"Echte Kunst ist eigensinnig." (Ludwig van Beethoven)




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 Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei 
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PC

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Beitrag: Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei - 25.01.2012, 01:32 arte60 hat geschrieben:
Ich persönlich finde die Frage nach dem Pro und Contra zur Verwendung von Schwarz unerheblich, denn ich würde eher fragen, was bedeutet die Farbe Schwarz für mich und in welchem Zusammenhang kann ich sie sinnvoll einsetzen oder sogar dieser Farbe gerecht werden.


Das entspricht wohl der vernünftigsten und freidenkerischsten Herangehensweise an dieses Thema. Umso erstaunlicher finde ich es, dass vermeintliche Dogmen wie z.B. die weiter oben von Vera zitierte Aussage ihrer Lehrerin "Nicht mit Schwarz mischen" so weit verbreitet sind und auch heutzutage noch vielen Lehrmeinungen entspricht. Angeblich sieht das Herdin auch so, und auch in Foren und Fachkreisen trifft man des öfteren auf diese Meinung.

Ist die Gefahr dabei so groß, dass man die Farbe verhunzt, dass Lehrer zu dieser vereinfachten "Darf man nicht"-Aussage greifen, oder wie lässt sich das erklären?

Nach oben 25.01.2012, 10:37 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Beitrag: Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei - 25.01.2012, 10:37 Adrian hat geschrieben:


Ist die Gefahr dabei so groß, dass man die Farbe verhunzt, dass Lehrer zu dieser vereinfachten "Darf man nicht"-Aussage greifen, oder wie lässt sich das erklären?


Das würde mich auch interessieren! :mhh:
Denn solche Aussagen, wie auf keinen Fall Schwarz nehmen, dass würde die Farben nämlich verdrecken (O-Ton von einer Pastellkreidenmalerin) habe ich auch so gelehrt bekommen.
Daran habe ich mich nie gehalten :lol: , sondern habe schwarz immer mit Bedacht eingesetzt und es wirkte super! :grins:

Nach oben 25.01.2012, 10:43 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Wenn ich meine Farbvorräte anschaue, merke ich, daß Schwarz am wenigsten gebraucht wird. Da ich gerne Menschen und Landschaften male, ist das natürlich verständlich, weil da ja wirklich nicht viel Schwarz vorkommt. Das Mischen von Komplementärfarben ergibt ganz gute dunkle Töne, ich gebe auch gerne Blau dazu, das gefällt mir halt. Die meisten Farben in der Natur sind ja gar nicht so strahlend, da gibt es ganz viele stumpfe Töne. Umso leuchtender wirken dann reine oder nur schwach gemischte Farben daneben.
Andererseits ist Schwarz eine gute Farbe für abstrakte Bilder, sowohl was den Kontrast betrifft, als auch als Untergrund.
Die Strukturpaste Black Earth z. B. gibt tolle Effekte.
Was mir an dieser Diskussion besonders gefällt, ist der informative Wert. Da geht es gar nicht wie so oft ums Rechthaben, sondern um echtes Wissen und persönliche Erfahrung. Ich finde da unter anderem sehr spannend, was Beowulf aus seinen eigenen Mischexperimenten erzählt. Das reizt zum Ausprobieren.
Auf die Gefahr hin, wieder das Thema zu verfehlen -kriegt man aus Blau und Rot wirklich kein leuchtendes Violett , wie Beowulf meint ? Muß man da Ein-Pigment-Violett verwenden (falls es das gibt) ?
Momentan probiere ich an einer Mischung für ein strahlendes Türkisblau. Komischerweise kriege ich das aus Gelb und Blau nicht hin, da ist Blau und Grün schon erfolgversprechender. Entschuldigung für das Abschweifen, aber Mischen ist eben so ein überaus interessantes Thema für mich, egal ob mit oder ohne Schwarz.
Jedenfalls danke für die lehrreichen Beiträge, und das ist wirklich ein spannendes Thema.

Christl

Nach oben 25.01.2012, 12:09 Nach unten

Bleistift, Öl, Kohle, Computer

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Tatsächlich sehr interessant muss ich sagen und ich habe mich selber eine lange Zeit gefragt "WWWWUAAAAARUUUUUM???" :D. Bis ich mal zu diesem Thema meinen Dozenten fragte (Aufgepasst: Dieser hat selber in Leipzig vor zig Jahren studiert an der HGB und ich glaube damals hieß die noch anders. Zumindest war sein Studium Buchkunst aber was alle gemeinsam hatten war das 4 semestrige Grundstudium in denen alle das gleiche machten. Von Buchdruck über Radierung, bis hin zu Öl-> Grundlagen also. Von ihm habe ich sehr viel gelernt muss ich sagen. Selber hat er auch vor ein paar jahren noch im Prüfungsgremium in den Aufnahmeprüfungen gesessen.).. Um aber auf den Punkt zu kommen. Alle meine Mitschüler hatten einen ziemlichen Gräuel gegen ihn. Ich dachte mir aber was soll das ganze. Er hat Wissen, ich will davon Teil haben und weil mich die Ölmalerei nunmal interessierte fragte ich ihn "Was können sie mir für Tipps geben was die Ölmalerei angeht."
Er begann zu erzählen und ich gebe es in Grundzügen wieder: "Wenn man malt, beginne zunächst mit den Farben, wenn du ein dunkleres Rot haben willst dann mische es mit beispielsweise blau, oder ein wenig gebranntes umbra oder mit cobalt violett usw.. Kurzum zu beginn nur die Farben unter sich mischen. Bloß nicht mit Schwarz! Wenn du hauttöne verwendest, untermale zunächst mit rot und lasiere anschließend immer wieder. Es wirken die Hauttöne dann überzeugender soweit ich selber weiß. Es wirkt als wäre fleisch darunter. Außerdem wäre dieses mit Rot untermalen die sogenannte Leipziger Schule. Man könne zu beginn auch mit Acrylfarben untermalen. (Übrigens weiß ich es nur aus der ÖLMALEREI) Wenn die Farben an sich es nicht mehr hergeben, werden die Farben mit Schwarz gebrochen (gemischt). Sobald also Schwarz mit ins Spiel kommt nennt es sich "Farben brechen". Nutze nie REINES SCHWARZ. Wenn du eine dunkle Stelle hast, mische das Schwarz zumindest mit beispielsweise Preußisch Blau oder Crimson und und und. Reines Schwarz wirkt sonst nicht angenehm für den Betrachter, es wirkt leblos und es gehe die Harmonie verloren. Oder wie wir es gelernt haben (wie er sagte), es wirkt TOT. Soweit also aus meinem Wissen die Antwort. Ich habe sogar ein Beispiel was die Untermalungstechnik angeht von einem anderen Maler deM ich im Zwinger in Dresden zusehen durfte wie er eine Kopie von Vermeer anfertigte, hier im Untermalungsstadium noch. Das war also die Antwort eines Leipziger Schülers und ich muss aus eigener Erfahrung sagen, Schwarz verwende ich auch bei nicht Alla-Prima Techniken so wenig wie möglich weil er meines erachtens Recht hat. Ich hoffe das hat geholfen im großen Mysterium und irgendwem von euch hat es was gebracht. :D

Nach oben 25.01.2012, 13:08 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Die Erklärung zum „Verbot“ ist recht einfach. Anfänger in der a la prima Malerei neigen dazu die Farben mit Schwarz abzudunkeln, weil Schwarz nun einmal die dunkelste Farbe auf der Farbpalette ist und weil es an der Erfahrung fehlt, das eine im Dunkel liegende Farbe, also z.B. die Schattenfuge einer Gewandfalte, immer noch farbig ist. Dazu kommt noch das bei der pastosen Malerei einige Farben bei der Zumischung von Schwarz tatsächlich ihre Farbigkeit verlieren. Dazu muss man nur einmal Gelb mit Schwarz mischen. Außerdem ist Schwarz nicht gleich Schwarz, sondern auch hier gibt es Farbtönungen von bläulich, bräunlich bis grünlich.

Natürlich kommt es immer darauf an was der Schüler überhaupt malen will und in welcher Technik. Ratsam ist es aber, dass er am Anfang lernt, dass z.B. ein Schatten nicht gleichbedeutend ist mit dem Fehlen von Farbe.

@Morgensturm, auch ich trage fast nur Schwarz, aber an Saturn habe ich dabei nie gedacht! :mhh: Na ja, jetzt weiß ich wenigstens, das ich geschützt bin…. :dops:

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 25.01.2012, 13:10 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Hola Puck,
dein Kommentar ist ein schönes Beispiel für den schwarzen Glaubenskrieg. Man kann solche Aussagen nicht generalisieren. Die Leipziger Schule unterteilt sich in zwei Hauptströmungen, da wäre zum einen die expressive Richtung mit Bernhard Heisig,Gudrun Brüne, Sighard Gille usw. und die andere mehr formell und sachlich mit Werner Tübke, Wolfgang Peuker, Volker Stelzmann usw. Während also die erste Gruppierung dem expressiven Farbgebrauch nutzte, also a la prima, Zusammensetzung der Formen durch viele Farben und Kontraste und das auch mit Schwarz, war die zweite Gruppierung eher der Malweise der Renaissance und der deutschen Romantiker verpflichtet. Also durchstrukturierter Farb- und Kompositionsaufbau, Schichtenmalerei usw.

Außerdem kann ich mir nicht vorstellen das z.B. ein Werner Tübke, der nun wirklich ein pedantischer Maler war und sich in seiner Malerei der Renaissance verpflichtet fühlte, ausgerechnet als Inkarnatsfarbe Rot benutzte, sondern er wird eher auf das klassische lasierende Grün zurückgegriffen haben, um damit diesen grünlichen Hautschimmer, den die Adern erzeugen, hinzubekommen.

Auch hier sieht man wieder, dass man solche Aussagen immer kritisch distanziert sehen sollte und vor allen Dingen unter der Betrachtungsweise, was ist davon nützlich für meine eigene Malweise!

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 25.01.2012, 14:01 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Ich sehe das ähnlich wie Andreas. Die Farben werden oft falsch interpretiert... eine Beimischung von Schwarz allein reicht nicht für jeden Schatten aus. Auch verändern sehr deckende Pigmente wie Weiß oder Schwarz in Mischungen die Farben deutlich. Da wird aus einem Goldocker + Schwarz schnell mal ein Dunkelgrün. Und wie schon so richtig angemerkt wurde: Kein gängiges Farbsystem der Welt erklärt dies hinreichend. Es gibt zwar immer wieder Versuche, das Farbgefühl durch ein starres Logiksystem zu ersetzen... aber es funktioniert in der Praxis einfach nicht.

Auch sind schwarze Pigmente in der Regel sehr gut deckend... und deckende Pigmente wirken vor allem in Kombination mit transparenten Pigmenten gut. Da aber bei vielen Malern schon der Rest der Palette fast ausschließlich aus deckenden Farben besteht (vor allem in der Alla-Prima-Malerei), sind sie nicht in der Lage die Eigenschaften von schwarzen Pigmenten zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Das etwas dogmatische Verbot von Schwarz beruht also auf der Unkenntnis darüber, dass die Farbstoffe mitunter recht unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Viele haben einfach keine Lust sich damit zu beschäftigen. Dies ist natürlich jedem selber überlassen, aber die permanente Schlechtrederei von Schwarzpigmenten ist auf Dauer etwas nervig... und kontraproduktiv denjenigen Leuten gegenüber, die mit ihrer Malerei noch am Anfang stehen und einen eigenen Stil entwickeln wollen.

Beitrag: Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei - 25.01.2012, 12:09 Christl hat geschrieben:
Auf die Gefahr hin, wieder das Thema zu verfehlen -kriegt man aus Blau und Rot wirklich kein leuchtendes Violett , wie Beowulf meint ? Muß man da Ein-Pigment-Violett verwenden (falls es das gibt) ?

Ja, das stimmt... und sowas gibt es. Je weiter die Farben für eine Mischung auf dem Farbkreis voneinander entfernt sind, umso gebrochener (d.h. farbloser) in der Regel die Mischung. Ganz extrem ist dies natürlich bei Komplementärfarben, die ein Grau ergeben.
Gute Violetttöne sind meiner Meinung nach Quinacridone Magenta und Quinacridone Blauviolett. Sie sind sehr brillant, transparent und tief. Deckende Töne sind in dieser Sparte etwas rar, aber es gibt sie auch.
Im Kunsthandel werden einem zwar immer noch Bücher von Johannes Itten nachgeschmissen, aber da steht viel falsches drin. Magenta und Cyan fehlen im Farbkreis ganz, wohl leider ein Grund dafür dass diese Farben im Schulunterricht nahezu in Vergessenheit geraten sind. Auch lassen sich in Ittens Buch das Grün und das Violett keinesfalls aus den Grundfarben mischen... für den Druck wurde mit Extrapigmenten getrickst. Mehr Infos findest du hier: http://www.uni-bielefeld.de/lili/kumu/f ... rie41.html

Nach oben 25.01.2012, 14:15 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Christl hat geschrieben:
Auf die Gefahr hin, wieder das Thema zu verfehlen -kriegt man aus Blau und Rot wirklich kein leuchtendes Violett , wie Beowulf meint ? Muß man da Ein-Pigment-Violett verwenden (falls es das gibt) ?


Ich habe mal einen Versuch gestartet, bei dem ich herausfinden wollte, wie ich ein schönes Violett mischen kann. Ich habe verschiedene Blaue Farben mit verschiedenen Roten Farben gemischt. Ein schönes Violett hab ich erhalten, beim Mischen von Chinacridon Rot und Ultramarin Blau. Mit anderen Kombinationen entstand oft eher ein Braunton.

Ich hab daraus das Fazit gezogen, dass ich ein Rot und ein Blau nehmen muss, die jeweils für sich selbst schon leicht ins violette gehen. Also ein kaltes Rot, welches schon einen Blaustich hat und ein warmes Blau, welches einen Rotstich hat.
Mit einem gelbstichigen Rot und einem Grünstichigen Blau hingegen bekommt man keinen schönen Violett Ton.

Nadia

Nach oben 25.01.2012, 15:47 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
:offtopic:


Signatur


Nach oben 25.01.2012, 16:26 Nach unten

kritzelkram

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
:winken:
Ergänzend zu andreas' schwarzer liste würde ich gerne noch den graphit erwähnen, der zumindest in meiner jugendzeit zu PBk gerechnet wurde, nach fundort sehr unterschiedliche erscheinung hat und auch nicht für jedes bindemittel geeignet ist, aber zumindest in wasserfarbe sehr subtile bis merkwürdige (silbergraphit) farbwirkung zeigt wie kein anderes pigment.

:winken:

Nach oben 25.01.2012, 19:37 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Hm, also auf Graphit wäre ich jetzt nicht gekommen, aber du hast Recht wenigstens als zeichnerisches Mittel ist Graphit erwähnenswert. 1790 hatte Josef Hardmuth herausgefunden, dass man durch die Beigabe von Kaolinton zum Graphit verschiedene Härtegrade beim Bleistift erzielen kann. Dabei werden beide Komponenten vermischt zu Minen geformt und danach gebrannt. Abschließend werden die porösen Minen noch in Öl getaucht, so dass sich die beiden Materialien fest verbinden. Harte Bleistiftminen(H) besitzen einen hohen Tongehalt und weiche Minen (B) einen geringen, was auch erklärt warum weiche Bleistifte eine höhere Färbekraft besitzen. Übrigens hielt man früher Graphit für eine Form des Bleis und daher kommt der Name Bleistift, der aber in Wirklichkeit mit Blei nichts zu tun hat.

Als Pigment zur Farbherstellung ist Graphit wohl eher ungeeignet, da er wie bei Unterzeichnungen mit Bleistift, die unangenehme Eigenschaft hat, mit der Zeit durch darüber liegende Farbschichten durchzuwachsen, wie man bei Bildern von Renoir beobachten kann.

Und zum Schluss noch eine Frage an alle: Kennt jemand ein gutes Buch über die Farbe Schwarz? Also eher eine Abhandlung über die kulturelle Bedeutung der Farbe, sowie mythologische Hintergründe usw. Da wäre ich sehr dankbar, wenn jemand eine Empfehlung hätte… :kapituliere:

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 26.01.2012, 01:55 Nach unten

Aquarell

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Ich habe mal über den Gockel "Die Farbe Schwarz Myhologie" eingegeben. Da kamen schon (eher weiter nach unten scrollen - da anfangs mehr Belletristik kommt) einige Abhandlungen dazu. Ob brauchbar.....keine Ahnung :hmm:
Ein Buch zu dem Thema gibt es wohl nicht (mehr?).

Ha, Andreas, datt wär doch mal was, oda? :grins: Du machst die Projekt-Orga/Koordination und wir sammeln für Dich :D Und dann bringen wir das ultimative Kritzelmeister-Buch zur Farbe Schwarz heraus. :dops:

Nach oben 26.01.2012, 07:07 Nach unten

kritzelkram

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
:winken:

Also, ich hab zwei graphite und zwei schwarz im "aquarellkasten" (von ca. 20 farben) und wenn man nicht so auf knallig bunt steht sehe ich die als eine absolute bereicherung der palette...

Die pigmente liegen bei wasserfarben ja fast ohne bindemittel an der oberfläche, da wächst nichts durch

:winken:

Nach oben 26.01.2012, 07:20 Nach unten

Aquarell, Acryl, Öl, PC

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Moinsen,

ein Buch über die Farbe schwarz habe ich auch noch nicht gefunden,
aber ich habe mich lange mit der 4-Elemente(westlicher Kulturkreis) bzw. 5-Elemente(östlicher Kulturkreis) Lehre beschäftigt.

Die alten Chinesen betrachteten Schwarz als Königin der Farben
und hoben sie lange mehr hervor als andere Farben.
Lao Zi meinte, dass „fünf Farben die Leute blind machen".
Das I Ging oder Buch der Wandlung sieht Schwarz als die Farbe des Himmels ...

Schwarz wird teilweise dem Element Erde (verbrannte Erde, ansonsten gelb, steht für Stabilität, Erdung, die Mitte)
und teilweise dem Element Wasser (ansonsten blau, steht für die Gefühlswelt) zugeschrieben.

Weiß z.B. wird in anderen Kulturkreisen zu Beerdigungen angezogen ...

also vieles, was wir mit einer Farbe verbinden ist konditioniert :shock: (wobei ich persönlich glaube nicht alles ist ankonditioniert, mancher Archetypus spielt auch eine Rolle)

Ich selbst benutze schwarz, teils fertige Mischung, teils selbst gemischt, je nach gewünschtem Effekt,
sowohl psychologisch als auch visuell. Und manchmal einfach so, wenn die Hände das wollen sozusagen :grins:

Viele Grüße von Yvonne

Nach oben 26.01.2012, 11:15 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
In der Zen-Malerei ist Schwarz - mit all den Graustufen - die Farbe schlechthin, darin alle Farben darstellbar sind. Chinesische und japanische Kalligraphie sind weitere Kunstformen, die schwarze Tusche verwenden (Reibetusche).
Das Schwarz in den Bildern Mark Rothkos ist ein Beispiel (für viele), wie Schwarz als Symbol, Zeichen, Medium und so fort, verwendet werden kann.

Nach oben 29.01.2012, 19:35 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Vielen Dank für eure Anregungen! Ich habe mich mal ein wenig umgeschaut und mir einen Haufen Bücher zum Thema bestellt. Damit werde ich mich erst einmal schlau machen und mich zum Fachmann fürs Schwarze heranbilden. :kaffee: :dops:

Eine Sache hat mich im Vorfeld jedoch arg beschäftig und zwar das Argument Schwarz kommt in der Natur nicht vor! Mal abgesehen von sämtlichen Verkohlungsprodukten, die auch natürlichen Ursprungs sein können, bin ich jedoch zu meiner Überraschung noch ganz woanders fündig geworden.

Natürlich denkt man gleich an die schwarzen Löcher im Weltraum die sämtliches Licht verschlucken sollen, aber das hat noch niemand mit eigenen Augen gesehen. Zurück auf unserer Erde bleiben da eigentlich nur die Kohlenstoffverbindungen, die im unbehandelten Zustand etwa acht Prozent des einfallenden Lichts reflektiert, also 92% des Lichtes absobieren. Diese Tatsache hat die Wissenschaftler natürlich nicht ruhen lassen und so haben sie ein Material entwickelt, das nur 0,16 % des Lichtes reflektiert. Das so genannte „Super Black“ besteht aus einem Gemisch von Nickel und Phosphor und ist mit winzigen Kratern übersehen, die das einfallende Licht zusätzlich streuen. Doch es geht noch extremer und dabei kommt die Natur in Form eines Schmetterlings zur Hilfe. Das hier ist er:
Dateianhang:
papilio ulysses02.jpg

Papilio ulysses trägt auf seinen Flügeln, das schwärzeste Schwarz, das man bisher in der Natur gefunden hat! Bei genauerer Untersuchung seiner schwarzen Flächen stellte sich heraus, dass diese aus mikroskopisch kleinen Röhrchen, „nanotubes“ genannt, bestehen. Diese Nanoröhren sind aus eng zusammengerollten Kohlenstoff und würde man 400 dieser Rollen nebeneinander anordnen, dann könnten sie in einem menschliches Haar Platz finden. Auf dem Schmetterlingsflügel sind diese Rollen jedoch nicht eng aneinander geordnet, sondern mit Zwischenräumen in denen sich das auftreffende Licht noch zusätzlich verfängt. Mittlerweile hat man dieses natürliche System aufgegriffen und technisch nachempfunden, mit einem Material bestehend aus einem Miniaturwald aus Nanoröhrchen und der unglaublichen Eigenschaft nur noch 0,045% allen Lichtes zu reflektieren. Das erzeugte Schwarz hat dabei die Eigenschaft, das man tatsächlich nicht mehr unterscheiden kann, ob es sich bei der Betrachtung um eine schwarze Fläche oder um einen Tunnel handelt, da sämtliche Orientierung verloren geht.

Dazu gibt es noch ein schönes Beispiel aus der Kunst. Auf der Documenta IX hatte der israelische Künstler Anish Kapoor in einem separaten begehbaren Betonklotz eine Installation bereitgestellt, die wirklich die Wahrnehmung irritierte.
Dateianhang:
Anish Kapoor01.jpg

Ging man hinein sah man zunächst einen schwarzen runden Pigmentfleck auf dem Boden. Erst wenn man sich diesem vermeintlich flachen Fleck näherte, dann wurde einem etwa schummerig. Da das reine Pigment, das einfallende Licht fast vollständig schluckte, konnten die eigenen Sinne nicht genau beurteilen was man dort eigentlich sah, denn in Wirklichkeit war es kein flacher Fleck, sondern eine in den Boden eingelassenen Halbkugel, die vollständig mit reinem schwarzen Pigment ausgestreut war. Die fehlenden Lichtreflexion machte einen glauben, die Halbkugel würde nicht existieren.
Dateianhang:
Anish Kapoor02.jpg


@Hermann, weißt du noch den Fabrikant der Graphitfarbe?

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 29.01.2012, 23:32 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
danke für die informativen beiträge, vor allem von andreas!

auch das blau des schmetterlings sind übrigens keine pigmente, hab ich mir kürzlich von einem sehr berühmten naturforscher sagen lassen...

zum thema schwarz: ich hab meine lehrerin leider noch nicht getroffen und konnte sie also auch nicht befragen...

zum gefühl von schwarz, absoluter dunkelheit: doch, das kenn ich schon...zumindest eine dunkelheit, in der es bei neumond nicht mehr gibt als die sternchen am himmel, und das ist schon VERDAMMT dunkel, weil deren licht nicht so weit reicht, dass sie die erde beleuchten...das ist tatsächlich eine dunkelheit, in der man einfach NICHTS mehr sieht. leider kennen das viele stadtmenschen überhaupt nicht mehr. seit ich am land wohne, nervt mich die nächtliche helligkeit in der stadt ziemlich... :mrgreen:

was die malerei betrifft, ich denke, ich werde auch weiterhin auf die verwendung von reinem schwarz verzichten, außer vielleicht bei abstrakt, da kann ich es mir auch vorstellen. mir gefällt aber einfach auch ein färbiges schwarz oder grau besser als reines oder gemischtes schwarz.
vor allem bei schatten find ich schwarz tödlich, denn wie andreas schon richtig sagte, schatten bedeutet nicht die abwesenheit von farbe. ein färbiger schatten oder eine färbige dunkelheit wirken auf mich einfach viel lebendiger und besser.

@ andreas: das von dir erwähnte asphalt, ist das auch jenes, welches mussini als asphaltlasurton anbietet?
aber gut, als untermalung verwende ich es ohnehin nicht, dafür ist mir mussini zu teuer. jedoch als lasurton und eben auch für mischungen, dunkelheiten etc. kommt es oft zum einsatz.

Nach oben 30.01.2012, 14:37 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Beitrag: Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei - 30.01.2012, 14:37 vera hat geschrieben:
was die malerei betrifft, ich denke, ich werde auch weiterhin auf die verwendung von reinem schwarz verzichten,

Das glaubst du nur. ;) Der von dir angesprochene Apshalt-Lasurton von Mussini enthält folgende Pigmente:
PR 101 (Eisenoxidrot), PV 19 (Chinacridon), PBk 7 (Ruß)
Dies ist also wieder eine Mischung aus Schwarz und lasierenden Pigmenten, welche allerdings richtig durchtrocknet und nicht weich bleibt wie echter Asphalt.
Umbra gebrannt wäre als reines dunkelbraunes Pigment mit guter Deckkraft einer Alternative, aber es erreicht nicht ganz die Dunkelheit und Tiefe von Schwarz-Mischungen. Dies ist aber u.U. auch nicht nötig, je nach Motiv.

Nach oben 30.01.2012, 19:53 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Andreas, das ist ja hochinteressant und dazu noch sehr spannend geschrieben! (Heute früh habe ich mich schon mal bei deinem Schmetterling festgelesen und musste mich losreißen, um nicht zu spät zur Arbeit zu kommen :girlieforumlesen: )

Das SuperBlack, und diese fast alles Licht verschlingenden Nanotubes werden gewiss im miltärischen Bereich zur Anwendung kommen. Könnte ich mir jedenfalls gut vorstellen.
Oooooaaaahhh, stell' Dir vor, Du hättest so einen Nanotubeanzug und gehst spät abends in die Eisdiele und bestellst Dir ein Eis :rofl: Die fallen ja reihenweise um, weil sie nur den Kopf und die Hände sehen können :girlietobt: :girlieumfall:
Mir fallen da noch viele lustige Sachen dazu ein :rofl:
Andreas, ein Vortrag lebt auch von "Bildern". Gemeint sind damit Bilder, die mit Worten "gemalt" werden, und die dem Zuhörer deshalb richtig lange im Gedächtnis bleiben können (sollen :D ).
Dein Vortrag lebt auch von Bildern :D allerdings von richtigen Bildern (=den Fotos), die viele Bilder im Kopf auslösen. Das ist auch eine Kunst. Die Kunst, zu reden.

Ich freue mich jetzt schon auf weiteres vom "MAN IN BLACK" :knuddeln:

Nach oben 30.01.2012, 20:20 Nach unten

Beitrag  Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei
Beitrag: Re: Pro & Contra zur Verwendung von Schwarz in der Malerei - 30.01.2012, 20:20 Rocky hat geschrieben:
....................
Andreas, ein Vortrag lebt auch von "Bildern". Gemeint sind damit Bilder, die mit Worten "gemalt" werden, und die dem Zuhörer deshalb richtig lange im Gedächtnis bleiben können (sollen :D ).
Dein Vortrag lebt auch von Bildern :D allerdings von richtigen Bildern (=den Fotos), die viele Bilder im Kopf auslösen. Das ist auch eine Kunst. Die Kunst, zu reden.

Ich freue mich jetzt schon auf weiteres vom "MAN IN BLACK" :knuddeln:


    Da kann ich Ellen in allen Punkten zustimmen Andreas. :doppeldaumen:
    Du bist einfach ein Lehrer bei dessen Ausführungen man lernt ohne zu merken dass man lernt.
    Ohne schulmeisterhaft zu wirken und ohne den erhobenen Zeigefinger.

    Rocky hat geschrieben:
    "MAN IN BLACK"


    Super Ellen :daumen:


Nach oben 31.01.2012, 06:37 Nach unten
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