefe - kurzum, wunderschön. Ist dies dann auch Fan-Art? Denn falls ja, müssten wir uns hier fragen, ob sich nicht auch die alten Meister allesamt der Fan-Art schuldig gemacht haben, als sie Szenen aus der Bibel illustrierten.

Nach oben 19.12.2013, 21:35 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Kleiner Einschub: mitnichten.
Meines Wissens bestehen die ursprünglichen Bibeltexte aus unbebilderten Schriftenrollen. Erst die Mönche in den Klöstern begannen sehr viel später, eigene und individuelle Illustrationen zu erschaffen. Das ist ebenso wenig FanArt, wie die Werke der Alten Meister, die ebenfalls eigene, individuelle Illustrationen schufen, indem sie lebende Personen als Model nahmen. Ist eher als Spiegel der zeitgenössischen Sakralkunst aufzufassen.

Nach oben 19.12.2013, 22:07 Nach unten

Aquarell, Acryl, Seide, Brandm

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Stimme Rocky zu, die Bilder kamen erst sehr viel später und wurden der jeweiligen Mode angepasst oder dem jeweiligen Auftraggeber, bestes Beispiel in der Alten Pinakothek, dort ist ein Bild auf dem Jesus klein und dunkel neben einem Kardinal gemal. An dem Bild kann man gut sehen das der Kardinal der Geldgeber war ob wohl hunderte Jahre alt, da der Kardinal viel größer und Heller und prächtiger gemalt wurde.
Auch fertigten die Mönche Malerein für das einfache Volk das weder lesen noch schreiben konnte, und mit Bildern konnten sie den Glauben dem breiten Volk besser näher bringen. Klar haben auch ein paar Herscher mitgemischt und sich als Engel oder sonst was darstellen lassen, aber die Künstler rächten sich oft dann mit kleine Grafittis in Bildern usw...

Alberecht Dürrer malte sein Nashorn nur nach erzählungen, er war nie im Ausland!

Bin jetzt ein wenig abgeschweift, war ned bös gemeint

Nach oben 19.12.2013, 22:39 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Ja, offenbar gibt es Klärungsbedarf, was Fan-Art überhaupt ist.

1.) Um Fan-Art zu fabrizieren, muss man Fan sein. Ich kenne jedenfalls niemanden, der rein aus Mangel an anderen Motiven notgedrungen einen George Clooney portraitiert.

2.) Fan-Art sind keine offiziellen Auftragsarbeiten. Wenn der Disney-Konzern zu Dir kommt, und ein künstlerisches Donald Duck Portrait in Auftrag gibt, dann entsteht daraus ein Artwork und keine Fan-Art.

3.) Nur weil man etwas illustriert, etwas mag, sich von etwas inspirieren lässt, muss daraus keine Fan-Art entstehen. Wenn jemand eine Szene aus Shakespeare's Romeo und Julia bebildert (das kann z.B. auch ein Bühnenbildner sein!), dann muss das nicht zwingend Fan-Art sein. Wenn jemand allerdings privat 10mal im Monat die DVD mit Leonardo di Caprio anschaut, weil der so süß ist :wink:, und deshalb die dort dargebote Szenenwelt auch noch erkennbar bzw. bildhaft-zuordenbar abmalt oder auch eigens kreativ auf Basis des Ursprungswerks umgestaltet, dann ist das Fan-Art.

Die ursächliche Intention und Motivation entscheidet. Das allein - meine volle Zustimmmung an die "Verteidiger" :wink: - sagt nichts über Qualität, Kreativität, handwerkliches Geschick und Kunstpotenzial aus. Da unterscheidet sich Fan-Art auch nicht von anderen Motiv-Arten oder anderen illustrativen Werken. Worin es sich allerdings unterscheidet, das ist die jeweilige Intention dabei.

Beitrag: Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :) - 19.12.2013, 21:35 Sharkana hat geschrieben:
Ist es schlecht ein Fan von jemanden zu sein und sein zeichnerisches Talent darin zu üben, dass man seinen Lieblingsstar abmalt? Sicherlich nicht. Ganz im Gegenteil, ich bin der Überzeugung dass wer wirklich gut malen lernen will, unbedingt immer das zeichnen sollte, was ihm am meisten am Herzen liegt.

Vater, Mutter, Kind, Partner wäre da auch eine Idee, oder sein Haustier, oder den Lieblingsurlaubsort, etc. Der einzige Unterschied dabei: Die sind real. Also, warum machen das Fan-Art-Künstler? Sind sie so gefangen in dieser emotionalen Scheinwelt, dass es nichts schöneres gibt? Ist die Sehnsucht nach irrealen Welten und massengehypter Charaktere so dominant, dass man sich freiwillig daran bindet und seine Realität künstlerisch daran knüpft? Oder macht es einfach nur Spaß, genauso wie ins Kino oder Theater zu gehen, oder ein Buch zu lesen? Oder ist der oftmals unbewusste Schritt zur Entscheidung, das dann auch zu malen bzw. zeichnen, nicht eigentlich schon komplett fremdbestimmt? Ist das mit dem Prinzip der freiheitlichen Kunst vereinbar? Fragen über Fragen...

(Ich verstehe übrigens beide Seiten, auch wenn ich hier bewusst mal wieder den argumentatorischen Angreifer spiele, weil sonst niemand dafür da ist. Mich interessiert die Essenz dahinter, das nur mal so als Einwurf bevor es wieder heißt "der Adrian findet Fan-Art doof" :wink:)

Nach oben 19.12.2013, 22:56 Nach unten

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Adrian, ich denke, das, was du so provokativ als uninspiriertes Abtauchen in eine Scheinwelt darstellst, kannst du einfach nicht nachvollziehen. Ich denke, das können viele nicht. Man muss eine gewisse Anlage zum Nerd-tum haben, um das nachvollziehen zu können. Ich habe das in meinem Leben mehrmals volle Breitseite gehabt - mit einer Sache nach der anderen, eine nerdiger als die andere, von "Basil, der große Mäusedetektiv" über "Watership Down" und Hannibal bis zu Star Wars und Bayer Leverkusen. Ob das normal ist? Keine Ahnung. Aber es von Haus aus als uninspiriertes Kopieren hinzustellen, wenn man in diese Welt immer wieder abtauchen möchte (wenn's keine Videorekorder gibt, muss man halt einen anderen Weg hineinfinden - und für mich war der Weg übers Zeichnen immer der unmittelbarste) - das ist vielleicht eine Art der Inspiration, mit der einige (viele) Leute nichts anfangen können, aber ich denke nicht, dass man ihr deshalb absprechen kann, Inspiration zu sein.

Nach oben 19.12.2013, 23:32 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Huhu Jenny, da möchte ich mal kurz einhaken, gerade weil Du so ein schönes Beispiel abgibst :grins:

Was bei Deinen tollen Tolkien-Fan-Arts sofort auffällt ist das eigenständige Umsetzen tief eingetaucht in die Mittelerde-Welt, so dass man da bis auf die Charaktere und Rassen fast nicht von "Fremdentliehenheit" sprechen kann. Wenn man sich im Vergleich dazu Deine Hannibal-Illus betrachtet, fällt dasselbe hohe Niveau auf, das Eintauchen in die Geschichte, das gekonnte In-Szene-Setzen, aber auch das individuelle Ausarbeiten der Personen. Du hast mal geschrieben, dass Dir die ewige barbarische Darstellung Hannibals in den Geschichtsbüchern gegen den Strich ging und Du ihn daher eher "modern" mit Kurzhaarfrisur und rasiert darstellst. Tokien-Motive sind Fan-Art, Deine Hannibal-Szenen sind eigenständige Illustrationen. Wie unterscheidet sich das jeweils im persönlichen Erleben, in der Gefühlswelt, in der "Nerdigkeit"? :D

Allgemein, worauf ich hinauswill: Ist der Unterschied zwischen Fan-Art und eigenständigen Illustrationen wirklich so dominant, dass man sich nicht auch gänzlich auf vollkommen eigene Kreationen stützen kann?

Bildlich-fantastisch-hypothetisch formuliert: Angenommen, eine göttliche Kraft würde bei einem strikt-urheberrechtlichen Verstoß wie das direkte Aufgreifen von geschützten Charakteren oder Werken sofort die Zeichenhand abfaulen lassen, was würde ein eingefleischter Fan-Artist tun? Aufhören zu zeichnen, oder seine Kreativität vollständig auf eigene Ergüsse lenken? Und warum tut man es nicht?

:winken:

Nach oben 20.12.2013, 00:06 Nach unten

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Ich hab erst jetzt durch die Kommentare verstanden, dass Fan Art das Übernehmen eines visuellen Stils beinhaltet. Bis jetzt habe ich mir in der Tat darunter soetwas wie Illustration vorgestellt.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Künstler Fan-Art unterstützen oder mit einem Auge wegsehen, da sich so ein größerer Hype und eine größere Bekanntheit erzeugen lässt, und das ist dem Marketing des eigenen Produktes doch eigentlich nur zuträglich? Gerade wenn man von Animes usw. ausgeht, kann man doch eh davon ausgehen, dass die Fanart dem Original idR nicht das Wasser reicht. Das wird dem Absatz des Originalproduktes sicherlich nicht schaden.

Ausserdem ist Fan- Art ganz Unterhaltsam. Ich denke da so insbesondere an die MLP Variationen die auf Deviantart umgehen.

Nach oben 20.12.2013, 08:25 Nach unten

Aquarell, Gouache, Acryl

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Beitrag: Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :) - 19.12.2013, 22:56 Adrian hat geschrieben:


Beitrag: Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :) - 19.12.2013, 21:35 Sharkana hat geschrieben:
Ist es schlecht ein Fan von jemanden zu sein und sein zeichnerisches Talent darin zu üben, dass man seinen Lieblingsstar abmalt? Sicherlich nicht. Ganz im Gegenteil, ich bin der Überzeugung dass wer wirklich gut malen lernen will, unbedingt immer das zeichnen sollte, was ihm am meisten am Herzen liegt.

Vater, Mutter, Kind, Partner wäre da auch eine Idee, oder sein Haustier, oder den Lieblingsurlaubsort, etc. Der einzige Unterschied dabei: Die sind real. Also, warum machen das Fan-Art-Künstler? Sind sie so gefangen in dieser emotionalen Scheinwelt, dass es nichts schöneres gibt? Ist die Sehnsucht nach irrealen Welten und massengehypter Charaktere so dominant, dass man sich freiwillig daran bindet und seine Realität künstlerisch daran knüpft? Oder macht es einfach nur Spaß, genauso wie ins Kino oder Theater zu gehen, oder ein Buch zu lesen? Oder ist der oftmals unbewusste Schritt zur Entscheidung, das dann auch zu malen bzw. zeichnen, nicht eigentlich schon komplett fremdbestimmt? Ist das mit dem Prinzip der freiheitlichen Kunst vereinbar? Fragen über Fragen...



Bei vielen hat Fantum etwas mit positiven Gruppenerlebnissen zu tun. Man ist ja selten Fan im stillen Kämmerlein und nur für sich. Man sucht sich Anschluss und freut sich gemeinsam über das Angebetete. Und wenn man keine weiteren Fans persönlich kennt, dann gibt es ja jetzt das Internet, da finden sich Seelenverwandte recht schnell. Fr solche Zwecke taugen Vater, Mutter, Kind oder Urlaubsort nicht so ganz.

Und dann gibt es noch psychologische Persönlichkeiten, die besonders zum idealisieren von anderen (häufig unerreichbaren) Persönlichkeiten neigen. Das ist dann schon Obsession.

Aber letztlich wen störts. :hmm:

Nach oben 20.12.2013, 09:51 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Beitrag: Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :) - 20.12.2013, 09:51 Sharkana hat geschrieben:
Bei vielen hat Fantum etwas mit positiven Gruppenerlebnissen zu tun. Man ist ja selten Fan im stillen Kämmerlein und nur für sich. Man sucht sich Anschluss und freut sich gemeinsam über das Angebetete. Und wenn man keine weiteren Fans persönlich kennt, dann gibt es ja jetzt das Internet, da finden sich Seelenverwandte recht schnell. Für solche Zwecke taugen Vater, Mutter, Kind oder Urlaubsort nicht so ganz.

Dankeschön für diesen Aspekt, der kam mir bisher hier noch viel zu kurz! Fan-Art als Massenphänomen und Identifikationsmittel?

Beitrag: Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :) - 20.12.2013, 09:51 Sharkana hat geschrieben:
Aber letztlich wen störts. :hmm:

Manche Rechteinhaber. Insbesondere wenn einige Fan-Artists den Bogen von "Privat" zu "Kommerziell" überspannen bzw. kein Bewusstsein dafür haben, dass sie sich erstens mit "ihren Werken" rechtlich im Abseits befinden und zweitens dabei ihre eigenen Ergüsse zum größten Teil auf den Schultern anderer Kreativer ausleben. Beispiele:
Gaming-Fans :arrow: http://www.onlinewelten.com/games/fallo ... en-113177/
Auto-Fans :arrow: http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Wolf ... t-Autofans
Pumuckl-Fans :arrow: http://www.merkur-online.de/lokales/mue ... 36096.html und http://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/ ... .bild.html
Asterix-Fans :arrow: http://www.lhr-law.de/magazin/abmahnung ... comedix-de

Ansonsten halte ich es auch dabei wie immer: In der Kunst ist alles erlaubt - natürlich auch als Fan :D

Nach oben 20.12.2013, 10:52 Nach unten

Bleistift, Pastell, Buntstift

Beitrag  Re: Eine kleine Verteidigung der "Fanart" :)
Hm... irgendwie werde ich das Gefühl nicht so ganz los, dass "das Abtauchen in eine Geschichte" etwas mit Realitätsverlust gleichgesetzt wird.

Ich schnappe mir mal Jenny als Vergleich, weil wir beide Tolkien mögen, sehr sogar. Mir fehlt die Gabe selbst zu kreieren, zu konstruieren... nicht weil es mir an Fantasie mangelt, sondern eher die Unfähigkeit diese Perspektivisch und Anatomisch korrekt darzustellen. Ich bin auf die Vorlagen angewiesen, die mir die Filme bieten. Aber wir beide tauchen halt gerne in diese Welt ab und beschäftigen uns damit. Ich finde "Fan" ist auch ein total bescheuertes Wort... weil mit Fanatismus (also fixiert-sein auf ein Thema) hat das doch eigentlich nicht so wirklich viel zu tun. Ich weiß auch nicht wie ich das so wirklich in Worte fassen kann. Es macht schlicht Spaß sich mit seinem aktuellen Lieblingsthema zu beschäftigen, die doch auch von Zeit zu Zeit wechseln.

Und ohne jetzt arrogant wirken zu wollen... ich zeichne ja lediglich ab (und ich denke, auch gar nicht mal schlecht)... da stellt sich mir die Frage ob man sagen/fragen kann: Welches ist denn nun das bessere "FanArt"? Jenny´s FanArt und meine (nur abgezeichneten) FanArts? Zumindest schwingt diese Frage aktuell hier gehörig mit und stößt mir auch etwas sauer auf. Denn viel Arbeit machen beide und es steckt in beiden nicht viel weniger Liebe zum Thema drin.

Im übrigen hat normalerweise niemand etwas gegen hochgeladene FanArts. DeviantArt wimmelt davon und auch auf meiner eigenen HP habe ich genug davon. Spaßeshalber hatte ich meine StEx-Pastelle mal per Mail zu StEx-Deutschland geschickt und die haben sich einfach schlicht gefreut. Und das tun einfach viele. Die fühlen sich geehrt und geschmeichelt, dass man sich so damit beschäftigt. Schade, dass es da einige wenige gibt, die da derart durchgreifen müssen und den Kunden (Bethesda) einfach mal so vor den Kopf stoßen.
Was das Verkaufen angeht, klar, dass ist auch für mich ein No-Go... auch wenn ich das FanArt dazu nutze um schlicht zu zeigen, was ich handwerklich kann.

Nach oben 20.12.2013, 16:29 Nach unten
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