"Die Kunst besteht nicht darin/daraus, (k)einen Fehler zu machen, man muss aus Fehlern Kunst machen." (Titus Lenk)




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 Schultempera - Tempera oder Gouache? 
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Eitempera

Beitrag  Re: Schultempera - Tempera oder Gouache?
also da muss ich doch mal....

Adrian hat geschrieben:
für den Schulbereich eigentlich schon fast zu "hochwertig",

Ich bleibe dabei: Für Schüler und Anfänger immer nur das Beste (Hochwertigste). Wie man sieht, muss es ja nicht das Teuerste sein!

Rommel, ich finde jetzt trägst Du aber eher zur Verwirrung bei, statt klar zu stellen. Du bringst Begriffe, von denen ich noch nie etwas gehört habe: Wasser-tempera, Öltempera. Wir hatten doch weiter oben festgestellt, dass Tempera immer eine Emulsion ist. Sie wird nach dem Emulgator benannt. Z.B. Eitempera und Kaseintempera, wobei es natürlich nicht das Ei ist, sondern das Lecithin im Dotter. Aber Lecithin-Tempera sagt keiner - eher schon Quark-Tempera zu Kaseintempera.

Die Definition "Schul-Tempera" passt da gar nicht hinein (Schule ist doch kein Emulgator!?!). Aber da hattest Du Welte ja auch schon zitiert, dass das mit Sprachgebrauch etwas zu tun hat

Ich finde schon, dass Etikettenschwindel nicht sein sollte. Aber wir wissen doch jetzt Bescheid, ebenso, wie wir wissen, dass man von Malzkaffee nicht so schnell einen Herzkasper bekommt.

Vollkommen recht gebe ich Rommel bei:
Rommel hat geschrieben:
Einfach damit malen...

Nach oben 30.12.2012, 08:24 Nach unten

Beitrag  Re: Schultempera - Tempera oder Gouache?
Nun, es gibt zwar "magere" Tempera, aber dies bedeutet nur, dass hier der Wasseranteil überwiegt. Trotzdem ist Öl enthalten. Haupteigenschaft einer Tempera scheint mir der Gebrauch eines Emulgators zu sein. Und dieser ist erst dann nötig wenn Stoffe verbunden werden sollen, die es sonst unter normalen Umständen nicht tun würden.

Beitrag: Re: Schultempera - Tempera oder Gouache? - 29.12.2012, 17:05 Adrian hat geschrieben:
Die wenigsten Kunden benötigen diese Datenblätter, gerade bei Farben steht da auch nicht viel drin, da nur selten sicherheitsrelevant. Selbst bei sicherheitsrelevanten Infos wie Reizbarkeit und Gesundheitsgefährdung bei diversen Malmitteln werden diese sehr wenig nachgefragt.

Das ist eigentlich schade. Dabei wäre der Ölanteil schon wichtig zu wissen... schon allein bei der Wahl der Firnis kann dies wichtig sein.

Nach oben 30.12.2012, 15:32 Nach unten

Beitrag  Re: Schultempera - Tempera oder Gouache?
Wir haben uns kürzlich direkt mit der Laborleitung von LUKAS/NERCHAU zur Begriffsproblematik (wie oben beschrieben und dargelegt) in Verbindung gesetzt. Hier die offizielle Antwort, die viele diesbezügliche Fragen beantworten sollte:



Die Begriffe "Gouache" und "Tempera" werden immer wieder miteinander verwechselt und gleichgesetzt. Tatsächlich können die Übergänge fließend sein und eine definierte Unterscheidung hat sich erst in den letzten Jahren herausgebildet.

Unter "Gouache" versteht man heute eine Wasserfarbe, die im Vergleich zu Aquarellfarben deckend eingestellt ist. Die Bindemittel sind pflanzliche Leime, wie Gummi Arabicum, Targant oder Dextrine. Aber auch synthetische Polyglycole können verwendet werden. Die Farben trocknen matt auf und bleiben mit Wasser wieder anlösbar. Die "LUKAS Gouache ART & DESIGN" ist auf Gummi Arabicum und Dextrinen aufgebaut und fällt in diese Kategorie.

Unter "Tempera" versteht man heute eine Farbe, die eine Malemulsion enthält. Eine Emulsion ist ein flüssiges System, bei dem eine Flüssigkeit tröpfchenförmig in einer anderen Flüssigkeit dispergiert vorliegt. Die beiden Flüssigkeiten sind sonst nicht mischbar und sie bilden eine wässrige und eine ölige Phase. Zur Stabilisierung einer Emulsion werden spezielle Emulgatoren benötigt.

Temperarezepturen gibt es sehr viele und sie können sich stark voneinander unterscheiden, so dass für sich Temperafarben keine allgemeinen Eigenschaften definieren lassen. Temperafarben sind aber immer mit Wasser vermalbar.

Die bekannteste Tempera ist die Eitempera. Dabei dient ein Ei als Emulgator und zusätzliches Bindemittel.

In der wässrigen Phase können aber auch Kaseinleim, tierische und pflanzliche Leime eingesetzt werden. Als ölige Phase können trocknende Öle, Harzlösungen, Wachse und anderes eingesetzt werden. Durch die Vielzahl der möglichen Ausgangsmaterialien und ihrer Anwendungsmöglichkeiten entstehen sehr unterschiedliche Ergebnisse.

Eine Gummitempera ist aus pflanzlichen Leimen und einem trocknenden Öl aufgebaut. Die "NERCHAU Tempera" basiert auf einer Mischung von pflanzlichen Leimen mit Leinöl und kann als magere Gummitempera beschrieben werden. Die "NERCHAU Schultempera Farben" fallen in die gleiche Kategorie, sind aber auf einen günstigeren Preis hin optimiert. So enthalten die "NERCHAU Schultempera" einen geringeren Pigmentanteil als die "NERCHAU Tempera".

Im Französischen jedoch scheint die Unterscheidung der Begriffe tatsächlich nicht weit verbreitet zu sein. Die Übersetzung für Tempera "couleur à la détrempe" ist wohl eher selten und klingt sehr technisch. "Gouache" wird dagegen allgemein verwendet.

(Laborleitung LUKAS-Nerchau)


Bei weiteren Fragen, Einwänden und Kommentaren dazu sammeln wir diese gerne und leiten diese zur Klärung weiter. :winken:


Signatur


Nach oben 08.04.2013, 14:09 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Schultempera - Tempera oder Gouache?
Sieh mal einer an, die Firma LUKAS!

Die scheint ein gutes Labor zu haben und gibt informative und verständliche Auskünfte. Das war schon vor ein paar Jahren so, als Veronika bei allen namhaften Herstellern nachgefragt hat, was der Quatsch mit der "Hautfarbe" soll, und wie sie damit ihre Zornesröte im Winter oder das Gesicht meiner potentiellen Schwiegertochter (50% Kongo) malen soll. (Lukas hat damals immerhin bei uns angerufen und erklärt, dass man das auch nicht gut findet, aber den Forderungen des Marktes gehorchen müsse.)

Wunderbare Erklärung! Ich hätt´s nicht besser sagen können. Eine winzige schulmeisterliche Spitzfindigkeit von mir als Ergänzung und Korrektur: Selbstverständlich dient nicht das Ei als Emulgator, sondern wenn überhaupt der Inhalt des Eis (!), und auch davon nur das Lecithin im Dotter - dafür aber das Eiöl als zusätzliches Bindemittel, was gerne (auch von mir) übersehen wird.

Frohes Schaffen!

Wolfgang

Nach oben 09.04.2013, 06:36 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Schultempera - Tempera oder Gouache?
Beitrag: Re: Schultempera - Tempera oder Gouache? - 09.04.2013, 06:36 pigmenttankstelle hat geschrieben:
Sieh mal einer an, die Firma LUKAS! Die scheint ein gutes Labor zu haben und gibt informative und verständliche Auskünfte.


Ja, absolut! Man muss der Fairness halber aber auch erwähnen, dass das bei anderen (zumindest deutschen) Firmen auch der Fall ist. Ganz Vorne mit dabei ist auch Schmincke, mit einem sehr kompetenten Laborteam. Allerdings gibt es einen großen Unterschied zwischen Händler- und Endkunden-Kontakten: die meisten Hersteller schaffen das personell wie auch zeitlich nicht, jedem einzelnen Maler seine speziellen Fragen zu beantworten, weshalb eine Anfrage über einen engagierten und interessierten Händler seines Vertrauens da immer etwas zielführender ist.

Lukas war deswegen prädestiniert für die obige Anfrage, da sich das Produktmarketing rund um deren Tempera ebenfalls offenbar "schwer tut" mit einer hinreichenden Abgrenzung zwischen Tempera und Gouache, da deren Nerchau Tempera im Katalog ebenfalls als "Künstler-Gouache" angepriesen wird. Lukas steht mit diesem Problem allerdings nicht alleine. Wie oben auch schon Martine schrieb, betrachten viele Nutzer Farben nach deren Charakter und Maleigenschaft, und nicht danach was sie eigentlich definitionsgemäß sind. Eine magere Gummitempera, die sich optisch und maltechnisch fast wie eine Gouache verhält, und sich davon rezeptorisch überwiegend nur durch etwas zusätzliches Leinöl und Emulgator unterscheidet, wird von der Masse der Maler eher als Gouache wahrgenommen, auch wenn es per Definition keine Gouache mehr ist.

Interessant ist dabei auch das:
Beitrag: Re: Schultempera - Tempera oder Gouache? - 30.12.2012, 15:32 Beowulf hat geschrieben:
Haupteigenschaft einer Tempera scheint mir der Gebrauch eines Emulgators zu sein.

Ganz genau genommen ist die Haupteigenschaft einer Tempera das Vorliegen einer Emulsion, die wiederum einen Emulgator voraussetzt. Der Emulgator allein reicht dafür nicht aus.

Sehr schön lässt sich das am Beispiel von wasservermalbaren Ölfarben darlegen: Wassermischbare Ölfarben (wie z.b. LUKAS Berlin, und natürlich andere Hersteller auch), sind keine Tempera, obwohl ihnen ein Emulgator beigefügt wurde, da in deren Original-Zustand noch keine Emulsion vorliegt. Das sind Ölfarben. Sobald nun allerdings ein Nutzer diese wasservermalbaren Ölfarben mit Wasser verdünnt, entsteht eine Emulsion, und damit dann vom Prinzip her eine Tempera! :logisch:

Nach oben 10.04.2013, 14:23 Nach unten
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