"Kunst ist das, was übrigbleibt, nachdem alles an ihr bis ins letzte analysiert worden ist." (Martin Kessel)




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 Liebe Malfreunde ... jetzt wirds ernst > 
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Beitrag  Re: Liebe Malfreunde ... jetzt wirds ernst >
Hi CAMCAR - geb ich dir schon recht ...

Bin zwar nur ein Mann - aber wer sagt - dass ich mich immer zufrieden zurücklehne ... wenn ich ein Bild fertig hab. Nee, bei weitem nicht ... grad jetzt wo ich mit den Polys begonnen hab, war ich auch am Verzweifeln - aber wenn man nicht aufgibt - immer nach vorne schaut - dann kommt man auch weiter.

Selber hab ich nie Kurse besucht - ich steh auf so was gar net - also kann ich auch nicht beurteilen, wie so ein Kurs abläuft.

herzlichst

carlos

Nach oben 04.01.2008, 04:11 Nach unten

Beitrag  Re: Liebe Malfreunde ... jetzt wirds ernst >
wenn schon so ein Thema angezogen wird, dann kann ich nicht wirklich ruhig sein. Ich finde diese Polarisierung auf Hobby oder Lebensaufgabe greift zu kurz, sie dringt nicht in das Wesen des Malens ein. Malen ist Emotion, icht Lust, ist Auseinandersetzung, dann erst kommen die Fragen nach der Äusserlichkeit.
Ich male aus diesen drei Gründen und es ist mir egal ob das nun ein Hobby ist, ob ich verkaufe, ob es Beifall gibt, der Malakt als solcher ist der Kern der Sache.
Ich stelle euch hier die fiktive Antwort eines Malers ein, ein Auszug aus meinem geplanten Buch, das wie ich weiß, nie erscheinen wird, aber das Schreiben daran das Wichtigte ist.

…Mein Malen

Eine Idee, seit ein paar Tagen ist sie in mir, fängt meine Gedanken ein, holt mein Gefühl aus dem Bauch, zeichnet mir ein inneres Bild vor die Augen, lässt es verschwinden, neu erscheinen, wechselt Farben aus, erneuert dies und das.
Sie keift mit mir, schimpft mich Zögerling, ist mit mir unzufrieden, lacht über meine momentane Hilflosigkeit und treibt mich vor sich her, hinein in das Tun.
Zwei, drei Tage, gibt die Idee nicht nach, will sich verdeutlichen, dann beginne ich, die Idee hat gesiegt. Genussvoll sprühe ich Wasser auf die Aquarellfarben, bis sie mich beinahe lebendig anglänzen. Noch liegt das Blatt in seinem Weiß unberührt auf dem Malbrett. Meine Hand streicht liebevoll über die gebundenen Pinselhaare, das Bild der Idee ist jetzt deutlich in mir.
Automatisch nehme ich den dicken Pinsel, den der faul und bequem im Behälter steht, wecke ihn durch ein Bad im klaren Wasser. Grün, ein scharfes Grün drängt sich auf, der Pinsel gleitet in die Farbe berührt das erste Mal das Papier, zerstört das jungfräuliche Weiß. Die Lust am Malen nimmt mich fest in ihre Fänge, die Emotion erwacht, der Kampf um die Idee und ihre freche Lebendigkeit in mir beginnt mit einem schnellen Strich. Der Hintergrund erwacht in Farbe, aber das Grün ist zu hart zu scharf, wird dem Körper zu sehr entgegenstehen. Gelb, nur eine Spur weichen Zitronengelbs darüber, noch in das nasse Grün, einige Spuren Rot, schon lebt der Hintergrund. Eine der Farben meiner Emotionen hat sich ausgebreitet und noch eine Spur Indischgelb, Wärme ist jetzt am Papier.
Ab da führt mich nur noch mein Gefühl, meine Ergriffenheit von dem Motiv, von dem Wollen die Idee zu bannen, ihr keine Chance auf ihre Wechselspielchen mehr zu lassen. Ich schöpfe aus mir, Sienabraun in die Haare, konturiert mit Schwarz. Abgrenzungen des Motivs gegen seinen Hintergrund in dem es liegt, auf dem es zu leben beginnt.
Ein flacher Pinsel trägt reines Wasser über das Vorhandene, Zusammenläufe von Farben bilden sich, ich kann nicht aufhören, die Lust daran ist lebendig in mir.
Der letzte Punkt der Idee ist noch zu verwirklichen, die Schleier des Stoffes. Weiß, ausgedünnt, fließt über den Körper, über die Brüste, bildet Bäche von dünner milchiger Farbe, bleibt irgendwo stehen, bildet eine Träne.
Die Idee ist festgehalten und in mir verlöscht.
Das fertige Bild ruft kein Interesse mehr wach, malen ist alles. Malen, das ist, wenn die Leidenschaft in die Tageszeit eindringt und diese unwesentlich macht, wenn der Bauch die Farben wählt und die Hand sich dem Gefühl ergibt, wenn die Pinsel sich tanzend auf dem Papier bewegen, wenn die Außenrealität sich im Abseits des Sehens befindet und sich eine neue Realität in der Leidenschaft und Emotion des Bildes erschafft. Ja das ist Malen, mein Malen, so male ich, anders kann ich es nicht.
lg

Nach oben 06.01.2008, 13:40 Nach unten

Beitrag  Re: Liebe Malfreunde ... jetzt wirds ernst >
Finde die Beiträge sehr intressant. Aber im Grunde ist es doch vollkommen egal, was jemand tut, ob er schreibt, zeichnet, komponiert, malt oder sonst irgend etwas in der Art macht. Es ist doch immer eine Auseinandersetzung mit sich selber und auch ein Hervorbringen aus sich heraus. Eine Art Meditation, ein inneres Bedürfnis muß es wohl für jeden sein. Denn warum ist man denn sonst so idiotisch stunden-,tage- oder sogar monatelang an etwas zu sitzen und gar nicht zu merken, wie die Zeit vergeht.
Nein, mir ist das Ergebnis nicht egal. Ob das daran liegt, dass ich eine Frau bin, kann ich nicht sagen...
LG Uschi

Nach oben 11.01.2008, 11:16 Nach unten
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