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 Keilrahmen selbst bespannen für Faule 
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Eitempera

Beitrag  Re: Keilrahmen selbst bespannen für Faule
Hallo Claudia,

schöner Thread!

Aber warum "für Faule"???

Die Keilrahmenschenkel sind immer an den Ecken so fertig, dass man sie nur zusammenstecken muss. Bei den vielen Kilometern an Keilrahmenschenkeln, die ich schon verarbeitet habe, habe ich wohl vier oder sechs Ecken von Hand vorbereitet, weil ich die Länge kürzen musste. An einer einzigen Ecken steht man locker eine Stunde und mehr. Deshalb gibt´s im Künstlerbedarf die Leisten mit fertigen Eckverbindungen in fast jeder möglichen Länge.

Ich habe in diesem Jahr bis jetzt (exakt) 591 Keilrahmen bespannt, 50 weitere sind gerade in der Vorbereitung. Allerdings bin ich zu faul mit der Hand zu spannen - die Arthridis lässt grüßen - und benutze daher eine Spannzange. Bis auf wenige Ausnahmen, wo ich Leinen oder Kaffeesäcke verwendet habe, habe ich einen Stoff verwendet, der mit "Provence" identisch ist. Es handelt sich um einen unbehandelten Baumwollköper mit knapp 300 g/m². Dieser Stoff ist vor allem auch für Anfänger ideal, weil er einige "Sünden vergibt". Wir kaufen ihn halt auf 100m-Rollen direkt bei der Weberei.

Die Methode, einen ungrundierten Stoff sich beim Trocknen der Grundierung selbst spannen zu lassen, ist möglich, hat aber auch Nachteile. Selbst wenn ich den Stoff ordentlich spanne - so richtig mit Spannzange - kommt es in seltenen Fällen vor, dass er nach einiger Zeit wieder "schlapperig" wird, wie wir Hessen sagen. Es sind hygroskopische Eigenschaften des Gewebes, die dazu führen, dass der Stoff "die Trommel macht", wenn er durch die Grundierung feucht wird - aber er wird ja auch irgendwann wieder trocken, und dann lässt diese Spannung - zumindest teilweise - nach. Wenn der Stoff vor dem Aufziehen jetzt zum Beispiel an einem Ort mit hoher Luftfeuchtigkeit gelagert war, dann kann er sich beim Grundieren schon gar nicht mehr so sehr spannen, dass nach dem Trocknen ausreichend Spannung bleibt. Auch wenn das Bild über einem Heizkörper in sehr trockener Luft hängt, kann die Spannung auch nach größeren Zeiträumen stark nachlassen. Daher - und um die Finger zu schonen - würde ich eine Spannzange (die, wo "610" draufsteht ist die ideale) dem Spannen mit bloßen Händen immer vorziehen. Die Spannzange kostet um die 20 EUR und hält ein Leben.

Bei Claudias Methode und dem Material hat man aber immer noch die Möglichkeit des Nachspannens durch Auskeilen. Wie das geht habe ich hier im Forum schon mal beschrieben.

Es ist richtig, dass bei dickeren Keilrahmen das Kreuz weiter vom Stoff entfernt ist und weniger stört. Ich baue gerade drei Rahmen mit 40 x 40 cm
Dateianhang:
PIC_0581.JPG
aus den 65 mm dicken Leisten. Hier gibt es zwar kein Kreuz, aber die Wirkung ist natürlich umwerfend.

Ansonsten nagle ich auch die einfachen Leisten zusammen:
Dateianhang:
PIC_0584.JPG

Ich ziehe es vor, wenn - im Gegensatz zu Boesners Beschreibung - die Wulste in eine Richtung zeigen. Dann ist beim Spannen kein störender Wulst auf der Rückseite. Die Nägel möglichst weit außen, da wo die Wulst ist. Sie müssen nicht in gleichen Abständen sein, sondern vor allem dort, wo die Kraft des Zwischenstücks übertragen werden soll. Wenn ich zwei 100 cm lange Leisten vernagle, dann mache ich je 3 - 4 Nägel mit etwa 5 cm Abstand links und rechts von der Stelle, wo das Zwischenstück eingesteckt ist. Nägel 30 mm lang. Auf gar keinen Fall dort nageln, wo Leisten ineinander gesteckt sind.

Danke, dass mal wieder darauf hingewiesen wird, dass der Selbstbau von Keilrahmen Spaß macht. Nicht zu vergessen ist die Kostenersparnis, gerade bei großen Rahmen - von der Qualität ganz abgesehen. Man kann Kosten sparen, wenn man Rahmen mit Aldi-, Tschibo- oder Eco-Aufschrift kauft. Dann tut man das aber auf Kosten von Menschen im fernen China, die das Aufspannen für einen Hungerlohn machen, und die Umwelt bleibt auch nicht unbelastet. Da lobe ich mir doch den Rahmenbau - mit und ohne Spannzange.

Frohes Tackern!

Wolfgang

Nach oben 10.08.2012, 08:38 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Keilrahmen selbst bespannen für Faule
zum hasenleim: http://de.wikipedia.org/wiki/Glutinleim

hab hier grad noch eine interessante seite mit sehr vielen grundierungsrezepten gesichtet:
http://www.aziz-raza-maltechnik.eu/page3.html

Nach oben 10.08.2012, 11:21 Nach unten
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