"Ich kann, weil ich will, was ich muss." (Immanuel Kant)




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 Seinen «eigenen Stil» finden ...? 
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Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Hallo Armando,
ich glaube, ein eigener Stil entsteht, man kann ihn nicht pflegen.
Es ist wie die persönliche Handschrift. Man kann sich mit ihr beschäftigen, "schöner" schreiben, aber das verändert sie nicht.
Eine Handschrift entsteht durch Schreiben. Nur, wenn man viel schreibt, wird sie wirklich spezifisch.

Wenn man gerade eine andere Schrift- so eine, wie "der" oder "die" sie hat- haben möchte und die übt, dann entwickelt man im besten Fall seine eigene Schrift weiter, im schlechtesten Fall fällscht man vielleicht gerade eine Unterschrift... :mrgreen:

Das Bemühen um einen möglichst eigenen Stil lenkt vom Eigentlichen ab, vom Malen/Zeichnen.

Viele Grüße,
Rohrdommel

Nach oben 04.06.2010, 04:32 Nach unten

Aquarell

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Kürzlich hatte ich dieses Thema auch im Gespräch mit einer malernden Freundin.
Sie wollte sich beim BKK um eine Mitgliedschaft bewerben. Dafür musste sie eine Mappe zusammenstellen.
Und da ergab sich die Frage, ob eher hinsichtlich der verschiedenen Techniken und Malweisen Vielfältigkeit gezeigt werden sollte, oder ob es eher um die Darstellung des "eigenen Stils" geht.

In Anlehnung an die mir noch bekannten Aufnahmevoraussetzungen für ein Kunststudium hätte ich jetzt gemeint, dass man eher die Vielfältigkeit und Flexibilität zeigen sollte.

Aber der BKK hat die Aufnahme abgelehnt, weil er bei der Freundin nicht den eigenen Stil erkennen konnte. O-Ton war: Hausfrauen-Bilder verschiedener Art und nett anzuschauen. Aber kein eigener Stil!

Wir haben auch über Ausstellungen gesprochen. Oft sieht man dort zwar verschiedene Arbeiten, jedoch gehen diese alle mehr oder weniger in "eine Richtung". Meistens nur in der Farb- oder Formengestaltung unterschiedlich.
Das wird dann "eigener Stil" genannt.

Ich weiß nicht,ob für mich als Freizeitmalerin ein eigener Stil erstrebenswert sein sollte.
Dafür bin ich viel zu vielseitig interessiert und möchte vieles ausprobieren und experimentieren.

Das hat man mir auch im letzten Malurlaub angemerkt. Bzw.meinen Arbeiten. Da war alles dabei von naturalistisch/gegenständlich bis zum Experimentellen und Abstrakten.

Wohin gegen andere Teilnehmerinnen entweder nur Abstraktes oder (auch naturalistisch) an Serien arbeiteten.

Eine Mitmalerin malte z.B. die ganze Woche Tiere mit schwarzer und weißer Farbe. Elefant, Zebra, Affe und Nashorn. Mir persönlich gefielen nicht nur die megastarken Ergebnisse ihrer Arbeit, sondern auch die Arbeiten als Serie. Sowas ist für mich auch mal denkbar.
Die Mitmalerin hat in dieser Zeit quasi diesen eigenen Stil gekennzeichnet. Im nächsten Urlaub oder schon vorher wird sie sich aber wieder anderen Themen und Techniken widmen, das weiß ich aus den jahrelangen gemeinschaftlichen Malurlauben.

Etwas anders als den "eigenen Stil" sehe ich die "eigene Handschrift". Ob sie nun an der Art der Bilder, an der Pinselführung oder an der Farbwahl erkennbar ist. Wie es Eva weiter oben schon beschrieben hat.

Aber in dem Zusammenhang frage ich mich gerade ernsthaft, ob mit dem eigenen Stil nicht auch die eigene Handschrift vergleichbar sein könnte :?: :mhh:

Nach oben 04.06.2010, 04:52 Nach unten

Acrylmalerei

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Freunde!

Mehr als 20 Beiträge in noch nicht mal zwei Tagen – das nenn ich eine angeregte Diskussion!
Ich danke Euch herzlich für all Eure Antworten!

Mir hat das viel geschenkt: einerseits beruhigende Bestätigung dessen, was ich schon bisher dachte oder ahnte – andrerseits interessante weiterführende Gedanken.

@ Gabi und Susanne: Ja klar und völlig einverstanden: Sich in den Motiven, Techniken oder Stilmitteln künstlich zu beschränken bringt nichts.

@ Traveller: «ich habe keine Ahnung, was er (Picasso) zum Stichwort "Stil" gedacht bzw. gesagt hat, aber ich glaube, ihm war einfach die Arbeit wichtig, lebenswichtig»
Das glaube ich auch.
«so oder so will ich nicht wirklich nach einem "eigenen Stil" suchen, weil das dann sicher verkrampft wird»
Ganz meine Meinung! Der Stil entsteht – es hat keinen Zweck, dies forcieren zu wollen. Wahrscheinlich ist dies sogar vielmehr die ART, WIE ich an meine Motive und Arbeit herangehe, als das Produkt mit seinen sichtbaren Details.

@ Adrian: Heissen Dank für diesen analytischen Tiefgang und die präzisen Konklusionen!
Sehr entspannend für mich ist z.B.:
«Ein eigener Stil muss dabei nicht statisch sein, sondern kann (und sollte bzw. muss auch, s.u.) sich mit der Weiterentwicklung des Menschen gleichfalls weiterentwickeln.»
«Der eigene Stil zeigt sich in den Dingen die man tut, in der Art, wie man sie tut. Diese Ergebnisse sind jedoch nicht der eigene Stil, sie repräsentieren nur den Stil als Mittel, sich auszudrücken.»


@ rommel: Ja der USP ... da zeigt sich, dass Kunst nicht gleich Kunstmarkt ist.
Und Adrian bringt es wunderbar auf den Punkt: «Ein eigener Stil manifestiert sich aus einer inneren Notwendigkeit heraus, während bspw. ein USP ein äußerer Aspekt zur optimaleren Bedienung eines Marktsegments darstellt?»

@ Hillymaus, Astrila, Eva, Rohrdommel: völlig einverstanden. Das Thema hat mich eigentlich nur beschäftigt, weil es an mich herangetragen wird, und weil ich beobachte, wie andere immer wieder darauf herumreiten.

@ Wolfgang: Serendipity kannte ich noch nicht – hab ich mit Schmunzeln gelesen.
Sehr angenehm ist mir auch diese Einladung: «Nichts spricht jedoch dagegen, wenn man SEIN Vorbild gefunden hat, ihm folgt und sich dabei weiter entwickelt.»
Über die Jahre hinweg haben meine Vorbilder auch schon etwas gewechselt.

@ Puck: Schöne, griffige Beispiele und Vergleiche!
Dies hat mich richtig aufgerüttelt: «jedoch denke ich dass wir mit zunehmendem alter in der gedankenwelt immer routinierter werden..das schränkt uns ein»

@ Gine:
«Aber der BKK hat die Aufnahme abgelehnt, weil er bei der Freundin nicht den eigenen Stil erkennen konnte.»
Siehste, das meinte ich mit «wird an mich herangetragen.» Ich habe mich ja auch schon bei Galerien für Ausstellungen beworben ... allerdings war das vor vielen Jahren.

@ alle:
Adrian fasst zusammen: «Der eigene Stil ist das Ergebnis einer freiheitlichen Entscheidung, sich um der Selbstverwirklichung Willen auf eine bestimmte Auswahl von Möglichkeiten zu beschränken, um damit den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zu maximieren.»
Dieser Satz behagt mir nicht, weil es auf Einschränkung herausläuft.
Finden wir vielleicht etwas Positiveres (wenn es überhaupt einer Kurzdefinition bedarf)?
Ich biete einen Vorschlag zur Diskussion:
Der eigene Stil bildet sich heraus, wenn jemand konsequent die Themen bearbeitet, die seinen Interessen und Neigungen entsprechen, und dafür mit der Zeit eigenständige bildnerische Ausdrucksmittel entwickelt.

Mit freundlichen Grüssen in die ganze Runde
armando

Nach oben 04.06.2010, 10:55 Nach unten

Mixed

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Armando, du schreibst:

Der eigene Stil bildet sich heraus, wenn jemand konsequent die Themen bearbeitet, die seinen Interessen und Neigungen entsprechen, und dafür mit der Zeit eigenständige bildnerische Ausdrucksmittel entwickelt.

Ich stimme deinem Satz zu.
Und: Ich denke, es ist wichtig auf sich zu hoeren, zuzulassen, in Kommunikation mit der Umwelt zu bleiben und zu experimentieren. -seinen Interessen und Neigungen entsprechen
Was sich dann entwickelt, entwickelt sich - oder auch nicht.
Man kann eine gute/erforlgreiche Entwicklung immer erst im NACHHINEIN beurteilen.
Die Ausdrucksmittel werden sich einstellen. Da sollte man auch vertrauen.

Persoenlichkeit ist ein Prozess...... (das musste ich noch sagen :grins: )


Ich kenne jemanden, die jahrelang gemalt hat, bis sie von einen auf den anderen Tag feststellte, dass keine Bilder mehr in ihr warteten und sie ENDLICH anfangen konnte zu schreiben.

Spannende Diskussion! Danke :dops:

Nach oben 04.06.2010, 11:13 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Ich find jetzt nicht, daß der Satz von Adrian und dein Satz sich widersprechen, Armando.
Denn wenn ich nach meinen Möglichkeiten gehe und nach meinen Neigungen, dann beschränke ich mich ja auch darauf und versuche, das Maximale genau da herauszuholen. Insofern finde ich das Wort "beschränken" nicht als negativ.
Die Aussage ist so oder so für mich gültig.

Liebe Grüsse, Morgenwind

Nach oben 04.06.2010, 11:29 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 10:55 armando hat geschrieben:

Der eigene Stil bildet sich heraus, wenn jemand konsequent die Themen bearbeitet, die seinen Interessen und Neigungen entsprechen, und dafür mit der Zeit eigenständige bildnerische Ausdrucksmittel entwickelt.


Armando, das trifft es doch schon richtig gut - auch, wenn mir der Satz von Adrian gefällt, besonders die "freiheitliche Entscheidung".

Wir müssen aber wirklich unterscheiden, zwischen Menschen die gerne malen und solchen, die versuchen, ihren Lebensunterhalt mit der Malerei zu bestreiten. Erstere haben wirklich die Freiheit zu experimentieren und sollten sich keinem Zwang unterwerfen. Gut, wenn sich "serentipitätsmäßig" ein eigener Stil entwickelt. Letztere gehen einen langen, dornigen Weg. Sie lernen auch, sich mit Dingen auseinanderzusetzen. Ein professionelles Bild ist nicht gut, wenn es schön ist, es ist gut, wenn man das "was will der Künstler uns sagen" erkennen oder erahnen kann. Für eine Profi sind Leben und Malerei schwer zu trennen. In den gut neun Jahren, in denen ich jetzt mit einer professionellen Künstlerin zusammenlebe, habe ich das erfahren. Auseinandersetzen heisst erarbeiten, mit der Betonung auf Arbeiten.

Es geht weniger um das Bildmotiv an sich. Es geht darum, wie man an die Dinge herangeht. Da kann man den eigenen Stil erarbeiten. Da dies das Ergebnis eines langen Prozesses ist und nicht von heute auf morgen geht, muss man sich nicht wundern, wenn Galerien, die eine Mappe mit einem Sammelsurium erhalten, diese als allererstes ganz schnell weglegen. Schließlich werden sie mit Mappen bombadiert. Der BBK ist ein Berufsverband, der die (Berufs-)Interessen von professionellen MalerInnen vertritt - und, ganz brutal gesagt, auch gegen HobbymalerInnen. Ganz klar, dass nur aufgenommen werden kann, wer eine entsprechende Ausbildung nachweisen kann, oder wer zeigt, dass er den langen Weg der Auseinandersetzung und der Erarbeitung eines eigenen Stils zumindest ein Stück weit bereits gegangen ist. Das wird immer mehr auch ein Kriterium für Akademien. Nicht die Vielfallt zählt, sondern das Besondere, das Eigene.

Liebe FreizeitmalerInnen unter den geneigten Lesern: Lasst Euch die Freude am Malen durch solche Ansprüche nicht verderben. Aber hört nicht auf zu suchen. Der Weg ist das Ziel!

Wolfgang

Nach oben 04.06.2010, 11:49 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
für mich hängt der Unterschied zwischen Adrians und Armandos Formulierung an folgendem:
"der eigene Stil ist das Ergebnis" und "der eigene Stil bildet sich heraus"

vielleicht ist die Formulierung "Ergebnis" etwas statischer, als ob der Prozess am Ende wäre
aber so ist es sicher nicht gemeint, wenn es darum geht, dass ein Stil sich weiter entwickeln kann

auf jeden Fall ist sind beide Sätze eine Aufforderung, nach den eigenen Themen und den eigenen Mitteln zu suchen :logisch:

Nach oben 04.06.2010, 11:55 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Was heißt das schon, wenn von eigenem Stil gesprochen wird? Charakteristisches mit Wiedererkennungswert, mag es wohl geben und dann? Style = Fart? (fart: Furz) Auf einem Poster entdeckt von Stefan Sagmeister.

Nach oben 04.06.2010, 19:05 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
:kapituliere: Puuhhh... Eure Texte sind ja nicht gerade einfach zu verstehen... :kapituliere:

Ich weiss nicht genau, warum man sich darüber Gedanken macht. Das ist mir bisher, ehrlich gesagt, noch nie passiert. Also ich male aus dem Herzen heraus und so wie ich die Welt sehe. Ich denke dabei gar nicht, es funktioniert einfach.
Jeder Mensch hat eine andere Auffassungsgabe und gibt aufgenommenes auf seine eigene spezielle Art wieder. Und wenn das ohne großes Nachdenken geschieht, einfach so aus dem Gefühl heraus, dann ist das für mich ein eigener Stil. Sicher kann man bei Personen dann einen bestimmten Zeichenstil erkennen. Wenn du eine Gruppe von 10 Personen ein gleiches Bild schraffieren lässt, wirst du sehen, dass jeder einzelne anders schraffiert.
Bestimmt hat es auch ein Stück weit mit der eigenen Persönlichkeit zu tun oder anders herum, aus Bildern kann man vieles über die Persönlichkeit der Zeichner herauslesen. Ein schüchterner oder ängstlicher Mensch zeichnet ganz anders als ein draufgängerischer, selbstsicherer Mensch. Die Art zu malen, oder vielleicht hier schon der Stil, ändert sich im Laufe der Jahre, weil jeder Mensch sich weiterentwickelt, die groben Züge jedoch wird man immer erkennen können.

Soweit meine Gedanken Tschipsi

Nach oben 04.06.2010, 20:06 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Ich habe mich die letzten Jahre immer wieder damit beschäftigt, was für einen Stil ich haben will, ob ich schon einen habe, und so weiter ...

Heute bin ich der Meinung:
Man kann nichts finden, was man schon von Anfang an hat.

Wenn man etwas zeichnet oder malt, und es einfach tut wie es kommt, ohne Strich-für-Strich jemanden nachzuahmen, dann ist es der eigene Stil.

Ich denke man kann den Stil eines Menschen ganz gut an seiner Strichführung sehen. Ich kenn das unter dem Begriff "Duktus". Wie eine Handschrift, die mal krumm, mal schief, mal sonntagssauber, mal müde ist, aber die doch jeder unter einem Dokument akzeptiert.

Die dargestellten Dinge können sich ändern, die Themen können sich ändern, man kann besser werden, lockerer werden, wacher werden, mutiger werden, aber man hat doch immer seine eigene Art, den Pinsel zu halten, den Pinsel über die Leinwand gleiten zu lassen. Seine eigene Art, den Bleistift zu bewegen, Linien zu ziehen.

Während meiner Suche nach meinem eigenen Stil habe ich immer wieder versucht, mir von den Künstlern, die ich toll fand, die Sachen herauszupicken, die ich gut fand. Das verwurstete ich dann immer wieder zu etwas neuem. Aber es war immer nur ein Mosaik aus Dingen, die ich an anderen Künstlern mochte. Frankenstein, oder so ähnlich. Irgendwann fiel mir auf, dass ich bei all dem "Achdermachtdassotoll!" immer wieder unterdrückte, wie ich es - einfach so, spontan - machen würde. Dass ich z.B. Augen auf der genau anderen Seite anfangen würde, es aber nicht tat, weil XYZ das ja so toll von "andersrum" hinbekommt.

Dann hatte ich eine Phase, in der ich bewusst hässliche Personen zeichnete, ohne jeglichen Anspruch auf Schönheit oder anatomische Korrektheit. Einfach nur, um die Erwartungen an mich selbst abzuschütteln, um spontaner zu werden. Einfach machen wie die Linien kommen!

Und wenn ich male, wie die Linien kommen, dann ist es meins. :winken:



Nochmal ein bisschen Geblubber am Rande:
Ich finde es - und das ist wirklich nur meine eigene Ansicht - fürchterlich, wenn Menschen sich so sehr im Stil einengen, dass jedes Bild völlig gleich aussieht. Ich hab recht viel mit zeichnenden Comic-fans zu tun, und da gibt es so ein paar Experten, bei denen jedes Auge, jedes Ohr, jedes Ornament im Hintergrund "genormt" ist. Siehste ein Bild - kennste alle. Weil alles einfach völlig gleich aussieht. Ich finde das sehr traurig, und noch trauriger finde ich, dass es dann junge Dinger gibt, die ebendiese Leute dafür vergöttern, dass sie "ihren eigenen Stil gefunden" haben.
Corporate Design - das ist gut für Firmen, aber wenn Künstler sich selbst ein in Anführungsstrichen "Corporate Design" aufdrücken, aus dem sie sich selbst niemals erlauben, herauszukommen und zu wachsen, dann ist das echt einfach nur noch traurig ...
(Falls jemand nicht weiß, was ein Corporate Design ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Corporate_Design)

So, jetz aber :winken:

Nach oben 04.06.2010, 20:16 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Spannend, sehr spannend! :klasse:

Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 10:55 armando hat geschrieben:
Adrian fasst zusammen: «Der eigene Stil ist das Ergebnis einer freiheitlichen Entscheidung, sich um der Selbstverwirklichung Willen auf eine bestimmte Auswahl von Möglichkeiten zu beschränken, um damit den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zu maximieren.»
Dieser Satz behagt mir nicht, weil es auf Einschränkung herausläuft.

Dass dieser Einwand noch kommt, dachte ich mir. Der Punkt ist folgender: Die Einschränkung in der Ausführungsart ist schon prinzipiell notwendig und nicht umgehbar. Man kann den Spachtel (als Beispiel) in der Ausführung leicht schräg oder gerade halten, aber nicht beides gleichzeitig. Man kann den Spachtel oder den Pinsel zu einem bestimmten Zeitpunkt der Werkerstellung wählen, aber nicht gleichzeitig. Man wird jede Sekunde seines Lebens zu Einschränkungen in Form von Entscheidungen gezwungen, allein schon aus systemimmanenter Sicht. Das hat noch nichts mit Stil zu tun. Der Stil zeigt sich zudem darin, dass diese Einschränkungen der Freiheit bewusst oder unbewusst beschnitten werden. Das ist eine freiheitliche Entscheidung (!) in der Reduktion der Möglichkeiten (Freiheit auf unterer Ebene), um damit einem höheren Verwirklichungszweck zu dienen (Freiheit auf höherer Ebene).

Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 11:13 eccola1 hat geschrieben:
Persoenlichkeit ist ein Prozess...... (das musste ich noch sagen :grins: )

Exakt, und Stil als Ausdruck dieser Persönlichkeit natürlich ebenso.

Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 11:29 Morgenwind hat geschrieben:
Ich find jetzt nicht, daß der Satz von Adrian und dein Satz sich widersprechen, Armando.

Das sehe ich auch so, denn:
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 10:55 armando hat geschrieben:
Der eigene Stil bildet sich heraus, wenn jemand konsequent die Themen bearbeitet, die seinen Interessen und Neigungen entsprechen, und dafür mit der Zeit eigenständige bildnerische Ausdrucksmittel entwickelt.

Das eine beschreibt den ursächlichen Prozess des Stils, dies hier die Stil-Entwicklung aus anderer Perspektive. Den obigen Satz halte ich zwar für "bedingt richtig", aber nicht für "wahr": Der Prozess zum Stil ist m.E. mehr als ein Automatismus in Form von Konsequenz mit einer zusätzlichen Portion Eigenständigkeit. So nehmen wir zwar Stile (auch durch Eigenbetrachtung) von außen wahr, ohne dabei zu klären, was ein eigener Stil tatsächlich ist und wie und warum er entsteht.

Den eigenen Stil zu "finden" bedeutet für mich (aus praktischer Sicht), die Dinge so zu tun, dass man damit seiner Persönlichkeit größtmöglich Ausdruck verleiht.

Dieser innere Antrieb konkurriert ständig mit äußeren Zwängen bzw. Einflüssen. Im Bereich Kleidung wird dies deutlich: Wenn ein Banker ein Anzug mit irgendeinem beliebigen Hemd und Krawatte trägt, weil das von ihm erwartet wird, dann ist das nicht Ausdruck seines Stils sondern die Erfüllung einer Stil-Erwartung von anderen. Wenn hingegen Persönlichkeiten wie Karl Lagerfeld jeden Morgen bewusst aus einer irrwitzigen Anzahl minimalst-verschiedener Kragen-Formen (die die meisten Menschen wie ich nicht einmal optisch unterscheiden können) einen ganz bestimmten auswählt, dann tut er das nicht weil es von ihm erwartet wird, sondern um damit seinen eigenen Stil als Ausdruck seiner Persönlichkeit zu unterstreichen.

Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 20:16 Pinselöhrchen hat geschrieben:
Ich finde es - und das ist wirklich nur meine eigene Ansicht - fürchterlich, wenn Menschen sich so sehr im Stil einengen, dass jedes Bild völlig gleich aussieht. Ich hab recht viel mit zeichnenden Comic-fans zu tun, und da gibt es so ein paar Experten, bei denen jedes Auge, jedes Ohr, jedes Ornament im Hintergrund "genormt" ist. Siehste ein Bild - kennste alle.

Wenn jemand Bilder in einem bestimmten Stil malt, dann ist die Frage, warum er das so tut wie er es tut. Das Motiv kann Ausdruck des persönlichen Stils sein, muss es aber nicht. Das Medium kann Ausdruck des persönlichen Stils sein, muss es aber nicht. Die Art zu Malen kann Ausdruck des persönlichen Stils sein, muss es aber nicht. Einen eigenen Stil zu haben bedeutet nicht, sich zwangsweise in seinem Wirkungsspektrum einzuschränken. Auch muss Einschränkung nicht bedeutet, auf Stilvielfalt zu verzichten.
Also, woran kann man einen persönlichen Stil erkennen und von anderen Einflüssen differenzieren? Es läuft hier wie so oft bei der Wahrheitssuche alles auf die klassische Frage nach Ursache und deren Wirkung hinaus.

Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 11:55 Traveller hat geschrieben:
für mich hängt der Unterschied zwischen Adrians und Armandos Formulierung an folgendem:
"der eigene Stil ist das Ergebnis" und "der eigene Stil bildet sich heraus"

Wir meinen aber das gleiche, betrachten es nur konträr: Ein eigener Stil ist eine bewusste Feststellung von speziellen Ursachen und Wirkungen zum Ausdruck einer Persönlichkeit. Dies ist sowohl Ergebnis eines Prozesses ("bildet sich heraus") als auch Ergebnis von Selektion ("Beschränkung")

Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 19:05 Wolkenkalligraphie hat geschrieben:
Charakteristisches mit Wiedererkennungswert, mag es wohl geben und dann? Style = Fart?

Hier muss man auch wieder differenzieren: Stefan Sagmeister, der den Spruch "Style is Fart" ins Leben gerufen hat, drückt damit ironischerweise seinen eigenen Stil aus, mit dem er sich über äußere Stilerwartungen hinwegsetzt. Einige derjenigen, die das nachplappern, nutzen das hingegen als Rechtfertigung für Stillosigkeit :grins:

Charakteristisches mit Wiedererkennungswert hat nicht immer etwas mit Stil zu tun, kann aber durchaus (siehe Lagerfeld-Beispiel oben).

Für alle, die jetzt noch dabei sind: :D
Was mir derzeit etwas Kopfzerbrechen bereitet ist der Aspekt des Bewusstseins. Offenbar gibt es bewusste und unbewusste Stil-Ausdrücke. Der persönliche Stil der Handschrift ist z.B. ein mehrheitlich unbewusster Ausdruck von Persönlichkeit, während die Art und Weise, wie man sich stilvoll kleidet, ein ziemlich bewusster Vorgang ist, auch wenn die Ursachen dafür wiederum meist unbewusst sind. :mhh:

Nach oben 04.06.2010, 21:52 Nach unten

Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Eine ganz wunderbare Diskussion (also wirklich, man darf hier nicht mal 'ne Woche Urlaub machen, schon verpasst man was :hmm: ). Und weil das Beispiel Picasso genannt wurde: Das ist für mich das Entscheidende - die Weiterentwicklung des Stils - eben kein Stillstand. :winken:

Nach oben 04.06.2010, 22:17 Nach unten

Mixed

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
(QUOTING Adrian) ... Für alle, die jetzt noch dabei sind:
Was mir derzeit etwas Kopfzerbrechen bereitet ist der Aspekt des Bewusstseins. Offenbar gibt es bewusste und unbewusste Stil-Ausdrücke. Der persönliche Stil der Handschrift ist z.B. ein mehrheitlich unbewusster Ausdruck von Persönlichkeit, während die Art und Weise, wie man sich stilvoll kleidet, ein ziemlich bewusster Vorgang ist, auch wenn die Ursachen dafür wiederum meist unbewusst sind.


Stil ist nicht nur ein Ausdruck der Persoenlichkeit, sondern auch ein Ausdruck der Koerperlichkeit.
Gewohnheit und Rituale bestimmen das Leben. Wir sind uns der meisten Sachen NICHT bewusst, z.B Kopfhaltung, Rueckenhaltung, Geh-art, 'Weisst du, wie du sitzt, wenn du Zeitung liest?'.
Man kann nicht bewusst ein Ergebnis herstellen. Man kann einen Raum schaffen, eine Richtung bestimmen, loslassen und dann das "Ergebnis" ansehen, bewerten (wenn man will) oder man ueberlaesst das Bewerten den anderen.
Sich seiner Selbst bewusst werden, ist ein erster L A N G E R Schritt. und ich meine das nicht nur intellektuell...sondern emotional und koerperlich... ZB. Seine subjektive Farbwahl kennenzulernen ist eine wichtige Aufgabe und dann zu lernen, damit zu arbeiten, oder sie zu veraendern. (Johannes Itten hat ein schoens Buch ueber Farbe geschrieben)
usw
usw
und so fort

... und wirklich wichtig: Stil laesst sich nur im NACHHINEIN bestimmen.

Nach oben 04.06.2010, 23:13 Nach unten

Mixed

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Pinseloehrchen:
Man kann nichts finden, was man schon von Anfang an hat.


Finde ich auch.
Aber man muss es in sich finden koennen..... darin liegt die Kunst, finde ich.

Ich kenne eine Kuenstlerin, die malt mit Tusche.
Linien... auf Papier ... und sie sagt: "Sobald ich merke, dass ich anfang zu denken, dann leg ich den Stift/Pinsel weg und mach was anderes."
Ihr Stil entwickelt sich organisch aus ihr Selbst. Das ist gut zu sehen und interessant zu beobachten.

Nach oben 04.06.2010, 23:25 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Na ja...

hinter dem besagten Sagmeister-Zitat steht ein Fragezeichen und kein Punkt. Eine Frage bleibt eine Frage.
Stil bildet sich heraus, wenn Charakteristisches - ob nun als stilvoll oder stillos oder wie auch immer benannt und wahrgenommen - entsteht.

Das Zitat hat ein Praktikant in die Haut Sagmeisters per Rasierklinge eingeritzt. Erinnert an afrikanischen Hautschmuck.

Es ist leicht, jeden, der hier schreibt, am Schreibstil zu erkennen.

Nach oben 05.06.2010, 07:39 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 23:25 eccola1 hat geschrieben:
Ich kenne eine Kuenstlerin, die malt mit Tusche.
Linien... auf Papier ... und sie sagt: "Sobald ich merke, dass ich anfang zu denken, dann leg ich den Stift/Pinsel weg und mach was anderes."
Ihr Stil entwickelt sich organisch aus ihr Selbst. Das ist gut zu sehen und interessant zu beobachten.


ich habe im letzten Herbst mal ein "Klecks-und-kritzel-Seminar" mitgemacht
am Vormittag hat unsere kleine Gruppe (6 Frauen) mit Acrylfarben, Pinseln, Spachteln, Fingern zuerst auf Papier, dann auf Leinwänden gearbeitet; alles im Format 20 x 20
wichtigste Vorgabe: NICHT DENKEN !!

am Nachmittag haben wir dann mit den Werken theoretisch weitergemacht (Farben, Formen, was passt zusammen, welche Kombinationen geben Spannung etc.)

an Ende sollte jeder seine Bilder aus der Sammlung von 70 (!) Leinwänden heraussuchen
und nachdem wir sie alle an einem großen Tisch vor uns liegen hatten, konnte man erkennen, dass jeder so etwas wie einen "eigenen Stil" hatte
Bilder, die noch auf dem Tisch lagen, konnten ganz klar einer von uns zugeordnet werden
und das, obwohl die einzelnen Werke schon sehr unterschiedlich waren

anscheinend arbeitet das das Unterbewusstsein kräftig mit beim Malen "ohne Denken"

Nach oben 06.06.2010, 08:23 Nach unten

Mixed

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
finde ich auch
Ich denke sogar, dass das Unterbewusst-SEIN unser eigentliches SEIN ist und ich habe es mir in meinem Leben zur Aufgabe gemacht, auf das Unterbewusst-SEIN mehr zu hoeren, als jemals zu vor.
In der Kinesiologie gibt es einen Muskeltest, der zeigt, ob das UnterbewusstSEIN hinter den Entscheidungen steht. Ich habe das mal mit Farben zusammengebracht. Spannend. Aehnlich wie Johanes Itten - Aufgaben...
Und da kommt dann auch DER "STIL" her. Das ist man, man selbst, unterscheidbar von JEDEM/R anderen.

GENAU, traveller, was du sagst ueber die Tatsache, dass man die Kritzel-und Farbbilder wiedererkennen konnte.
So ist das.... schoen!...Ich fuehl mich so verstanden, Uta..danke.
Astrid

Nach oben 06.06.2010, 09:09 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 11:49 pigmenttankstelle hat geschrieben:
Für eine Profi sind Leben und Malerei schwer zu trennen. In den gut neun Jahren, in denen ich jetzt mit einer professionellen Künstlerin zusammenlebe, habe ich das erfahren. Auseinandersetzen heisst erarbeiten, mit der Betonung auf Arbeiten.

Das trifft m.E. noch mal einen wichtigen Aspekt. Dieses Er-Arbeiten. Durch die (tägliche) Mühe hindurch immer wieder zu neuen Bildern oder anderen Kuns"prdukten". Das betrifft ja alle Kunstrichtiungen...
Zitat:
Es geht darum, wie man an die Dinge herangeht. Da kann man den eigenen Stil erarbeiten. Da dies das Ergebnis eines langen Prozesses ist und nicht von heute auf morgen geht,

Der Prozess hört nie auf, das ist das Lohnende bei der Kunst-Arbeit und gleichzeitig das Anstrengende...

Zitat:
Der BBK ist ein Berufsverband, der die (Berufs-)Interessen von professionellen MalerInnen vertritt - und, ganz brutal gesagt, auch gegen HobbymalerInnen.

Künstler als Beruf ist ja auch nicht gerade der leichteste Weg: Es ist recht wenig gesellschaftliche Anerkennung für diesen Weg da. Da ist es wichtig, Beruf und Hobby voneinander zu trennen. Wobei die Kriterien ja trotzdem subjektiv bleiben.

Zitat:
Ganz klar, dass nur aufgenommen werden kann, wer eine entsprechende Ausbildung nachweisen kann, oder wer zeigt, dass er den langen Weg der Auseinandersetzung und der Erarbeitung eines eigenen Stils zumindest ein Stück weit bereits gegangen ist. Das wird immer mehr auch ein Kriterium für Akademien. Nicht die Vielfallt zählt, sondern das Besondere, das Eigene.

Super. Und damit ist die Verbindung zwischen dem Prozeßhaften und dem Ergebnishaften des Stils hergestellt. Es ist zugleich Prozeß und Ergebnis. So ist es ja auch mit jedem Bild oder anderen Kunst-Produkt.

Zitat:
Aber hört nicht auf zu suchen. Der Weg ist das Ziel!


Das verbindet aber in meinen Augen Hobby und Beruf. Oder?

Viele Grüße,
Rohrdommel

Nach oben 07.06.2010, 11:29 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 07.06.2010, 11:29 Rohrdommel hat geschrieben:
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 04.06.2010, 11:49 pigmenttankstelle hat geschrieben:

Zitat:
Aber hört nicht auf zu suchen. Der Weg ist das Ziel!

Das verbindet aber in meinen Augen Hobby und Beruf. Oder?

Viele Grüße,
Rohrdommel


Hallo Rohrdommel,

vielen Dank für die Zustimmung!

Kunst ist Inspiration UND Transpiration!
Während in anderen Bereichen eine meisterliche Leistung kaum ohne lange Ausbildung zu erreichen ist, zum Beispiel im Handwerk, habe ich es durchaus schon erlebt, dass Menschen, die ihr erstes oder zweites Bild malen, eine nahezu meisterliche Leistung erbracht haben. Ich glaube, man spricht in diesem Zusammenhang von Talent. Während der Profi seinen Stil gefunden haben sollte, bleiben dem Gelegenheitskünstler die Suche und die Freude beim Finden.

Ein paar Beispiele, die verdeutlichen sollen, was ich persönlich unter Stil verstehe:
Auf http://www.olma.de/f_Malkursgalerie_2008.html ganz links oben das linke Symbol unter dem Wort "Gallery" klicken und dann in das Suchfeld "Albert" eingeben. Der Mann ist Universitätsprofessor, und es sind seine ersten Bilder überhaupt. Sein Stil ist es "morbide" Gegenstände, die er mal irgendwo fotografiert hat, im Großen abzumalen.

Die weltweite "Nr. 1" der Malerei Gerhard Richter http://www.gerhard-richter.com ist auch ein gutes Beispiel. Was man für unscharfe schwarz/weiss Fotos halten könnte, ist Malerei. Er hat sich an die Farbe grau herangearbeitet - wie das ganze in riesigen einfarbig grauen Tafeln gipfelt, fasziniert mich. Unverkennbar!

Und schließlich die Lebensgefährtin: http://www.olma.de oder http://olma.artists.de/?tab=portfolios Wenn man sie fragt: Wie lange hat es gedauert, das Bild zu malen, sagt sie: 48 Jahre (zur Zeit). Die Motive ändern sich, aber der Stil ist unverkennbar - selbst bei ihren Fotos. Zur Zeit setzt sie sich mit dem Umgang mit der Umwelt - besonders der Tiere durch die Menschen auseinander. Die Bonobos haben es ihr besonders angetan, sie sind vom Aussterben bedroht. Die Auseinandersetzung findet sich nicht nur in ihrer Kunst statt, aber sie spiegelt sich wider.
Übrigens ist die Ausstellung im DFKI in Kaiserslautern verlängert worden bis Ende August. KritzelmeisterInnen, die Interesse an einer von der Künstlerin geführten Besichtigung (mittwochs 16-18:00 Uhr) haben, können sich bei mir per Mail zur Terminvereinbarung melden.

Viele Grüße aus der Pfalz!

Wolfgang

Nach oben 07.06.2010, 14:44 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Lieber Armando

Interessantes Thema :-)

Ich sehe meinen Stil als etwas, das wächst und sich mit mir entwickelt und verändert. Ich habe nie bewusst diese Entwicklung und Veränderung angestrebt. Veränderung nur um der Veränderung willen ist für mich kein Ziel, genausowenig wie etwas stets gleich zu machen, weil man es immer schon so gemacht hat. Ich mach mir aber darüber kaum Gedanken. Mein Stil entwickelt sich automatisch, ohne dass ich etwas dagegen oder dafür tue.

Das heisst nicht, dass ich jedes Mal das Rad neu erfinde.
Wenn sich eine Methode mal bewährt hat, kann ich die auch mehrmals anwenden. Ich brauch nicht jedes Mal krampfhaft was Neues zu erfinden. Genausowenig wie ich krampfhaft an etwas festhalte. Wenn die Zeit für was Neues kommt, dann kommt sie und ich finde es schön und spannend diese spontane Entwicklung zu beobachten :-)

LG
Nadia

Nach oben 08.06.2010, 13:21 Nach unten
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