"Kunst ist die Wiedergabe dessen, was die Sinne in der Natur durch den Schleier der Seele erkennen." (Edgar Allan Poe)




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Letzten Sonntag habe ich mal wieder bei dem Kunst- und Hobby-Markt ausgestellt, wo ich jedes Jahr ausstelle. Der Markt wird von einem Verein organisiert und findet in einer Turnhalle statt.

An meinem Stand habe ich meine Original-Aquarelle ausgestellt auf selbstgebastelten Stellwänden, gedruckte Grußkarten mit den Motiven meiner Bilder, handgebastelte Grußkarten für Weihnachten, Aquarelle auf Stein, Miniatur-Aquarelle in Mini-Rahmen, Aquarelle auf Leinwand und Holz, Lesezeichen und gedruckte Kalender für 2008 mit eigenen Motiven (die man übrigens auch auf meiner Website bestellen kann - Wink mit dem Zaunpfahl *lach*).

Leider war die Kauflust der Leute in diesem Jahr sehr verhalten. Wobei ich noch Glück hatte - ich habe immerhin ein paar Miniaturen verkauft, sowie Grußkartendrucke (die immer super gehen) und auch ein Stein-Aquarell. Außerdem bekam ich von einer Freundin noch einen Auftrag für ein Bild. Meine Standnachbarin, die Glasgravur angeboten hatte, hat überhaupt nichts verkauft.
Obwohl wirklich sehr viel los war und viele Leute auch lobende Worte an mich gerichtet haben, sind wir alle am rätseln, was diese Kauf- Unlust verursacht haben könnte.
Ich persönlich tippe ja mal wieder auf die Verteuerung der Lebensmittel in den letzten Wochen/Monaten. Im letzten Jahr gab es nichts dergleichen um diese Jahreszeit und das hat man auch an den Einnahmen gesehen, die sich durchaus sehen lassen konnten.

Eine ältere Dame meinte zu ihrer Freundin "ich würde ja unheimlich gerne diese Karten kaufen und verschicken, aber mein Neffe schmeißt die Karte nach Weihnachten eh weg und dazu ist es mir zu schade." Offensichtlich ist es den Leuten auch wichtig, dass die Karte vom Empfänger genauso geschätzt wird, wie von dem, der sie verschickt.

Teilweise haben Leute meine selbstgebastelten Weihnachtskarten auch wieder zurück in die Kiste gestellt, nachdem sie gesehen haben, was sie kosten. Ich habe 3 € dafür verlangt und finde persönlich, dass das nicht zu teuer ist für selbstgebastelte Karten. Immerhin sitze ich an einer Karte teilweise bis zu eine halben Stunde und alleine das Material kommt schon auf 1,50 € oder mehr, je nach Motiv. Bei Kaufhäusern gibt es gedruckte Karten in riesigen Auflagen für 3 € und mehr und die werden auch gekauft. Die selbstgebastelten sind jedoch Unikate.
Ich glaube, den Leuten fehlt einfach inzwischen die Relation, was wirkliches Handwerk wert ist. Die gehen auf die Märkte und suchen nach Schnäppchen. Aber die Märkte sind eigentlich genau das Gegenteil von Flohmärkten: hier soll es Unikate und hochwertige Kunst-Produkte geben. Und die kosten entsprechend auch mehr. Damit muss ich letztlich rechnen, wenn ich auf einen Hobby- und Kreativmarkt gehe.

Irgendwo kann ich den "Geiz" der Leute ja verstehen, aber irgendwo bin ich auch ziemlich sauer, weil die Arbeit, die hinter der ganzen Kunst steckt, überhaupt nicht gewürdigt wird. Und man will sich ja auch nicht unter Wert verkaufen. Ich hänge auch an meinen Arbeiten. In einem Jahr habe ich meine Bilder für 50 € verkauft - das mache ich nie wieder. Ich habe mich totgeärgert, weil eines meiner Lieblingsbilder für so billig weggegangen ist. Wenn sich jemand wirklich für ein Bild ernsthaft interessiert, dann bezahlt er auch gerne mehr dafür als 50 €. Ich habe daraus gelernt und verkaufe meine Bilder nicht mehr so billig. Das hat zur Folge, dass ich weniger verkaufe, aber dann lieber weniger und an Leute, die die Kunst wirklich zu schätzen wissen, als an Schnäppchenjäger, bei denen das Bild vermutlich irgendwo an einer Wand mit 30 anderen Bildern und Postern untergeht.

Lange Rede kurzer Sinn: die Ausstellung hat sich in diesem Jahr wenig gelohnt. Es sind noch nicht mal interessante Gespräche mit Kunden zustande gekommen, wie es sonst immer der Fall war.

Vielleicht habt Ihr ja noch eine Idee, was in den Köpfen der Leute vorgeht?
Ich bin zwar jetzt nicht super enttäuscht oder so, denn ich weiß, dass nicht jedes Jahr wie das andere ist. Dazu hab ich einfach auch schon zuviel Erfahrung mit Ausstellungen. Auch die Örtlichkeiten unterscheiden sich massiv in der Kauflust der Leute. Es war nur einfach in diesem Jahr sehr auffällig, dass die Leute scheinbar Qualität nicht mehr zu schätzen wissen und nur noch auf billige Schnäppchen aus sind.

Viele Grüße und allen, die in diesem Jahr noch ausstellen wollen - wo auch immer - wünsche ich mehr Erfolg, als es mir in diesem Jahr beschieden war.

Midge

Nach oben 23.10.2007, 20:58 Nach unten

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Hallo Midge,


ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Du weißt ja, ich hab auch nix verkauft auf meiner Ausstellung. Und nun waren die Eitorfer Kunsttage und da stehen sechs von meinen Bildern im Schaufenster von Schuhhaus Happ. Auch da werd ich mit Sicherheit nix verkaufen. Am kommenden Montag hole ich die Bilder wieder ab. Weißte was mein Mann zu mir gesagt hat? Er ist der Meinung ich soll ganz weg von den Ausstellungen und nur noch für den Eigenbedarf malen. Er hat Recht. Ich bin echt am überlegen, ob ich überhaupt nochmal ne Ausstellung mache.....!!! Es lohnt sich einfach nicht.
Ich hab die Bilder in der Bücherei auch dieses Jahr sehr billig angeboten, noch nichtmal die wurden verkauft. Die Ölbilder in der Größe 50x50cm für 50 Euro. Das ist nun wirklich kein Geld für ´nen Ölbild. Es gab überhaupt keine Resonanzen. Und das hat mich nicht nur geärgert sondern es kam mir irgendwie ziemlich peinlich vor für mich.

Und mach dir bloß keine Gedanken, drei Euro für deine selbstgebastelten Grußkarten ist auf keinen Fall zuviel verlangt.

Vielleicht erspar ich mir das einfach :( .........??!!

Gruß von malfee :?

Nach oben 24.10.2007, 07:58 Nach unten

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Hallo Malfee,

danke für Deinen mitfühlenden Kommentar!

Naja, Ausstellung ist halt auch nicht gleich Ausstellung. Ich denke, wenn man in Räumlichkeiten ausstellt über einen längeren Zeitraum wo man als Künstler nicht jede Minute da ist, ist die Chance ein Bild zu verkaufen (oder auch mehr) eher kleiner. Vor allem wenn es größere Bilder sind.

Möchte mich Dir natürlich nicht aufdrängen, aber ich gebe Dir wirklich den Tipp, bevor Du die Ausstellerei komplett an den Nagel hängst, doch noch mal zu versuchen, bei einem Kunsthandwerksmarkt oder Hobby-Markt auszustellen und dort dann auch viel Kleinkram anzubieten. Eben sowas wie Miniatur-Ölbilder (z.B. 20 x 20 cm und kleiner), oder Ölbilder auf flachen Steinen oder eben Grußkarten, wo die Motive Deiner Originale drauf sind. Dieser Kleinkram geht in der Regel wirklich super gut! Weil es eben klein und günstig ist. Hätte ich den Kleinkram nicht gehabt dieses Jahr, hätte ich zu 99% auch gar nichts verkauft!

Und 50 € für ein Ölbild von 50x50 cm finde ich schon eigentlich viel zu billig. Da kosten Drucke aus dem Baumarkt oder Möbelladen schon das doppelte - und Deine sind Originale!!! Verkaufe Dich bloß nicht unter Wert! Du bist ja als Hobbykünstlerin nicht unbedingt auf einen Verdienst angewiesen. Da können die Leute auch mal mehr hinblättern. Und das tun sie auch, wenn sie sich wirklich heiß für eines Deiner Bilder interessieren.
Aber Du machst Dich unglücklich, wenn Du Deine Werke, in denen ja auch immer ein Teil von Dir selbst drinsteckt, für einen Spottpreis hergibst.

Aber ich würde wirklich noch mal einen Versuch starten. Ich stelle seit 7 Jahren regelmäßig aus - und im ersten Jahr habe ich auch gar nichts verkauft. Erst als ich dann die Idee mit den Grußkarten und mit Miniaturbildern hatte haben sich die Ausstellungen "gelohnt".

Nicht aufgeben und schon gar nicht an Dir selbst zweifeln, ok? Das ist auch eine Sache, die ich erst lernen musste: wenn jemand nichts kauft, dann heißt es noch lange nicht, dass ihm meine Sachen nicht gefallen! Man darf das keineswegs persönlich nehmen.

Liebe Grüße,

Midge

Nach oben 24.10.2007, 08:52 Nach unten

Beitrag 
Falls Ihr das nicht schon gemacht habt: Wäre es möglich, die Bilder als Leihgabe für einen bestimmten Zeitraum an z.B. Arztpraxen, Firmen, Beautysalons, Fitnesscenter etc. zu überlassen mit einem diskreten kleinen Schild daneben über Künstlerin und Kaufpreis. Ich habe eine Website gesehen für Bilder die verkauft oderl nur geliehen werden für Bürogebäude. Bei uns werden Pflanzen und Wandschmuck oft halt von grösseren Firmen nicht mehr gekauft sondern nur geliehen. Dort handelte es sich um ein höheres Preissegment, so ab 1000 Euro aufwärts (Kauf).

Wegen den Karten, habt Ihr diese schon versucht an eine Kunstkartendruckerei zu verkaufen? Okay dort werden sie dann nicht als Original verkauft ist vielleicht auch nicht im Sinne der Künstlerin.

LG Advia

Nach oben 24.10.2007, 11:46 Nach unten

Öl, Encaustic

Beitrag 
In diesem Jahr bin ich an fünf Sonntagen auf Kunsthandwerkermärkten gewesen.
Ich habe alles Mögliche dabei gehabt, große und kleine Bilder, Encaustic und Öl, selbstgebastelte Karten (Encaustic).
Ich habe fast nichts verkauft: nur einige Karten und ein Bild.
Das Feedback der Leute ist gut. Ihnen gefallen meine Bilder, das hört man an den Kommentaren. Aber kaufen tun sie nicht.
Ich war schon froh ein Echo zu haben. Aber ich weiß nicht, ob ich noch auf Märkte gehe. Ich bin von Euskirchen eingeladen worden fûr einen Winter - Kunsthandwerkermarkt. Ich überlege noch, was ich da machen soll.

Jetzt bin ich mal gespannt, ob ich auf meiner Ausstellung etwas verkaufe.
Ich male nicht, um zu verkaufen. Aber ich habe mittlerweile so viel Bilder, dass ich nicht mehr weiß wohin damit.

Marianne

Nach oben 24.10.2007, 13:49 Nach unten

Beitrag 
Momo hat geschrieben:
Jetzt bin ich mal gespannt, ob ich auf meiner Ausstellung etwas verkaufe.
Ich male nicht, um zu verkaufen. Aber ich habe mittlerweile so viel Bilder, dass ich nicht mehr weiß wohin damit.
Marianne


Marianne,

genau das ist es, weshalb ich eben auch auf so Ausstellungen mitmache. Ich habe mittlerweile einfach zuviele Bilder, um sie alle zu Hause aufzuhängen. Mittlerweile hebe ich nur noch meine bestgelungensten auf und die anderen biete ich dann zum Verkauf an. Wenn sie jemand kauft, ist es gut, wenn nicht - auch gut. Muss man halt sehen, wo man die Bilder dann lagert. Die Mini-Sachen und Karten mache ich jedoch wirklich nur für solche Ausstellungen, damit ich wenigstens soviel Geld verdiene, dass ich die Standgebühr zahlen kann. Wobei die Standgebühr bei den Hobbymärkten sowieso viel niedriger ist als bei den richtigen Kunsthandwerksmärkten. Bei letzteren bezahlt man gut und gerne schon mal seine 60 € und mehr. Das muss halt irgendwie wieder reinkommen. Und das geht halt gut mit Kleinkrams. Dann tut es auch nicht so weh, wenn man eben keines der großen Bilder verkauft hat.

Aber es ist interessant, dass Du von den Leuten genauso ein Feedback bekommst, wie ich. Sie finden es toll, super, genial - aber kaufen tun sie nicht.

@Advia: Deine Idee mit den Praxen, Büros etc. und die Bilder dahin verleihen ist gut. Das machen wohl auch viele (hab ich auch schon gemacht). Allerdings rentiert sich sowas wirklich nur, wenn man gleich am ersten Abend eine Vernissage dazu anbietet. Denn erfahrungsgemäß werden an Vernissagen die meisten Bilder wirklich verkauft. Kaum einer interessiert sich noch für die Bilder, wenn sie "einfach so da hängen". Das ist jedenfalls so meine Erfahrung damit.

Das mit der Kunstkartendruckerei ist so eine Sache. Man tritt dann nämlich automatisch die Rechte an dem Bild an die Druckerei oder den Verlag ab. Und genau das will ich eben nicht. :wink: Ich will die Rechte an meinen Bildern bitte selbst innehalten. Man bekommt dann meist einen Pauschalbetrag bezahlt für ein Motiv - egal ob es sich dann später gut verkauft oder schlecht. Im blödesten Fall verkauft sich das Motiv dann so gut, dass man als Künstler dann ein schlechtes Geschäft gemacht hat, während die Druckerei/Verlag den großen Reibach macht. Da steckt man halt vorher nicht drin. Ich würde das vielleicht maximal mit einem oder zwei Motiven machen, aber keinesfalls für alle meine Motive. Sooooo dringend brauche nun auch wieder kein Geld. *lach*

Aber danke für Deinen Kommentar und Deine Ideen!

Grüße,

Midge

Nach oben 24.10.2007, 14:22 Nach unten

Beitrag 
Hallo Midge,

hast du schon mal versucht, zu analysieren, welche Art von Motiven sich "gut" verkaufen? Das lässt sich jetzt schlecht erklären, wie ich das meine :gruebel:

Ich komme darauf, weil ich ja auch immer im Netz nach Aquarellen stöber und letztlich auf eine Seite gestoßen bin, auf der auffallend viele Bilder als "verkauft" gekennzeichnet waren. Ich war fassungslos, weil die Bilder ziemlich naiv gemalt waren (meine jetzt wirklich die Richtung), weder klassisch, noch besonders pfiffig, langweilige Komposition und auch keine "eigene Handschrift" der Künstlerin zu entdecken war. Ich habe mir viele Gedanken dazu gemacht und denke, dass man die künstlerische Seite vielleicht vergessen muss, wenn man an ein breites Publikum verkaufen will.

Das, was ich sah, passte nicht mit meinen Ansprüchen an mich selbst zusammen. Ich wäre jetzt aber auch nicht bereit, meine Entwicklung oder Experimentierlust zu unterdrücken, um gefällige Bildchen zu malen. Der einzig gangbare Weg für mich wäre, zu schauen, was mich und das Publikum gleichermaßen anspricht und diese Richtung zu verstärken.

Nach oben 25.10.2007, 19:00 Nach unten

Beitrag 
Bienchen hat geschrieben:
Hallo Midge,

hast du schon mal versucht, zu analysieren, welche Art von Motiven sich "gut" verkaufen? Das lässt sich jetzt schlecht erklären, wie ich das meine :gruebel:

Ich komme darauf, weil ich ja auch immer im Netz nach Aquarellen stöber und letztlich auf eine Seite gestoßen bin, auf der auffallend viele Bilder als "verkauft" gekennzeichnet waren. Ich war fassungslos, weil die Bilder ziemlich naiv gemalt waren (meine jetzt wirklich die Richtung), weder klassisch, noch besonders pfiffig, langweilige Komposition und auch keine "eigene Handschrift" der Künstlerin zu entdecken war. Ich habe mir viele Gedanken dazu gemacht und denke, dass man die künstlerische Seite vielleicht vergessen muss, wenn man an ein breites Publikum verkaufen will.

Das, was ich sah, passte nicht mit meinen Ansprüchen an mich selbst zusammen. Ich wäre jetzt aber auch nicht bereit, meine Entwicklung oder Experimentierlust zu unterdrücken, um gefällige Bildchen zu malen. Der einzig gangbare Weg für mich wäre, zu schauen, was mich und das Publikum gleichermaßen anspricht und diese Richtung zu verstärken.


Hallo Bienchen,

ich denke, ich weiß so etwa, was Du meinst. Also ne richtige Statistik hab ich noch nicht gemacht. :wink: Aber was meist gut ankommt, sind Blumenbilder aller Art und vor allem Bilder mit kräftigen Farben. Am meisten verkaufe ich Bilder (Miniaturen) von Sonnenuntergängen mit diversen Motiven. So ein wenig Kitsch kommt scheinbar gut an. Vielleicht liegts auch an den kräftigen Farben, die man bei Sonnenuntergängen meist verwendet. Letztlich fällt mir bei genauem Überlegen wirklich auf, je bunter, desto besser. Die Farben müssen natürlich harmonieren. Aber meine ganz blassen Aquarelle kriege ich einfach schon seit Jahren nicht los.
Leuchttürme als Motive werden auch sehr gerne gekauft. Am liebsten die "klassischen" rot-weiß-gestreiften. :wink:
In einem Jahr hab ich besonders viel mystische Motive verkaufen können. Meine Rabenbilder zum Beispiel (kannst Du auf meiner Webseite sehen) oder "alte Eiche". Aber ich denke, das war einfach auch Zufall, dass gerade bei dieser Ausstellung so viele Mystik-Fans dabei waren.

Jetzt vor Weihnachten kommen auch alle Weihnachts- und Wintermotive sehr gut an.

Ich denke jedoch ähnlich wie Du, dass man eventuell künstlerische Experimente und "echte" Kreativität vergessen kann, wenn man wirklich Bilder verkaufen will. Ich kann jetzt halt nichts dazu sagen, wie abstrakte oder gegenstandslose Kunst beim Publikum ankommt, weil mein Stil - sofern man davon reden kann - eben genau nicht diese Richtung ist. Ich glaube jedoch, dass die meisten "normalsterblichen" Leute sehr stark auf eben klassische Motive abfahren, die wenig Anspruch erheben. Hauptsache die Farben sehen toll aus und man kann das Bild irgendwo gut im Wohnzimmer unterbringen, ohne dass es stark aus der Einrichtung hervorsticht. Ein Bild im Stil von "Der Schrei" oder ein Bild, welches realistisch Krieg darstellt, wird sich sicherlich so gut wie gar nicht verkaufen. Zumindest nicht von unbekannten Hobbykünstlern wie wir es sind. Sowas gehört in ein Museum und wird dann auch gleich in Verbindung mit der Biografie des Künstlers gestellt. Das wird sich niemand ins Wohnzimmer hängen.

Was mich betrifft, so male ich gerne zwischendrin immer mal gerne so locker, flockige, banale Motive wie Sonnenuntergangsbilder. Das entspannt mich und ist nicht viel Aufwand. Und wenn es sich noch gut verkaufen lässt - bitte, um so besser. Letztlich sehen die Kunden jedoch meist auch gar nicht, dass hinter den Herausforderungen für den Künstler und den so entstandenen komplizierten Bildern ein Haufen an Arbeit und Denkleistung dahintersteckt. Was für die Leute zählt ist letztlich nur das Ergebnis. Wenn es gefällt, ist es gut für den Künstler, wenn es nicht gefällt - naja, dann weiß eben nur der Künstler, was dahintersteckt und wird sich das Bild dann wohl selbst ins Wohnzimmer hängen.

Will sagen, mach Dir nicht zuviel Stress oder Gedanken, dem Publikum gefällige Bilder zu produzieren. Wenn Dir gerade danach ist, dann male gefällige Bilder. Aber letzten Endes musst Du Dich halt als Künstlerin mit Deiner Kunst identifizieren und auch glücklich damit sein - sowohl bei der Produktion als auch beim Anschauen hinterher. Wenn Du das nicht miteinander vereinen kannst, würde ich die Verkauferei sein lassen und nur für Dich selbst malen. Zumindest, wenn es Dir zu frustrierend ist, bei Ausstellungen mit leerem Geldbeutel heim zu kommen. Es besteht jedoch immer die Chance, dass es einen Kunstinteressierten gibt, der genau Deinen Stil und Deine Art zu Malen ganz fantastisch findet! Das darfst Du eben auch nicht vergessen. Glücklicherweise sind die Geschmäcker ja verschieden... mir gefallen Deine Arbeiten zumindest!

So, lange Mail, aber ich hoffe, dass ich Dir ein wenig helfen konnte...

Schönen Abend noch,

Midge

Nach oben 25.10.2007, 21:21 Nach unten

Beitrag 
Branwen hat geschrieben:
...So ein wenig Kitsch kommt scheinbar gut an. Vielleicht liegts auch an den kräftigen Farben, ...

Ganz genau das Gefühl habe ich auch. Am besten schaut man in die Möbelprospekte, was gerade modern ist und sucht die Motive dazu passend aus :rofl:


Branwen hat geschrieben:
...Will sagen, mach Dir nicht zuviel Stress oder Gedanken, dem Publikum gefällige Bilder zu produzieren. Wenn Dir gerade danach ist, dann male gefällige Bilder. Aber letzten Endes musst Du Dich halt als Künstlerin mit Deiner Kunst identifizieren und auch glücklich damit sein - sowohl bei der Produktion als auch beim Anschauen hinterher. Wenn Du das nicht miteinander vereinen kannst, würde ich die Verkauferei sein lassen und nur für Dich selbst malen...

Midge

Nun, bis jetzt habe ich fast nur für mich selbst gemalt, vier Bilder habe ich verschenkt.

In meinem Bekanntenkreis (außer Foren und Kurse) gibt es nur eine Frau, die auch malt, ihr gefallen aber die realistischen Bilder besser... Die "Nicht-Maler" fragen mich oft, wann ich denn eine Ausstellung machen und Bilder verkaufen wolle. Ich antworte darauf immer, dass im Internet schon so viel für kleines Geld angeboten wird und es sich einfach nicht lohne. Einigen habe ich auch gesagt, dass sie einfach mal selbst googeln sollen.

Durch die vielen Fragen war ich hin und hergerissen und habe überlegt, ob ich das ein- oder andere im Netz anbieten sollte. Vermutlich hätte Ich aber auch ein weiteres Problem mit dem Verkaufen: sobald ich Erfolgsdruck habe, werde ich unsicher. Ist halt eine Schwäche von mir und ich möchte mir den Spaß nicht selbst nehmen. Ich brauche das Malen als Ausgleich zum Beruf, einfach so für mich. Wenn ich mal mit mehr als 10 % meiner Bilder halbwegs zufrieden bin, denke ich nochmal drüber nach.

Nach oben 27.10.2007, 13:19 Nach unten

Beitrag 
Bienchen hat geschrieben:
In meinem Bekanntenkreis (außer Foren und Kurse) gibt es nur eine Frau, die auch malt, ihr gefallen aber die realistischen Bilder besser... Die "Nicht-Maler" fragen mich oft, wann ich denn eine Ausstellung machen und Bilder verkaufen wolle. Ich antworte darauf immer, dass im Internet schon so viel für kleines Geld angeboten wird und es sich einfach nicht lohne. Einigen habe ich auch gesagt, dass sie einfach mal selbst googeln sollen.


Irgendwo hast Du natürlich recht, dass es schon sehr viele Anbieter von Bildern im Internet gibt. Ich selbst bin mit meiner Seite seit etwa 7-8 Jahren online und habe erst in diesem Jahr mein erstes Bild direkt übers Internet verkauft. Drei Monate später hat eine Kundin eine Sonderanfertigung bei mir in Auftrag gegeben. Es ist echt Glück, wenn man bei sovielen Angeboten dann doch mal einen Kunden für Originalbilder bekommt. Meist verkaufe ich über unseren Shop nur Grußkartendrucke meiner Motive. Aber auch das läuft eher schleppend.
Ich persönlich glaube, dass viele echte Kunstliebhaber die Bilder oder anderen Kunstwerke lieber nicht übers Internet kaufen, sondern sich eben auf solchen Ausstellungen inspirieren lassen oder sich im Live-Betrachten für Kunstwerke entscheiden. Mir selbst würde das auch so gehen, denn man will ja nicht die Katze im Sack kaufen. :wink: Immerhin kann man Bilder im Internet auch sehr leicht manipulieren und schöner machen, als sie sind. Deswegen halte ich Live-Ausstellungen auch für so wichtig, wenn jemand wirklich seine Bilder einem breiten Publikum zugänglich machen möchte.
Wenn es Dir natürlich zur Zeit vornehmlich darum geht, dass Du eigentlich für Dich selbst malst und gar nicht so die Ambitionen hast, mit Deinen Werken "Profit" zu machen, dann warte lieber mit dem Ausstellen noch ne Weile, bis Du Dich wirklich bereit dazu fühlst.

Das mit dem Erfolgsdruck kenne ich. Man macht sich jedoch relativ schnell davon frei. Wie gesagt, 8 Jahre Internet und nix ist passiert. Da glaubt man irgendwann nicht mehr wirklich dran, was zu verkaufen. Und dann passiert es doch noch. :wink: Zuerst ist es schon frustrierend, aber irgendwann findet man es gar nicht mehr so schlimm. Letztlich finde ich es auch einfach schön, jemandem meine Visitenkarte zu geben und dann finden die Leute erstaunt heraus "Wie, Du malst? Is ja toll!". Da muss ich auch nicht unbedingt was verkaufen.

In erster Linie hast Du schon recht: das Malen soll ja, zumindest wenn man es hobbymäßig betreibt, eine Entspannung vom Alltag bieten und Spaß machen. Sobald man sich selbst unter Druck setzt, klappt es erst recht nicht und dann ist der ganze Sinn dahinter futsch.

Lass Dich also nicht zu früh zu Ausstellungen überreden, wenn Du Dich innerlich noch nicht bereit dazu fühlst. Irgendwann kommt sicher der Zeitpunkt, wo Du sagst: "So, und jetzt mach ich es einfach!".

Liebe Grüße und nen schönes Wochenende,

Midge

Nach oben 27.10.2007, 15:36 Nach unten

Beitrag 
Bisschen spät, aber............

Ich hatte dieses Jahr auch schon zwei Ausstellungen.
Bei der ersten kam sogar ein Bericht über mich in der örtlichen Zeitung.

Ich legte Gästebücher und Visitenkarten dazu.
In den Gästebüchern waren nur positive Einträge, die Visitenkarten waren am Ende weg.

Ich bekam sogar Anrufe, von bekannten und mir völlig unbekannten Menschen. Sie waren alle voll des Lobes.....na ihr kennt das ja.

Verkauft habe ich nichts!
Ich hab zwar schon mal das eine oder andere Bild verkaufen können(5), aber nicht aufgrund der Ausstellungen.

Nach oben 13.11.2007, 15:57 Nach unten

Beitrag 
ich habe eine dauerausstellung bei einem heurigen im ort und da geht manchmal was weg, heuer 4 aquarelle. ich denke, die ganze welt malt und schreibt und gibt sich in dieser neubiedermeierzeit diesen hobbys hin, dadurch senkt sich die kauflust gewaltig. ein anderer grund ist mit sicherheit die namenlosigkeit, ein bild wird gekauft weil der maler bekannt ist und nicht ob es gut oder mies ist ob es gefällt oder nicht.
der kleinkunstmarkt ist tot und wird so wie ich das sehe so bald nicht wieder zum leben erwachen.
lg

Nach oben 13.11.2007, 23:43 Nach unten

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Da muss ich Oberlel leider in jedem Punkt recht geben. :cry:

Der Kleinkunstmarkt ist wirklich tot - naja, oder zumindest kurz vorm Sterben. Es gibt immer noch ein paar Wenige, die sich Kunst von "Namenlosen" kaufen, aber dann auch nur, wenns nicht viel kostet und klein ist. Wie gesagt: von meinen Miniaturen verkaufe ich immer irgendwas auf Ausstellungen. Aber Bilder ab Größe A4 gehen nur noch selten aus meinen Händen. Da spielt dann nur noch der Zufall ne Rolle (Kunde hat zufällig ne weiße Wand zu Hause frei, Kunde sieht eines meiner Bilder und es trifft zufällig genau seinen Geschmack und passt auch gerade zufällig an diese weiße Wand und zu seiner Einrichtung).

Und der allgemeine Bastelboom trägt sicherlich auch dazu bei, dass viele Leute ihre Kunst eben selber machen. Letztlich finde ich diese Entwicklung aber auch gar nicht so negativ. Ich denke, es kann nur gut für die Gesellschaft sein, wenn jeder wieder seine kreative Ader entdeckt. Kreativität fördert Kommunikation und dadurch auch ein Miteinander. Ist meine Meinung. Zumindest in den Hobby-Kreisen hab ich diese Erfahrungen gemacht. Wie das in der Profi-Szene aussieht, weiß ich nicht. Da ist es wohl eher Konkurrenzdenken. Schade eigentlich...

Grüße,

Midge

Nach oben 14.11.2007, 09:51 Nach unten
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