"Eines der schwierigsten Dinge der Welt ist, irgend etwas ganz einfach zu betrachten." (Krishnamurti)




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 Kunst von Behinderten? Watn dat??? 
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Beitrag  Kunst von Behinderten? Watn dat???
Mal was Grundlegendes zum Thema! In Deutschland leben ungefähr 9,6 Millionen Menschen mit einer anerkannten Behinderung, davon geschätzte 10% mit einer geistigen Behinderung. Der prozentuale Anteil der Behinderten, die dabei einer konsequenten kreativen Tätigkeit nachgehen, ist wahrscheinlich genauso verschwindend gering, wie es bei den „Normalen“ der Fall ist. D.h. es ist absurd von einer besonderen wie auch immer gearteten Befähigung zu sprechen, die den Behinderten zu einem besonders kreativen oder ausdrucksstarken Menschen macht. Hier unterliegen viele der Versuchung, einige wenige extreme Beispiele auf eine ganze Behindertengruppe zu übertragen. Klassisches Beispiel: ist Jemand autistisch, unterstellt man ihm gleich eine ungeheure Intelligenz, wobei sich bei den meisten die persönlichen Erfahrungen im Umgang und Kontakt mit autistischen Menschen nur auf Medienberichte oder Filme wie z.B. „Rainman“ stützt. Solche Unterstellungen und Verallgemeinerungen sind in der Realität nicht haltbar. Die Realität zeigt vielmehr, dass das Bedürfnis sich kreativ auszudrücken und die Fähigkeit zu ihrer Umsetzung, eher wie auch bei den „Normalen“, ein individueller Prozess oder ein individuelles Bedürfnis ist. So wie ein Mensch mit einem Down Syndrom nicht identisch ist, mit einem anderen Menschen mit dem gleichen Syndrom.

Dabei sind wir auch schon beim nächsten Punkt, denn der kreative Prozess ist in erster Linie eine besondere Form der Kommunikation, der vor allem bei geistiger oder psychischer Behinderung für uns so schwierig zu entschlüsseln ist, aber gleichzeitig auf fast alle „Normalen“ so faszinierend wirkt, weil sie einen Einblick gewährt in völlig neue Welten. Ob man die dabei entstehenden Werke einer individuellen Form der Kommunikation als Kunst bezeichnet, das kann nur jeder für sich selbst entscheiden, da in vielen Fällen der eigentliche Produzent, seine Werke nicht unbedingt als eigenständige Kunstwerke sieht. Tatsache jedoch ist, das viele anerkannte Künstler der Kunstgeschichte sich intensiv mit den kreativen Endprodukten von z.B. schizophrenen Menschen auseinandergesetzt haben, so wie sie es auch mit der sogenannten primitiven Kunst, also der Kunst der Naturvölker, getan haben und das schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts.

Hier einmal exemplarisch zwei Beispiele aus der Prinzhorn-Sammlung:

„Der Wiener Baron Hyacinth von Wieser (1883-?) war promovierter Jurist. Literarisch und wissenschaftlich begabt, hatte er in seiner Jugend Gedichte, Erzählungen und ein Drama geschrieben, später an einem soziologischen Werk „Über Zentralisation“ gearbeitet. Er wurde 1912 wegen Verfolgungswahn und Halluzinationen in eine Heilanstalt eingewiesen, wo er anfing ein umfangreiches Werk an Zeichnungen und Texten zu schaffen.“ Zitat
Die Veröffentlichung seiner Zeichnung durch die Prinzhorn-Sammlung übte einen nachhaltigen Einfluss auf die Werke von Künstlern wie z.B. Wassili Kandinski und Oskar Schlemmer aus.

„50 Jahre lang wohnte Barbara Suckfüll in einem kleinen Dorf, galt als eine umsichtige und fleißige Bäuerin. Siebenmal hat sie geboren, 2 Kinder starben. Ratlos sieht ihr Mann zu, wie sich seine Frau verändert. Sie arbeitet nur noch unregelmäßig, prozessiert, schreit und tobt, manchmal tanzt sie auch. Ihr Mann, ein Bauer mit einem verschuldeten Hauswesen, konnte das Geld für die offensichtlich notwendige Behandlung nicht aufbringen. Erst als sie durch ihre sich steigernde Erregung als gemeingefährlich betrachtet wurde, überführen Polizisten sie mit List in die Anstalt.“Zitat
Ihre kreative Hinterlassenschaft, in der das geschriebene Wort zu einem gestalterischen Mittel erhoben wird Bild, weißt erstaunliche Ähnlichkeiten auf mit z.B. dem Werk von Hanne Darboven, einer anerkannten Konzeptkünstlerin die leider schon 2009 gestorben ist.Bild

Diese zwei unterschiedlichen Beispiele zeigen deutlich, dass der kreative Prozess, wie auch die Beweggründe die zu ihm führten, nichts mit dem Begriff Intelligenz (wobei es keine allgemeingültige Definition für Intelligenz gibt) und auch nichts mit der jeweiligen psychischen Belastung zu tun hatte. Die Idee oder das Wachsen des Bedürfnisses zu einer schöpferischen Ausdruckskraft ist also völlig individuell zu betrachten und unterscheidet sich somit keineswegs von einem sogenannten „normalen“ Menschen.

Thomas Fuchs, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Oberarzt an der Psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg, schreibt deshalb zu diesem Thema: „In den meisten Fällen müssen wir also davon ausgehen, dass ein Künstler nicht wegen, sondern trotz seiner psychischen Krankheit große Werke schuf.“

Handelt es sich nun um „behinderte“ oder „normale“ Künstler, wären die eigentlichen Unterscheidungsmerkmale eher durch die äußeren Umstände bemerkbar und damit meine ich die Alltagsfähigkeit, also in wie weit ein „Behinderter“ selbstständig seinen Alltag bewältigen kann und selbst bei diesem Unterscheidungsmerkmal gibt es zahlreiche Beispiele von „normalen“ Künstlern, die gerade mit dieser Thematik der Alltagsfähigkeit ihre Schwierigkeiten hatten oder haben. Wer würde sich aber trauen diese Künstler „behindert“ zu nennen, um nicht stattdessen eher das Wort „egozentrisch“ zu benutzen?

Leider wirken immer noch veraltete, absurde und romantisierende Theorien über diese Thematik in der Vorstellungswelt von vielen Menschen nach, wie z.B. das einflussreiche Werk „Genie und Wahnsinn“ vom Psychiater Cesare Lombroso (1835 – 1909), der bekannte Künstler aus seiner Zeit untersuchte und bei ihnen Anzeichen einer „psychischen Schwäche“ fand, deren Ursache er im Erbgut vermutete. Natürlich stand Lombroso unter dem damaligen Einfluss einer psychiatrischen Degenerationslehre, mit der Vorhersage eines allgemeinen Niederganges des menschlichen Erbguts und seine „Erkenntnisse“ wurden selbstverständlich von den Nazis freudig aufgenommen um dann in Ausstellungen über „Entartete Kunst“ gebetsmühlenartig wiederholt zu werden. Wer also heute noch nach dieser engen Verknüpfung von psychischen Störungen und kreativem Schöpfergeist sucht, der glaubt auch noch an die deutschen Rassengesetze von 1935!

In der bisherigen Kunstgeschichte gibt es zahlreiche Ansätze und Versuche zur Idee der Ausschaltung des eigenen Intellekts, um zu der eigentlichen und ursprünglichen Ausdruckskraft zurück zu finden. Der Ruf nach einer unverbildeten, rohen Kunst jenseits der akademischen Ästhetik und orientiert an der autodidaktischen Kunst von Laien, Kindern und Menschen mit geistiger Behinderung, ist alt und hat seinen Einfluss schon längst in einigen anerkannten Kunststilen gefunden. Ob sich diese verschiedenen Kunststile, Informell, Art Brut, Tachismus, Lyrische Abstraktion usw. nennen, ist erst einmal unerheblich, ihr gemeinsamer Nenner ist jedoch die Suche nach neuen Ausdrucksformen und die Erreichung eines Zustandes während des malerischen Prozesses, der den Intellekt bewusst unterdrückt. Diese bewusste Unterdrückung des Intellekts erhebt den Künstler während des Malens jedoch nicht automatisch zu einem geistig Behinderten, den alleine schon die Motivation ist eine völlig andere im Vergleich zu dem speziellen Kommunikationsbedürfnis eines kreativ wirkenden Behinderten. Mit anderen Worten, der „normale“ Künstler benutzt gezielt die ihm zur Verfügung stehenden Systeme, Zustände oder Hilfsmittel (dabei beziehe ich mich z.B. auf die Technik des Dripping wie bei Pollock) um zu einer neuen, eigenen und ursprünglichen Ausdrucksform zu gelangen, während ein z.B. psychisch Behinderter, der den gestalterischen Prozess als eine Ausdrucksform für sich entdeckt hat, in der Wahl seiner Mittel direkt agiert, ohne sich dabei Gedanken darüber zu machen, ob er dabei unverbildete, rohe Kunst erstellt oder in welchem Kontext das fertige Bild stehen soll.

Im Vergleich gesehen, gibt es keine Wertung der verschiedenen Vorgehensweisen, sondern die Erkenntnis einer friedlichen Koexistenz von unterschiedlichen Prozessen, die zu eigenen und selbstständigen Ausdrucksformen führen und sich im positiven Fall gegenseitig beeinflussen. Ob es sich bei den Endprodukten, egal ob sie von "Behinderten" oder "Normalen" kommen, um Kunstwerke handelt, das kann nur jeder für sich alleine beurteilen oder es künftigen Generationen überlassen diese Werke in einen plausiblen Kontext zu stellen, so wie es bisher auch der Fall war.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 10.06.2012, 03:43 Nach unten

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
hi andreas, :D

das war jetzt ein ausgesprochen interessanter artikel für mich!! :ja:

ich danke dir dafür! :dops:

ich arbeite selbst in einer einrichtung für geistig behinderte menschen, die zudem noch schwere psychische erkrankungen haben.
unsere bewohner sind fast alle schwer begeistert, wenn es darum geht, zu malen, singen und zu tanzen - diese dinge machen sie gerne und haben auch wirklich spaß und erfüllung daran.

außergewöhnliche werke sind dabei noch nie entstanden, auf jeden fall jedoch schon einige beeindruckende werke! :D

bei mir ist das ähnlich - und so ist es auch ordentlich in ordnung!! :grins: :dops:

:winken:

Nach oben 10.06.2012, 12:03 Nach unten

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Beitrag: Kunst von Behinderten? Watn dat??? - 10.06.2012, 03:43 arte60 hat geschrieben:
Wer also heute noch nach dieser engen Verknüpfung von psychischen Störungen und kreativem Schöpfergeist sucht, der glaubt auch noch an die deutschen Rassengesetze von 1935!

Nun ja... die Nazis waren Meister im Manipulieren. Und so haben sie auch viele naturwissenschaftliche Theorien für ihre Zwecke missbraucht, u.a. den Darwinismus. Die perfidesten Lügen sind eben oft die Halbwahrheiten.

Das Gehirn ist in seiner Arbeitsweise sehr komplex, daher sind auch psychische Behinderungen extrem schwer zu beurteilen. Somit ist es auch die "Unterdrückung des Intellektes". Liegt hier eine Art Meditation vor? Versucht man eher äußere Abflüsse auszuschalten (vielleicht eine Art Autismus), und die inneren Gedanken in Ruhe geradlinig fließen zu lassen? Und können daraus entstandene Motive wirklich einen gewissen gesellschaftlichen Kontext erfassen, oder dienen sie "lediglich" der Selbsttherapie?

Nach oben 10.06.2012, 12:34 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
björn hat geschrieben:
Liegt hier eine Art Meditation vor? Versucht man eher äußere Abflüsse auszuschalten (vielleicht eine Art Autismus), und die inneren Gedanken in Ruhe geradlinig fließen zu lassen?


nachdem ich auch meditationserfahrung habe, würde ich sagen ja: wann immer man 100% ig in einer tätigkeit aufgeht, und zwar ziemlich egal in welcher, kann auch im garten buddeln oder kochen sein, befindet man sich in einer art meditativen oder tranceähnlichen zustand, in dem das gehirn mehr alphawellen produziert. in neusprech wird das auch gerne "flow" genannt.
nachdem aber das, was man gelernt und verinnerlicht hat, im unterbewussten gespeichert ist, wird es wohl bei "normalos" immer mitschwingen, auch ohne dass einem das nun direkt bewusst ist.
kleines beispiel: meine lehrerin hat mir beigebracht, in kurzen abständen vom bild wegzutreten und es aus der ferne zu betrachten. das mache ich heute einfach, denke aber nicht mehr darüber nach.

möglicherweise befinden sich sogenannte geistig behinderte mehr und intensiver in solchen zuständen als "normale" erwachsene, kinder übrigens auch.

andreas, danke für den sachlichen und informativen beitrag!

Nach oben 10.06.2012, 12:52 Nach unten

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Danke ,Andreas.Ich werde zu dem Thema keine Stellung mehr nehmen,weil ich das nicht vorurteilslos kann :winken:

Nach oben 10.06.2012, 14:02 Nach unten

unterschiedlich

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Danke Andreas für den informativen Beitrag.

Ich hatte auch im anderen Thread auf die Prinzhornsammlung mit einem Video und Link zur Ausstellung und so weiter
aufmerksam gemacht. Weil ich die Entstehung dieser und das Drumherum zum Thema sehr interessant finde.

Im allgemeinen finde ich dieses immer wiederkehrende schubladisieren und bewerten wollen von was ist Kunst und was keine, wer ist in der Lage überhaupt Kunst zu erschaffen und wer nicht, für mich gar nicht so wichtig.
Wichtiger ist mir vielmehr das Zulassen und annehmen von all dieser gebotenen Vielfalt. Egal ob nun vom "normalen" oder "behinderten" Produzierer erschaffen.

Beitrag: Kunst von Behinderten? Watn dat??? - 10.06.2012, 03:43 arte60 hat geschrieben:
Im Vergleich gesehen, gibt es keine Wertung der verschiedenen Vorgehensweisen, sondern die Erkenntnis einer friedlichen Koexistenz von unterschiedlichen Prozessen, die zu eigenen und selbstständigen Ausdrucksformen führen und sich im positiven Fall gegenseitig beeinflussen. Ob es sich bei den Endprodukten, egal ob sie von "Behinderten" oder "Normalen" kommen, um Kunstwerke handelt, das kann nur jeder für sich alleine beurteilen oder es künftigen Generationen überlassen diese Werke in einen plausiblen Kontext zu stellen, so wie es bisher auch der Fall war.


Von daher haben diese beiden Sätze besondere Wertigkeit für mich.

Liebe Grüße

Lili :winken:

Nach oben 10.06.2012, 16:50 Nach unten

Aquarell

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Zitat Arte60:
Diese zwei unterschiedlichen Beispiele zeigen deutlich, dass der kreative Prozess, wie auch die Beweggründe die zu ihm führten, nichts mit dem Begriff Intelligenz (wobei es keine allgemeingültige Definition für Intelligenz gibt) und auch nichts mit der jeweiligen psychischen Belastung zu tun hatte. Die Idee oder das Wachsen des Bedürfnisses zu einer schöpferischen Ausdruckskraft ist also völlig individuell zu betrachten und unterscheidet sich somit keineswegs von einem sogenannten „normalen“ Menschen.


Danke, Anke....äääh Andreas

Eine geistige Behinderung, welcher Art auch immer, schließt eben nicht unbedingt Intellekt/Intelligenz aus. Und Kreativität sowieso nicht. Was mir an dem Goldstein-Atelier und seinen Mitmachern gefällt, ist eben das freie und ungezwungene Kreative, mit der individuelle Ideen umgesetzt werden, um sich auszudrücken bzw. zu kommunizieren.

Die Ergebnisse sprechen für sich, ob sie einem nun gefallen oder nicht. Das ist aber individuelle Sichtweise auch in der professionellen Kunstwelt. Da gefallen mir Kunstwerke oder -arbeiten, oder eben auch nicht. Im Gegenteil, manchmal zweifle ich an der geistigen Gesundheit des Künstlers. Ohne jetzt konkrete Beispiele nennen zu wollen.
:winken:

Nach oben 10.06.2012, 19:19 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Lieber Andreas,

herzlichen Dank für die klaren Worte und standing ovation!

Lass´ mich noch mit einfachen Worten hinterherrufen (wobei es nur einen Teil der nicht-gewöhnlichen Künstler betrifft): Wenn Kunst der Ausdruck und das Ergebnis von Gedankengängen ist - und das ist es wohl manchmal/oft, ganz unbestritten - dann muss es nicht schlecht sein, bloß weil wir als gewöhnlich Denkende nicht in der Lage sind, diese Gedankengänge nachzuvollziehen.

In diesem Sinne!

Wolfgang

Nach oben 11.06.2012, 08:45 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Kunst von Behinderten ist vor allem eine ganz spezifische Ausdrucksform von menschlichen Empfindungen und Gefühlen. Gut, ja sehr gut Andreas, daß du hier auch dieses Thema noch einmal ausdrücklich an schneidest Es geht dabei gar nicht um die Frage des Gefallens. Weder bei den Gesunden noch bei den Menschen mit Beeinträchtigungen brauch und kann man nicht alles gut finden. Es geht auch um Akzeptanz und Wertschätzung.
Haben wir manchmal Schwierigkeiten die Ergebnisse kreativer Arbeiten von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen zu entschlüsseln, geht es uns doch genauso oft bei Arbeiten der sogenannten Normalas.

Mich interessiert eigentlich noch folgendes. Andreas, du mit deinem Kunstsachverstand und mit deinem sicher feinfühligen, genauen Blick. Ohne, daß du es vorher wüßtest, würdest du ein Bild eines Menschen mit geistiger Behinderung erkennen? Oder sagst du mir, wie soll das denn gehen?

Erinnert ihr euch an das von mir hier vorgestellte "brain paintig Projekt"? Eine körperlich stark behinderte, an ALS erkrankte Frau erschuf Bilder. Mich würde schon interessieren, wie die Ergebnisse bei Menschen mit geistiger Behinderung aussehen würden und ob sie überhaupt bei dem Projekt mitmachten. Die Frage kam mir, als ich mich hier mit dem Thema beschäftigte.

Nach oben 11.06.2012, 09:47 Nach unten

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Mein Kommentar über die Nazis galt nur als exemplarisches Beispiel für die vielfältigen vergangenen sowie heutigen Bestrebungen einer Ausgrenzung von ganzen Menschengruppen, die einem bestimmten theoretischen Einheitsprototypen nicht entsprechen und da ist es egal ob es um Behinderte oder Künstler geht, denn beide Gruppierungen, wie auch viele andere, stellen immer durch ihr Individualität und anderer Sichtweisen, eine Gefahr für ein wie auch immer geartetes diktatorisches System, dar. Unabhängig ihrer politischen Couleur, gibt es neben anderen tragenden Säulen in allen diesen Systemen, die gezielte und manipulative Indoktrination, von der sich jedoch einige wenige Menschen nicht beeinflussen lassen und deshalb für das System eine Gefahr darstellen. Ob allerdings im Gegensatz dazu demokratische Systeme vor der Gefahr einer einseitigen und manipulativen Meinungsbildung gefeit sind, möchte ich schlichtweg bezweifeln, denn dazu braucht es nur offene Sinne.

Nicht die Arbeitsweise unserer Gehirne ist komplex, sondern in erster Linie die Aufbereitung und die weiterführende Verarbeitung von hochdifferenzierten Sinneseindrücken und genau hier liegt das undurchschaubare Rätsel. Es gibt keine einheitliche Verarbeitung von Sinneseindrücken und wenn jemand meint dass er einen Stuhl sieht, könnte sein Nachbar behaupten es wäre ein Hocker. Nur wenn dieser Stuhlseher hingeht und den Stuhl in allen seinen Größenordnungen vermisst um danach gegenüber seinem Nachbarn zu behaupten seine Sichtweise eines Hockers wäre falsch, dann hat er schon den ersten Schritt zur Ausgrenzung seines Nachbarn unternommen.

Autismus ist eine Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung und ihr abweichender Verarbeitungsmodus der Sinneseindrücke macht uns das Verständnis für ihre Welten so schwer. Das man bei völlig anderer Sichtweise seiner Umwelt auch die üblichen Kommunikationsformen verliert, dürfte auch demjenigen verständlich sein, der nicht unter Autismus leidet. So wie jede einzelne psychische Störung völlig individuelle Ursachen und Auswirkungen hat, so sind auch die kreativen Prozesse individualistisch. Natürlich ist der Mensch sehr Struktur- und Ordnungsliebend und nichts freut ihn mehr zu hören als den Spruch „So ist das!“ aber die Welt ordnet sich nicht deshalb nach seinen Vorlieben und das kann erschrecken, aber man kann es auch als Möglichkeit einer unbegrenzten Freiheit begreifen.

In der Kunst geht es schon lange nicht mehr nur um die Erfassung eines gesellschaftlichen Kontexts. Seit dem Bestreben etwas zu erfassen und darzustellen, was nicht sichtbar ist, verschwand der gesellschaftliche Kontext hinter diesem sichtbar gemachten Unsichtbaren. Soziale Gesellschaften verändern sich oder verschwinden, die Kunst jedoch ist beständig und das um so mehr je weniger sie in einem gesellschaftlichen Kontext eingebunden ist.

Meditation ist ein abgenutzter Begriff. Meint man damit die Subjekt-Objekt-Spaltung nach Karl Jaspers, dann kommt man dem Zustand, den ich unter westlicher Meditation verstehe, schon wesentlich näher. Bei der Frage ob dieser Zustand die Voraussetzung bietet um Kunst im Sinne von Informell, Art Brut usw. herzustellen, bin ich allerdings der falsche Ansprechpartner, da hätte man eher Jean Dubuffet oder Emil Schumacher befragen sollen.

Liebe Gabi, auch ich bin nicht ganz emotionsfrei bei diesem Thema, da ich über zwei Jahre in einer Schwerstbehindertenstation gearbeitet habe. Meine dabei gewonnen Erfahrungen haben aber nichts mit Vorurteilen zu tun, ganz im Gegenteil. Als Mutter von zwei behinderten Kindern hast du jedenfalls meinen vollsten Respekt und das du dieses Thema mit anderen Augen siehst, finde ich nur allzu verständlich. :bluemchen:

Liebe Gine, ob die geistige Gesundheit einiger Künstler anzuzweifeln ist, möchte ich nicht beurteilen, da ich auch nicht will, dass man mich irgendwann einmal unter dieser Sicht beurteilt. :mrgreen:

Lieber Wolfgang, na also manchmal versteh ich mich ja selber noch nicht mal, was soll ich dann bei anderen erwarten? :hmm:

Liebe Nora, ich sag dir ganz klar und deutlich: Wie soll datn gehen? :mhh: Wenn spezialisierte Therapeuten schon an der Interpretation scheitern, Kunstsachverständige reihenweise hereingelegt werden, da komme ich als Kunstdiktator daher und sag, das is ganz klar vonem Irren? Die Frage ist doch auch Warum? Und Wozu?

Lieben Dank auch an Tina, Vera und Lili! :winken:

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 12.06.2012, 02:15 Nach unten

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Dateianhang:
CIMG2123.JPG
]Danke Andreas.Das Bild hat meine Tochter gemalt

Nach oben 12.06.2012, 07:09 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Liebe Gabi, das ist aber gut, daß du das Bild uns zeigt. Es ist eine Antwort für viele Diskussionen. Mehr brauch man eigentlich nicht sagen. Nur, es gefällt mir.

Lieber Andreas, mit der Kenntnis all dessen was du dargelegt hast, war eigentlich keine andere Meinung von dir zu erwarten und die paßt, sehr sogar!

Nach oben 12.06.2012, 07:53 Nach unten

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Bild 
und zwar mit Interesse und Dank für die Infos

arte60 hat geschrieben:
da komme ich als Kunstdiktator daher und sag, das is ganz klar vonem Irren? Die Frage ist doch auch Warum? Und Wozu?

:mrgreen: das dachte ich auch
es gibt Bilder, die sprechen mich an, berühren etwas in mir, bringen etwas zum Schwingen - und da ist mir recht wurscht, wer diese Bilder gemalt hat

ich finde es schade, dass wir (oft unbewusst) alles in Schubladen stecken wollen/müssen
aber vielleicht liegt das ja auch an unserem Steinzeit-Gehirn, das diese Unterscheidungen zum Überleben brauchte (Freund/Feind, essbar/giftig etc.) und jetzt auf alles anwendet
upps, ich glaube, das führt vom Thema weg

Nach oben 12.06.2012, 08:37 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
ob das jetzt sinn macht oder nicht, aber mir ist es mal so gegangen, dass ich schon erkannt hab, dass bilder von sogenannten geistig behinderten gemacht wurden. das wort "irre" verwende ich nicht so gern... das ist ja auch nur aus unserer "normal"-warte so... wohingegen das wort verrückt im eigentlichen wortsinn treffender sein kann: ver-rückt im sinne vom normzustand abgerückt.

ich hab mal wo gewartet, in einem foyer, da war eine ausstellung. zunächst hab ich die bilder nur so angesehen und alles auf mich wirken lassen, dann hab ich gerätselt, wer das wohl gemalt haben mag (es standen namen bei den bildern, aber sonst nichts), es sah einerseits ein wenig aus, als ob es kinder gewesen wären, aber andererseits waren von den inhalten her doch sachen dabei, die eher nicht kindlich sind. also hab ich auf behinderte getippt. und irgendwo fand ich dann auch ein schildchen, das das bestätigt hat.

auf irgendeiner nicht ganz fassbaren ebene haben diese bilder schon eine andere "ausstrahlung" oder wie auch immer man das nennen kann, wie die von "normalos".

allerdings gibts auch viele bilder von "normalos", die ziemlich verrückt aussehen... :grins:

Nach oben 12.06.2012, 10:38 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Liebe Vera, schön das du auf meine Frage eingegangen bist und von deinen Wahrnehmungen berichtet hast von Bildern behinderter Künstler. Da spielt wohl auch viel unbewußtes ab,(natürlich auch eigener Wissensstand) wenn man bemerkt, daß die Bilder irgedwie anders und mit einer spezifischen Ausstrahlung sind. Aber so frank u nd frei gleich zu beurteilen, ob es Bilder von geistig Behinderten sind, geht wohl nicht.
Da du das Wort ver-rückt erwähnst. Da kommen bei mir gleich Erinnerungen hoch. Vor vielen Jahren wurde ich in einem Zeitungsartikel gefragt, wie ich mein Leben einschätze, nach all den gravierenden Veränderungen. meine Antwort war: "Ver-rückt" Ich meinte dies nicht auf die geistige Ebene bezogen, sondern auf die verä#nderte Gesamtgestaltung meines Lebens.
Verrückt, ich finde, es ist ein tolles Wort und wenn man will so vielschichtig an Bedeutungsinhalten.

Nach oben 12.06.2012, 11:03 Nach unten

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Liebe Vera, das mein Satz “da komme ich als Kunstdiktator daher und sag, das is ganz klar vonem Irren?“ satirisch gemeint war dürfte wohl Angesichts der Fragestellung verständlich sein. Aber davon abgesehen bedeutet das Wort Irrsinn nichts anderes, als bestimmte Verhaltens- oder Denkmuster, die nicht der akzeptierten sozialen Norm entsprechen. Ich halte nichts von der „political correctness“, denn ihre bekannten Auswüchse führen in der Mehrheit zum genauen Gegenteil, man denke da nur an das Wort „Kollateralschaden“. Hier noch ein Zitat von Wikiblöd zum Thema PC und Beispiele wie man korrekt behinderte Menschen bezeichnet:

„Statt als abwertend empfundener Formulierungen wie „Krüppel“ werden neutralere Ausdrücke wie „Menschen mit Behinderung“ benutzt. Vor allem in den USA, wo die meisten dieser Prägungen entstanden sind, werden Begriffe ins Positive verschoben, um den Fokus nicht auf den Mangel zu lenken; etwa: „anders begabt“ bzw. „mental herausgefordert“ (mentally challenged) für „geistig behindert“ oder „visuell herausgefordert“ (visually challenged) für „blind“. Allgemein hat hier das challenged (herausgefordert) den Begriff handicapped (behindert) ersetzt. (Der Begriff „vertikal herausgefordert“ (vertically challenged) für „kleinwüchsig“ ist dagegen ein Scherzbegriff, der sich im Sinne der vorangegangenen Wortkombinationen über „political correctness“ lustig macht.)
Inzwischen wird oft anstatt des Begriffs „Behinderte“ die Form „Menschen mit Behinderung“ verwendet, um die Reduzierung der Menschen auf ihre Behinderung zu verringern. Eine weitere Verschiebung setzt statt auf „Behinderung“ auf alternative Wendungen, so hieß es früher „Lernbehinderte“, danach „Lernhilfeschüler“ und heute „Förderschüler“.“


Angesichts dieser Verblödungsstrategien hat es mich nicht erstaunt, dass ich während meiner Zeit als Betreuer in einer Schwerstbehindertenstation lernen durfte, dass sich Behinderte untereinander gerne Krüppel nennen und sich damit bewusst gegen diese Verniedlichungen zur Wehr setzen.

Es mag richtig sein, das man die kindlichen und naiven Ansätze in Bildwerken von geistig Behinderten erkennen kann, aufgrund der reduzierten Bildsprache, zumal wenn sie in einer einzigen Ausstellung zusammengefasst werden, aber ich kann dir versichern, das sich dieser Eindruck sehr schnell ins Nichts auflöst wenn in einer Ausstellung wechselweise Bilder von „Normalen“ und „Behinderten“ ausgestellt werden.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 12.06.2012, 11:36 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
ja, andreas, dem kann ich schon auch zustimmen mit der politischen korrektheit, da wird durchaus vieles übertrieben oder erst recht lächerlich gemacht.

behinderte nennt man hier auch gern "menschen mit besonderen bedürfnissen"...
wobei sich hier tatsächlich oft die frage stellt, ob die davon betroffenen das genauso sehen.

eine österreichische geschichte, hat zwar nichts mit behinderung, aber sehr wohl mit der übertreibung der politischen korrektheit abseits der angeblich betroffenen zu tun:
wir haben hier eine mehlspeise - die wäre was für dich... :grins: - die die längste zeit "mohr im hemd" geheißen hat.

http://www.kroeswang.at/uploads/tx_arti ... e/5149.jpg

dran hat sich niemand gestoßen, und auch afrikaner haben es gerne gegessen und tun das immer noch. bis eines tages einer dieser mediengeilen rassismus-schreihälse in union mit einem ebenso mediengeilen verein auf die idee kam, diese bezeichnung sei eine diskreminierung für die schwarzen. die haben sich darüber eher lustig gemacht, keiner hat sich diskreminiert gefühlt...
aber letztlich haben es die rassismus-schreihälse geschafft, dass mohr im hemd nun nicht mehr mohr im hemd heißen soll... als ob die menschheit keine anderen sorgen hätte und sich rassismus vielleicht doch eher in anderen dingen als in der bezeichnung eines kleinen kuchens mit schokosauce ausdrückt...

ach ja, das "zigeunerschnitzel" soll, ginge es nach denen, auch dran glauben...

http://www.kleinezeitung.at/kaernten/villachland/2967779/mohr-hemd-sorgt-fuer-debatte.story

Nach oben 12.06.2012, 12:21 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Solche Geschichten gibt es ja viele. Es darf ja wohl auch nicht mehr Negerkuß heißen, sondern Schaumkuß o.ä. Aber das lenkt ja vom eigentlichen Thema ab....

Andreas, solche Ausstellung mit Bildern von Behinderten u nd den sogenannten Normalos wäre sicher sehr interessant. Leider habe ich eine solche noch nicht gesehen. Hat vielleicht jemand?

Nach oben 12.06.2012, 14:21 Nach unten

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
Aber Vera!!! Das ist echt ne Frechheit ausgerechnet mir diesen „Moor im Hemd“ zu zeigen! Du weißt doch was das bei mir auslösen kann… lechz

Im Übrigen relativieren sich die Bestrebungen der PC, wenn man nur mal über denn eigenen nationalen Tellerrand schaut und sich bewusst wird, das Wörter eben nur Wörter sind, doch der Kontext und die Aussprache sind die entscheidenden Faktoren bei der Interpretation des Gesagten und das wird auch ein PC nicht ändern. Hier in Spanien nennt sich eine der größten Brotfirmen Bimbo und ihr Maskottchen ist ein weißer Teddybär, Polen sind im spanischen „Polacos“ usw. usw.

Nora, eine solche Ausstellung zu organisieren wäre nach wie vor ein heikles Thema! Ist der Kontext in dem eine solche Ausstellung steht nicht ganz klar abgegrenzt, dann kann es sich für beide beteiligten Gruppen sehr nachteilig auswirken. Wer möchte schon gerne freiwillig die Vorurteile Unwissender bestätigen?

Vielen Dank Gabi für das Bild! Hier eine kleine Interpretation meinerseits zum Gesehenen.

Die Gesamtkomposition besteht aus zwei Bildebenen die hintereinander gestaffelt sind. Der Kompositionsstil ist dabei ein offener, da sich beide Bildebenen nach allen Seiten ins Unendliche fortsetzen könnten und somit ist das Bild als Ausschnitt einer ins uferlose wachsenden Abstraktion zu sehen. Die hintere Ebene bildet ein Farbfluss aus verschiedenen farbigen und diagonal verlaufenden Strängen, die das Farbspektrum der Grundfarben durchlaufen. Von links unten angefangen verlaufen die Farbstränge von Blau, Rot, Grün bis Gelb. Dabei sind die Farbstränge jedoch nicht streng linear voneinander getrennt, sondern ihre Ränder verfließen ineinander und einige dieser Stränge tragen auf ihrer Oberfläche anderer Farben mit sich, wobei keine Vermischung stattfindet. Es entsteht der Eindruck, dass die aufgesetzten und andersfarbigen Striche vom Farbfluss mitgerissen werden. Gerade der diagonal in der Mitte verlaufende grüne Farbstrang erzeugt beim Betrachter, durch die mit ihm fließenden blauen Farbstriche, eine dynamische Bewegung, die gerade auch durch den oberen blauen etwas querverlaufenden Farbstrich noch verstärkt wird, da trotz des offensichtlichen ihm innewohnenden Widerstandes, die Zugkraft des grünen Farbstromes letztendlich doch kräftiger ist. Dieser blaue Strich ist auch gleichzeitig das verbindende Glied zur vorderen Bildebene, in der sich die Farbe wiederholt, aber in ihrer Formenstrenge sich stark von der hinteren Bildebene absetzt. In der vorderen Bildebenen gibt es nichts Fließendes mehr und keinen Farbwechsel. Die freie Form der hinteren Bildebene wird hier abgelöst durch stringente Formensprache und reduziert auf die quadratische Grundform. Auch bei dieser Ebene wird der Charakter der unendlichen Fortsetzung über den Bildrahmen hinaus, dadurch unterstützt, in dem die Quadrate nicht am Bildrand bündig abschließen, sondern von allen Bildrändern her angeschnitten werden. Es entsteht der Eindruck eines Rasters, durch das man auf die dahinterliegende Bildebene blickt. Noch ist das Raster nicht vollständig geschlossen und trotz des geordneten blauen und schachbrettartigen Musters, fehlen die verbindenden Quadrate. Das Raster ist noch durchlässig und gleichzeitig begrenzend, aber auch durch seine kühle Farbe gibt es dem Betrachter das Gefühl einer zeitlichen kalkulierten Begrenzung und den Hinweis auf eine Schließung der gesamten vorderen Bildebene, die dann den Blick auf den freien Farbfluss vollständig verwehrt. Insgesamt entsteht ein Spannungsfeld nicht nur zwischen den verwendeten Farben, sondern vor allem in der Formensprache in der freie fließende Formen auf unbewegliche, eingrenzende Formen treffen und damit vielleicht auch das Spannungsfeld offenbaren in dem sich der Maler des Bildes befand.

Ich hoffe damit dem Bild ein wenig näher gekommen zu sein…

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 12.06.2012, 22:16 Nach unten

Beitrag  Re: Kunst von Behinderten? Watn dat???
hallo zusammen,

andreas, im spanischen heißen behinderte menschen "minusvalidos" - hab ich das so richtig gelesen? auch nicht gerade ein positiver begriff. soweit ich weiß, basiert dies auf dem lateinischen : minus =wenig/weniger validus=wert .........

schönen tag, jay

Nach oben 13.06.2012, 05:35 Nach unten
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02.02.2013, 23:38

Kunst und Kirche, watn dat?

in Kunsttalk

arte60

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08.09.2012, 21:54

Frauen und Kunst watn dat???

in Kunsttalk

arte60

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26.11.2011, 01:12

Farbig sehen? Watn dat???

in Diskussionen

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25.02.2013, 19:25

Der goldene Schnitt? Watn dat???

in Diskussionen

arte60

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27.01.2013, 13:02

Bildbetrachtung? Watn dat???

in Diskussionen

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29.06.2012, 01:49

Hilfsmittel in der Malerei? Watn dat???

in Diskussionen

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25.05.2012, 23:44

Die Radioretter, watn dat???

in Kunsttalk

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07.03.2012, 08:11

Flattern watn dat???

in Kunsttalk

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12.01.2012, 14:35

Farben und Steinzeit watn dat???

in Kunsttalk

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14.10.2011, 11:48






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