"Das Auge sieht, was es sucht." (Max Slevogt)




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 Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen? 
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Beitrag  Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Ihr Lieben,

vergangene Woche sah ich in einem Treppenhaus ein riesengroßes Bild hängen.
Es war weiß und hatte im unteren Drittel zwei 10x15cm große fast schwarze Flächen.
Drunter stand mit lockerer Handschrift:

Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?


Das hat mich die letzten Tage sehr beschäftigt.

Ja, was machen denn die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Sind sie dann DA? Oder sind sie gar nicht DA, sondern nur, weil ich meine, das sie DA sind?

Abends im Bett dachte ich an unser Nebenzimmer - zählte innerlich auf, was alles DA SEIN müsste.
Mein Mann, der das Zimmer nur flüchtig kennt, zählte anderes auf.
D.h., das was für mich da war, war für ihn absolut nicht da. Und dennoch IST es ja DA. Oder doch nicht? :sterne:

Na, ich finde es ist einfach mal eine interessante Überlegung und wollte euch daran teilhaben lassen.

Nach oben 21.12.2011, 20:48 Nach unten

kritzelkram

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
:winken:

Hatte das thema auchmal, hab mich gefragt, existieren die dinge nur, weil ich sie wahrnehme oder haben sie auch ein leben, wenn sie unbeachtet bleiben?

Hab dann angefangen, die unbeachteten dinge zu malen/zu zeichnen, bauschutt, unrat, papierfetzen und so, einige davon hatte ich dann auch hier im "täglich eine kleine skizze-thread eingestellt...

Meine weitergehende frage war dann gewesen, wenn ich so ein ding fokussiert darstelle erregt es möglicherweise aufmerksamkeit, wenn ich es aber "neutral" male, so wie es ist, ist dann das abbild genauso unbedeutend wie das objekt und wird genausowenig wahrgenommen? Oder ist ein langweiliges abbild (durch meinen aufmerksamkeits-vorschuss) automatisch gewichtiger als das langweilige ding ansich?

Bin mit meiner frage auf allgemeines unverständnis :roll: gestossen (positiv formuliert) und finds richtig klasse, dass du das hier zum thema machst, hoffentlich gibts resonanz...

:winken:

Nach oben 21.12.2011, 21:15 Nach unten

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Huuiiiii, ist wirklich eine spannende philosophische Frage....
Bist du denn mit deinen Überlegungen zuende gekommen:lupe: ?

Nach oben 21.12.2011, 21:44 Nach unten

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Beitrag: Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen? - 21.12.2011, 21:44 immerweiter hat geschrieben:

....
Bist du denn mit deinen Überlegungen zuende gekommen :lupe: ?


    Die Anwort würde mich auch interessieren.
    Kann das überhaupt zu Ende gedacht werden? :hmm: :hmm:


Nach oben 21.12.2011, 21:48 Nach unten

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Ich glaube nicht, Gisela.
Aber interessant ist es auf alle Fälle sich da mal mit auseinander zusetzten....

Nach oben 21.12.2011, 21:55 Nach unten

kritzelkram

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
:winken:

Nee, zu ner lösung bin ich nicht gekommen, aber ich denke eh, dass die steinchen und der unrat genauso ihr leben haben wie wir menschen, da gibts keine so grosse unterschiede...

Das problem scheint vielmehr in unserer menschlichen selektiven wahrnehmung zu liegen, dass wir alle dinge beschreiben müssen, um sie wahrzunehmen und begriffe mit allgemeinen bildern verknüpft sind. Vielleicht war für deinen mann dieses zimmer ja nur so ein oberbegriff, über dessen inhalt er sich noch keine grossen gedanken gemacht hatte, der nebenraum eben...
So wie man kieselstrand auch nur mit einer unmege kiesel verbindet, ocker oder weiss, meinetwegen, aber nur kiesel. Erst wenn man sich einen kieselstein näher ansieht, form und farbe wahrnimmt (beschreibt) kann man erkennen, dass diese beschreibung von den millionen anderen kieseln abweicht, jeder stein er selbst ist, auch wenn man ihn erstmal nur kiesel nennt.

Ich habs mir so erklärt, dass da einfach nur zwei wahrnehmungsebenen aufeinanderstossen, die in konflikt miteinander stehen...

:winken:

Nach oben 21.12.2011, 22:40 Nach unten

Aquarell, Acryl, Öl, PC

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Die Quanten Physiker kommen langsam dahinter :grins: :grins:

Man kann mittlerweile nachweisen, daß ein Elektron an verschiedenen Orten gleichzeitig *sein* kann.

Und guckt mal hier, Schrödingers Katze, :shock: :shock: :shock:
Erst bei der Messung durch einen äußeren Beobachter entscheidet sich also, ob die Katze tot oder lebendig ist
http://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingers_Katze

Nach oben 21.12.2011, 23:26 Nach unten

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Super Thema! Aber sehr komplex und auch ein wenig gefährlich!

Sicher ist nur eins, die Wahrnehmung von Objekten wird durch vielfältige Faktoren bestimmt und unterliegt dabei individuellen Wahrnehmungsprozessen. Egal welches Objekt, aber die Wahrnehmung und das innere Abbild des Objekts ist von Person zu Person völlig unterschiedlich. Es gibt eine allgemeine Verständigungsbasis die Objekten einen Begriff zuordnen, wenn es dann aber um die Beschreibung eines Objektes aufgrund seines Begriffes geht, dann sieht man schnell das die Vorstellung des Objekts bei jedem anders aussieht.

Damit sind schon die ersten Schwierigkeiten vorgegeben, wenn man an die Existenz von Dingen glaubt, denn wie sieht ein bestimmtes Objekt überhaupt aus?

Geht man nur von der visuellen Wahrnehmung aus, stößt man schnell an seine Grenzen, denn wie ordnet man Eigenschaften wie Schwere, Leichtigkeit, raue Oberflächen usw. zu? Und was für den einen einfach Blau ist, hat für den anderen einen leichten Stich ins Violette.

Unsere Wahrnehmungsorgane sind darüberhinaus auch so dermaßen beschränkt, dass wir mit Sicherheit viele Dinge nicht wahrnehmen, obwohl wir uns konzentrieren. Hier zwei kleine Beispiele:

und hier eins über die akustische Wahrnehmung. Wer den Clip ein paar Male hintereinander abspielt, hört wie die Töne immer höher werden. Dies steigert sich scheinbar bis ins Unendliche. Bei der akustischen Täuschung handelt es sich um eine sogenannte Shepard-Tonleiter. Der Eindruck entsteht, da das menschliche Ohr in diesem Fall nicht feststellen kann, auf welcher Frequenz der Grundton liegt.


Heißt das aber, dass Gegenstände und alles was uns umgibt eigentlich nicht existiert? Ich glaube eher das noch viel mehr existiert, nur das wir es nicht wahrnehmen können oder wollen.

Beim Abbilden von Objekten wird es dann aber noch schwieriger, weil derjenige der es abbildet seine ganz individuelle Sichtweise des Objekts darstellt und natürlich dabei dem Objekt automatisch eine andere Bedeutungseben gibt. Das hat dann aber mit dem eigentlichen Objekt nichts mehr zu tun und es verschwindet hinter der Abbildung.

Redet man aber über die reale Existenz von den Dingen die uns umgeben, muss man wohl zwangsläufig zugeben, dass es mit unserer Realität nicht soweit her ist, wenn man alleine an die vielen optischen Illusionen denkt und die Einfachheit der visuellen, akustischen und haptischen Täuschungen.

LG :santawink:
Andreas

Nach oben 21.12.2011, 23:39 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Die Dinge, die wir nicht im Blick haben, sind selbstverständlich da und führen ihr Eigenleben. Wir als kleine Menschen im großen unendlichen Weltenraum nehmen durch einen komplizierten Wahrnehmungsprozeß nur ein Bruchteil wahr.
Und das macht mich nachdenklich. Ich schaffe es einfach nicht,. alles das aufzunehmen, was ich möchte. Und vor allem gibt es soviel Dinge, von deren Existenz ich nicht einmal weiß, die aber wichtig sind und andere Menschen wahrnehmen. Mann o Mann, dies ist wirklich ein kompliziertes, vielschichtiges Feld..... :mhh:

Nach oben 22.12.2011, 08:57 Nach unten

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
arte60 hat geschrieben:
Redet man aber über die reale Existenz von den Dingen die uns umgeben, muss man wohl zwangsläufig zugeben, dass es mit unserer Realität nicht soweit her ist, wenn man alleine an die vielen optischen Illusionen denkt und die Einfachheit der visuellen, akustischen und haptischen Täuschungen.

LG :santawink:
Andreas


    Ich kann Deine Worte komplett so übernehmen wie Du sie oben geschrieben hast.
    Nur so gut formulieren könnte ich sie nicht.

    Deine Beispiele sind sehr sehenswert, :danke1: dafür.

    Schon William Shakespeare ließ seinen Hamlet zu Horatio sagen.

    "Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als Eure Schulweisheit sich träumen lässt."


Nach oben 22.12.2011, 08:58 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
moinmoin,

also ich weiß, daß mein geschirrspüler auch noch existiert, wenn ich aus der küche gehe. weil - wenn ich wieder heimkomm, dann ist das geschirr gespült und ich danke ihm täglich dafür.... :grins:

ich hab aber auch mal drüber gelesen, daß wir längst nicht alles wahrnehmen können, schon allein durch die konditionierung auf dinge des täglichen lebens, das fängt ja schon in der kindheit an. ich konnte als kind einiges sehen, das die anderen nicht sahen - also hab ichs mir abgewöhnt, indem ich kurzsichtig wurde.

da ich immer einen hund hatte und sehr viel draußen bin in der natur, ist es mir zweimal passiert, daß ich an stellen, an denen ich oft vorbeikomme, einen baum gesehen habe, der vorher nicht da war. es ist so, daß ich ein sehr visueller mensch bin, ich schau mir alles ziemlich genau an. eine stelle, wo meine hündin immer in einen bach gehüpft ist, wo vorher nix war (ich schwör) da stand einestages eine mittelgroße esche. ich hatte sie vorher nie gesehen. an einer anderen stelle, mitten im wald an einer quelle, sah ich ein holunderbäumchen, das vorher nicht da war. ich kanns mir bis heute nicht wirklich erklären, eben weil ich gut beobachte und ich mir nicht vorstellen kann, daß ich die bäume jahrelang nicht wahrgenommen hatte :hmm:

naja, und nachdem wir wissen, daß unser gehirn sehr viel ungenutzte kapazität hat - vielleicht wirds ja noch ein wenig mehr mit der wahrnehmung (dann sehen wir die aliens, die unerkannt unter uns weilen :rofl: ).

auf der anderen seite muß ich mal wieder mit dem hawaiianischen ho-oponopono anfangen. da wird davon ausgegangen, daß die welt, also die gesamte welt mit all ihren problemen usw. unsere eigene schöpfung ist. daß jeder für sich dafür die verantwortung trägt, für alles. daß alles, was wir bemerken, uns auch was angeht und nur in unserem inneren geändert werden kann. insofern - wenn ich etwas nicht bemerke, existiert es gerade nicht ???

*winke*

Nach oben 22.12.2011, 09:39 Nach unten

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Wenn ICH WEISS , im Nebenzimmer sind die und die Gegenstände, und mein Mann nichts von den Gegenständen weiß,
dann exiestieren sie doch für ihn gar nicht - OBWOHL sie ja da sind.

Ist ja das gleiche mit den Schwangeren - früher hat man nie werdende Mütter gesehen. Nun sieht man sie überall - OBWOHL vordem auch Schwangere da waren.

@ Morgenwind, bist du dir Wirklich sicher mit den Bäumen?

Nach oben 22.12.2011, 16:49 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
ja, bin mir zu hundert prozent sicher. weil die esche an einem bachufer steht, genau da, wo mein hund immer ins wasser gegangen ist. und das holunderbäumchen auch an genau so einer stelle steht. ich hätts mit sicherheit gesehen, wenn die bäume schon immer da gestanden hätten. erklären kann ichs mir auch nicht.

zum anderen: als wir noch nix von amerika wußten, hat es amerika da schon gegeben? als wir noch an götter geglaubt haben, die das wetter machen und unser schicksal lenken - hat es sie wirklich gegeben? und gibt es sie jetzt nicht mehr?

ich glaube, daß alles mit allem verbunden ist und daß zeit nicht wirklich existiert. insofern ist ALLES da, ob wir es wahrnehmen oder nicht. insofern aber ist auch alles NICHT da. weil wir eben nicht mit sicherheit sagen können, daß das alles real ist , was wir erleben und leben. und wir nicht sagen können , ob jemand uns denkt oder ob wir gerade träumen - wir wissens nicht sicher.
ohjeh, ich hör lieber auf, bevor jemand irgendwo anruft, und die männers mit der zwangsjacke kommen :oops: :roll: :kapituliere:

Nach oben 22.12.2011, 17:17 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Ein schönes Thema! Die Antwort darauf und deren Bedeutung hängt wohl immer davon ab, auf welchem "Wahrheits-Niveau" und unter welchen grundsätzlichen Annahmen man diese auffasst.

In der Philosophie zieht sich diese Frage nahezu durch alle Bereiche. Schon Déscartes erkannte: "Das einzige, dessen ich mir sicher sein kann, ist dass ich zweifle" - was dann in der berühmten Schlussfolgerung "Cogito ergo sum" - "Ich denke, also bin ich" mündete.

Schopenhauer betrachtete die "Welt als Wille und Vorstellung", und auch die moderne Quantenphysik hat erkannt, dass die Art des Beobachtungsvorgangs die beobachteten Fakten gravierend vorherbestimmt. In der Summe bedeutet das: Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nur in unseren Köpfen.

Das Problem dabei: Es gibt wohl verschiedene "Realitätsebenen". Wenn man z.B. etwas findet, z.B. einen Schatz von dem niemand wusste, dann ist anzunehmen dass den irgendeiner mal dort vergraben hat und er seitdem schon immer dort war - das gebietet einem in der "aufgeklärten Welt" der Rationalismus - die Welt als Ursache und Wirkung unabhängig von der eigenen Beobachtung. Wie oben schon angeklungen gibt es allerdings Kulturkreise und Glaubenssysteme, die das anders sehen, bzw. insbesondere die "großen Dinge" der Welt als transzendente Willensursache betrachten (sei es göttlich oder menschlich).

Das ist sowohl interessant als auch gefährlich (da stimme ich arte zu), da man durch diese Vorstellung schnell dazu neigt, eigene Verantwortung abzugeben. Sei es an eine höhere Gewalt (Schicksal, Gott, Universum, Astrologie), oder durch die Scheinfolgerung man müsse nur fest genug etwas glauben, dann würde es sich schon von alleine materialisieren. Wenn alles Schicksal oder vorherbestimmt ist, dann brauche ich im Straßenverkehr auch nicht aufpassen und mir lediglich feste genug vorstellen, dass nichts passiert. Wenn dann allerdings etwas passiert, dann hat man entweder nicht fest genug geglaubt oder sich absolut verantwortungslos verhalten. Umgekehrt gibt es aber auch zahlreiche Bereiche, wo der Rationalismus seine Grenzen hat - zumindest im erklärbaren Bereich. Da fängt dann die uralte Frage nach "Zufall oder Schicksal" an, eine äußerst menschliche Frage :wink:

Im Grunde ist das daher eine Glaubensfrage, genauso wie "Gibt es ein Leben nach dem Tod?", "Woher kommt die Welt?", oder "Was soll das alles hier?" :D

Für mich persönlich: Ich betrachte mein "Wissen" so lange als Wissen, bis ich vom Gegenteil überzeugt bin. Wenn ich also z.B. "weiß", dass der Mond auch dann noch da ist, wenn ich nicht hinschaue, dann ist das für mich solange OK bis ich feststellen muss, dass der Mond tatsächlich weg war.

:winken:

Nach oben 22.12.2011, 17:46 Nach unten

Aquarell, Acryl, Öl, PC

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Beitrag: Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen? - 22.12.2011, 17:17 Morgenwind hat geschrieben:

ich glaube, daß alles mit allem verbunden ist und daß zeit nicht wirklich existiert.


Jaaaa, dito, das ewige Jetzt ...
Beitrag: Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen? - 22.12.2011, 17:17 Morgenwind hat geschrieben:

ohjeh, ich hör lieber auf, bevor jemand irgendwo anruft, und die männers mit der zwangsjacke kommen :oops: :roll: :kapituliere:


Laß sie nur kommen ... :keule: :keule: :keule: ... ich steh Dir bei ...

Nach oben 22.12.2011, 19:55 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Beitrag: Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen? - 22.12.2011, 17:46 Adrian hat geschrieben:


Das Problem dabei: Es gibt wohl verschiedene "Realitätsebenen". Wenn man z.B. etwas findet, z.B. einen Schatz von dem niemand wusste, dann ist anzunehmen dass den irgendeiner mal dort vergraben hat und er seitdem schon immer dort war - das gebietet einem in der "aufgeklärten Welt" der Rationalismus - die Welt als Ursache und Wirkung unabhängig von der eigenen Beobachtung. Wie oben schon angeklungen gibt es allerdings Kulturkreise und Glaubenssysteme, die das anders sehen, bzw. insbesondere die "großen Dinge" der Welt als transzendente Willensursache betrachten (sei es göttlich oder menschlich).

Das ist sowohl interessant als auch gefährlich (das stimme ich arte zu), da man durch diese Vorstellung schnell dazu neigt, eigene Verantwortung abzugeben. Sei es an eine höhere Gewalt (Schicksal, Gott, Universum, Astrologie), oder durch die Scheinfolgerung man müsse nur fest genug etwas glauben, dann würde es sich schon von alleine materialisieren. Wenn alles Schicksal oder vorherbestimmt ist, dann brauche ich im Straßenverkehr auch nicht aufpassen und mir lediglich feste genug vorstellen, dass nichts passiert. Wenn dann allerdings etwas passiert, dann hat man entweder nicht fest genug geglaubt oder sich absolut verantwortungslos verhalten. Umgekehrt gibt es aber auch zahlreiche Bereiche, wo der Rationalismus seine Grenzen hat - zumindest im erklärbaren Bereich. Da fängt dann die uralte Frage nach "Zufall oder Schicksal" an, eine äußerst menschliche Frage :wink:


.... die ironie oder der witz dabei ist, daß wir nicht mal das wirklich wissen - ob wir entscheidungsfreiheit haben oder wir gelenkt werden. ich habe mich dafür entschieden, daß wir frei sind, uns zu entscheiden. und daß nichts vorherbestimmt ist - obwohl ich nicht an zufälle glaube. ich denke auch , daß realität formbar ist, veränderbar. je nach blickwinkel - das halbleere glas oder das halbvolle glas...

falls du übrigens positiv denken wollen würdest, dann hieße es nicht *es passiert mir nichts* , sondern *ich komme zügig und heil an meinem ziel an* - also nur für den fall der fälle. :mrgreen: denn *nicht* versteht das unterbewußtsein anscheinend nicht und schaut dann, daß dir eben wunschgemäß was passiert... (hab ich gelesen).

:winken:

@medea: danke - geht halt nix über frauenpower... :grins:

Nach oben 22.12.2011, 22:38 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Beitrag: Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen? - 22.12.2011, 22:38 Morgenwind hat geschrieben:
falls du übrigens positiv denken wollen würdest, dann hieße es nicht *es passiert mir nichts* , sondern *ich komme zügig und heil an meinem ziel an* - also nur für den fall der fälle. :mrgreen: denn *nicht* versteht das unterbewußtsein anscheinend nicht und schaut dann, daß dir eben wunschgemäß was passiert... (hab ich gelesen).

Hehe, da hast Du natürlich grundsätzlich Recht :wink: . Aber auch hier bitte Vorsicht: Während das bei konkreten Anweisungen sinnvoll ist (z.B. "halte Dich gut fest" anstatt "falle nicht runter", oder "schau nach oben" anstatt "schau nicht nach unten"), hilft negatives Denken zur Schärfung der Sinne bei komplexen Ursachen. Z.B. kümmere ich mich zwar offiziell hier darum, dass die Plattform "optimal läuft" (klingt besser), in Wahrheit interessiert mich aber viel mehr, dass sie "fehlerfrei läuft" - letzteres sensibilisiert auf Ursachen, während ersteres eher die Wahrnehmung vernebelt. So passe ich auch beim Autofahren auf, dass "nichts passiert" - und sensibilisiere damit mein Unterbewusstsein auf rennende Kinder, platzende Reifen, Geisterfahrer, Hindernisse, Witterungseinflüsse, etc. - während man sich beim konkreten Ausweichen wiederum auf den Ausweichweg anstatt auf das Hindernis konzentrieren sollte. Ist eigentlich Offtopic, aber den Film kann ich dazu empfehlen: "Die Kunst des negativen Denkens".

zum eigentlichen Thema:
Beitrag: Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen? - 22.12.2011, 22:38 Morgenwind hat geschrieben:
.... die ironie oder der witz dabei ist, daß wir nicht mal das wirklich wissen - ob wir entscheidungsfreiheit haben oder wir gelenkt werden. ich habe mich dafür entschieden, daß wir frei sind, uns zu entscheiden. und daß nichts vorherbestimmt ist - obwohl ich nicht an zufälle glaube. ich denke auch , daß realität formbar ist, veränderbar. je nach blickwinkel - das halbleere glas oder das halbvolle glas...

Ja, das ist ja die große Frage. Nur leider lehrt die Erfahrung auch, dass es in vielen Fällen einfach nicht ausreicht, sich die "Realität" psychologisch schönzudenken - da wurden schon viele von Fakten eingeholt. Da nützt es auch nichts wenn man sich einredet, dass die Waschmaschine nicht mehr da ist wenn man sie nicht wahrnimmt - ebenso der von ihr entstandene Wasserschaden, den man erst bemerkt wenn der Unter-Nachbar sturmklingelt :grins:

Nach oben 23.12.2011, 00:09 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Morgendwind, der Witz ist aber daß. wir gelenkt und fremdbestimmt werden, ob wir wollen oder nicht. Nur das Ausmaß. ist in den verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich. Frohes Fest!!!

Nach oben 23.12.2011, 08:17 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
huhu farbfreundin,

das wichtigste ist, im kopf frei zu bleiben - die gedanken sind frei... ganz egal, welchen äußerlichen zwängen man unterworfen ist. ich dachte lange zeit in meinem leben, einfach nur den zwängen ausgeliefert zu sein, irgendwann habe ich erkannt daß das nicht gestimmt hat.
bei meinem beitrag ist es mir auch mehr um das gegangen , was Adrian angesprochen hatte - also den sternen , den göttern , gott, dem universum die führung über das eigene leben zu überlassen.

wünsch dir auch ein frohes fest!

:winken:

Nach oben 23.12.2011, 09:33 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Was machen die Dinge, wenn wir sie nicht ansehen?
Adrian :grins: , das wär jetzt ein thema , das zum meditieren anregt: kann eine waschmaschine, die nicht vorhanden ist, weil sie nicht wahrgenommen wird, eine überschwemmung verursachen? :rofl:

ich glaub auch nicht, daß viele so blauäugig sind, und jede vorsicht ablegen, wenn sie üben, positiv zu denken. denn das negative denken wird uns ja lange genug eingetrichtert *falll nicht hin mit deinen neuen sachen* hieß es - jo. bin prompt hingefallen als kind, jedesmal, noch dazu immer auf die nase, und die hat immer geblutet und dann war alles versaut :shock: .... das sind so die auswirkungen.

:winken:

Nach oben 23.12.2011, 09:37 Nach unten
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