"Malen heißt nicht Formen färben, sondern Farben formen." (Henri Matisse)




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 Abmalen von Bildern 
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Beitrag  Re: Abmalen von Bildern
Meine Tochter (15) besucht die 6.Klasse im Gymnasium in Viktring (südlich von Klagenfurt). Das ist eine Schule mit Schwerpunkt auf entweder musikalische oder bildnerische Ausbildung. Die Schule ist in einem alten Stift mit Arkadenhof, Park, Bach, etc. untergebracht, also mit einem tollen, romantischen Ambiente. Jedes Jahr gibt es Ausstellungen der BE-Schüler (zu denen auch meine Tochter gehört) mit Auftritten der Musik-Schüler.
Bei diesen Ausstellungen wird mindestens ein Werk jedes BE-Schülers der Schule ausgestellt. Obwohl hier gruppenweise (2 Gruppen pro Klasse) Themen vorgegeben werden, ist jedes Bild anders, getragen von der Persönlichkeit und den Ideen des jeweiligen Schülers. Es ist eine Freude, diese unterschiedlichen Werke zu betrachten. Niemals wird hier von Vorlagen abgemalt. Ganz im Gegenteil, es wird deutlich Wert auf Kreativität, Phantasie und eigene Ideen gelegt. Auch wenn sie jetzt z.B. irgendeinen Stil oder Künstler imitieren sollen, wird nicht abgemalt. Die Schüler sollen sich nur in diesen Stil hineinfühlen, aber eigene Vorstellungen verwirklichen.
Den Schülern macht es Freude, und man sieht immer wieder tolle Ergebnisse.
Da stellt sich mir die Frage, ob viele Erwachsene ihre ursprüngliche Kreativität verloren haben, bzw. Hemmungen haben oder sich selbst nicht mehr zutrauen, etwas Eigenes zu schaffen, das ihren Erwartungen und den Erwartungen anderer entspricht - also Ängste vor dem Versagen ,oder daß sie zu viel von ihrer eigenen Persönlichkeit preisgeben.
Ich selbst habe in den letzten Jahren oft von selbstgeschossenen Fotos abgemalt, und dabei doch einiges gelernt.
Manchmal geht das gar nicht anders, besonders bei Portraits. Man kann da aber auch sehr viel variieren und muß sich nicht sklavisch daran halten. Am meisten Freude macht ein eigenes Werk, und diese Freude wünsche ich allen, die bis jetzt hauptsächlich abmalen.

Christl

Nach oben 19.10.2010, 11:17 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Abmalen von Bildern
Beitrag: Re: Abmalen von Bildern - 17.10.2010, 12:05 Adrian hat geschrieben:
Welche konkreten Aspekte bzw. Vorteile ergeben sich durch eigene Vorlagen, Konzepte und Ideen, die man durch das reine Abmalen nicht oder nur schwer erreichen kann (nochmals unterschieden nach der Vorlagenart wie Fotos, Mal-Anleitungen oder Live vom Objekt)?

Ich glaube dass das hilfreich wäre herauszuarbeiten, damit man hierzu ein besseres Verständnis und Bewusstsein fördern kann.

Hallo Adrian,
ich will mich mal an Deiner Frage versuchen, auch auf die Gefahr hin, dass man mir Sturheit und eine Spaßbremse zu sein vorwirft. Ich berufe mich darauf, dass Du die Frage gestellt hast, und wenn sonst keiner antworte mag....

"Wir müssen wieder davon wegkommen, das unsere Schulen Bücherschulen sind." Leider bekomme ich dieses Zitat nicht mehr richtig zusammen. Bemerkenswert ist, dass es von Pestalozzi und 200 Jahre alt ist. Es stammt also aus der Zeit, als die ersten Schulen gerade entstanden waren. Pestalozzi hat gefordert, das Bildung immer so stattfindet, dass Herz, Kopf und Hand gleichzeitig gefordert sind. Das ist nicht der Fall, wenn vorgefertigte Aufgaben stur gelöst werden. Wenn ich eine aus dem zusammenhanglose Mathematikaufgabe stelle, werden es meine Schüler schaffen, die Rechentechnik irgendwie zu übernehmen und anzuwenden. Sie werden sie kaum verstehen und verinnerlichen. Man möge mir verzeihen, dass ich Abmalaufgaben mit solchen zusammenhanglosen Mathematikaufgaben vergleiche. Lernen kann man dabei mit der Hand, vielleicht etwas mit dem Kopf, aber wo bleibt das Herz?

Hundert Jahre nach Pestalozzi haben Reformpädagogen versucht, die Grundsätze von Pestalozzi umzusetzen. Kerschensteiner hat das klassische Beispiel "Starenkasten" geschaffen. Die Aufgabe, einen Starenkasten zu bauen, ist keine Mathematikaufgabe. Wenn man sich an die Aufgabenstellung hält, ergeben sich aber mehrere Rechenaufgaben. Es gibt Pädagogen, die davon augehen, dass solche Aufgaben, die sich aus einem praktischen Zusammenhang ergeben, zu einem wesentlich besseren Ziel und zu einem besseren Lerneffekt führen. Ich teile diese Ansicht.

Wenn man diesen ganzheitlichen Ansatz verinnerlicht hat, wie ich, fällt es halt schwer, in etwas reduziertem, wie dem Abmalen, einen besonderen Sinn zu sehen. Aber das muss ja jeder selbst wissen - vor allem auch, was ihm Spaß macht. Ich werde es keinem vorschreiben.

Frage beantwortet?

Gerade sehe ich, was Christl geschrieben hat. Vielen Dank für diesen Beitrag!

Selbstverständlich ist mir klar, dass derjenge, der eine ganzheitliche Aufgabe mit vielen Teilaufgaben lösen soll, auch jede Menge Unterstützung benötigt. Ein Forum wie dieses kann Unterstützung aber doch ansatzweise leisten!?!

Und nochmal: Lieber ein Bild, das technisch nicht perfekt ist, aber mit Herz gemalt, als etwas technisch perfekt abgemaltes.

Frohes Schaffen!

Wolfgang

Nach oben 19.10.2010, 13:31 Nach unten

Beitrag  Re: Abmalen von Bildern
Beitrag: Re: Abmalen von Bildern - 17.10.2010, 12:05 Adrian hat geschrieben:



Welche konkreten Aspekte bzw. Vorteile ergeben sich durch eigene Vorlagen, Konzepte und Ideen, die man durch das reine Abmalen nicht oder nur schwer erreichen kann (nochmals unterschieden nach der Vorlagenart wie Fotos, Mal-Anleitungen oder Live vom Objekt)?



Hallo Adrian,
also, ich ,für mich , würde da nicht von Vor- oder Nachteilen sprechen. Für mich sind das eher Entwicklungsstufen. Leute, die Ideen haben, diese in Skizzen oder Entwürfe umsetzen
können und das technische Wissen, wie man das dann auch im Bild umsetzt, die sind einfach weiter, anderes Niveau. Ähnlich wie Kinder die Laufen lernen. Die einen gehen noch an der Hand und die anderen können schon frei und selbstständig laufen. Leider hört in unserer Schulkultur die Entwicklung der maltechnischen Fertigkeiten und einer entsprechenden Kreativität irgendwann auf. So sind die meisten Erwachsenen, sofern sie nicht durch ihre Eltern eine besondere Förderung erhalten, oder durch eine künstlerische Ausbildung eine weitere Entwicklung erfahren haben, auf dem Niveau vielleicht eines 10 Jährigen. Der Anspruch ist im Bewusstsein jedoch gestiegen und stimmt mit der Entwicklung nicht mehr überein. Zudem werden wir darauf getrimmt zu tun, was man uns sagt, damit wir im Berufsleben entsprechend funktionieren. So gehen denn auch die eigenen Ideen und die Kreativität flöten. Um dieses Dilemma zu überwinden sind Vorlagen sehr hilfreich, den Wunsch nach bildnerischer Gestaltung zu verwirklichen. In der Regel ist es dem Menschen jedoch ein Bedürfnis, seinen eigenen inneren Fluss zu nähren und gestalterisch auszudrücken. Mit viel Übung und einer nachgeholten maltechnischen Ausbildung kommt dieser Fluss wieder in Gang und dann gehts in die nächste Stufe. Die eine Stufe hat einen Lerneffekt, die andere über die Selbstverwirklichung einen persönlichkeitsbildendenden Aspekt. Die Wertigkeit dieser Stufen ist für mich gleich. Hauptsache glücklich.

Nach oben 19.10.2010, 23:04 Nach unten

Beitrag  Re: Abmalen von Bildern
Hallo Liebe Mitkritzler

Von Anfang hat hat es mich gejuckt zu dem Thema auch was zu sagen. Leider hab ich es erst heute entdeckt und da sind soooo viele Beiträge. Ich habe nicht die Zeit, das alles genau durchzulesen...
Trotzdem möchte ich gerne meine Sichtweise auch noch einbringen und hoffe, den Fluss des Threads nicht zu sehr zu stören :-)

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend ausschliesslich abgemalt. Aus Zeitschriften und Katalogen hab ich mir alles ausgeschnitten, was mir gefiel, was mir dann als Vorlage diente.
Damals hatte ich noch keine Ahnung von Copyright und der Rechtsgrundlage. Meine Bilder waren ja auch nur für mich gedacht.

Meine Gründe für das Abmalen waren allerdings (fast) nie das erlernen einer Technik.
Ich hatte damals keine Bücher über Maltechniken und Internet hatte ich auch noch nicht.
Ich hab mir sowohl mit Blei- und Bunststiften und mit Acrylfarben meine Technik selber erarbeitet und beigebracht, einfach durch ausprobieren, halt mit diesen Motiven…. was theoretisch auch mit eigenen Ideen, also ohne Vorlage hätte gemacht werden können…

Aber da kommen wir zum nächsten Grund für mein Abmalen:
Ich hatte selbst keine Ideen und Bilder in meinem Kopf oder die Bilder waren viel zu ungenau und schwierig (wie Astrila das oft beschreibt) als das ich sie hätte aufs Papier bringen können. Ich hatte keine Ahnung von Bildaufbau, Perspektive, Proportionen, Farbenlehre ect. Das hätte nicht geklappt.
Also war es das einfachste und bequemste einfach ein Motiv abzumalen…

Ein weiterer Grund für das Abmalen war schlicht und einfach weil mir ein Bild gefiel!
Dabei gings nicht um Technik und auch nicht darum, dass es nicht ein „eigenes“ Bild war.
Nein, ich fand das Bild einfach seeeeehr schön!!!!
Auch heute male ich immer noch ab und zu gerne nach Fotos. Einfach weil es sooooo schöne Fotos gibt und ich mir solche Motive nie selbst in dieser Perfektion ausdenken könnte, da bin ich leider nicht dazu fähig (oder noch nicht)… natürlich werden diese Bilder nicht verkauft, sondern sind einfach für mich und mein stilles Kämmerlein ;-)
Ja, warum soll man nicht ein Bild nachmalen, einfach weil es absolut schön ist, wie es ist?
Ausserdem sah ich das auch als etwas Besonderes an, Abmalen zu können. Kann ja auch nicht jeder…. Ich fand es toll und ein Privileg, dass ich einfach ein schönes Bild abmalen kann und es dann für mich habe…

Manche sagen, wenn man ein Bild einfach 1:1 kopiert, warum macht man das dann?

Nun gut, warum malt man überhaupt?

Ich denke, es gibt viele Gründe und da hat jeder seine eigenen, was auch völlig ok ist. Wir müssen nicht alle gleich sein….

Unterdessen hab ich mehr theoretische Grundlagen, was sicher hilft sich von Vorlagen zu lösen, ganz ohne komm ich aber auch nicht aus, aber Vorlagen sind für mich nun nicht mehr nur 1:1 zum Kopieren gedacht sondern mehr als Inspiration.
Ich kann Vorlagen verändern, neu organisieren, mehrere in einem Bild vereinen und am Ende sieht es ganz anders aus und man sieht nicht mehr welche Vorlagen ich da verwendet habe, weil alles genug verfremdet und anders ist.

Aber ich bin in meiner Entwicklung nun so weit gekommen, dass es mir immer mehr auch ein Bedürfnis wird, etwas wirklich Eigenes zu schaffen. Im Moment gelingt mir das mit Abstrakten Bildern am Besten.

Es ist ein Prozess. Ich glaube jeder Maler erlebt solche Prozesse und Veränderungen.
Bei mir ist es so, bei anderen anders.
Mal sehen, wo ich in 10 Jahren stehe… ;-)

Liebe Grüsse
Nadia

Nach oben 22.10.2010, 10:06 Nach unten

Acryl, Öl, Aquarell

Beitrag  Re: Abmalen von Bildern
Nachdem ich die ganze Zeit nur "stille Beobachterin" war, möchte ich mich heute auch mal zu Wort melden.
@Nadeschda: Auch ich habe als Kind und Jugendliche so wie Du angefangen.
2008 habe ich einen Acryl-Lehrgang besucht. Die Meisten dort hatten noch nie einen Pinsel in der Hand gehabt. Um ein Gefühl für Farben, Licht und Schatten, Perspektiven usw. zu bekommen, war unsere erste Aufgabe, ein Bild eines bekannten Künstlers nachzuempfinden. Ich schreibe extra "nachempfinden", weil die Ergebnisse teilweise nichts mehr mit dem Original zu tun hatten. Zuerst bin ich recht lustlos daran gegangen. Doch als ich angefangen hatte, stellte ich fest, dass es doch interessant war, sich in die Sichtweise des Künstlers hineinzuversetzen. Es war eine nützliche Erfahrung, die ich jedoch nicht vertiefen werde. 8)
Was Fotos als Vorlage angeht, ist das bei mir anders. Wenn ich z. B. eine ansprechende Landschaftsaufnahme sehe, bekomme ich automatisch Lust diese zu malen, was ich dann auch teilweise tue. Da ich das dann für mich selbst mache, bekomme ich auch keine rechtlichen Probleme.
Wenn alles gut geht, werde ich im November ein paar Bilder von mir ausstellen können. Diese werden natürlich von mir selbst sein. Für solche Bilder suche ich manchmal diverse Fotos heraus, um Lichtverhältnisse oder auch Einzelheiten zu "erforschen". In diesem Fall wird mein Bild dann doch ganz anders aussehen, da die fertige Idee nur in meinem Kopf existiert.

Fazit für mich: Bilder abmalen = nein / Fotos = ja für mich selbst, ansonsten als Inspiration

Nach oben 22.10.2010, 11:26 Nach unten

Beitrag  Re: Abmalen von Bildern
Liebe Diskussionsrunde

Auch ich gehöre zu den (bisher) stillen Beobachtern dieses Themas. Aber ein paar Gedanken habe ich dazu. Die möchte ich gerne mit euch teilen.

(Ich möchte niemandem vorschreiben, was er tun soll. Die Arbeitsweise anderer herabzusetzen liegt mir fern. Zwar vertrete ich einen Standpunkt, habe aber nicht die Absicht, ihn zum Gesetz aufzuplustern. Auch wenn nicht vor jeden Satz: "ich meine" steht, ist alles natürlich meine Meinung, mehr nicht – aber auch nicht weniger ;-) )

Fünf Thesen für das Malen nach realen Gegebenheiten
Abmalen kann manuelle Fähigkeiten oder theoretische Einsichten vermitteln. Wirkliche Wahrnehmung, oder die Fertigkeit, das real Gesehene umzusetzen, lässt sich dadurch nicht lernen.

1) Sehen und sehen lernen
Die eigene Sichtweise ist beim Abmalen nicht das Thema. Sie kann daher weder geschult noch herausgefordert werden. Im Gegenteil, sie ist hinderlich.
Abmalen ist ein sachlicher Vorgang. Der Blick des Malers muss so objektiv wie möglich auf dem Sujet ruhen. Die eigene Perspektive tritt in den Hintergrund und das Sehen wird zur Umsetzung einer statischen Form. Kreativität reduziert sich dabei auf das Handwerkliche.
Eigenes Sehen ist ganz und gar subjektiv. Jeder hat seine einzigartige "Sicht der Welt". Lebendige Kreativität, die Persönlichkeit, Erfahrungen und Denken reflektiert. Ein dynamischer Prozess mit maximaler Eigenständigkeit.

2) Interpretieren und begreifen
Jede Vorlage ist bereits eine Interpretation. Das Bild einer Rose IST keine Rose. Der Maler oder Fotograf des Bildes hat entschieden, was und wie dargestellt wird. Diese Entscheidung richtete sich ausschliesslich nach seinen Sichtweisen und seinem Können. Auf eine essentielle Phase der Umsetzung hat niemand anders Einfluss. Alles das ist bereits gedacht und gemacht worden:
Dreidimensionalität wurde zu Zweidimensionalität, Farbwahrnehmung wurde zur Machbarkeit der Materialpalette, Licht und Schatten zu Tonwerten. Der Bildaufbau und die Blickführung sind festgelegt. 
Beim Abmalen von Fotos kommt hinzu, dass Fotos die Illusion fördern, es handle sich um "Wirklichkeit". Wirklich ist nur, dass auch auf dem besten Foto nie etwas anderes zu sehen ist, als ein Foto: eine zweidimensionale Umsetzung. Die Wirklichkeit ist dreidimensional. Dazu kommt noch Licht und Bewegung. Sehen wir dreidimensional, deuten wir das, was wir sehen automatisch richtig. Im Foto ist nur zu sehen, was die optische Linse abbildet. Taucht etwas auf, dass wir missinterpretieren, gibt es keine Gelegenheit, den Irrtum zu klären.
Will man z.B. ein Gesicht malen, kann man am realen Objekt den Blickwinkel verändern. Dadurch lassen sich Zusammenhänge erkennen: wie sieht ein Jochbein tatsächlich aus, was ist "hinter" der Halslinie, was gehört zur Nase und was ist ein Schatten, wie tief sind Falten und was ändert sich daran, wenn sich das Licht verändert, wodurch glänzen Haare, inwiefern ist ein Kiefergelenk verantwortlich für die Kinnlinie – usw. usw.
Ein Gesicht kann man "lesen", es gegebenenfalls inszenieren und sich frei entscheiden, was man von dem, dass man sieht, abbilden will oder kann. 

3) Festhalten
Das Foto wirft uns ein ein Bild hin, an dem es wenig Möglichkeiten mehr gibt, etwas zu hinterfragen. Wenn die dargestellten Tonwerte richtig interpretiert und korrekt wiedergeben werden, sieht das abgemalte Resultat erkennbar ähnlich aus. Wenn nicht, stimmt keine Proportion mehr.
Wie ein Ding tatsächlich funktioniert, d.h., wodurch es auch in der Reduktion auf die Zweidimensionalität lebendig bleibt, erlernt man beim Foto-Abmalen nicht. Individualität und "Echtheit" müssen gesehen und definiert werden, lange bevor der Stift Striche macht.
Grösstmögliche Detailtreue nutzt auch nichts, eher ist das Gegenteil der Fall. Das Kleben am Detail verhindert oft ein Herausarbeiten der Aussage, die Essenz geht in Einzelheiten unter.
Reales Empfinden und Erleben lässt sich nur schwer durch Vorlagen ersetzen. Wer nicht gefühlt hat, wie der Wind den Grashalm wiegt, hat nur eine gebogene Linie als Vorbild. Wer den Schatten nicht gesehen hat, wie er wächst und wandert, kennt nur den dunklen Fleck. Wer das Lachen nicht hörte, dass die Augen aufblitzen liess, wird nur helle Pünktchen in die Iris setzen. Der "magische Moment" muss gelebt worden sein, sonst kann man ihn nicht weitergeben.

5) Berühren
Die Seele (wenn man das so nennen mag) jedes Dinges lässt sich nur in seiner Gesamtheit erkennen. Vollständig ist nur die Realität. Es gibt Menschen, die ausdrucksvolle Bilder nach Vorlagen oder Fotos malen können. Sie haben sich vorher viele, viele reale Dinge mit weit offenen Sinnen angesehen, nicht deren Bilder.
Malerei ist für mich dann berührend, wenn sie mir den Blick durch die Augen des Malers gewährt. Ich sehe für kurze Zeit die Welt eines anderen Wesens, das andere Dinge als ich gesehen und erlebt hat, das Farben anders liest und Strukturen anders sieht. Ich kann an dieser fremden Welt teilhaben, kann staunen, entdecken und lernen.

Liebe Grüsse
Alanis

Nach oben 23.10.2010, 04:34 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Abmalen von Bildern
Guten Morgen Alanis - stark :klasse:
Sachlich deckt sich das nahezu 100% mit meiner (bereits in anderen Themen geäußerten) theoretischen Einschätzung bezüglich "Realität" und das generelle Problem der Umsetzung nach zweidimensionalen Vorlagen (Fotos) - allerdings hast Du es um ein vielfaches lebendiger formuliert! Dankeschön, ich bin begeistert.

Auch vielen Dank an alle für die ergänzenden Meinungen.

Derzeit im Raum steht noch die Klärung folgender Fragen bzw. Behauptungen:
- Abmalen "verdirbt" den Abmaler?
- Durch Abmalen (insbesondere nach Mal-Anleitung) lerne man nichts?
- Anleitende Maltechniken wie z.B. nach Bob Ross, Herdin, etc. behindern eigene Umsetzungen?

Diejenigen, die diese Ansichten ganz oder teilweise vertreten, bitte ich ihre Sichtweise argumentativ nachvollziehbar darzulegen. Gegenargumente wurden bereits einige dazu genannt, daher bitte ich erstmal darum, den Kritisierenden den Vortritt zu lassen (ergänzende Aspekte zum Thema sind natürlich ebenso willkommen). :winken:

Nach oben 23.10.2010, 05:12 Nach unten

Beitrag  Re: Abmalen von Bildern
Hallo und guten Morgen Adrian(Schade das ihr nicht in Basel wart,aber es gibt bestimmt wieder ein Treffen.

Derzeit im Raum steht noch die Klärung folgender Fragen bzw. Behauptungen:
- Abmalen "verdirbt" den Abmaler?
Ja und nein,ja weil man wichtige Zeit damit verbringt nicht sich selber zu entwickeln,sondern der Künstler von dem man abmalt.Eine eigene Entwicklung kommt da nicht zum Anklang.
Nein weil man trotzdem etwas lernt,und wenn es auch nur die Bleistiffthaltung ist.


- Durch Abmalen (insbesondere nach Mal-Anleitung) lerne man nichts?
- Anleitende Maltechniken wie z.B. nach Bob Ross, Herdin, etc. behindern eigene Umsetzungen?

Mein erster Bob Ross Kurs war sehr Interressant für mich ,das einzige was ich die ganze Zeit dachte war Hoffentlich krieg ich die Berge hin.Wenn ich mir das Bild anschaue Denke ich das ist nicht meines.Bei Herdin war es schon schwieriger,Stundenlanges Geduldigsein und mit einem2er Pinsel malen ervordert Disziplin.
Ich muss zugeben das ich trotzdem sehr Stolz war als ich die Bilder gemalt habe.

Zusammenfassung:Disziplin,Geduld,Beharlichkeit,habe ich gelernt!
Eigene Entwicklung nein!
Ich finde ich habe sie Konsumiert,und wieder für den Konsum weitergegeben.(wenn ich sie verkauft hätte)
Ich Denke mit einem Lehrer geht es auf jeden Fall schneller,wenn überhaupt, das eine Entwicklung stattfindet.
Was ist Entwicklung für mich:Ein Ausarbeiten der Themen die mich berühren,Malstiel weiterentwickeln den ich sehe ,mein Ausdruck hat sich in eine Richtung entwickelt
die überhaupt mal ein Stiel ist.(mein eigener )

Das ist keine Allgemeingültige Aussage!Nur meine Meinung dazu.co :winken: co

Nach oben 24.10.2010, 10:17 Nach unten
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