"Kunst steht nicht unter oder über, sondern jenseits von Richtigkeit und Fehler." (Emil Nolde)




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 Kunst und Regeln 
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Beitrag  Kunst und Regeln
Zitat:
In der Kunst gibt es nur eine Regel: Es gibt keine Regeln!


Einspruch Euer Ehren. :grins:
Lieber Adrian, ganz so einfach ist es wohl nicht, auch wenn es letztendlich im Kern wahr ist. Dass es letztendlich keine festen Regeln gibt, ist ein buddhistischer Standpunkt der kurz vor dem Nirvana geäußert werden darf, vorher nicht! :grins:
Wenn man einen solchen Standpunkt einnimmt, sollte man ihn erst vertreten, nachdem man alle Regeln , die es gibt verstanden und sie überwunden hat. :grins:
Beispiel: Man wendete sich etwa vor 140 Jahren vom altmeisterlichen Malaufbau ab und der Primamalerei zu, wie es beispielsweise bei den Impressionisten der Fall war. Diese Negation von bis dato festen Regeln resultierte bei nahezu allen Impressionisten aus der Stärke heraus, den Malaufbau "aus dem FF beherrscht zu haben". Weil sie mehr wollten, haben sie diese Regeln ignoriert und sich über sie hinweggesetzt.-Nicht etwa weil sie sie nicht beherrschten, nicht verstanden oder gar nicht kannten!
Ich habe in diesem Thread kurz schon zu umreißen versucht, was eigener Stil mit eigener Auffassung zu tun hat.

Dass es letztendlich keine ewig gültigen Regeln gibt, gilt wahrscheinlich auch für alle anderen Gebiete, sieht man einmal von der Physik ab. Man wird in einer Milliarde Jahren Erkenntnisse haben, mit Hilfe derer man Projekte realisieren kann, die heute als Zauberei und Verstoß gegen Naturgesetzte gelten.

Sich die Ansicht zu leisten, dass es keine Regeln gibt, ist ein Standpunkt höchster Meisterschaft, Intelligenz und Anarchie. Regeln zu brechen erfordert unbedingt, dass man sie genau verstanden hat und mit der Ignorierung einen Zustand herbeiführt, der besser ist, als der regelkonforme. Bei der Kunst von Kindern und geistig Behinderten wird deshalb regelmäßig eine ganz spezifische Betrachtung von außen "herangetragen", da die Künstler selbst den eigenen Kunstgehalt im Werk nicht reflektieren.

Man könnte sich auch sonst jedwede kunstwissenschaftliche und künstlerische Anstrengung außer Kunstgeschichte schenken. - Wäre alles überflüssig! Das ist aber nicht so.
Und eine kleine Gefahrenquelle tritt auf: Wer keine Ahnung von Technik hat, wird zu dem Standpunkt neigen, dass Technik unwichtig ist. Dem versierten Techniker wird das nicht über die Lippen kommen, der weiß nämlich wie wichtig Technik ist. Der Analphabet wird zur Selbstberuhigung dazu neigen, Lesen und Schreiben für unwichtig zu halten, der Germanist oder Autor wird wissen, wie wichtig so etwas ist.
Regeln und Verstöße:
Es wimmelt in der Kunst von Missverständnissen. Natürlich betrifft es auch den Regelbegriff. Anders als in der Naturwissenschaft, die "außen stehende Regeln" beachten muss, sind Regeln in der Kunst regelmäßig immanent.
Wenn der Mechaniker den Motor nicht repariert, läuft das Auto nicht. Er macht die Regeln der Mechanik nämlich nicht selbst.
Der Jornalist, der seinen Artikel überschreibt mit "Der Bundeshaushalt" und dann über Hochseeangeln berichtet, hat gegen eine immanente Regel verstoßen. Auch wenn die Überschrift richtig geschrieben ist und der Bericht inhaltlich super. Ein solcher Artikel wäre fehlerbehaftet. Kein Journalist käme auf die Idee, es gäbe keine Regeln.
Hobbymaler sagen immer: Ich lass mir nicht vorschreiben, in welcher Technik ich wie malen soll. -Richtig, will ja auch niemand, da es in der Kunst nur immanente Regeln gibt.
Was genau sind immanente Regeln?
Die erste Linie auf der Leinwand ist willkürlich. Bei jeder weiteren wird ein bestimmter Weg evoziert.
Kunst ist folgerichtiges Denken, bei dem sich der Künstler selbst die Regeln auferlegt. Nachdem er sich diese Regeln auferlegt, kann er selbstverständlich dagegen verstoßen. Wenn er seine Regeln selbst nicht verstanden hat, kann er auch dagegen verstoßen. Dasselbe, wenn er denkt, es gäbe keine Regeln.
Immanente Regeln sind Ansprüche, die das Bild selbst erhebt, ohne zusätzlichen Willensakt des Künstlers.
Beispiel: Wer das Foto seiner Freundin zwecks Portrait abmalt, stellt ein Bild her, welches den Anspruch erhebt, dem Foto, bzw. der Freundin ähnlich zu sein. Wenn keine Ähnlichkeit besteht, hat der Maler die selbstgewählten Regeln der Perspektive nicht beachtet und der Malvorgang war somit fehlerbehaftet.
Wenn der Maler hinterher sagt, Kunst sei regellos, er lasse sich nichts vorschreiben, hat er trotzdem fehlerhaft gemalt, denn das Bild selbst erhebt den Anspruch auf Ähnlichkeit mit dem Foto und darauf, dass der Betrachter folgerichtig denken soll. Das ist nun mal so. Keinen Anspruch auf immanente Folgerichtigkeit erheben gestrichene Türen usw. , Bilder immer. Auch Bilder auf denen jemand Lackfarbe ausgießt ( Jackson Pollock) erheben einen intellektuellen Anspruch auf folgerichtiges Denken.
Alle Maler machen Fehler, oft sogar schlimme , dumme Fehler. Wer nicht einmal weiß, dass er Fehler machen kann, dessen Werk ist nicht automatisch fehlerfrei..
Das Beispiel mit dem Portrait ist die ganz winzige Spitze eines gewaltigen Eisberges. Auf jeder Stufe erhebt ein Bild Ansprüche etwas zu sein, egal ob der Maler abstrakt arbeitet oder figürlich. - Durch das Aufstellen von Regeln durch den Maler. Wenn er diese Regeln selbst nicht sieht( natürlich die häufigste Fehlerquelle. Dazu gibt es den Berufsstand des Kunstprofessors!) und nicht beachtet, begeht er Fehler.
Das sind dann oft schlimme Denkfehler, die im Bild "stecken". Natürlich bezieht sich das nicht nur auf profane Perspektivfehler. Die krassen Fehler, die ein Bilder zum Unsinn herabstufen können, "sitzen" ganz woanders.
Kunst ist schließlich eine Disziplin für Denker. Wer einmal die Sendung auf 3 sat "Bilderstreit" verfolgt, wird sehen, dass sich auch hochintelligente Künstler bisweilen "Dummheiten verzapfen". Das herauszufiltern ist Aufgabe einer kunstwissenschaftlichen Betrachtung.
Wenn es keine Regeln in der Kunst gäbe, gäbe es kunstwissenschaftlich nichts zu betrachten, literatur- und musikwissenschaftlich übrigens auch nicht. Es sind auch keine "weichen Fächer" wie in der Schule, wo alles gut gefunden wird. Es wird vielmehr festgestellt, worin genau Missgriffe, Fehleinschätzungen, Dummheiten usw. bestehen. - Nicht , ob etwas gefällt oder nicht.
Auch das Geniale kann schließlich mißfallen.
zugast

Nach oben 26.08.2010, 16:32 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
@zugast: Ich wusste ungelogen schon in dem Moment, als ich das Zitat der "keine Regeln" tippte, dass Deine Antwort nicht lange dauert. :mrgreen: Aber Danke erstmal für die umfangreiche Ausführung!

Adrian hat geschrieben:
In der Kunst gibt es nur eine Regel: Es gibt keine Regeln!

Vorneweg: Diese Aussage ist inhaltlich "unsinnig" im Sinne von unlogisch. Etwas, das keine Regeln hat, kann keine Regel haben. Wenn es keine Regeln gibt, und dies die Regel ist, dann hat es gleichzeitig Regeln und doch keine Regeln. So eine Rekursion ist weder wahr noch falsch. Sie ist. Und sie erfüllt eine Funktion:

Ob etwas bestimmten Regeln unterliegt, oder nicht, entscheidet nicht die Kunst. Dies entscheiden lediglich der Betrachter oder der Künstler. Regeln existieren nicht von sich aus, sie entstehen erst durch vorgegebene Zielsetzungen oder Interpretationen. Will man ein realistisch-anmutendes Portrait malen, dann unterwirft man sich Regeln durch diese Zielsetzung (Perspektive, Farbwahl, Proportionen, etc.). Will man ein harmonisches Bild nach dem Goldenen Schnitt malen, so unterwirft man sich diesen Harmonie-Regeln. Will man bewusst genau das Gegenteil erreichen, so muss man diese Regeln auch bewusst brechen und unterliegt dann ebenso diesen Regeln.

Diese Regeln sind alles andere als gottgegeben, sie wurden von Menschen geschaffen (entweder willkürlich oder unwillkürlich) und dienen einem konkreten Zweck. Auch wenn es oftmals den Anschein hat, man würde diese Regeln "entdecken", sie existieren "nur" in unseren Köpfen. Selbst die "harten" Regeln der Physik, genannt "Naturgesetze", sind reine menschliche Interpretationen. Wie alle Regeln funktionieren sie nur in einer speziellen Umgebung und dienen einem speziellen Zweck (z.B. bis Einstein kam war die Newtonsche Mechanik das Maß aller Dinge), aber sind eben nicht "absolut wahr" - diese Regeln funktionieren nur in einer bestimmten Umgebung mit einer bestimmten Genauigkeit bzw. Wahrscheinlichkeit zu einem bestimmten Zweck (in der Naturwissenschaft zur Vorhersage von Ereignissen, in der Kunst zur Vorhersage von Wirkungen).

Exakt dasselbe gilt für "richtig" und "falsch". Ob etwas "richtig" oder "falsch" ist, entscheidet der Kontext, z.B. eine konkrete Absicht. Für die Mathematiker unter uns: 1+1=0 würde hinlänglich jeder als "falsch" klassifizieren, da man stillschweigend das Dezimalsystem voraussetzt. In einem 2-Klassen-Körper, der nur aus 1 und 0 besteht, ist dies allerdings "richtig". Ebenso Aussagen wie "Es gibt blaue Elefanten" ist naturwissenschaftlich "falsch", ein Kind als Benjamin Blümchen Fan würde das absolut bejahen. "Berlin ist winzig" kann richtig oder falsch sein, erstens gemessen an welcher Referenzgröße (im Vergleich zu einem Planeten ist es "richtig", gemessen an Staubpartikeln "falsch"), und zweitens welches Berlin von den weltweit hunderten Orten namens "Berlin" ist damit gemeint?

Erst durch eine eindeutige Definition, Absichts- und Willensbekundung entstehen potenzielle Regeln, und selbst dann sagt das Einhalten dieser Regeln noch nichts über den Kunstgehalt des Werkes aus.

Auf das Thema bezogen:
Seinen Stil findet man nicht durch das Befolgen oder Nichtbefolgen von Regeln, obgleich einem die Kenntnis von Regeln die Suche erleichtert :wink:



-----
edit: ich habe gerade festgestellt, dass Benjamin Blümchen gar nicht blau ist, das Beispiel ist aber trotzdem gut :rofl: :elefantblau:

Nach oben 26.08.2010, 17:14 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Finde ich alles sehr interessant,muss nochmal überlegen bevor ich was schreibe.Aber jetzt habe ich ein paar Bilder,von meinem Genialen Postboten.Er hat keine Ahnung von Regeln und dergleichen gehabt und auch kein Bildhauer-Studium,es war einfach ein Traum von ihm den er verwirklicht hat.co :winken: co

Nach oben 26.08.2010, 19:05 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Kunst und Regeln - 26.08.2010, 16:32 zugast hat geschrieben:
:
Und eine kleine Gefahrenquelle tritt auf: Wer keine Ahnung von Technik hat, wird zu dem Standpunkt neigen, dass Technik unwichtig ist. Dem versierten Techniker wird das nicht über die Lippen kommen, der weiß nämlich wie wichtig Technik ist. Der Analphabet wird zur Selbstberuhigung dazu neigen, Lesen und Schreiben für unwichtig zu halten, der Germanist oder Autor wird wissen, wie wichtig so etwas ist.
zugast


Genau so ist es. Beherrsche die Technik und mache was Du willst.
Male Deine Bilder weil Du malen musst, die Technik gibt Dir die Möglichkeit Dich auszudrücken.

Nach oben 26.08.2010, 20:00 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Zitat:
Ob etwas bestimmten Regeln unterliegt, oder nicht, entscheidet nicht die Kunst. Dies entscheiden lediglich der Betrachter oder der Künstler. Regeln existieren nicht von sich aus, sie entstehen erst durch vorgegebene Zielsetzungen oder Interpretationen.


Zitat:
Diese Regeln sind alles andere als gottgegeben, sie wurden von Menschen geschaffen (entweder willkürlich oder unwillkürlich) und dienen einem konkreten Zweck. Auch wenn es oftmals den Anschein hat, man würde diese Regeln "entdecken", sie existieren "nur" in unseren Köpfen.


Es ist nicht so sehr der Widerspruch: Es gibt eine Regel in der Kunst, nämlich die, dass es keine Regel gibt.
Es ist der grenzenlose Freifahrschein, der daraus resultiert, alles ignorieren zu dürfen!

Die Unterscheidung Künstler/Kunst /Regelwerk, das einem Zweck dient/Gott gegebene Regel /bringt es nicht weiter.
Fast alles ist menschliche Interpretation, sogar Farbensehen. Farben gbt es nicht, sondern nur unterschiedliche Wellenlängen an Licht. Trotzdem bestehe ich darauf, dass Orangen orange sind. Man kann das theoretisch hinterfragen, es bringt aber keine neuen Erkenntnisse.
Auch Mathematik ist menschliche Interpretation der Welt. Dass 100 x 100 Meter auf einem Weizenfeld 10 000 Quadratmeter ausmachen ist ein Wunder an menschlich übereinstimmender Interpretation. Dem Mathematikstudenten, der wegen Rechenfehler durch seine Prüfung rasselt, hift aber der Hinweis nicht viel, Rechnungen seien lediglich subjektive zweckgebundene "Absprachen" unter Menschen, die genausogut anders sein könnten. Ich finde auch völlig zu Recht.
Die Kunst hat keine Regeln, sie will ja auch nichts, sie ist ja keine natürliche Person. Der Mathematik ist es ja auch egal, ob der Mathematikstudent Rechenfehler begeht. Dem Professor aber nicht. Versteht man Mathematik als lebendigen Diskurs zwischen Menschen, hat der Mathematikstudent auch gegen die Mathematik verstoßen.
Kunst in diesem Diskurs von Gott gebenem Willen und Künstler oder Kunstwissenschaftler abzukoppeln, halte ich auch für falsch.
Der goldene Schnitt ist menschliche Interpretation. Er wird aber von allen Menschen der Welt, wie durch geheime Absprache als gleich harmonisch empfunden. Wie die Gesetze der Mathematik. Ist das Gott gebener Wille?
Wenn ein gläubiger Mensch sagte, ja, hätte er verdammt gute Argumente.
Wenn Literaturwissenschaftler Goethes Faust für kulturell bedeutsamer halten als einen Schüleraufsatz oder Geißendörfers Lindenstraße, kann man natürlich sagen, alles ist lediglich freie Interpretation. - Stimmt ja auch!
Würden 100 Professoren für Germanistik über solch eine Frage geheim abstimmen, würde jeder nur ganz subjektiv eine Einschätzung vornehmen. Wären all diese Einschätzungen beliebig und würden überall auf der Welt je nach Kultur ganz unterschiedlich ausfallen?
Natürlich nicht. Der Schüleraufsatz, Goethes Faust und Lindenstraße sind intelligibel. Das nehmen Menschen überall auf der Welt ganz ähnlich wahr, vorausgesetzt sie sind ähnlich intelligent und frei in der Meinungsäußerung. Ob man intelligente Wahrnehmung nun als zweckgerichtet, Gott gegeben oder sonst wie interpretiert ist für ein Ergebnis eigentlich nicht wichtig, solange sie denn stattfindet.
Diese "Beschäftigung" mit künstlerischen Phänomenen und begrifflichen Durchdringungen funktioniert unter allen Menschen ähnlich.
Auch der Steinzeitmensch hätte den Unterschied von Goethe und Geißendörfer ganz genau verstanden. Wenn man ihm das nicht zutraute, würde man ihm Unrecht tun. Ich habe 20 000 Jahre alte Wandbilder in Altamira gesehen, die hätte kein Kunstprofessor, den ich kenne auch nur annähernd bewegend hinbekommen.
Ein Beispiel, das mich selbst umgehauen hat: Ich habe mir einmal Fotografien einer vor einigen Jahren entdeckten Höhle in Frankreich angesehen. Dort hat vor 30 000 Jahren ein Künstler prozesshaft eine sich vor einem Löwen trollende Löwin gemalt, in mehreren Bewegungsschritten! Das ist ohne Fotokamera extrem schwer zu machen. Dieser Mensch war interessiert an einer "Verhaltensstudie" von Löwinnen. Das hat mich sprachlos gemacht.
Mir ist es übrigens völlig egal, ob das ein Geistlicher einer Naturreligion war oder ein Künstler.Ein Initiationsritus? Das ist für seine Äußerung unwichtig. Dieser Mensch muss sehr begabt und intelligent gewesen sein, mir selbst weit überlegen.
Ich möchte mal für ihn sprechen. Wie er Kunst aufgefasst hat, kann ich individuell natürlich nicht sagen. Sein Werk "spricht dagegen klare Worte". Die da wären: Genaue Naturbeobachtung ist wichtig! Ungenaue schlecht! Wer ungenau arbeitet, arbeitet schlecht. Darum hat dieser Mensch es sich selbst extrem schwer gemacht und eine prozesshafte Studie aus dem Gedächtnis gemalt.
Der Sinn seiner Darstellung: Der Betrachter soll klar erkennen, dass sich eine Löwin vor einem Löwen trollt und das prozesshaft( übrigens das was Professoren regelmäßig ihren Studenten ans Herz legen, nur die schaffen sowas natürlich nicht).
Wozu es diente, darüber lassen sich keine Aussagen mehr treffen, aber die Anstrengungen riechen nach Schweiß. Etwa weil er dachte, alles ist subjektiv und wenn ich Kringel male, ist es auch egal?
Ich will es mal so formulieren: Der wusste haargenau, dass es Betrachter wie mich gibt, die genau verstehen, was er gemacht hat und die beeindruckt sind. Zu welchem weiteren Zweck auch immer.
Er hat nämlich künstlerische Regeln aufgestellt. Sein Gemälde erhebt den Anspruch naturwissenschaftlich korrekte, prozesshafte Studie zu sein. Diesem Anspruch wird sie gerecht und ich empfinde sie als sehr mitreißend!
Warum eigentlich? Könnte ja ein Unsinn und Missverständnis unter Höhlendeppen sein. :grins:
Nein , ist kein Missverständnis, Unsinn schon gar nicht. Es ist die universelle Sprache der Kunst, die mich auf gleicher Augenhöhe aus der Höhle erreichte. Eine Botschaft aus ferner Vergangenheit, nichts indoktriniert, kein Affenmensch, auch kein Taliban einer Naturreligion! Ein Hochbegabter aus anderer Zeit, der mir zeigt, wo meine Grenze liegt.
Du willst mir sinngemäß erzählen , lieber Adrian, dass dieser Mann( vielleicht wars auch'ne Frau) heute meine ganz zufällig in eine ganz bestimmte Richtung zugespitzte künstlerische Aufmerksamkeit erregte?
Was Du sinngemäß behauptest , hat auch noch andere Konsequenzen. Einstein kannte Heino und den Wendler nicht. Es waren ihm sogar heutige Pradigmen der Schlagerszene fremd. Wenn man das , was Du sagst zuende denkt, heißt das: Einstein würde den Wendler in der musikalischen Bedeutung nicht von Beethoven unterscheíden können, da ja alles nur rein subjektiv, zweck - und zielorientiert ist.
Ich glaube es ist anders!

zugast

Nach oben 26.08.2010, 20:28 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Also, das schwierigste an Deinen Ausführungen ist für mich, die Kurve wieder zum Thema zu bekommen :grins:

Daher nur kurz: Natürlich sind Orangen orange (zumindest reife :mrgreen:), weil man das so definiert hat und man daher das auch so kommunizieren sollte, damit einen die anderen Leute verstehen. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich Orangen nicht auch blau malen kann, wenn mir danach ist. Ist es dann "richtig" oder "falsch". Ebenso sind Orangen rund und nicht quadratisch, und wenn man sie trotzdem so malt, ist es dann "richtig" oder "falsch"? Ist es absichtlich falsch und daher richtig, oder ist alles falsch und alles richtig?

Hier als Beispiel mein neustes Werk:
Dateianhang:
Blaue-Orange-im-Sonnenuntergang.jpg


Der Titel heißt "Blaue-Orange-im-Sonnenuntergang" und stellt eine blaue Orange in einem Sonnenuntergang dar. Das beste daran: es ist diesmal sogar Kunst, allein schon wegen dem Kontext. Wenn Du mir zustimmst, werde ich allerdings das Gegenteil behaupten :wink:

Noch zu den Heinos-Wendlers-und-Konsorten: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals jemanden erlebt hätte, der halbbetrunken auf Tische tanzend zu Beethoven, Mozart oder Bach gegröhlt hätte. Sogesehen haben die Klassiker komplett versagt :wink:

Nach oben 26.08.2010, 21:38 Nach unten

Mixed

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Aha

Nach oben 26.08.2010, 22:21 Nach unten

Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Das alles erinnert mich an den Ratschlag meines Vaters: Habe Prinzipien, aber halte sie immer so hoch, dass Du bequem darunter hinweg spazieren kannst. :grins: Gute Nacht :winken: .

Nach oben 26.08.2010, 23:38 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Die rasante Entwicklung der Biowissenschaften hat dazu geführt, dass auch höhere kognitive Leistungen des Menschen in den biologischen Disziplinen untersucht werden. Davon sind auch das künstlerische Gestaltungsbedürfnis und die ästhetischen Empfindungen nicht ausgenommen. Biologische Untersuchungen mit Bezug auf die Kunst finden insbesondere in der Evolutionstheorie und der Neurowissenschaft statt.

In der Evolutionsbiologie werden Verhaltensweisen in der Regel über einen Selektionsvorteil erklärt. Konkret bedeutet das, dass kunstbetreibende und kunstschätzende Menschen mehr Nachkommen zeugen müssten als die anderen. Ein derartiges Erklärungsmuster scheint in Bezug auf Kunst nicht unmittelbar einsichtig. Dennoch finden sich Kunstformen in allen historischen Epochen und Kulturbereichen, was darauf hinweist, dass ein Kunstbedürfnis biologisch gegeben und nicht allein ein Ergebnis sozialer Prägung ist. Für die biologische Verankerung des Kunstbedürfnisses können mehrere Erklärungen angeboten werden. Am wahrscheinlichsten ist die Kunst als Auswahlkriterium für die Partnerwahl. Die menschliche Evolution ist durch eine Zunahme des Gehirnvolumens und damit der kognitiven Fähigkeiten geprägt. Die Fähigkeit Kunst zu produzieren ist ein von außen erkennbarer Hinweis auf einen kreativen Kopf, der auch in anderen Problemfeldern zu kreativen Lösungen kommen kann. Künstler empfehlen sich durch ihre Kunst demzufolge als besonders intelligente Geschlechtspartner. Außerdem haben Menschen, die Zeit für Kunst hatten, keine Probleme, die täglichen Bedürfnisse nach Nahrung und Sicherheit zu stillen: Wer neben dem Alltag noch Reserven für primär sinnfreie Tätigkeiten wie Kunst hat, stellt damit seine Überlebensfähigkeit dar. Der Mensch als soziales Wesen hat viele Mechanismen entwickelt, seine sozialen Gemeinschaften zu stärken. Auch die Kunst kann als Spender gruppenspezifischer Traditionen und Werte menschliche Gemeinschaften stützen.

Eine andere Hypothese geht davon aus, dass das Kunstbedürfnis ein Nebenprodukt (Epiphänomen) der Entwicklung anderer überlebensrelevanter, kognitiver Leistungen ist. Die Vorteile dieser kognitiven Fähigkeiten müssten demzufolge die Nachteile des Kunstbedürfnisses (Zeit, Material) übersteigen.

Eine Bestätigung soziobiologischer Theorien durch Experimente ist nicht durchführbar, da Kreuzungsexperimente mit Menschen ethisch nicht vertretbar sind. Die Theorien müssen deshalb spekulativ bleiben. Insbesondere die Abgrenzung zum Kunstbedürfnis als Produkt der kulturellen Evolution ist schwierig.

Ein anderer Aspekt der biologischen Erforschung des Kunstbedürfnisses stützt sich auf die Neurowissenschaften. Ein höchstens grob realisierbares Projekt ist dabei die Zuordnung künstlerischen Schaffens zu neuronalen Prozessen. Zwar werden bei verschiedenen kognitiven Prozessen unterschiedliche neuronale Areale aktiv, allerdings ist eine feste Zuordnung nicht möglich: Neuronale Aktivität ist grundsätzlich auf verschiedene Gehirnregionen verteilt, zudem werden die gleichen Regionen bei sehr unterschiedlichen kognitiven Leistungen aktiv. Hinzu kommt die enorme Heterogenität künstlerischer Aktivität. Sie führt dazu, dass sich allenfalls einzelne künstlerische Leistungen mit neuronalen Prozessen korrelieren lassen.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kunst#Biologie)


Hallo so kann man es auch sehen,co :winken: co

Nach oben 27.08.2010, 06:16 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Zitat:
Das heißt aber noch lange nicht, dass ich Orangen nicht auch blau malen kann, wenn mir danach ist. Ist es dann "richtig" oder "falsch". Ebenso sind Orangen rund und nicht quadratisch, und wenn man sie trotzdem so malt, ist es dann "richtig" oder "falsch"? Ist es absichtlich falsch und daher richtig, oder ist alles falsch und alles richtig?


Mein Beitrag war passend zum Thema. Es ist nicht meine Schuld, dass das Thema nicht einfach ist.
Selbstverständlich kannst Du blaue quadratische Orangen malen. Wenn Du es in einer Naturstudie tust, ist es falsch!
Wenn Dir "danach" ist und Du blaue malen willst , es als Anspruch sichtbar werden lässt und malst irrtümlich orange ist es auch falsch.
Der Künstler legt selbst seine Regeln fest, ich habe es aber erklärt.



Ingrid: Karl Valentin, nicht Paul Klee.

Coco coconing: Wie Kunst in die Welt kam erklärt nicht was ein eigener Stil ist oder eine eigene Auffassung. Ich denke auch, dass es eine Art Fitnessdemonstration ähnlich wie das Radschlagen beim Pfau ist.
Übrigens ein Grund mehr an ein strenges Regelwerk zu glauben, bei dem viel falsch zu machen ist. Regellos rummalen kann jeder, ansprechende Kunst machen kann nicht jeder.

Nach oben 27.08.2010, 15:11 Nach unten

Fotografie

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Meine unmaßgebliche Meinung: "Kunst" kommt in erster Linie von Können. Und nur wer "kann", kann es sich leisten, Regeln zu brechen.

Nach oben 27.08.2010, 15:32 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 27.08.2010, 15:11 zugast hat geschrieben:
Regellos rummalen kann jeder, ansprechende Kunst machen kann nicht jeder.

Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 27.08.2010, 15:32 aspis hat geschrieben:
Meine unmaßgebliche Meinung: "Kunst" kommt in erster Linie von Können.

Diese beiden Ansichten halte ich wiederum für die beiden größten und populärsten Irrtümer wenn es um das Thema "Kunst" geht - und viel gefährlicher als ein mögliches Abdriften in ein allgemeines Missverständnis von genereller Regellosigkeit. Wegen solcher reduzierter Auffassungen sind Künstler in der Vergangenheit verfolgt, gesellschaftlich geächtet, hingerichtet, deren Kunstwerke verbrannt und politisch instrumentalisiert worden. Es ist noch gar nicht so lange her, als man in Deutschland von "entarteter Kunst" sprach, mit den selben Definitionsversuchen, wie Kunst zu sein hat, damit sie offiziell anerkannt und gesellschaftskonform ist. Leute, nichts gegen Können und nichts gegen Leistung, für die Kunst und deren Wirken ist das allerdings vollkommen sekundär.

Können ist in der Kunst ein Neutrum. Können hilft, aber Können blockiert auch. Unwissenheit blockiert, aber Unwissenheit hilft auch. Das einzige was in der Kunst zählt, ist das Ergebnis und der Kontext des Ergebnisses, vollkommen unabhängig davon was hinterher jemand hineininterpretiert oder welche Professoren und welche Sachverständigen auch immer das analytisch zerlegen und beurteilen - das alles interessiert nicht wirklich, da es nicht "wahr" ist. Um das Thema "Kunst" findet ein enormes Gesellschaft-Theater statt, riesige Wissensgerüste, zahllose Richtungen, mit aufgeblasenen Autoritäten und einer jahrhundertenlangen Historie - das meiste davon ist schlicht und ergreifend Ausdruck menschlichen Schwachsinns.

Wenn wir von Können reden wollen, dann sollten wir über Handwerk reden, aber nicht über Kunst.
Wenn wir von Regeln reden wollen, dann sollten wir über das Erfüllen von Normen reden, aber nicht über Kunst.
Wenn wir von Kunst reden wollen, dann sollten wir besser alles vergessen, was wir jemals wussten, denn dann kommen wir ihr am nächsten.

Nach oben 27.08.2010, 16:46 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Welch eine Wohltat sind deine Worte Adrian,ich gehe wieder an meine Arbeit den das ist es was mich
weiterbringt.co :winken: co

Nach oben 27.08.2010, 17:18 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 27.08.2010, 16:46 Adrian hat geschrieben:
Um das Thema "Kunst" findet ein enormes Gesellschaft-Theater statt, riesige Wissensgerüste, zahllose Richtungen, mit aufgeblasenen Autoritäten und einer jahrhundertenlangen Historie - das meiste davon ist schlicht und ergreifend Ausdruck menschlichen Schwachsinns.


Die Aussage gefällt mir ! Das genau ist der Grund, weshalb ich mich als Maler und Zeichner sehe.
Ich bin kein Künstler, will doch auch gar keiner sein. Weshalb denn ? Ich will/muss malen und zeichnen, ich kann nicht anders.
Ob das Kunst ist oder auch nicht, ist mir komplett egal. Ist doch auch nicht wichtig.

Und meinen eigenen Stil habe ich auch, allerdings nicht gefunden, sondern über viele Jahre des malen/zeichnen entwickelt.
Übrigens arbeite ich dran, er wird sich noch verändern :dops:

Nach oben 27.08.2010, 17:33 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Zitat:
Diese beiden Ansichten halte ich wiederum für die beiden größten und populärsten Irrtümer wenn es um das Thema "Kunst" geht - und viel gefährlicher als ein mögliches Abdriften in ein allgemeines Missverständnis von genereller Regellosigkeit.


Ich glaube meine Ansicht hatte mit der anderen rein gar nichts zu tun.
Ich denke, als stüdierter Künstler bin ich glaubhaft davor gefeit in die Nähe von Nazis und deren Bewertungen zu geraten. Nazis und Nazis nahestehnde Künstler haben aus Mangel an Bildung und grobem Unverstand moderne Kunst dahingehend diskreditiert, dass sie sie als das Produkt Geisteskranker deklarierten. Du hast mich nicht verstanden, ich redete über das selbstauferlegte Regelwerk welches den autodidaktischen Prozess des Malens begleitet und an dessen Ende das Kunstwerk steht. Ich habe wirklich nicht über weniger geredet.
Ich habe nicht etwa die Kunst anderer als regelloses Rummalen bezeichnet.

Ich sagte: Regellos rummalen kann jeder, ansprechende Kunst machen nicht. Kunsthochschulen wären völlig sinnlos, wäre es anders.

Nach oben 27.08.2010, 20:57 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 27.08.2010, 20:57 zugast hat geschrieben:
Ich denke, als stüdierter Künstler bin ich glaubhaft davor gefeit in die Nähe von Nazis und deren Bewertungen zu geraten. Nazis und Nazis nahestehnde Künstler haben aus Mangel an Bildung und grobem Unverstand moderne Kunst dahingehend diskreditiert, dass sie sie als das Produkt Geisteskranker deklarierten. Du hast mich nicht verstanden, ich redete über das selbstauferlegte Regelwerk welches den autodidaktischen Prozess des Malens begleitet und an dessen Ende das Kunstwerk steht. Ich habe wirklich nicht über weniger geredet.
Ich habe nicht etwa die Kunst anderer als regelloses Rummalen bezeichnet.

Ich denke ich verstehe das, ich selbst sehe die Grundlage ja auch so: Selbstverständlich gibt es Regeln wenn man bestimmte konkrete Ziele erreichen möchte, z.B. ein realistisches Portrait. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Regeln für das Erschaffen von Kunst generell notwendig sind - das bestreite ich. Auch war es nicht meine Absicht, andersdenkende in die Nazi-Ecke zu stellen, ich möchte damit nur deutlich machen dass die systematischen Selektions-Mechanismen, was Kunst ist und was nicht, durchaus vergleichbar sind.

Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 27.08.2010, 20:57 zugast hat geschrieben:
Ich sagte: Regellos rummalen kann jeder, ansprechende Kunst machen nicht.

Wie definiert man, was "ansprechend" ist. Wer sagt das? Wenn ich Regeln beachte, ist es dann ansprechend? Und wenn ich Fehler mache, dann nicht? Wenn es gefällt oder gesellschaftlich gerade "en vogue" ist? Wenn es intellektuell ist? Keine Analyse der Welt kann jemals das Wesen der Kunst erfassen, weil der ganze Kontext immer mehr ist als die Summe der Erkenntnisse. Man kann das Handwerk analysieren, man kann Regelkonformität analysieren, man kann aber nicht den Kunstaspekt analysieren. Beispiele gibt es genug. Letztens kam auf arte eine Reportage über Manet. Die intelligentesten Kritiker und die angesehensten Kunstkenner hatten damals den größten Schwachsinn bei der Beurteilung seines Werks "Olympia" von sich gegeben - das war kein Einzelfall, sowas ist systematisch symptomatisch.

Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 27.08.2010, 20:57 zugast hat geschrieben:
Kunsthochschulen wären völlig sinnlos, wäre es anders.

Kann ich nicht beurteilen, es gibt aber eine Vielzahl an Künstler, die genau eben dies behaupten. Und ich tendiere dazu mich dem anzuschließen - zumindest was das Wesen der Kunst betrifft und nicht der handwerkliche, analytische oder historische Aspekt. Dazu lernt man sicherlich jede Menge.

Nach oben 27.08.2010, 21:20 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 27.08.2010, 20:57 zugast hat geschrieben:
Zitat:
Diese beiden Ansichten halte ich wiederum für die beiden größten und populärsten Irrtümer wenn es um das Thema "Kunst" geht - und viel gefährlicher als ein mögliches Abdriften in ein allgemeines Missverständnis von genereller Regellosigkeit.


Ich glaube meine Ansicht hatte mit der anderen rein gar nichts zu tun.
Ich denke, als stüdierter Künstler bin ich glaubhaft davor gefeit in die Nähe von Nazis und deren Bewertungen zu geraten. Nazis und Nazis nahestehnde Künstler haben aus Mangel an Bildung und grobem Unverstand moderne Kunst dahingehend diskreditiert, dass sie sie als das Produkt Geisteskranker deklarierten. Du hast mich nicht verstanden, ich redete über das selbstauferlegte Regelwerk welches den autodidaktischen Prozess des Malens begleitet und an dessen Ende das Kunstwerk steht. Ich habe wirklich nicht über weniger geredet.
Ich habe nicht etwa die Kunst anderer als regelloses Rummalen bezeichnet.

Ich sagte: Regellos rummalen kann jeder, ansprechende Kunst machen nicht. Kunsthochschulen wären völlig sinnlos, wäre es anders.


tschuldigung im voraus - aber genau das ist es, was mich immer wieder fröhlich werden läßt und zwar, weil ich nicht kunst studiert hab. ich möcht nicht so denken müssen und wollen und möchten.
was meinste, was hier regellos rumgemalt wird und so wunderschöne ergebnisse ergibt?
technik, o.k., ist nützlich. aber KUNST ist etwas, das nichts mitnem Studium oder so zu tun hat. Mit Technik und Studium können viele Kunstmaler entstehen, was oft mit Kunst nix zu tun hat, weil die Inspiration fehlt, das Genie meinetwegen und die Freiheit im Geiste. Und die ist das allerwichtigste. je mehr regeln jemand im Kopf hat, umso schwerer wirds mit der Kunst.

wie du drauf kommst, daß analphabeten es für nicht nötig halten, lesen und schreiben zu können, ist mir ein rätsel. ich denke, daß es ein unendicher leidensweg ist, das immer verstecken zu müssen. also ehers gegenteil.

Adrian - gute Gedanken.

:winken:

Nach oben 27.08.2010, 21:26 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Kunst und Regeln
Obige Beiträge wurden aus dem Thema Seinen «eigenen Stil» finden ...? zur separaten Diskussion abgetrennt.

Nach oben 27.08.2010, 22:21 Nach unten

Beitrag  Re: Kunst und Regeln
Zitat:
Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Regeln für das Erschaffen von Kunst generell notwendig sind - das bestreite ich.


Diese Erkenntnis musst Du mir nicht mitteilen, weil sie das Fundament aller ernsthaften Beschäftigung mit Kunst ist. Ich sags mal so: Wer das als Student an einer Kunsthochschule nicht kapiert hat, wird sicher fortgejagt.
Ich hatte das vorausgesetzt.
Von dieser Prämisse ausgehend ergeben sich aber Regeln: Übrigens auch die sich nicht veräpfeln zu lassen.

Morgenwind: Ich bin gern bereit mit Dir zu diskutieren, wenn Du Dich zum Thema äußern würdest.

Zitat:
was meinste, was hier regellos rumgemalt wird und so wunderschöne ergebnisse ergibt?


Wo bestreite ich das? Liebe Morgenwind, jemanden über nicht verbrochene Schweinereien zu belehren ist etwas unanständig. Was , wenn ich Dir sagen würde: Aber Morgenwind, Ausländer sind auch Menschen, die darf man nicht einfach anspucken!
Wir sollten uns hier die Mindestsolidarität des gegenseitigen Verstehens angedeihen lassen. Mehr nimm ich für mich nicht in Anspruch. Auf mir entgegengebrachte Freundlichkeit verzichte ich gern.



I

Nach oben 27.08.2010, 23:06 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Kunst und Regeln
es gibt keine studierten künslter. Ein Künstler sein verlangt nach mehr als nach nem Studium, nach viel mehr.

wobei ich dir nicht absprechen will, ein Künstler zu sein.
Nur sind diese starren Regeln und Ansichten, die du hast und für richtig hältst, einfach na ja.

Nach oben 27.08.2010, 23:19 Nach unten
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