"Ich male, was ich sehe, und nicht, was andere zu sehen belieben." (Edouard Manet)




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 Seinen «eigenen Stil» finden ...? 
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Acrylmalerei

Beitrag  Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Freunde!

Dass man irgendwann «seinen eigenen Stil finden» müsse, geistert als kaum hinterfragtes Axiom durch so manche Diskussion an Vernissagen oder durch Rezensionen.
Ich möchte das einmal mit Euch bemurmeln, denn mir ist tatsächlich nicht klar, wie ich das verstehen darf oder soll.

1. Was ist das genau, ein eigener Stil?
– Es muss ja mehr sein als eine «Masche», mit der man gewohnheitsmässig Motive aussucht, Bildthemen bearbeitet, Bildelemente anordnet, Farben auswählt und kombiniert, Striche führt, Gesichtsausdrücke prägt, Stilleben arrangiert – aber was ist es denn?
– Beispiel: Picasso hat sich stetig weiter entwickelt ... und hat trotzdem irgendwie seinen eigenen Stil.
– Woran erkennt man im Einzelfall den «eigenen Stil», wo ist die Grenze zur Stillosigkeit?

2. Warum MUSS man seinen eigenen Stil finden und pflegen?
– Bleibt man auf ewig Schüler und Epigone seiner Lehrer und Vorbilder?
– Sind Bilder, die Einflüsse von Vorbildern zeigen, in jedem Fall schlechter und weniger wertvoll?
– Was, wenn ein Schüler seinen Meister überflügelt, aber dennoch bleibt der Einfluss sichtbar?

3. Wie fördert man die Entwicklung eines eigenen Stils?
– Nur ja nicht in verschiedene Richtungen experimentieren, damit eine gemeinsame Bildsprache in allen Werken deutlich sichtbar wird?
– Sich stilistische Eigenheiten (oder gar Frechheiten) zulegen …
– … und eifersüchtig wachen, dass niemand sie kopiert?
Das kann es ja wohl nicht sein – aber wie dann?

4. Wie pflegt man den «eigenen Stil», ohne dass das einen einschränkt?
– Das ist meine Sorge, die ich mit diesem ominösen Begriff verbinde: dass ich mich auf gewisse Ausdrucksmittel und Themen festlegen soll und eine Weiterentwicklung nur noch in engen Grenzen verstanden und akzeptiert würde.
Beispiel: Derzeit liegt mein Schwerpunkt auf einer abstrakten Bildsprache. Wie, wenn sich mein Interesse wandelt und ich wieder Vögel und Schmetterlinge oder vielleicht einmal Portaits und Akte malen will?
– Ich kann es nicht als Fehler sehen, wenn ich parallel verschiedene (Bild)sprachen spreche und will frei bleiben, phasenweise die eine zu bevorzugen, oder auch projektbezogen die passende auszuwählen.
– Einen «eigenen Stil», der mich solcherart einschränken würde, will ich ihn NIE finden!

Danke, dass du dich tapfer durch den ganzen Text gelesen hast!
Jetzt bin ich gespannt auf dein Echo.
armando

Nach oben 02.06.2010, 20:25 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Hallo Armando,ich glaube nicht das Du am Sujet Deinen Stil ausmachen kannst.ich glaube,es kommt auf die Art und Weise an,wie Du Deine Bilder malst.Picasso hat auch grundverschiedene Sachen gemalt und trotzdem hat man ihn immer wieder erkannt

Nach oben 02.06.2010, 20:54 Nach unten

Acryl + Öl

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Hallo Armando,

male einfach das, was dir gefällt und wie es dir gefällt. - So entsteht automatisch deinen Stil.

Um Fortschritte zu machen, muss man schon oft malen... natürlich liegt auch einmal eine Mal-Krise darin :wink:

Nach oben 02.06.2010, 21:02 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
"eigener Stil" - du hast da den Finger in eine Wunde gelegt, die wahrscheinlich viele von uns haben
und du hast die Fragestellung ausgesprochen systematisch angepackt

ich selber bin noch weit entfernt von einem Stil, weil ich - gerade in den letzten ein, zwei Jahren - immer wieder Neues ausprobiere
ganz unsystematisch, einfach so, wie es mir vor die Füße bzw. den Pinsel kommt
aber vielleicht braucht es dieses Herumsuchen, dieses Austesten, um Themen bzw. Fragestellungen zu finden, die mich dann länger und tiefer beschäftigen

ich finde es faszinierend, wenn ich in einer Ausstellung sehe, dass ein/e Künstler/in eine ganze Serie von Arbeiten erschafft, die ein Motiv von vielen Seiten beleuchten
und ich glaube, gerade dadurch entwickelt sich etwas, das allen Werken (zumindest dieser Serie) gemeinsam ist

Picasso ist ein Künstler, den ich allein schon aufgrund seiner langen Schaffenszeit und seines immensen Ausstoßes, seiner riesigen Produktion genial finde
so vielseitig und doch (zumindest bei vielen Werken) wiedererkennbar
ich habe keine Ahnung, was er zum Stichwort "Stil" gedacht bzw. gesagt hat (ich habe eh viel zu wenig Ahnung von Kunst)
aber ich glaube, ihm war einfach die Arbeit wichtig, lebenswichtig

gerade als Hobbymalerin verzettele ich mich oft, weil ich alles ausprobieren möchte (und viel zu wenig Zeit investiere)
ich bleibe nicht konsequent an einem Thema, an einer "Methode" dran (vielleicht auch, weil ich nie in irgendeiner Weise Unterricht genossen habe)
einerseits betrachte ich das Malen als Entspannungsübung, andererseits ärgere ich mich, weil ich gerne etwas schaffen würde, das über ein dekoratives Bildchen hinausgeht
diese Diskrepanz muss ich wohl erst überwinden, ehe ich in eine künstlerische Richtung weiterkomme
so oder so will ich nicht wirklich nach einem "eigenen Stil" suchen, weil das dann sicher verkrampft wird
ich hoffe, dass ich irgendwann an einen Punkt komme, an dem andere mir sagen, dass ein Bild als von mir erkennbar ist

Nach oben 02.06.2010, 21:06 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Hallo armando, erstmal Danke für dieses spannende Thema :klasse:

Dazu meine folgende persönliche, theoretische bzw. themenübergreifende Meinung, die sicherlich nicht das Maß aller Dinge ist, aber möglicherweise hilfreiche Denkansätze beinhaltet:

1.) Ein "eigener Stil" ist geprägt durch die Freiheit und den Willen, seine eigene Persönlichkeit, Charakterzüge und Überzeugungen auszudrücken. Beispielsweise wie auch bei der persönlichen Handschrift, dem Schreibstil, Kleidungsstil, Führungsstil, etc., sowie auch im "Free Style" in Musik und Sport. Ein eigener Stil ist insbesondere immer dann erkennbar, wenn Vergleichbarkeiten mit anderen Stilen schwinden. Ein eigener Stil - im Gegensatz zur "Stillosigkeit" - ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, und nicht von fremden Vorgaben von Stilen anderer dominiert. Stillosigkeit hingegen zeigt sich in Erfüllung einer Norm, eines rein materiellen Zwecks, eines Produktes mit austauschbarem Ersteller, einer Ausführung ohne menschliche Prägung (z.B. macht es nur wenig Sinn, einen eigenen Stil beim Ausfüllen seiner Steuererklärung zu entwickeln, wobei man beim Thema "kreative Buchführung" des öfteren einen eigenen Stil des Managements erkennen kann. Adäquat für die Kunst: Für "Malen nach Zahlen" ist ein eigener Stil wenig sinnvoll, beim Umsetzen nach Vorlagen oder Portraits schon mehr, und am meisten - ich bin mir der Sprengkraft dieses Beispiels bewusst - bei mehr freiheitlichen Ansätzen wie z.B. des Impressionismus bis hin zur totalen Abstraktion). Ein eigener Stil muss dabei nicht statisch sein, sondern kann (und sollte bzw. muss auch, s.u.) sich mit der Weiterentwicklung des Menschen gleichfalls weiterentwickeln.

2.) Der Drang, seinen eigenen Stil finden und seiner Umgebung ausdrücken zu wollen, liegt in dem menschlichen Drang zur Selbstverwirklichung begründet (nach Maslow). Das "Stil-Finden-Müssen" ist in Wahrheit ein "Stil-Finden-Wollen" aus tiefstem innersten Beweggrund, sich aus dem Schatten seiner Mitmenschen zu lösen und für sich und damit der ganzen Menschheit etwas neues, innovatives, eben ein erweiterndes Gedanken- und Schaffensgut beizusteuern.

3.) Was man tut und wo man es tut ist sekundär. "Seinen eigenen Stil zu finden" heißt, Bewusstsein zu schaffen, warum man die Dinge so tut wie man sie tut, und wie man sie eigentlich tun möchte. Man kann bereits einen eigenen Stil haben und sich dessen nicht bewusst sein, dann hat man ihn selbst noch nicht erkannt. Für diesen Entwicklungs- und Erkenntnis-Prozesses bedarf es meines Erachtens eine solide Mischung aus "Wissen", "Können", "Persönlichkeit" und "Selbstbewusstsein". Fehlt eines davon, wird es schwer den eigenen Stil "zu finden" bzw. besser: "auszudrücken".

4.) Die Angst, der "eigene Stil" diktiere einem, was man zu tun und zu lassen habe, ist völlig unbegründet, da der eigene Stil immer einem selbst folgt. Man sollte nur nicht den Fehler begehen und das ständig gleiche Ergebnis des eigenen Stils als diesen selbst zu betrachten. Anders: Der eigene Stil zeigt sich in den Dingen die man tut, in der Art, wie man sie tut. Diese Ergebnisse sind jedoch nicht der eigene Stil, sie repräsentieren nur den Stil als Mittel, sich auszudrücken. Daher sollte man nicht an der Ergebnis-Art seines Tuns festhalten, sondern an der Art und Weise, wie man es tut. Noch anders: Das Produkt ist hierfür nebensächlich und austauschbar. Die Freiheit zur Variation nährt sich wieder aus 3.: "Wissen", "Können", "Persönlichkeit" und "Selbstbewusstsein". Je mehr man auf verschiedenen Bereichen weiß, kann und sich selbst dazu bewusst ist, desto größer sind die Variationsmöglichkeiten der jeweiligen Stilvielfalt.


Das mal grob mit einigen unausgefeilten Gedankengängen und teils in stark vereinfachten Grundzügen, bin gespannt :winken:

Nach oben 02.06.2010, 21:45 Nach unten

kritzelkram

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Hallo,

hätte auch noch einen Ansatz, nachdem Admin den Maslow zitiert: USP, "unique selling proposition" ist zwar ein Begriff aus dem Marketing, aber strack zuendegedacht ist das wohl die Krönung des "einenen Stils" und seine letzte Ausdeutung unter den Rahmenbedingungen des globalen (Kunst-)Marktes, zumindest wenn man sieht, was einige der amtierenden Grosskünstler so produzieren und dass es scheinbar auch noch funktioniert.

:grins: Alles wird gut.

Gruss rommel

Nach oben 02.06.2010, 23:35 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Hallo Rommel,

Danke für den USP-Aspekt (auf deutsch: einmaliges Verkaufsargument / Alleinstellungsmerkmal). Nur denke ich, dass das (auch in der Kunst) zwar ähnliche Aspekte beinhaltet, aber eigentlich losgelöst von der Stilfrage ist. Was ich damit meine: Ein USP benötigt nicht zwingend einen eigenen Stil, auch ist ein eigener Stil nicht unbedingt gleichbedeutend mit ein oder mehreren USPs. Auch sagt ein eigener Stil noch nichts über (Verkaufs-)Erfolg oder Misserfolg aus, wobei ein USP (wie der Begriff "Selling" schon sagt) speziell dafür ausgelegt ist. Ein USP könnte z.B. sein, seine Bilder auf Seide anstatt auf Leinwand zu malen (als Zweck des Abhebens von der Masse), um damit einen gewissen Marktvorteil zu gewinnen. Was meines Erachtens aber noch nicht für einen eigenen Stil im Sinne des Ausdrucks persönlicher Gestaltungsfreiräume steht.

Vielleicht könnte man auch sagen: Ein eigener Stil manifestiert sich aus einer inneren Notwendigkeit heraus, während bspw. ein USP ein äußerer Aspekt zur optimaleren Bedienung eines Marktsegments darstellt?

Beides in Kombination ist allerdings sicherlich erstrebenswert! :winken:

Alles ist gut :grins:

Adrian

Nach oben 03.06.2010, 00:04 Nach unten

kritzelkram

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Hallo nochmal,

hab weiter oben einen ziemlich sarkastischen Text gepostet den ich hier relativieren möchte. :kapituliere:

Ich denke die Chance des Amateur-Künstlers liegt darin, Stil zu vermeiden und sich damit bewusst gegen die angelernten Konventionen und Regeln der Berufskünstler zu entscheiden. Das heisst, Regeln dort akzeptieren und anwenden, wo man sie brauchen kann, ansonsten aber frei arbeiten, Authentizität und Qualitätsbewusstsein entwickeln, Konventionen auch mal in die Tonne treten und nicht fragen, was sagt der Markt dazu und was die Kunstgeschichte. Nur so ist Individualität und Vielfalt möglich und damit auch gesellschaftlicher Fortschritt (man kann sich nur im Zusammenhang des Ganzen definieren (includiert), Maslow & Co. definieren noch den Einzelnen gegen das Ganze, das ist m. E. ziemlich antiquiert, aber das ist offtopic blabla..)

Wenn man die Kritzelmeister-Galerien durchsieht gibts hier viele schöne Beispiele für individuelle unabhängige künstlerische Arbeit.

Hab mich ein bischen aufgeregt unds ist spät geworden.
Gruss Rommel


Ein Text von Jean Dubuffet aus "Kultur und Subversion", den ich sehr schön finde als Utopie einer unabhängigen Amateur-Kunst:
"Ganz hingegeben an Aufschnellen und Schimmern im Gebirgsbach: wie faszinierend wäre, würden Forellen malen, das Werk der Forelle! Das Werk der Schlange - gäben Schlangen ihre Arbeiten preis - : besessen von brennend-heissem Stein. Das des Vogels voller Himmel und Wolken. Ganz gleich, welchen Gegenstand sie malen würden - und wäre es ein Apfel - , die Forelle gäbe ihm etwas mit von ihrem kühlen Tummeln, die Schlange von ihrem Stein, der Vogel von seinem Himmel."

Nach oben 03.06.2010, 00:47 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 02.06.2010, 21:45 Adrian hat geschrieben:
3.) Was man tut und wo man es tut ist sekundär. "Seinen eigenen Stil zu finden" heißt, Bewusstsein zu schaffen, warum man die Dinge so tut wie man sie tut, und wie man sie eigentlich tun möchte. Man kann bereits einen eigenen Stil haben und sich dessen nicht bewusst sein, dann hat man ihn selbst noch nicht erkannt. Für diesen Entwicklungs- und Erkenntnis-Prozesses bedarf es meines Erachtens eine solide Mischung aus "Wissen", "Können", "Persönlichkeit" und "Selbstbewusstsein". Fehlt eines davon, wird es schwer den eigenen Stil "zu finden" bzw. besser: "auszudrücken".


Das kann ich - mal ganz unabhängig vom Bereich Kunst - unterschreiben.
Das Leben selber ist ja eine Suche nach dem persönlichen Stil. Wie will ich leben? Was ist mir wichtig?
Dazu gehören Eindrücke sammeln, Ausprobieren, Nachahmen genauso wie die Entscheidung, was man für sich selber beibehält und welchen Pfaden man nicht folgen will.
Und diese Entscheidung muss verteidigt werden, vor allem, wenn sie nicht mit der Masse konform geht. Dazu braucht es eine gehörige Portion Selbstbewusstsein.

Wenn ich das für mich persönlich auf meine Malerei übertrage, habe ich das Gefühl, noch in der Pubertät zu stecken. :grins:
Aber das gibt Hoffnung weiterzukommen.

Nach oben 03.06.2010, 08:20 Nach unten

Aquarell, Tusche, Kohle.

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 03.06.2010, 00:47 rommel hat geschrieben:

Ich denke die Chance des Amateur-Künstlers liegt darin, Stil zu vermeiden und sich damit bewusst gegen die angelernten Konventionen und Regeln der Berufskünstler zu entscheiden.


So sehe ich das auch.
Als ich vor fast 4 Jahren mit der Malerei anfing, habe ich nur nach Vorlagen gemalt.
Leider hat meine Phantasie da nicht mitgespielt.
Obwohl genau vorgezeichnet, kam immer ganz was anders am Ende raus.
Meine Lehrerin wollte mir immer die Abweichungen aufzeigen. Hat es aber bald aufgegeben.
Genau nach der Natur malen, das kann ich gut. Aber warum? Die Natur kann das viel besser.
Dann bin ich an die Künstler geraten, die mich wirklich beeinflusst haben.
Das war, unter anderen, hier im Forum Dietmar mit Spachtel und Schnelligkeit.
Auch Felix Eckardt. Mit Augen zukneifen und Umrisse erkennen. Seine unkomplizierte Art zu Experimentieren gefällt mir gut. Nix Hochgeistiges, nur einfach lustig.
Leider habe ich keine 30 Jahre mehr um meinen Stil zu finden. Darum bin ich ein Mischmasch, geprägt von einigen Künstlern.
Wenn man mir jetzt schon meine Bilder zuordnen kann, dann freut mich das.
Aber ich will ja noch so viel mehr, immer höher,- weiter, neuer, anders.
Also wird sich mein Stil verändern, (fast) mit jedem Bild. Hoffentlich.

Nach oben 03.06.2010, 10:09 Nach unten

Aquarell und Öl und .......

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Warum soll es immer darum gehen seinen eigenen Stil zu finden.
Oftergibt sich das doch automatisch.
Man malt mit Techniken die man beherrscht und sich angeeignet hat, - vor allem an denen man Spaß gefunden hat.
Ich selbst habe noch NIE mit Acryl gemalt und werde es auch NIE anfangen. Also begebe ich mich auch nicht auf die Suche nach meinem Stil
in diesem Genre.
Genauso ist es mit der Auswahl der Motive. Malt das was euch Spaß macht und wenn sich das dann irgendwann zu EUREM Stil entwickelt,
- was ja meist andere dann so beurteilen oder bewerten, ist es auch gut.
Stil hin, -Stil her. Krampfhaft danach zu suchen halte ich für den falschen Weg.

lg udo :winken:

Nach oben 03.06.2010, 10:10 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Also ich denke, daß ein eigener Stil Individualität ist, und daß es möglicherweise für viele schwierig ist, ihre eigene Individualität zu finden. Ich glaub auch, daß es nicht nötig ist, sich anzupassen. Hab das länger gedacht, daß ich keine richtige Maltechnik habe, nix gelernt habe, usw. , aber das ist halt mal mein ganz persönlicher Stil und das wird auch so bleiben und das ist sicher ein Pluspunkt für Hobbykünstler, sie müssen keine Profis sein. Klar, ich werde ausprobieren und austesten, und was mir gefällt, das werde ich weiterverwenden.

Denke auch, daß der eigene Stil in einem selbst entsteht, daß man ihn nicht erzwingen kann.

Liebe Grüsse, Morgenwind

Nach oben 03.06.2010, 10:24 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 03.06.2010, 00:47 rommel hat geschrieben:
Hallo nochmal,

hab weiter oben einen ziemlich sarkastischen Text gepostet den ich hier relativieren möchte. :kapituliere:

Ich denke die Chance des Amateur-Künstlers liegt darin, Stil zu vermeiden und sich damit bewusst gegen die angelernten Konventionen und Regeln der Berufskünstler zu entscheiden. Das heisst, Regeln dort akzeptieren und anwenden, wo man sie brauchen kann, ansonsten aber frei arbeiten, Authentizität und Qualitätsbewusstsein entwickeln, Konventionen auch mal in die Tonne treten und nicht fragen, was sagt der Markt dazu und was die Kunstgeschichte. Nur so ist Individualität und Vielfalt möglich und damit auch gesellschaftlicher Fortschritt (man kann sich nur im Zusammenhang des Ganzen definieren (includiert), Maslow & Co. definieren noch den Einzelnen gegen das Ganze, das ist m. E. ziemlich antiquiert, aber das ist offtopic blabla..)

Wenn man die Kritzelmeister-Galerien durchsieht gibts hier viele schöne Beispiele für individuelle unabhängige künstlerische Arbeit.

Hab mich ein bischen aufgeregt unds ist spät geworden.
Gruss Rommel


Ein Text von Jean Dubuffet aus "Kultur und Subversion", den ich sehr schön finde als Utopie einer unabhängigen Amateur-Kunst:
"Ganz hingegeben an Aufschnellen und Schimmern im Gebirgsbach: wie faszinierend wäre, würden Forellen malen, das Werk der Forelle! Das Werk der Schlange - gäben Schlangen ihre Arbeiten preis - : besessen von brennend-heissem Stein. Das des Vogels voller Himmel und Wolken. Ganz gleich, welchen Gegenstand sie malen würden - und wäre es ein Apfel - , die Forelle gäbe ihm etwas mit von ihrem kühlen Tummeln, die Schlange von ihrem Stein, der Vogel von seinem Himmel."


Finde ich gut, was du geschrieben hast!

Und dieser Text von Jean Dubuffet (den ich gar nicht kenne) der ist einfach nur toll und inspirierend.

Liebe Grüsse, Morgenwind

Nach oben 03.06.2010, 10:28 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Morgenwind hat recht und Rommel auch, meiner Meinung nach.

Ich würde die Betonung auf FINDEN legen. Das ist doch das spannende. So lange man sucht und sich nicht einschränkt, sind doch alle Wege offen. Ich möchte mal den Begriff Serentipität http://de.wikipedia.org/wiki/Serendipity in die Runde werfen: Indien suchen und Amerika finden. Kolumbus hat´s vorgemacht. Wäre er zu Hause geblieben, .... Aber er hat gesucht. War er mit dem gefundenen unzufrieden? War es schlecht, was er gefunden hat? Picasso hat nach eigenen Worten schon als Kind gemalt, wie ein Erwachsener, und er hat ein Leben lang versucht, so zu malen, wie ein Kind. Und was bei der Suche herausgekommen ist, kann sich sehen lassen.

Den Vorteil, den - ich sag mal - Gelegenheitsmaler haben, ist es suchen zu dürfen. Kopieren und Malen nach Zahlen bringen einen tatsächlich nicht weiter. Nichts schlimmer aber, wenn ein sogenannter Profimaler seinen eigenen Stil nicht gefunden hat, wenn jedes Bild anders ist und in jedem Bild das "Vorbild" zu erkennen ist. Nichts spricht jedoch dagegen, wenn man SEIN Vorbild gefunden hat, ihm folgt und sich dabei weiter entwickelt.

Viel Freude beim Suchen!

Wolfgang

Nach oben 03.06.2010, 10:52 Nach unten

Bleistift, Öl, Kohle, Computer

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 02.06.2010, 20:25 armando hat geschrieben:
Freunde!

Dass man irgendwann «seinen eigenen Stil finden» müsse, geistert als kaum hinterfragtes Axiom durch so manche Diskussion an Vernissagen oder durch Rezensionen.
Ich möchte das einmal mit Euch bemurmeln, denn mir ist tatsächlich nicht klar, wie ich das verstehen darf oder soll.

1. Was ist das genau, ein eigener Stil?
– Es muss ja mehr sein als eine «Masche», mit der man gewohnheitsmässig Motive aussucht, Bildthemen bearbeitet, Bildelemente anordnet, Farben auswählt und kombiniert, Striche führt, Gesichtsausdrücke prägt, Stilleben arrangiert – aber was ist es denn?
– Beispiel: Picasso hat sich stetig weiter entwickelt ... und hat trotzdem irgendwie seinen eigenen Stil.
– Woran erkennt man im Einzelfall den «eigenen Stil», wo ist die Grenze zur Stillosigkeit?

2. Warum MUSS man seinen eigenen Stil finden und pflegen?
– Bleibt man auf ewig Schüler und Epigone seiner Lehrer und Vorbilder?
– Sind Bilder, die Einflüsse von Vorbildern zeigen, in jedem Fall schlechter und weniger wertvoll?
– Was, wenn ein Schüler seinen Meister überflügelt, aber dennoch bleibt der Einfluss sichtbar?

3. Wie fördert man die Entwicklung eines eigenen Stils?
– Nur ja nicht in verschiedene Richtungen experimentieren, damit eine gemeinsame Bildsprache in allen Werken deutlich sichtbar wird?
– Sich stilistische Eigenheiten (oder gar Frechheiten) zulegen …
– … und eifersüchtig wachen, dass niemand sie kopiert?
Das kann es ja wohl nicht sein – aber wie dann?

4. Wie pflegt man den «eigenen Stil», ohne dass das einen einschränkt?
– Das ist meine Sorge, die ich mit diesem ominösen Begriff verbinde: dass ich mich auf gewisse Ausdrucksmittel und Themen festlegen soll und eine Weiterentwicklung nur noch in engen Grenzen verstanden und akzeptiert würde.
Beispiel: Derzeit liegt mein Schwerpunkt auf einer abstrakten Bildsprache. Wie, wenn sich mein Interesse wandelt und ich wieder Vögel und Schmetterlinge oder vielleicht einmal Portaits und Akte malen will?
– Ich kann es nicht als Fehler sehen, wenn ich parallel verschiedene (Bild)sprachen spreche und will frei bleiben, phasenweise die eine zu bevorzugen, oder auch projektbezogen die passende auszuwählen.
– Einen «eigenen Stil», der mich solcherart einschränken würde, will ich ihn NIE finden!

Danke, dass du dich tapfer durch den ganzen Text gelesen hast!
Jetzt bin ich gespannt auf dein Echo.
armando



zu 1. ist meiner meinung nach der eigene stil immer wieder der spiegel der eigenen persönlichkeit.. vor allem der pinselduktus oder der duktus allgemein...was ich immer wieder festgestellt habe, dass der duktus den menschen wiederspiegelt..ist der mensch detailverliebt und zurückhaltend dann sieht das auch so aus..ist der mensch ungeduldig und laut dann wird die zeichnung auf jeden fall stark aufgedrückt und groß sein usw..wenn wir alle einen baum zeichnen sollen..dann wird der baum bei jedem anders gezeichnet aussehen..mal abgesehn von der form aber die art und weise wird grundsätzlich anders aussehen..ich glaube grundsätzlich gehts meiner meinung in der stilfrage nur um das wie..wie sagt man etwas (direkt, indirekt, verschlüsselt, laut, leise..)
wie zeichnet man etwas..wie malt man etwas...
zu 2. den stil hat man oder nicht..je nachdem wie viel man übt geht das schneller und leichter von der hand..die eigene art und weise hat man so verinnerlicht, dasses nur noch um geschwindigkeit geht und um abwechslung der thematiken (aber auch nicht zu 100prozent)
und stil ist letztendlich dann nur noch geschmackssache..es gab leute wie der alte rembrandt..der hat einen unheimlich ausgereiften stil..er arbeitete pastos und farbecht und auch schnell..trotzdem gibts leute dem dies nicht gefällt..denen liegt dann vielleicht mehr bouguereau weil er weicher und sanfter arbeitet..auch im illustratorenbereich geht es nicht mehr darum wer wo gelernt hat sondern dann gehts nur noch darum "ok ich buche jetzt ryan church weil der stil mir besser gefällt als der von feng zhu usw"
zu 3. ich denke durch üben probieren und machen und tun und lesen und immer wieder neugierig sein und ausprpobieren..um letztendlich das am meisten zu tun was einem am meisten liegt..und wenn einem am meisten liegt immer wieder auszuprobieren und sich nicht festzulegen, dann ist eben das der eigene stil..also immer auch wieder eine sache vom ausdruck des inneren..im gewissen maße also auch expressionistisch. und immer wieder das Wie
zu 4. und meineserachtens kristallisiert sich der stil immer mehr heraus..jeder hat denke ich schon einen in sich...der kommt nur mit zunehmendem Schaffen immer mehr heraus..und einschränken wird der stil und denke ich nicht..grenzen gibt es nur in unserem kopf..jedoch denke ich dass wir mit zunehmendem alter in der gedankenwelt immer routinierter werden..das schränkt uns ein..jeder wird früher oder später also einen stil drin haben der nicht abzuändern geht..man kann zwar immer wieder andere themen ausprobieren oder andere mal und zeichenmittel und andere arten etwas zu sagen..aber die art und weise..WIE wir herangehen wird nicht mehr eine 180°wende annehmen..sondern vielleicht nur 60° usw..schon allein indem wir uns auf den berreich kunst beschränken, lässt den sichtbereich kleiner werden..und wenn es nur zu nem gewissen bereich ist..doch offen sein für alles und sich nicht zu schade sein etwas völlig neues zu erlernen erweitert die stilfacetten..ein stil denke ich schränkt einen selber nicht ein...eher umgedreht denke ich..ich glaube das ist alles was ih sagen wollte..vielleicht fällt mir noch was dazu ein

Nach oben 03.06.2010, 11:32 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Hm, ich hab mir jetzt Eure Antworten durchgelesen und bin ehrlichgesagt - überfordert. 8)

Ok, ich hab mir noch nie Gedanken über (m)einen Stil gemacht. Vielleicht weil ich denke, das ergibt sich von ganz alleine, ich käme nicht auf den Gedanken, ihn zu suchen. :shock:

Voriges Jahr war ich auf einer Vernissage von einem Hobbymaler, der mich total faszinierte. Er hatte glaube ich an die 200 Bilder ausgestellt - ich hätte bei keinem Bild auf das andere geschlossen, so unterschiedlich waren diese gemalt. Es war KEIN Stil erkennbar - und das war SEIN Markenzeichen. So ein facettenreiches Bild, was sich da geboten hat, hab ich noch nie gesehen. Das hatte mir imponiert, absolut.

Und jeder bevorzugt eine andere Art, etwas darzustellen. Ich hätte da vielleicht auch ein Problem damit, das in "Stil" zu kategorisieren. Ok, ich kenne eine Malerin, die phantastische Bilder mit relativ groben Strichen malt, egal ob es nun Portraits oder Donau-Auen-Bilder sind - hier könnte man davon sprechen, dass sie diesen "Stil" hat. Sie malt seit Jahren so - und ihre Bilder sind auf den ersten Blick IHRE.

Aber ich denke nicht, dass das so sein MUSS, sondern dass sich so etwas ergeben KANN. Also nicht zwingend ist - von daher mach ich mir mal keinen Stress, ob ich meinen "Stil" gefunden habe oder nicht. :D

Liebe Grüße
Astrila

Nach oben 03.06.2010, 19:05 Nach unten

Pastellkreide, Öl, Stifte

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Ihr Lieben,

vieles, was hier geschrieben wurde, ist mir zu theoretisch, oder villeicht kapier ich's einfach nicht. Ich male, wie ich denke und fühle, habe mir über die Jahre vieles angeeignet, probiert, verworfen, experimentiert. Ich weiß nicht, ob ich einen "eigenen Stil" habe, aber ich bekomme oft gesagt, dass man meine Bilder als meine erkennt. Für mich ist das ok. Ich liebe das Malen, es ist ein großer Teil meines Lebens und nur darum geht es mir. Einige Künstler, wie Dali oder Magritte, haben mich beeinflusst, und trotzdem male ich die Dinge so, wie ich es fühle und empfinde. Vielleicht wird so nie ein bekannter oder großer Küstler aus mir, aber für mich ist das ok. Ich bleib mir einfach selber treu :grins:

Liebe Grüße, Eva

Nach oben 03.06.2010, 19:53 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Eva,ich glaube gerade deshalb werden Deine Bilde hier im Forum so geliebt

Nach oben 03.06.2010, 19:58 Nach unten

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Hallo Eva, das hast Du schön gesagt, ich letztendlich sehe ich es wie eine Handschrift!!!
Unverwechelbar :!: :!:
LGGabi

Nach oben 03.06.2010, 20:04 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...?
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 03.06.2010, 19:53 Eva Zeller-Albert hat geschrieben:
vieles, was hier geschrieben wurde, ist mir zu theoretisch, oder villeicht kapier ich's einfach nicht.

Zugegeben, das Analytische hat immer auch theoretische Züge, wenn man den Dingen auf den Grund gehen möchte. Aber man kann zumindest das hier
Beitrag: Re: Seinen «eigenen Stil» finden ...? - 02.06.2010, 21:45 Adrian hat geschrieben:
Die Freiheit zur Variation nährt sich wieder aus 3.: "Wissen", "Können", "Persönlichkeit" und "Selbstbewusstsein". Je mehr man auf verschiedenen Bereichen weiß, kann und sich selbst dazu bewusst ist, desto größer sind die Variationsmöglichkeiten der jeweiligen Stilvielfalt.

auch praktischer ausdrücken:

Lerne so viel Du kannst, setze das gelernte um, mache es so wie Du es willst, orientiere Dich ruhig an anderen, aber hinterfrage alles, frage Dich warum die Dinge so sind wie sie sind, und entscheide entweder bewusst oder emotional, wie Du sie anders machen möchtest. Und schwupp hat man einen eigenen Weg, ein eigenes Ziel, mit einem eigenen Stil! :D

Um dennoch kurz und knapp zur Theorie zurück zu kommen: "Der eigene Stil ist das Ergebnis einer freiheitlichen Entscheidung, sich um der Selbstverwirklichung Willen auf eine bestimmte Auswahl von Möglichkeiten zu beschränken, um damit den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zu maximieren." Kürzer bekomme ich es derzeit nicht hin :wink:

Nach oben 03.06.2010, 22:50 Nach unten
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