"Das Zeichen der großen Kunst ist Mühelosigkeit." (Alberto Moravia)




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 Hilfsmittel in der Malerei? Watn dat??? 
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Beitrag  Re: Hilfsmittel in der Malerei? Watn dat???
Morgenwind, ich glaube wir sprechen zwei verschiedene Sprachen und es tut mir Leid, aber ich glaube einfach nicht an diese Vorstellung der gottgegebene oder wie auch immer Eingebung. Mir fehlt auch der Glaube an die vielen Geschichten, die einen Menschen mit einer Begabung hochstilisieren, zumal die Künstler selbst nicht ganz unschuldig an der Deckung dieses allgemeinen Bedürfnis nach einem Übermenschen waren und sind. Ich kenne viele Künstler die schon seit Jahren ihr Geschäft betreiben und ich kann dir versichern, wir sind ganz normale Menschen und kochen auch nur mit Wasser! Sollte dann einer von uns jemals ein Meisterwerk geschaffen haben, so werden das die zukünftigen Generationen zu entscheiden haben, denn was in der Kunstgeschichte oft als ein Meisterwerk gehandelt wurde, war nicht selten schon in nur 50 Jahre in Vergessenheit geraten.

So gibt es natürlich auch mehr Legenden über einen Künstler je länger er nicht mehr unter uns weilt. Beschränken wir uns aber nur einmal auf die Fakten. Michelangelo verbrachte 7 Jahre mit dem Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle, wobei die Wandgemälde von anderen verschiedenen Malern ausgeführt wurden. Sieben lange Jahre ohne unser gewohntes Wochenende, aber mit der Unterstützung von Gehilfen und natürlich mit Hilfsmitteln wie Lochpausen. Die Behauptung, das er später auf diese Hilfsmittel verzichtet hätte, ist nach meinem Wissensstand so nicht haltbar und gehört für mich in den Bereich der Legenden, den gerade durch die vielfältigen optischen Verkürzungen, war er geradezu gezwungen diese Verkürzungen in Entwurfsskizzen vorher auszuprobieren. Aber bleiben wir bei den nachweisbaren Fakten und stellen uns vor das er innerhalb von 7 Jahren ganz alleine ein Deckengemälde von 520 m² in Freskotechnik ausgeführt hätte, dann musste sein Tagespensum bei ungefähr 0,20 m² liegen, was machbar ist, da ja nicht alle Quadratmeter den gleichen Schwierigkeitsgrad hatten. Nimmt man zum Vergleich das Panoramagemälde über den Bauernkrieg von Werner Tübke für das er über 8 Jahre gebraucht hatte, haben wir es hier mit einer bemalten Fläche von 1722 m² zu tun, die in der Technik der Renaissancemalerei bemalt wurde und insgesamt mehr als 3000 Figuren aufweist, darunter einige die über drei Meter messen, während es bei Michelangelo „nur“ 115 sind. Dieses Beispiel soll die Leistung des damals 60 jährigen Michelangelo nicht schmälern, zumal die Freskotechnik so ihre Tücken hat, sondern es soll nur aufzeigen, das es gar nicht notwendig war, auf Grund von Zeitmangel auf Hilfsmittel zu verzichten.

In einem gebe ich dir jedoch völlig Recht, ein Portrait lebt nicht allein durch absolut maßgetreue Proportionen! Aber ich glaube das meinte Wolfgang in diesem konkreten Fall auch nicht, sondern sein Beispiel bezog sich auf die realistische Wiedergabe eines Portraits ab einer bestimmten Größenordnung. Innerhalb der Kunstgattung des Portraits, gibt es jedoch so eine enorme Spannbreite, das eine allgemeingültige Beurteilung über gültige oder ungültige Gesetzmäßigkeiten zu einem überzeugenden Portrait unmöglich fällt.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 27.05.2012, 18:38 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Hilfsmittel in der Malerei? Watn dat???
hmmja. ich will ja jetzt nicht wieder deine zeit strapazieren, weil du alles mit zwei fingern tippen mußt - aber ich denke schon auch, wir sprechen zwei verschiedene sprachen.
das hat nix mit übermensch zu tun, wovon ich geschrieben habe. sondern mit durchlässigkeit und damit *selbst*vergessen zu arbeiten, egal ob malen oder komponieren oder sogar kochen oder was weiß ich noch alles. ich kann ja auch nichts dafür, daß manche einfach überirdisch schöne musik komponier(t)en... oder solche bilder mal(t)en.... die mich eben in der seele berühren. deshalb halte ich die nicht für übermenschen oder hänge legenden nach. ich denke, das ist so ein zustand, wo z.b. zenmeister blind mit dem pfeil ins schwarze treffen - sobald ein zweifel aufkommt, ist es auch schon vorbei. konzentration und durchlässigkeit... für gottgegeben halte ich solche dinge auch nicht, ich halte es für eine gabe, die jeder haben könnte, wenn solche fähigkeiten trainiert und gelehrt werden würden. im grunde ist es eine art tiefe meditation, in der gearbeitet/erschaffen wird.
wir sind alle kinder der zeit und glücklicherweise können wir alles nutzen,denken und glauben, das uns evtl. weiterhilft. jedem das seine.

ich habe das von michelangelo irgendwo irgendwann gelesen, keine ahnung ob das so stimmt.

:winken:

Nach oben 27.05.2012, 21:56 Nach unten

Beitrag  Re: Hilfsmittel in der Malerei? Watn dat???
Na da sind wir uns doch wieder einig! Wie ich schon geschrieben habe: „ich glaube und das ist für jeden nachvollziehbar der sich über Jahre hinweg und tagtäglich mit dem Thema Kreativität im praktischen Sinn auseinandersetzt, das man einen Zustand erreicht in dem man nicht mehr darüber bewusst nachdenkt „wie mache ich Dies oder Jenes“, d.h. in diesem Zustand gibt es ein Zusammenfließen von Erfahrung, handwerklicher Grundlagen usw. und erst ab diesem Zeitpunkt arbeitet man mit der Gesamtheit seines Ichs.

Manche nennen es Zen, ich nenne es eher das absichtslose und doch zielgerichtete Arbeiten. Diesen Zustand zu erreichen erfordert in erster Linie und da ist es den Voraussetzungen zum Zen sehr ähnlich, ein jahrelanges Training wie auch eine gewisse Strenge sich selbst gegenüber und auch im Zen existieren Hilfsmittel wie z.B. das Erbitten um Schläge auf den Rücken des Meditierenden und die tun wahrlich weh…

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 28.05.2012, 00:39 Nach unten

Aquarell, Acryl, Öl, PC

Beitrag  Re: Hilfsmittel in der Malerei? Watn dat???
... :kaffee: ... so ... hab mich grad durch den kompletten Fred gelesen ...

danke an Andreas und alle Beteiligten ... war spannend ... :girliepcwink:

Nach oben 28.05.2012, 19:32 Nach unten
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