"Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen." (Paul Klee)




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 Mit Ölfarben auf Lanavanguard ... 
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Öl

Beitrag  Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Angeregt durch Zinzulinas Löwenzahn auf Lanavanguard googelte ich nach diesem Malgrund. Und las, dass die aufgebrachten Farben auch wieder heruntergeholt werden können. Wow.
Gilt das auch für ÖLFARBEN?
Wie würde man die Ölfarbe wieder herunterholen. Mit Verdünner?
Wer hat schon mal mit Ölfarben auf Lanavanguard gemalt? Welche Erfahrungen habt Ihr damit gemacht?
Gibt es das bei Boesner/Gerstäcker/etc auch in größeren Einzelplatten ( so 60x80cm)?

:winken:

Nach oben 31.05.2013, 19:49 Nach unten

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Kauf den Oil Primer von W&N, da kann man die Farbe auch wieder runterholen, weil es nur ein leicht saugender Untergrund ist... Ölfarben kannst du mit Lösnungsmittel runterholen, ob mit Terp oder Waschbenzin.

Woraus besteht Lanavanguard überhaupt?

Nach oben 31.05.2013, 19:55 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Hatte ich gegoogelt: besteht zu 100% aus Polypropylen.

Primer ... das ist doch eine Grundierung :mhh: ? Auf welchen Malgrund bringt man sie auf?

Nach oben 31.05.2013, 20:04 Nach unten

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Ja, ist eine Grundierung. Im Gegensatz zu Gesso zieht die Farbe aber nicht gleich ein, man kann die Farben wieder abheben…. Wenn man mit Waschbenzin ein paar Tropfen rauf macht, kommt wieder der Weiße Untergrund zum Vorschein.
Damit ergeben sich Aquarellähnliche Effekte…. Man kann ihn auf alles auftragen.

Aber Öl braucht auch eine gewisse Haftung, damit es auch auf lange Sicht sich verankert, um haltbarer zu sein. Dies geschieht eben bei den Primer auch(leicht Saugend) das heißt er sperrt nicht komplett den Untergrund, sondern zieht ganz langsam ein.
Untergründe die überhaupt nicht saugen, sollte man meiden, ich weiß nicht wie es bei Polypropylen aussieht.

Nach oben 31.05.2013, 20:16 Nach unten

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Das Besondere an Lanavanguard bei Aquarellfarben ist halt, dass Lanavanguard das Wasser nicht aufsaugt, wie Papier, und damit die aufgetragenen Farben an der Oberfläche ganz langsam trocknen und sich während des Trockenvorgangs beständig weiter verändern . Man kann sozusagen zuschauen, wie die Pigmente in diese oder jene Richtung schwimmen und sich beim Trocknen ablagern und wie sie sich dabei verhalten und schließlich trocknen. Ich kann das schlecht in Worte fassen. Ich persönlich mag Lanavanguard lieber zum experimentieren mit Aquarellfarben als konkrete Bilder malen.

Ob man bei Ölfarbe auch besondere Effekte bekommt, müsstest Du ausprobieren, aber das Besondere und Spannende bei den Aquarellfarben ist eben, dass das Wasser auf Lanavanguard so langsam trocknet, und so viel Veränderung stattfindet, die man auch noch beeinflussen kann. (Z. B. stellte ich dabei dann zufällig mal fest, wie schief unser Fußboden im Wohnzimmer ist. Ich legte das Blatt Lanavanguard zum Trocknen bewusst auf den Fußboden, ich wollte eine ganz ebene Fläche (dachte ich) und durfte dann zuschauen, wie alle Pigmente sich schnurstracks in dieselbe Richtung auf den Weg machten :wink: ) Wieder was gelernt, unser Fußboden ist eben nicht eben.

Nach oben 31.05.2013, 20:29 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Ah, jetzt sehe ich den Zusammenhang. Die Farbe verändert sich während des Trocknungsvorganges, weil der Untergrund nicht saugend ist und die Farbe drauf quasi stehenbleibt.
Danke Martine :D

JohnD, kann der Oil Primer auch auf grundierte Leinwand aufgetragen werden?

Nach oben 31.05.2013, 21:42 Nach unten

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Ja kann er, mach ich auch so.

Nach oben 31.05.2013, 22:18 Nach unten

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Lanavanguard ist eine leicht mattierte Plastikfolie. Ich mag diesen Malgrund nicht, da er eine Durchtrocknung von unten nicht erlaubt. Aquarellfarbe zieht also nicht ein, sondern trocknet ausschließlich durch Verdunstung. Für Öl würde ich diesen wabbeligen Malträger überhaupt nicht empfehlen, er ist viel zu biegsam und verhindert die schnelle Oxidation der unteren Farbschichten (was aber nötig ist um Rissbildung vorzubeugen). Auch kann kein Öl einsinken, was bestimmt das Vergilben von Ölfarben begünstigt. Wenn, dann wäre überhaupt nur eine einzige Ölschicht sinnvoll. Auch Acrylfarbe ist nicht gut in mehreren Schichten aufzubringen, denn man schließt ständig Feuchtigkeit zwischen Farbauftrag und Malgrund ein, was das Risiko birgt dass sich die untere Farbschicht wieder etwas vom Plastik löst.

Tränke ich einen "normalen" Malgrund wie dickes Aquarellpapier mit viel Wasser und lege dieses (oder spanne es mit gummiertem Klebeband fest) auf einen glatten, nicht saugenden Untergrund (z.B. eine lackierte oder mit Plastikfolie beklebte Holzplatte), dann habe ich auch recht lange einen sehr feuchten Untergrund, auf dem die Farbe lange arbeiten und sich bewegen kann.

Nach oben 31.05.2013, 22:38 Nach unten

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Ich habe noch mal ein Beispiel wie es mit einem Oil Primer aussieht http://paintersevolution.blogspot.de/20 ... paint.html

Und wenn man es gekonnt einsetzt, so http://4.bp.blogspot.com/-AS9UmDbRGM4/T ... 52C400.jpg

Man hat eben damit die Möglichkeit es genauer und dünner anzupassen bis es stimmt, da es nicht wie beim Gesso gleich alles aufgesaugt wird und die Jeweiligen Tonwerte nicht mehr zu korrigieren sind, ausser mit weiß.
Lasuren kann man auch kontrollierter einsetzten, so dass man die Möglichkeit hat das weiß vom Untergrund her besser einzusetzen. Manche machen auch ein Komplettes Wash mit transparenten Farben, und wischen bestimmte bereiche wieder aus um mit dem Weiß wieder weiter zu arbeiten… Geht alles, ist aber auch ein anderes Malfeeling.

Ich denke Lanavanguard ist auch für Aquarell problematisch, ich kenne es natürlich nicht und habe auch noch nicht damit gearbeitet. Aber ich sehe ein Problem darin, das man bestehende Farben nicht mehr übermalen kann oder vertiefen kann, weil die Schicht immer wieder an gelöst wird….
Ich habe vorkurzen Mal Aquarell probiert, und habe mir diesmal einen Top Qualitativen Block geholt. Und ich muss sagen, ich konnte damit viel bessere Ergebnisse erzielen, weil Profis auf Baumwolle schwören und es auch Sorten gibt, die mit Hasenleim versiegelt sind, so dass man auch die Farben anheben kann.
Aber man muss schnell sein, denn auch da geht es nach einer Zeit nicht mehr so einfach, aber das Prinzip soll wohl auch sein, dass man es nur für den Moment machen kann, und später wenn die Farbe an Haftung gewonnen hat, man denn noch die Gelegenheit hat nochmals dem Bild mehr tiefe zu passen oder einen anderen Farbton hinzu zuaddieren.

Und wenn das wirklich nur eine Folie ist, und keinerlei wirkliche Verankerung stattfindet, weiß ich nicht wie lange So was hält.

Nach oben 01.06.2013, 01:55 Nach unten

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Also was Lanavanguard betrifft, so hab ich mir einmal einen Block davon gekauft um das auszuprobieren. Für mich ist es eher etwas zum "mal Spaß mit der Farbe haben". Es ist für mich kein Malgrund um Bilder damit zu malen. Mag jetzt krass klingen, aber für mich ganz persönlich eher so ein "Spielzeug". Dafür ist es aber sehr gut geeignet und man kann schon richtig viel Spaß damit haben, wenn man so Experimente macht, wie während des Trocknens "Blatt auf einen schiefen Fußboden legen", Wasser draufsprühen, mit Föhn bearbeiten etc.

Noch einen Block werde ich wahrscheinlich nicht kaufen, denn dafür ist mir Lanavanguard zu teuer. Also das ist jetzt mein ganz persönlicher Umgang damit - es gibt bestimmt auch ein paar Kritzelmeister hier, die mit Lanavanguard wesentlich ernsthafter arbeiten als ich. Diese bitte ich, nicht böse zu sein, wenn ich hier so "despektierlich" von Lanavanguard spreche.

Ich finde für konkrete Bilder malen ist Aquarellpapier besser geeignet, vor allem wenn man eine gewisse Kontrolle möchte, was dabei herauskommt.

Solche Bilder zu malen wie diesen Löwenzahn ist auf Lanavanguard gewiss eine Herausforderung und alle Achtung an die Künstlerin.

Nach oben 01.06.2013, 10:25 Nach unten

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Beitrag: Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ... - 01.06.2013, 01:55 JohnD hat geschrieben:
Man hat eben damit die Möglichkeit es genauer und dünner anzupassen bis es stimmt, da es nicht wie beim Gesso gleich alles aufgesaugt wird und die Jeweiligen Tonwerte nicht mehr zu korrigieren sind, ausser mit weiß.

Ich sehe die große Saugkraft des Malgrundes als Chance, weniger als Hinderniss. ;) Man hat die Möglichkeit mit schnell trocknenden Farben eine Untermalung zu zaubern, die auch den positiven Nebeneffekt hat, dass der Malgrund etwas abgedichtet wird. Wenn man die Untermalung hell genug hält, dunkelt man das spätere Bild dadurch nicht nachteilig ab.

Ellen, vielleicht nimmst du ja anstatt Gesso zur Untermalung mal etwas nicht ganz so saugfähiges, z.B. Acrylfarbe oder Tempera.

Nach oben 01.06.2013, 10:58 Nach unten

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Ich kann auch nur die jeweiligen Möglichkeiten benennen, die mit so einem Untergrund möglich sind. Da muss jeder selbst entscheiden ob er sie nutzen möchte oder nicht. Der Untergrund ist daher für Ala Prima und einer Losen Malerei sehr angenehmen, da die Pinselstriche mehr Kontrast bekommen, grade wenn man mit Transparenten Farben arbeitet haben sie auch mehr Brillanz. Weil die Borsten minimal die Farben wieder abheben. So hat man bei dicken Strichen nicht nur den voll Ton wie zum Beispiel bei einem Alizarin, sondern auch den Lasur Ton zwischen der Borstentextur.

Das mit der Untermalung und der schnellen Trocknenden Farben ist auch da kein Problem. Der Trick ist dabei, wenn man wie in meinem Beispiel oben die Farben Aquarell ähnlich aufträgt, also so richtig dünn, ist die Saugkraft eh überflüssig. Mit ein bisschen Waschbenzin bekommt man so dünne Schichten und eine Verteilung der Farbe hin, die schon bei einem Bösen Blick nach 20 Minuten handtrocken ist. Waschbenzin verflüchtig sind extrem schnell aus der Farbe, ohne Rückstände.

Hier ein Beispiel in dem dieser Untergrund im Plein Air Bereich zum Einsatz gekommen ist. http://ryanmellodyart.blogspot.de/2011/ ... ancys.html

Man sieht einen kurzen Wash, dann auch schon folgt die Übermalung mit deckenden Farben.
Zudem bekommt man keine matten Einschläge, weil das Öl schön in der Farbe bleibt und nicht so weg gelutscht wird.

Nach oben 01.06.2013, 12:57 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Ja Martine, jetzt sehe ich Zinzulinas Löwenzahn auch mit ganz anderen Augen an, Respekt!

JohnD, Deine Links sind beeindruckend, aaah, und vor allem der zweite, wo der Primer "gekonnt" eingesetzt wird ( http://4.bp.blogspot.com/-AS9UmDbRGM4/T ... 52C400.jpg).
Oder auch Dein neuester Link, der zu den Wildblumen führt. Wow, das sind Blüten. Das ist so gekonnt gemalt, Schatten, Farbtonänderungen, kein Blütenblatt ist gleich, es sieht aus, als ob er den Windhauch mitgemalt hat.
Ölprimer werde ich ausprobieren.
Die Malstile oder Malrichtungen ändern sich mit den Zeiten. Auch wie ich male, ändert sich mit der Zeit. Ansprechend ist vieles von anderen Malern. Aber mein Empfinden, was ich als schön, als beruhigend schön empfinde, zieht sich wie der immergleiche rote Faden durch meine Betrachtung.

Björn, auch das ist ein guter Experimentier-Tipp.

Nach oben 01.06.2013, 13:09 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Mit Ölfarben auf Lanavanguard ...
Die Ursache für meine Anfrage war mein Beitrag zum Maschine&Technik-Projekt Stillleben in Grün und Zinnober auf Schwarz
Ich benutzte einen Keilrahmen, der im letzten Jahr mit Backofenspray (superstarke Tenside) behandelt wurde, um ein altes Ölbild herunter zu holen. Ich hatte so viele Bilder, die weg sollten, aber die LW bitte nicht in die Tonne.
Björn meinte, nee, laß' es. Aber ... Versuch macht kluch ... :rofl:
Diesen vorbehandelten Keilrahmen grundierte ich mit schwarzem Gesso. Sah perfekt aus, hielt wunderbar, nichts blätterte. Ich grinste schon und dachte, ha, ich hab's geschafft, yeah. Ein Jahr später nun malte ich dieses Technik-Bild drauf. Nur in den Randbezirken trockneten die Gesso-Hände ulkig. Das Gesso zog sich zusammen wie ein Kaugummi und es erschienen dünne Röntgenfinger.
Ich fand das toll, zum allerersten Mal verhielt sich etwas auf der Leinwand unkontrolliert.
Dann sah ich von Zinzulina den Löwenzahn auf Lanavanguard. Und dachte, was ist das denn und googlte. Aber dieses Lanavanguard ist wohl eher was für Aquarell/Gouache oder so was, Öl trocknet mir da ja zuuu langsam. Ich möchte ja nicht 1 Jahr warten, bis ich überrascht werde :rofl:
Dann kam der Tipp von JohnD Oilprimer. Und von Björn diese verschiedenen Techniken auszuprobieren, um aus dem einschichtigen, flachen Gemälde etwas Vielschichtiges zu machen.

Hätte ich diesen Keilrahmen letztes Jahr nicht mit dem B-Spray behandelt, hätte ich nie dieses unkontrollierbare Trocknen von den Händen gesehen und wäre echt nicht auf den Gedanken mit dem Experimentieren gekommen.
Kleiner Zufall, große Wirkung.
Und dann alle Tipps und Hinweise und Gedanken dazu ... ich freue mich sehr darüber.

Nach oben 01.06.2013, 19:44 Nach unten
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