"Kunst ist das Bemühen, neben der wirklichen Welt eine menschlichere Welt zu schaffen." (André Maurois)




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 Bildbetrachtung? Watn dat??? 
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Beitrag  Bildbetrachtung? Watn dat???
Mir fällt immer wieder auf, dass es offensichtlich vielen schwer fällt Bilder eingehend zu betrachten und zu kommentieren. Dabei geht es erst einmal nicht darum, ob man das jeweilige Bild kunsthistorisch einordnen kann, oder ob man Hintergrundwissen zum Entschlüsseln des Bildkontextes braucht, denn es genügt in den meisten Fällen das einfache Schauen, das Hinsehen und das damit verbundene Entdecken.

Mehr und mehr verlieren wir die Fähigkeit zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Bildern, die der Bewegung oder Geschwindigkeit trotzen, stillstehen und in ihrer Unbeweglichkeit den Betrachter auffordern, sie mit Zeit eingehend zu betrachten, um sich somit den Bildern anzunähern. Dabei geht es zuerst auch nicht um ein Interpretieren des Gesehenen, sondern nur um das reine Erfassen des Bildes, also z.B. aus welchen Komponenten besteht es, welche Farben tauchen auf usw. Erst nach dieser Betrachtung kann man dazu übergehen bestimmte Bildelemente untereinander in Bezug zu setzen, zu interpretieren oder man entdeckt sogar einen völlig individualistischen Zugang zum Bild.

Um diesen Vorgang zu erläutern nehme ich hier als Beispiel ein Bild, das ich schon in einem anderen Zusammenhang erwähnt habe und zwar Otto Dix „Der Krieg“ von 1932 aus der Galerie Neuer Meister in Dresden.

Das Bild ist dreiteilig, also ein Triptychon mit einem, unter dem Mittelteil angehängten vierten Teil, das wie ein Sockel wirkt. Das gesamte Bildformat wirkt wie ein aufgeklapptes Altarbild und tatsächlich ähnelt es von seinem Format her dem berühmten Isenheimer Altarbild von Matthias Grünewald, wobei selbst der Sockel, Predella genannt, bei Dix nicht fehlt.
Dateianhang:
Grunewald Isenheim 1506.jpg

Dateianhang:
Dix War.jpg

Geht man von der linken Seitentafel aus, sehen wir als Erstes eine Gruppe von Soldaten, erkenntlich an ihren Stahlhelmen und geschulterten Gewehren, die uns den Rücken kehren, also nach Rechts in das Bild hineinlaufen. Im Hintergrund sieht man bedrohliche Wolken und Rauchschwaden, sowie ein Stück Himmel, der Aufgrund seiner rötlichen Färbung in Flammen zu stehen scheint. Das bedrohliche Geschehen scheint sich also im Hintergrund abzuspielen und die Soldaten marschieren offensichtlich nach Rechts in eine Schlacht.

Im großen Mittelteil öffnet sich der Blick auf eine Szene der Zerstörung. Man blickt in einen Schützengraben mit aufgewühlter Erde und Leichen, die wild durcheinander geworfen von der Erde des Schützengrabens kaum mehr zu unterscheiden sind. Auch der Hintergrund lässt den Blick nur auf eine zerstörte Landschaft frei, die bestückt ist mit Ruinen und einzelnen Baumstämmen ohne Blätter und Zweige. In den bedrohlichen Himmel hinein wächst eine Leiche, die aufgespießt auf Eisenträgern mit ihrem skelettierten Arm nach Rechts zeigt, also zur Frontlinie. Erkenntlich auch daran das der Himmel sich nach rechts bedrohlich verdunkelt, während er nach links aufklart. Auch befinden sich die meisten erkennbaren Leichen auf der rechten Seite und der einzige lebende Mensch in diesem Szenarium scheint jemand zu sein, der auf der linken Seite im Schützengraben hockt, doch man kann nicht erkenne ob er wirklich lebt, da sein Gesicht durch eine Gasmaske verdeckt ist. Auf diesem Mittelteil gibt es keine Bewegung, alles ist erstarrt.

Das rechte Seitenteil wird bestimmt durch eine Personengruppe, die sich zum Betrachter hin bewegt und ausgedrückt durch ihre Körperhaltung, sich eher aus dem Bildgeschehen mit letzter Kraft herausschleppt. Ein Verwunderter wird dabei von dem Einzigen der scheinbar noch gehen kann unterstütz und herausgetragen. Der Hintergrund besteht nur aus einem einzigen Flammenmeer in das ein verkohlter Baumstamm hineinragt.

Das Sockelbild unter dem Mittelteil zeigt einen Einblick in ein flaches kastenähnliches Gebilde, das von einer Plane abgedeckt wird und in dem mehrere Soldaten hintereinander ausgestreckt liegen. Diese Soldatengruppe liegt in dem Kasten so steif und starr, dass man auch hier nicht mit Sicherheit sagen kann, ob die dargestellten Personen noch leben.

Von der Bewegungsrichtung des Bildes her, erzählt uns also dieses dreiteilige Bild eine Geschichte. Soldaten die in den Krieg ziehen, die den Krieg mit aller seiner Brutalität erleben und die wenn sie überleben aus dem Krieg wieder herauskommen, aber nicht aufrecht und ohne heroische Gesten, wobei viele zurück bleiben. Es ist eine einfache Geschichte, reduziert auf drei wesentliche Elemente und kennt man sich mit den Uniformen der Soldaten auf dem Bild nicht aus, ist diese Geschichte übertragbar auf alle Kriege. Das Leben findet auf diesem Bild scheinbar nur auf den Seitenteilen statt, währen das Mittelteil und der Sockel dem Tod gewidmet sind. Scheinbar deshalb, da sich die Soldaten von Links zum Mittelteil bewegen und nur wenige aus dem Mittelteil nach Rechts herauskommen. Unterstützt wird diese Geschichte des Krieges natürlich auch durch die Farbgebung, die sich hauptsächlich nur auf Braun- und Rottöne beschränkt.

Zur Entschlüsselung des Bildes ist es also gar nicht notwendig die Eckdaten wie von wem, von wann usw. zu wissen, es genügt das offene Schauen, das eingehende Betrachten, die visuelle Kommunikation.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 29.06.2012, 01:49 Nach unten

Aquarell, Acryl, Öl, PC

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Joa, wie immer sehr informativ, danke Andreas!

Beitrag: Bildbetrachtung? Watn dat??? - 29.06.2012, 01:49 arte60 hat geschrieben:

...
Zur Entschlüsselung des Bildes ist es also gar nicht notwendig die Eckdaten wie von wem, von wann usw. zu wissen, es genügt das offene Schauen, das eingehende Betrachten, die visuelle Kommunikation.


Stimmt, wie bei einem Menü,
das ich genießen kann ohne den Koch zu kennen oder zu wissen,
daß ich da gerade Gürteltier an Ameisensoße esse :grins: :grins: :grins: :shock: :shock: :shock:
(sorry, konnt ich mir nicht verkneifen :hmm: )

Was ich sagen möchte, ich stimme Dir zu, es ist sehr gut erst mal vorurteilsfrei an ein Bild ranzugehen
und ich versuche meine persönliche *Wertung* eines Bildes nur auf das im Jetzt Wahrgenommene zu beziehen.
Aber für mich ist es als i-Tüpfelchen schön zu wissen wer ein Bild gemalt hat und in welchem Kontext,
und sei es nur um virtuell den Hut zu ziehen.
Es eröffnet für mich eine zusätzliche Dimension.

:winken:

Nach oben 29.06.2012, 09:51 Nach unten

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Danke Yvonne,

ganz richtig! Natürlich ist es eine Bereicherung über das Wissen zu verfügen im welchem z.B. geschichtlichen Kontext ein Bild steht, aber erst einmal sollte man sich das jeweilige Bild genau anschauen. Es gibt auch den umgekehrten Fall, den man tagtäglich in den Museen beobachten kann. Da werden hauptsächlich die Bilder bestaunt, die jeder schon aus mannigfaltigen Abbildungen zu kennen scheint und das wirkliche Bild verschwindet hinter seiner Medienpräsenz. Ähnlich wie ein Semmelknödel, der schon zigmal verzehrt wurde und damit zur beliebigen Beilage mutiert. :grins:

Natürlich ist es aufgrund der gewaltigen Bilderschwemme unmöglich sich mit jedem Bild detailiert auseinander zu setzen, aber entdeckt man etwas Neues, das einen in irgendeiner Art und Weise anspricht, dann plädiere ich immer für das genaue Hinsehen und nicht für ein pauschales Aburteilen!

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 29.06.2012, 10:20 Nach unten

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Ich denke - für mich zumindest - ist es oft besser, den Schöpfer eines Bildes vorerst nicht zu wissen. Man betrachtet dadurch das Werk unvoreingenommen und kann sich wirklich eine eigene Meinung und Interpretation bilden. Man lässt sich einfach sonst zu leicht von vorgegebenen Kommentaren beeinflussen.
Andreas, wieder einmal ein herzliches Dankeschön für deine interessanten und lehrreichen Beiträge.

Nach oben 29.06.2012, 10:29 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Holaho, lieber Andreas,
wieder hast du dir Zeit genommen, uns, die wir Bildhersteller sind, auf die andere Seite aufmerksam zu machen, nämlich der Bildbetrachtung. Danke dafür.
Ja, Ruhe gehört dazu, sich auf ein Bild einzulassen und man muß nicht sofort alles hinterfragen. Dies kommt nachher, wenn das Bild von Interesse ist. Und dann ist es je nach Bild unterschiedlich, was man wissen will und manchmal wissen muß zum Verständnis.
Sicher ist natürlich auch, ob ein Bildbetrachter selber zur Garde der Bildhersteller gehört oder nicht.
Und im letzteren Fall habe ich schon recht unterschiedliche Beobachtungen gemacht.
Da beteiligte ich mich mal an einer Gemeinschaftsausstellung mit regen Publikumsverkehr. In Erinnerung geblieben ist mir u.a. auch ein Vater mit seinem vielleicht 10 jährigen Kind. Bei einem abstrakten Bild von mir blieb der Junge stehen und fragte seinen Vater, was die sein soll. Der Mann hatte offensichtlich keine Anwort, wollte wohl vorsichtshalber nichts sagen. Er sah mich sitzen, er hätte fragen können. Machte er aber nicht und führte sein Kind weiter. Was war los? War mein Bild nicht "in Ordnung" oder konnte er sich auf mein Bild nicht einlassen oder hatte er einfach Angst, was Falsches zu sagen?

In meinem Atelier steht alles voller Bilder, es ist zugleich der Eingangsbereich zum Haus. Wenn ich bei einem anderen Menschen soviel sehen würde, ich hätte zumindest darauf Bezug genommen. Aber nicht jeder der zu mir kommt, sagt etwas. In meiner Anfangsphase dacht ich besorgt, daß , wenn manche gar nichts sagen, meine Bilder nur schlecht sind. Heute nach vielen Jahren, bin ich der Meinung, daß das Nichtsagen nicht unbedingt Ablehnung sein muß, sondern oftmals einfach Unsicherheit im Umgang mit Kunst, einfach Angst, vielleicht nicht die rechten Worte zu finden.

Ja, Bildbetrachtung will nicht nur gelernt werden, manchmal gehört auch Mut dazu, sich zu äußern.
Hilfreich und sehr gut angenommen wird hier zu Pfingsten die Aktion "Kunst offen", wo Künstler ihre Ateliers öffnen. Die zwanglose Atmosspähre führt viele Menschen zu Bildern und macht ihnen auch Mut, sich zum Gesehenen zu äußern und im direkten Kontakt zum Künstler zu kommenn

Nach oben 29.06.2012, 11:03 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
hallo,

ich finde das völlig richtig, zuerst mal nur ein bild auf mich wirken zu lassen. ich habe das lange zeit so gemacht, kannte viele bilder, hatte mich nie um den künstler selbst gekümmert, wußte den sogar oft gar nicht. was manchmal auch peinlich werden konnte (*ja, genau, das bild kenne ich, ach, der maler hat das gemalt? :oops: *). also ich habe teils durch unwissenheit geglänzt, den urheber betreffend, weil mir das ganz egal war.
deshalb habe ich dann irgendwann beschlossen, auch mal den künstler mit einzubeziehen, aber wenn dann nur am rande. es gibt ausnahmen, da interessiert mich der mensch selbst, der dahinter steckt. aber bei weitem nicht bei allen und auch nicht so, daß ich lebensläufe aufsagen könnte.
was zählt ist das bild....

farbfreundin: das ist auch oft nur desinteresse, es interessieren sich ja viele menschen nicht für bilder....

:winken:

Nach oben 29.06.2012, 12:14 Nach unten

aquarell

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Hallo Andreas,
habe deinen Beitrag mit Interesse gelesen, fand ihn sehr informativ.

Nach oben 29.06.2012, 17:27 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Dankeschön Andreas, wieder ein interessanter, lehrreicher Vortrag von dir.
Ich denke, dass ich mir in Zukunft wesentlich mehr Zeit zum Betrachten nehmen werde. Vor allem bei Bildern, die mir nicht auf den ersten Blick gefallen.
:winken:

Nach oben 29.06.2012, 18:43 Nach unten

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Danke Skruvi! Eigentlich ist es ganz einfach und da hat Yvonne schon durchaus Recht mit dem Vergleich zum Menü, man schaut sich auf der Karte an was einen interessieren könnte, also worauf man Hunger hat und danach erforscht man vielleicht noch die Zutaten des Gerichts.

Danke Nora, da kann ich dich beruhigen, dieses Verhalten hat in den wenigsten Fällen etwas mit den Arbeiten zu tun. Kunst hat in unserer Gesellschaft einen hohen ideellen Stellenwert und ist mit vielen Klischees beladen. Eines der größten ist, das man Fachmann sein muss um sich über Bilder äußern zu können und die meisten fühlen sich einfach unwohl wenn sie sich auf unbekanntes Terrain begeben zu müssen. Ist dann gar noch der Erzeuger, also Künstler anwesend, findet kaum jemand die richtigen Worte. Aber da gibt es einen einfachen Trick: sich überwinden, selber aktiv werden und die Leute ansprechen!

So gibt es z.B. kaum Laufpublikum in einer Galerie und die Scheu in eine Galerie einzutreten, nur um sich mal umzuschauen, ist groß. Wir haben über dieses Thema mal vor langer Zeit eine kleine Umfrage gemacht und die meisten der Befragten gaben an, das sie denken die präsentierten Bilder in einer Galerie wären ausschließlich zum Verkauf dort und wenn man in eine Galerie eintritt, wäre bestimmt sofort der Galerist oder Künstler bei einem und würde ein Verkaufsgespräch beginnen! Das ist natürlich Unsinn, aber diese Berührungsängste haben leider viele.

Danke Uschi, ich finde nicht dass dies peinlich ist! Vielleicht kennst du die Bilder ja viel besser, als derjenige der sie zwar einzuordnen weiß, aber darüberhinaus die Bilder nie wirklich gesehen hat! Bei den Kunsthistorikern ging es mir manchmal so, das sich bei einigen ein gewisser Grad an Verblödung entwickelte und sie die Bilder vor lauter Hintergrundinformation gar nicht mehr richtig wahrnahmen. :mrgreen:

Danke Rainer!

Danke Sternchen Uschi, wenn ich bei dir das erreicht habe, dann hatte mein Kommentar wirklich einen Sinn…

LG :bluemchen:
Andreas

Nach oben 29.06.2012, 19:53 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
danke für deinen wieder mal sehr informativen beitrag!

wie lange ich ein bild betrachte und mich damit auseinandersetze, hängt z.t. auch davon ab, wie es mich anspricht.
in ausstellungen bleibe ich meistens schon ziemlich lange bei bildern, schau sie aus der ferne an wegen der gesamtwirkung, aus der nähe wegen der technik...
ich schaue bilder in natura meistens länger an als die im internet, weil hier die gesamtwirkung nie so richtig rüber kommt, auch die sache mit der größe nicht, ob es nun A4 oder 80x100 ist, als foto schaut alles gleich groß aus.

aber es stimmt, es gibt eine wahre flut von bildern, immer neue, allein hier sind schon genug...oder das, was so von meinen facebook-"freunden" geteilt wird, das meiste versäume ich sowieso, obwohl vieles dabei ist, was ich echt gut finde.

nora hat geschrieben:
Aber nicht jeder der zu mir kommt, sagt etwas.


ja, ist bei mir auch so ähnlich... ich arbeite zwar nicht im eingangsbereich, aber dieser ist groß, so dass einige bilder von mir da herumhängen...

heute kam aber mal lob von jemandem, wo man es eher nicht erwartet: die rauchfangkehrerin (kaminfeger) war heute hier - ist hier eine frau... sie hat meine bilder sehr bewundert, was man eigentlich von jemand, der nur zum arbeiten kommt und normalerweise nach kurzer zeit wieder verschwindet, gar nicht so erwartet... :D sogar die fratze der gier hat ihr gefallen... :mrgreen:

na sie wird auf jeden falla auf die nächste vernissage hier in der gegend eingeladen... :dops:

Nach oben 29.06.2012, 22:46 Nach unten

unterschiedlich

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Danke für diesen informativen Beitrag, Andreas.

Beitrag: Bildbetrachtung? Watn dat??? - 29.06.2012, 01:49 arte60 hat geschrieben:
Zur Entschlüsselung des Bildes ist es also gar nicht notwendig die Eckdaten wie von wem, von wann usw. zu wissen, es genügt das offene Schauen, das eingehende Betrachten, die visuelle Kommunikation.


Sehe ich eigentlich ebenso. Mir ist zunächst erst einmal dieses drumherum über das von wem und warum gar nicht so wichtig.
Wichtig allerdings ist mir dass sich völlig vorurteilsfrei auf die präsentierte Kunst einlassen zu können.
Und ein einfaches aburteilen von "gefällt mir nicht" ohne mich überhaupt näher damit auseinandergesetzt zu haben empfinde ich eh als
nicht angemessen.

Beitrag: Re: Bildbetrachtung? Watn dat??? - 29.06.2012, 10:20 arte60 hat geschrieben:
Natürlich ist es aufgrund der gewaltigen Bilderschwemme unmöglich sich mit jedem Bild detailiert auseinander zu setzen, aber entdeckt man etwas Neues, das einen in irgendeiner Art und Weise anspricht, dann plädiere ich immer für das genaue Hinsehen und nicht für ein pauschales Aburteilen!


Gerade hier im Forum ist es auch kaum möglich auf Grund des massiven Angebotes sich eingehend mit jedem einzelnen präsentierten Werk gebührend auseinanderzusetzen.

Liebe Grüße

Lili :winken:

Nach oben 29.06.2012, 23:18 Nach unten

Mixed

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
hey


Klasse....................


mit Gruessen
Astrid

Nach oben 30.06.2012, 01:44 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Ja, Vera, da erinnere ich mich auch an einen unerwarteten Besuch einer Frau aus dem. Dorf. Sie kam und sagte gleich frei, daß sie keine Ahnung hätte und nur sagen kann, was gefällt oder nicht. Dies hat sie dann auch getan. Diesen Besuch fand ich einfach gut und wichtig.

Nach oben 30.06.2012, 06:32 Nach unten

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Sich unvoreingenommen einem Bild zu nähern halte ich für eine gute Idee! :) Wobei man jedoch insofern realistisch sein muss, dass jeder beim Betrachten filtert und interpretiert. Das fängt schon bei den Farben an, die je nach Kulturkreis andere Bedeutungen haben können. Natürlich gibt es auch universell deutbare Dinge, wie z.B. die Leichen im obigen Gemälde. Dieses Gemälde scheint mir auch insgesamt recht eindeutig.

Es gibt aber auch Dinge die nur schwer zu deuten sind. So rätseln noch immer Wissenschaftler über die Bedeutung bestimmter wiederkehrender Elemente in Höhlenmalereien. Manchmal ist halt die kulturelle Distanz zu groß.

Nach oben 30.06.2012, 10:59 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
björn hat geschrieben:
Wobei man jedoch insofern realistisch sein muss, dass jeder beim Betrachten filtert und interpretiert


das ist richtig, sich oder andere der völlig vorurteilsfreien objektivität für fähig zu halten, ist eine illusion... :wink:
wobei es natürlich schon unterschiede gibt: die einen halten einfach an ihren vorurteilen fest und damit basta, alles, was das zementierte weltbild erschüttern könnte, wird weit weg gewiesen... die anderen versuchen zumindest, sich zu hinterfragen und persönliches etwas hintanzustellen... mehr kann wohl auch nicht getan werden.

vielleicht war buddha oder ähnliche gestalten wirklich objektiv, nach jahrzehntelangen meditationen und so. der rest ist es mit sicherheit nicht.

Nach oben 30.06.2012, 12:21 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Bei der nochmaligen Beschäftigung mit diesem Thema kamen mir noch einmal paar Gedanken hoch auch in Erinnerung an ein von mir gestelltes Thema "Wann ist ein Bild gut?"

Lieber Andreas, deine Beispiele mit Grünewald und Dix forden den Augen bei der Bildbetrachtung Genuß aber auch Arbeit ab. Die Augen können wandern, eine Vielzahl bildnerischer Details ergründen, man hat, ohne sich weiter mit den Hintergründen des Bildes zu beschäftigen, zumindest eine Ahnung worum es in den Bildern geht.

Aber wie gehe ich bei der Betrachtung mit Bildern um, auf denen eigentlich nur eine Farbe zu sehen ist. Zum Beispiel die Farbe weiß bei dem Bild von Agnes Martin "Roter Vogel" ( gezeigt auf der MOMA- Ausstellung in Berlin und dort gesehen) Die vollmundige Erklärung eines Kunstwissenschaftler zitierte ich in dem Thread von Aug.2011)
Es gibt ja viele Bilder dieser Art und die Bildbetrachtung unterscheidet sich natürlich zu einem Dix-Bild.

Doch wie nähere ich mich diesen "einfarbigen" Bildern? Bildbetrachtung will auch hier gelernt sein. :mhh: :winken:

Nach oben 02.07.2012, 10:18 Nach unten

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Genau so was meinte ich. Es gibt viele Bildsprachen, von denen man viele nicht unbedingt verstehen muss. Und oft ist ein Bild mehr als Konzeptkunst, weniger als Malerei anzusehen. Gewisse Konzeptkunst besteht darin, Ansichten und Dogmen zu demontieren. Solche Bilder sind dann zwar ein netter Gag, aber einer Bildbetrachtung nicht wert, da sie ja genau diese negieren sollen.

Nach oben 02.07.2012, 11:18 Nach unten

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
hola andreas, :D

ich danke dir auch für diesen beitrag, deine beiträge regen mich zu themenauseinandersetzungen an und das erweitert meinen horizont!! :dops:

ich interessiere mich erst für bilder, seit ich mich selbst mit dem thema malerei auseinandersetze - und ich merke, dass es bilder gibt, die mich fesseln und wieder andere, die mich eben nicht besonders oder gar nicht ansprechen. normal, so denke ich!

inzwischen frage ich gerne mal den maler, was er sich dabei gedacht hat - manchmal möchte ich aber einfach auch meine eigene interpretation gelten lassen und da interessiert mich dann die meinung des malers gar nicht!

:winken:

Nach oben 03.07.2012, 14:45 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Hallo Andreas,

erstmal herzlichen Dank auch meinerseits für diese wieder einmal äußerst fundierte Erörterung eines sehr wichtigen Themas.

Das möglichst vollständige Erfassen, Einordnen und Wahrnehmen von Bildinhalten mitsamt ihren Details halte ich ebenso für essentiell, sogar unbedingt notwendig, bevor man sich eine Meinung dazu bilden kann. Mit nur unvollständigen Wahrnehmungen kann nur (wenn überhaupt) recht selten ein vollständiges und angemessenes "Verstehen" erreicht werden.

Da das Thema treffenderweise "Bildbetrachtung" genannt wurde, und nicht "Kunstbetrachtung", halte ich es in diesem Sinne auch in Hinblick auf obige Kommentare für wichtig darauf hinzuweisen, dass eine möglichst genaue Bildbetrachtung ein sehr wichtiger Aspekt für eine umfassende "Kunstbetrachtung" ist. Es ist aber nicht dasselbe.

Deine wohlformulierte Conclusio zur "Bildentschlüsselung" möchte ich daher ebenfalls nochmals differenziert betonen:
Beitrag: Bildbetrachtung? Watn dat??? - 29.06.2012, 01:49 arte60 hat geschrieben:
Zur Entschlüsselung des Bildes ist es also gar nicht notwendig die Eckdaten wie von wem, von wann usw. zu wissen, es genügt das offene Schauen, das eingehende Betrachten, die visuelle Kommunikation.

Etwas präziser würde ich diese Aussage zur "Entschlüsselung eines Bildes" mit "Entschlüsselung der Bildinhalte" ersetzen wollen. Ein Bild als ganzes transportiert nicht nur die optischen Fragen, z.B. WAS man da sieht und WAS die Bildmotive in ihrer Anordnung und Gestaltung aussagen bzw. bedeuten, sondern auch Fragen nach dem WARUM, WIESO und WESHALB. Sich auf das WAS zu konzentrieren ist zwar sehr wichtig, um überhaupt zu erkennen WAS man da überhaupt inhaltlich vor sich hat, das WARUM und WOHER erklärt ein Bild ansich aber nicht.

Diese "Bildbetrachtung" kann daher nur ein erster Aspekt einer noch umfassenderen "Kunstbetrachtung" sein. Bei der Frage nach der Kunst in einem Bild reicht es nicht aus, sich analytisch auf das Sichtbare zu konzentrieren. Die Frage nach der Kunst eines Werkes erweitert sich über die reinen Bildinhalte hinaus, sie stellt zudem wichtige Fragen wie "WER hat das gemalt", "WANN wurde es gemalt", "WO wurde es gemalt", "WIESO wurde es gemalt", letztendlich "WARUM ist das Bild so wie es ist". Für die reine Bildbetrachtung und für das Erfassen einer Bildaussage spielt dies in den meisten Fällen kaum eine Rolle, für die Frage nach der Kunst jedoch sind diese erweiterten Fragen meines Erachtens essentiell - zumindest wenn man sich dem Kunstaspekt mit dem Verstand nähern möchte.

Um es mit meinen Worten auszudrücken: Während Kunst sich immer und ausschließlich durch den gesamten Kontext offenbart, kann hingegen eine reine Bildbetrachtung zwar wichtige und essentielle Aspekte herausarbeiten, nicht aber den Kunstaspekt darin verdeutlichen.

Dies soll und wird in keinster Weise die Qualität und Schlüssigkeit Deiner Ausführungen mindern, möglicherweise aber denjenigen weiterhelfen, die mit obigen erweiterten Beispielen z.B. zu abstrakten Werken sich auf der Suche nach der Kunst befinden. :winken:

Nach oben 03.07.2012, 17:00 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Bildbetrachtung? Watn dat???
Huhu Adrian,

das Beispiel abstraktes Bild, speziell dieses eine konsequent in weiß gehaltene, habe ich genannt, um darauf zu verweisen, daß die Bildbetrachtung zu gegenständlichen Bildern sich doch ziemlich unterscheidet.

Folge ich deinen Gedanken diesbezüglich, kann ich gerade bei abstrakten Bildern oftmals den Kunstcharakter nur erkennen, wenn ich den ganzen Kontext erfasse.
Das mag wohl sein, ein anderes Ding ist aber, daß ich für mich bei`m Betrachten mancher Bilder gar nicht große Erforschungen anstellen , sondern nur das Bild auf mich wirken lassen möchte und dann gleich gerne die Entscheidung treffe, ob es Kunst ist oder nicht.
Wenn aber das Interesse groß ist und ich so nicht mit dem Bildverständnis weiter komme, werde ich tiefer graben müssen, als nur schauen.

Nach oben 03.07.2012, 17:26 Nach unten
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