"Kunst liebt den Zufall, und der Zufall liebt die Kunst." (Aristoteles)




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 Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle 
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Beitrag  Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Hallo, allerseits,

zur Zeit teste ich oben genannte Eitempera und den Chitosan-Binder, die mir Wolfgang (pigmenttankstelle) freundlicherweise zu Testzwecken zur Verfügung stellte, da ich auf einige Zusätze in Ölfarben und auf Lösemittel empfindlich reagiere.

Meinem Empfinden nach ist da nix Gesundheitlsschädliches drin. Jedenfalls vertrage ich alle beide gut. Keine Reaktionen wie Übelkeit, Schwindel, brennende Augen oder Kopfschmerzen.

Das Chitosan hat einen etwas stärkeren Geruch, es riecht ein wenig zitronig, aber für meine Nase nicht unangenehm, eben nicht zu vergleichen mit dem Terpentingeruch, der mir Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel verursacht (grrrr). Ich hatte schon mal ein Möbel-Bienen-Wachs-Produkt aus dem Naturkostladen, das so ähnlich roch, wie das Chitosan.

Beide, sowohl Eitempera als auch Chitosan lassen sich mit den Pigmenten sehr gut mit einem Glasläufer auf einer Glasplatte vermischen, die Pigmente lösen sich gut auf. KLeinere Mengen lassen sich auch mit einer Malspachtel anmischen.

Die Farben werden schön leuchtend und man weiß, was drin ist. Das ist vorteilhaft.

Was ich bei Chitosan als Nachteil empfinde ist, dass es so schnell trocknet, heute, wo es bei mir unterm Dach sehr warm ist, trocknete es sogar schon auf der Pallette. Ich bin ein Langsammaler, male immer mal wieder ein Stück an einem Ölbild und finde es gut, wenn die Farben lange Zeit verändert oder miteinander vermischt werden können. Ich mag auch sehr die buttrige Konsistenz meiner Old Holland Ölfarben, in denen nur Leinöl drinnen ist. Diese buttrige, pastose Konsistenz bekomme ich mit diesen beiden Bindern leider nicht so hin.

Für Bilder, bei denen eine kurze Trocknungszeit gewünscht wird, ist das Chitosan allerdings prima.

Vielleicht hat der ein oder andere auch schon Erfahrungen damit gemacht und kann hier berichten.

Lieben Gruß
von Umaso

Nach oben 30.05.2012, 17:37 Nach unten

Aquarell und Tempera

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Ich male derzeit auch mit dem Chitosanbinder und der fertigen Eitempera von Wolfgang.

Die Eitempera ist mir von der Konsistenz zu flüssig, daran muss ich mich erstmal gewöhnen.

Der Chitosanbinder stinkt für mein Empfinden furchtbar und ich kann ihn nur draussen verwenden. :hmm:
Mit Zitronenduft hat der Geruch nichts gemeinsam.

Mir trocknet der nicht zu schnell, ich bin ja auch an Acryl gewöhnt.

Vllt. kannst du den einfach mit mehr Wasser verdünnen, damit er dir nicht auf der Palette antrocknet?

Ich vermische die Pigmente ganz einfach mit dem Malmesser, das gibt auch keine Klümpchen.
Als Palette für die Eitempera eignen sich Eierkartons aus Kunststoff gut.

Nach oben 30.05.2012, 18:07 Nach unten

Aquarell

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Die "fertige" Eitempera habe ich noch nicht probiert, sondern nur die "Frische" im Rahmen der Kurse.

Meine Nase empfindet das Chitosan auch zitronig riechend. Für mich persönlich eher angenehm. Es lässt die Farben auch etwas mehr glänzen - meiner Meinung nach.

Wie Claudia würde ich bei den derzeitigen Temperaturen auch die angemischten Farben immer mal etwas mit dem Sprüher anfeuchten und dann noch einmal mit einem Spachtel oder so verquirlen. Vielleicht hilft es Dir bei den derzeitigen Temperaturen.

Im letzten Kurs war es zeitweise auch schon recht warm. Übrig gebliebene größere Mengen an Farbmischungen (z.T. mit Eitempera, aber auch mal mit Chitosan, oder beides zusammen verwendet) habe ich nach jeweiligem Tagesschluss mit einem kleinen Guss Wasser versehen und mit einem zweiten Imbiss-Menue-Party-Teller (Plastik) obendrauf bedeckt. Am nächsten Morgen konnte ich die Farbe (nach Abschütten des überflüssigen Wassers und erneutem Vermengen der Farbmischung) weiterverwenden.

Allerdings war das Klima noch nicht vergleichbar mit dem Derzeitigen :hmm:

Nach oben 30.05.2012, 22:59 Nach unten

Aquarell, Acryl, Öl, PC

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Huhuuuu,

hab die Chitosantempera auch ausprobiert und bin zu folgenden Ergebnissen gekommen:

- je nach Motiv super Sache, ich finde z.B. für Großflächiges ist es für mich persönlich gut geeignet.

- die Farben sind relativ schnell scheinbar trocken auf dem Bild, also man kann es anfassen ohne es zu verschmieren, ABER mischbar/anlösbar sind sie auch auf der Leinwand noch länger!!!

- der optische Eindruck ergab so etwas schön *samtiges* in meinen Augen (auf Leinwand), allerdings im Verhältnis zu Öl oder manchen Acrylfarben auch etwas *stumpfer* (kann man aber ja ne schöne Lasur drübermachen)

- ein Nachteil für mich ist, daß die Farben *brechen*, wenn man die Leinwand knickt, was ich tue, weil ich relativ häufig Grußkarten male die halt in der Mitte geknickt werden.

- man muß sich an das Farbverhalten etwas gewöhnen, denn nach dem Trocknen verändern die sich etwas, also nicht wie bei Öl *what you see is what you get*

- Spaß macht es auf jeden Fall!

:winken:

Nach oben 31.05.2012, 07:55 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Beitrag: Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle - 31.05.2012, 07:55 medea hat geschrieben:
der optische Eindruck ergab so etwas schön *samtiges* in meinen Augen (auf Leinwand), allerdings im Verhältnis zu Öl oder manchen Acrylfarben auch etwas *stumpfer* (kann man aber ja ne schöne Lasur drübermachen)

Dafür ist eigentlich die Firnis zuständig. Da kann man dann auch zwischen glänzend, seidenmatt und matt auswählen.
Beitrag: Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle - 31.05.2012, 07:55 medea hat geschrieben:
denn nach dem Trocknen verändern die sich etwas, also nicht wie bei Öl *what you see is what you get*

Das ist nicht ganz richtig. Ölfarben verändern sich auch mit der Zeit... vor allem helle Farben. Nur dauert dies viel länger, unter Umständen Jahre. Da kann es von Vorteil sein, wenn diese Veränderung nahezu sofort eintritt und man direkt darauf reagieren kann.

Nach oben 31.05.2012, 11:55 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Hallo, allerseits,

ja, Claudia, das mit mehr Wasser verdünnen ist schon eine Lösung, nur wird die Farbe dann halt noch dünner. Das ist für mich gewöhnungsbedürftig.

Gine: Die übriggebliebenen Farben abends zu besprühen und abzudecken, das ist eine gute Lösung. Das ist dann wie bei den Acrylfarben, nur dass ich bei den Pigmenten und dem Chitosan weiß was drinnen ist.

Medea: Das mit der samtigen Oberfläche beim Chitosan habe ich auch festgestellt und vergas, es zu erwähnen. Ja, das sieht schön aus.

Beo: Wie ist denn das, wenn auf den Ölbildern eine Firnis drauf gelegt ist. Verändern die Bilder dann auch noch nach Jahren die Farbe?

Danke EUch allen für Eure Erfahrungen.

Lieben Gruß
Umaso :winken:

Nach oben 31.05.2012, 15:45 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Liebe Tester,

dann fasse ich meine Antwort mal zusammen.

Ein paar Sachen zum Verständnis vorneweg: Beide Binder sind Temperas. Die eine ist sehr, sehr alt, und die andere ist sehr neu. Sie ist in der Malerei noch kaum verwendet. Chitosan ist eine Art Bio-Kunststoff, ähnlich wie Zellophan. Es ist auch bekannt unter dem Markennamen "L112 Formuline" - dann aber sehr teuer. Es wird aus Chitin gewonnen, und das Chitin kommt aus den Schalen von Krabben. In der Tempera übernimmt das Chitosan die Aufgabe des Emulgators. Der eigentliche Binder ist bei beiden Temperas das Leinöl.

Beide Binder sind Alternativen zu den viel häufiger verwendeten Bindern Acryl und Öl. Gegenüber diesen Bindern weisen sie Vorteile und Nachteil auf - wären es ausschließlich Vorteile, würde kein Mensch mehr mit was anderem malen.

Vorteile liegen in der chemischen Zusammensetzung der Binder bzw. der Hilfsmittel:
- kein Terpentin erforderlich, wie beim Öl
- keine Weichmacher und Funghizide, wie bei Acrylfarben
- verdünnen mit Wasser
- Pinsel reinigen (zur Nor auch Tage später) ebenfalls mit Wasser und ggf. etwas Seife
- ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe, die zur Not essbar sind, nachwachsend, nachhaltig, umweltfreundlich...
- sehr geringe Wahrscheinlichkeit von allergischen Reaktionen (noch keine einzige bekannt).

Kleiner Nachteil bezüglich der Verbreitung und dem Variantenreichtum:
Temperas gibt es nur sehr begrenzt als Fertigfarbe. Man muss selbst mit Pigmenten mischen, was aber sehr einfach ist. Obwohl selbst mit Tempera hergestellte Farben ziemlich das preiswerteste sind, sind fertige Temperafarben - auch bekannt als "wasservermischbare Ölfarben" eher sehr teuer.

Noch ein Nachteil: Die Haltbarkeit ist begrenzt auf sechs bis neun Monate. Mischt man die Farben selbst, könnte aber immer nur eine kleine Menge Binder unbrauchbar werden, und nicht eine Sammlung von Tuben.

Unterschiede bei der Verarbeitung (hier kann man kaum von Vor- oder Nachteilen sprechen - ist Gewohnheit und Geschmackssache):
- Temperas trocknen langsamer als Acryl (Chitosan-Tempera etwas schneller als Eitempera)
- sie trocknen schneller - richtig: sind schneller oberflächentrocken - als Ölfarben
- da Ei- und Chitosantempera beliebig mischbar sind, kann man die Trocknungszeit etwas steuern
und doch Vorteile:
- Temperafarben kann man auch Tage nach dem malen mit einem etwas festeren Pinsel wieder anreiben oder auch mit Schwamm und Wasser auswaschen. Dadurch sind Übergänge möglich und Effekte, die bei anderen Binder unmöglich oder sehr schwierig sind.
- mit dem Pinseldruck kann man also bestimmen, ob die darunter liegende Schicht übermalbar ist (weicher Pinsel, geringer Druck) oder ob sie anlösbar ist (Borstenpinsel und mehr Druck). Tempera ist also vielseitig.

Ein Vorteil von Ölfarben gegenüber Tempera und Acryl (und ein Grund, warum sie sich über Jahrhunderte durchgesetzt haben):
- Die Farben ändern sich beim Trocknen nur sehr gering. Bei Acryl und Tempera kann die trockene Farbe heller oder dunkler wirken, als auf der Palette. Gerade beim Malen von Portraits ist etwas Übung und Erfahrung erfoderlich. (Aber auch Anfänger erzielen beachtliche Ergebnisse mit Tempera.)

Man muss selbst abwägen welche Vorteile man sich zu Nutzen machen möchte, und welche Nachteile man dabei in Kauf nimmt. Alle drei Binder lassen sich auf einem Bild kombinieren, wenn man die Regel "fett auf mager" beachtet. Grundierung und Untermalung mit Acryl (fettfrei), Bemalung mit Tempera (halbfett) und Details mit Ölfarbe (vollfett) sind machbar. Acrylfarben lassen sich aber mit Chitosantempera anfetten (ca. 1:1), sodass sie auf Tempera verwendbar sind.

Und im Einzelnen:

Geruch:
Geruchlich unterscheiden sich alle Binder ebenfalls. Das ist Geschmacksache. Der Geruch von Chitosan-Tempera wird von manchen als zitronig empfunden, obwohl keine Zitrone drin ist. Es riecht auch nicht nach Krabben! Wenn man die Nase reinhängt, dann ist der Geruch von Chitsoan-Tempera stärker, als der von Eitempera. In den zwei Jahren in denen die Chitsoan-Tempera bei uns parallel zur Eitempera verwendet wird, hatten wir nur sehr wenige Rückmeldungen von Menschen, die den Geruch von Chitosan-Tempera nicht mögen. Eitempera ist da schon eher mal nicht so beliebt (normalerweise heisst es aber: "immer noch besser als der Geruch von Acryl oder der Gestank von Terpentin" - aber es soll ja auch Leute geben, die Terpentin lieben). Ich selbst würde sagen, dass der Geruch von Leinölfirnis bei der Eitempera (den ich sehr mag) länger anhaltend und aufdringlicher ist, als der von Chitosan-Tempera. Aber: Geschmacksache. Am kommenden Wochenende haben wir mal wieder einen Malkurs in Karlsruhe in einem 300 qm Loft. Dort wird von bis zu zehn, zwölf Menschen im gleichen Raum gemalt, lecker gekocht (3-Gänge-Menü am Abend) und gegessen und es hat sich noch nie jemand beschwert. Alle kommen wieder...

Anmischen:
Geschätzt war es eine Tonne (1000 kg - ohne Übertreibung) Pigmente, bei deren Verarbeitung ich zugegen war. Einen Glasläufer habe ich dabei noch nie gesehen. Bei den modernen Pigmenten gilt: Pigmente in ein Schälchen (Plastikteller) etwas Tempera darüber, mit dem Pinsel umrühren - fertig.
Dabei darauf achten, dass man ausschließlich Pigmente verwendet, die für Tempera geeignet sind (Angabe "EI" auf dem Etikett) und bei manchen Pigmenten (blau) einen Tropfen Spiritus (oder einen anderen Alkohol) als Netzmittel verwenden. Mit Chitosan-Tempera sind die Pigmente weniger "widerspenstig" als mit Eitempera.

Trocknungszeit:
Richtig, bei warmen Temperaturen oder bei Wind kann eine Tempera relativ schnell oberflächentrocken werden. Das lässt sich mit einer einfachen Blumespritze und Wasser verzögern. Aber: Auch wenn es sich trocken anfühlt, die Farbe ist trotzdem mit dem Pinsel wieder anlösbar, also auch für langsamere Maler sehr gut geeignet.

Konsistenz und "Buttrigkeit":
Die Konsistenz wird einfach über das Verhältnis von Pigmenten zu Binder gesteuert. Viel Pigmente und wenig Tempera ergibt eine Farbe, die mit dem Malmesser aufgetragen werden muss. Der Chitosanbinder ist nicht weniger flüssig als die Eitempera. Er muss mindestens 1:1 bis 1:3 mit Wasser verdünnt werden, bevor er verwendet wird. Aber man kann ihn auch 1:30 verdünnen und dann ganz fein lasieren.
Die ölige "Buttrigkeit" ist eine Eigenschaft von Ölfarben, die Tempera nicht hat (man kann nicht alles haben....). Wenn man mit Tempera plastisch arbeiten will, muss man das in mehreren Schichten tun.

Oberfläche/Glanzgrad:
Eine Tempera ist eine ganz feine Mischung (Emulsion) aus Wasser und Öl. Das Wasser verdunstet schnell und hinterlässt winzige "Krater". Dadurch wird die Oberfläche rauh bzw. "samtig" oder auch "seidenmatt". Bei Öl und Acryl sind die Oberflächen glatt und wirken glänzend. Eitempera kann man mit Lasuren und Firnis glänzend machen. Bei einem matten Temerpabild ein Detail mit einem Spot beleuchtet - das muss man gesehen haben.


Vielen Dank für´s Testen, die offenen Erfahrungsberichte und Ergänzungen. Ihr helft uns sehr damit. Wir versuchen Anleitungen zu machen (schriftlich und Video) und über kurz oder lang soll es die Temperas im Kritzelshop geben.

Frohes Testen!

Wolfgang

Nach oben 01.06.2012, 10:08 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Beitrag: Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle - 31.05.2012, 15:45 Umaso hat geschrieben:
Beo: Wie ist denn das, wenn auf den Ölbildern eine Firnis drauf gelegt ist. Verändern die Bilder dann auch noch nach Jahren die Farbe?

Ja, auch wenn der Vorgang etwas verlangsamt abläuft. Von der Rückseite des Bildes kommt ja noch viel Luft heran, das unterschätzt man schnell vor allem bei Keilrahmenbildern. Ganz kann man den Zerfall eines Bildes sowieso nie aufhalten. Aber man kann ihn abbremsen, und das ist ja schon mal gut. :)

Beitrag: Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle - 01.06.2012, 10:08 pigmenttankstelle hat geschrieben:
Eitempera kann man mit Lasuren und Firnis glänzend machen.

Mich würde interessieren, wie man am besten so ein Bild firnist. Ich sprühe nicht so gern, ich benutze da lieber den Pinsel. Aber wie geht man sicher, dass sich das Bild dabei nicht wieder anlöst?

Nach oben 01.06.2012, 15:46 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Aha,Beo, von der Rückseite des Bildes her wirken also auch die Kräfte der Auflösung und des Verfalls, woran man zunächst gar nicht denkt? Wie wäre es, wenn man die Rückseite des Keilrahmens auch mit Firnis oder einem versiegelnden Material behandelt? Oder ist das dann wieder schlecht für das Bild, wenn die Luft gar nicht mehr zirkulieren kann? Bei einem Bild, das auf Holz gemalt ist, wie bei einer Ikone hat man das wohl eher nicht, oder?

Apropos Ikone. Eine Freundin von mir hat an die 7 wunderschöne Ikonen mit traditioneller Eitempera gemalt. Dann ist sie zu zu einer Ikonenmalerin gegangen, und die hat sämtliche Ikonen versiegelt mit einer Firnis. Welche, weiß ich nicht. Ist wohl eine Art Acryllack, was ich nicht verstehe, bei einer handgemalten Eitempera-Ikone. Jetzt sagt meine Freundin, dass ihr die Ikonen nicht mehr gefallen, da sie farblich völlig verändert seien, irgendwie mehr gelblich sind. Was würdest Du für Ikonen, die mit traditioneller Eitempera gemalt sind als Schutz empfehlen? Ich traue mich nicht, auf meine Ikone, die mir sehr am Herzen liegt, weil es meine erste ist, etwas drauf zu machen. Die sieht ohne Schutzschicht so schön aus und leuchtet von innen her. Doch die Gefahr, dass ein Wasserspritzer drau kommt oder dass sie aufgrund des hellen Hintergrundes schneller verschmutzt, ist größer. Ein mir bekannter Priester und Ikonenmaler, der die Ikonen auch für den Gottesdienst benutzt, wo massenhaft Rosendurft-Weihrauchschwaden in der LUft sind, hat seine Ikonen mit einer Art WAchsschicht versiegelt. Was meinst Du dazu?

LG
Umaso

Nach oben 01.06.2012, 16:58 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Ikonografie, Versiegelung, Bildzerfall etc. sind eigenständige Themen, also macht bitte eigene Themen dafür auf.

:offtopic: :arrow: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle


Signatur


Nach oben 01.06.2012, 19:15 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Hallo, Wolfgang,

habe ein Problem mit dem Chitosan-Behälter. Das Chitosan soll ja vor dem Vermalen kräftig geschüttelt werden. Jedes Mal, wenn ich geschüttelt habe und die Flasche öffne, läuft dann das Chitosan seitlich herunter, obwohl ich beim Schütteln darauf geachtet hatte, dass der Verschluss richtig zu ist. Ich krieg das dann schwer aus der Rille wieder heraus und es geht viel verloren. Liegt das nun an meiner Blödheit oder an der Beschaffenheit des Behälters? Ich werde es mir wohl in eine Glasflasche abfüllen.

Ich habe Deinen Tipp mit der Chitosan-Pigment-Untermalung probiert. Da die Oberfläche schnell trocknet, geht das prima, dann die Feinheiten mit meiner Old-Holland Ölfarbe drauf zu setzen. Diese Kombination finde ich gut, zumal ich da auch an den teuren Old-Holland Farben spare. Der Hintergrund wird wirklich sehr schön samtig und sieht auch von der Seite so schön gleichmässig und leuchtend aus.

Herzlichen Gruß
Umaso

Nach oben 01.06.2012, 23:43 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Beitrag: Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle - 01.06.2012, 16:58 Umaso hat geschrieben:
Ein mir bekannter Priester und Ikonenmaler, der die Ikonen auch für den Gottesdienst benutzt, wo massenhaft Rosendurft-Weihrauchschwaden in der LUft sind, hat seine Ikonen mit einer Art WAchsschicht versiegelt. Was meinst Du dazu?

Ich würde vorschlagen, dass du den Priester mal genau fragst was er so benutzt, und das Ergebnis dann in einem separaten Thema vorstellst. Wachs hört sich erst mal ganz gut an, es glänzt nicht so stark wie eine Ölfirnis, und gilbt vielleicht auch nicht so stark. Vielleicht kommt der Gelbstich der Ikonen deiner Freundin ja genau von solch einer Leinölfirnis.
Beitrag: Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle - 01.06.2012, 16:58 Umaso hat geschrieben:
Wie wäre es, wenn man die Rückseite des Keilrahmens auch mit Firnis oder einem versiegelnden Material behandelt? Oder ist das dann wieder schlecht für das Bild, wenn die Luft gar nicht mehr zirkulieren kann? Bei einem Bild, das auf Holz gemalt ist, wie bei einer Ikone hat man das wohl eher nicht, oder?

Auch dies behandeln wir lieber in einem anderen Thema, wenn du möchtest. Man kann die Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe nie ganz verhindern. Man muss da genau überlegen, ob man auf eine schnelle oder eher langsame Zirkulation setzt. Tendenziell sind aber Verfahren zu bevorzugen, die auch gut wieder rückgängig gemacht werden können.

Nach oben 02.06.2012, 15:57 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Habe mal noch grundsätzliche Fragen zum Thema Ei-Tempera.

Ist denn auch Ei-Tempera aus Frischei im Kühlschrank eine Weile haltbar? Oder gilt das nur bei Trockenei bzw. Chitosan?
Bei Frischei: Verwendet man das komplette Ei mit Dotter und Eiweiß oder nur den Dotter?
Warum sollte es Leinöl-Firnis sein - und nicht Leinöl?

Dankeschön im Voraus!

Nach oben 02.06.2012, 17:52 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
@Martine:
:arrow: Eitempera
:arrow: Toller Artikel über Eitempera


Signatur


Nach oben 02.06.2012, 17:57 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
MERCI an Kritzelmeister :-)

Nach oben 02.06.2012, 19:09 Nach unten

Aquarell

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Umaso, ich habe das Chitosan im 1-Liter-Behälter. Da läuft eigentlich nichts "weg" oder in die Rillen. Allerdings mache ich die Flasche nach einmaligem kurzen Schütteln nicht direkt auf, sondern lasse das Chitosan anschließend erst einmal ein paar Minuten "ruhen", bevor ich die Tempera verwende (und mithin den Behälter öffne).

Beim kleinen Spender, den uns Wolfgang mal als Gastgeschenk mitgegeben hat, hatte ich eigentlich auch keine Probleme. :mhh: Den habe ich mir zum Umfüllen aus dem großen Behälter sogar aufgehoben, weil er so praktisch fürs Mitnehmen ist, wenn ich mal wieder wochenendtechnisch unterwegs bin und mit Tempera malen will.

:winken:

Nach oben 02.06.2012, 21:58 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Momentan kann ich leider nicht so schnell antworten, weil wir gerade in einem Malkurs sind.

Wenigstens ein kurzer Gruß aus Karlsruhe und ein Foto von zwei richtig großen Werken (200 x 180 cm und 200 x 160 cm). Sie sind nicht gemalt, sondern "geschüttet" und "geflossen". Als Bindemitte wurde die Chitosantempera (die bei unseren Malschülern den Spitznamen "Schüttosan" hat) verwendet und als Pigmente chinacridonrose, dioaxazinviolett und titandioxid weiss. Malgrund ist Leinen auf Keilrahmen, mit Acryl grundiert. In den nächsten Tagen folgt eine ausführlichere Antwort an dieser Stelle und ein Video über die Entstehung der beiden Werke.

Frohes Schaffen!

Wolfgang

Nach oben 03.06.2012, 15:36 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Nun, da bin ich wieder!

@Beowulf,
Du sprichst mal wieder in Zeiträumen, die kaum einer von uns erleben wird. Veronika hat Tempera Bilder, die sind 30 Jahre alt und älter und zeigen keinerlei Verfallserscheinungen, auch ohne Sonderbehandlung.

Beitrag: Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle - 01.06.2012, 15:46 Beowulf hat geschrieben:

Mich würde interessieren, wie man am besten so ein Bild firnist. Ich sprühe nicht so gern, ich benutze da lieber den Pinsel. Aber wie geht man sicher, dass sich das Bild dabei nicht wieder anlöst?


Tempera sollte erst gefirnist werden, wenn der Oxidationsprozess abgeschlossen ist. Und das sind mindestens sechs Wochen. Wir verwenden ein Spray auf Wasserbasis, das nur minimal stinkt. Nach sechs Wochen wird sich aber auch beim Firnissen mit dem Pinsel nichts mehr anlösen. Je länger mit dem Firnissen gewartet wird, umso besser.

Beitrag: Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle - 01.06.2012, 16:58 Umaso hat geschrieben:
Was würdest Du für Ikonen, die mit traditioneller Eitempera gemalt sind als Schutz empfehlen?


Eitempera, die durchoxidiert ist, ist absolut wasserfest und widerstandsfähig. Wir hatten ein mit Tempera bemaltes Bild schon den Winter über im Freien hängen (auf der Wetterseite, dem Regen ausgesetzt), weil eine Glasscheibe im Fenster ein Loch hatte. Der Tempera ist nix passiert. Wenn es bei der traditionellen Eitempera erforderlich wäre, eine Schutzschicht aufzutragen, dann wäre dies Bestandteil der Ikonenmalerei - da ist doch sonst alles geregelt.
Allerdings haben wir gerade ein Wachs entdeckt, ebenfalls mit Chitosan als Emulgator. Es enthält Bienenwachs, Carnaubawachs und Schellack. Damit bekommt man einen wunderbaren Glanz auf Tempera und sicherlich einen Schutz. Wir experimentieren allerdings noch.

Beitrag: Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle - 01.06.2012, 23:43 Umaso hat geschrieben:
habe ein Problem mit dem Chitosan-Behälter. Das Chitosan soll ja vor dem Vermalen kräftig geschüttelt werden. Jedes Mal, wenn ich geschüttelt habe und die Flasche öffne, läuft dann das Chitosan seitlich herunter, obwohl ich beim Schütteln darauf geachtet hatte, dass der Verschluss richtig zu ist.

Das kräftig schütteln ist erforderlich, wenn die Flasche einige Tage und Wochen geruht hat. Normalerweise muss es nicht ganz so intensiv sein. Wenn etwas Tempera entnommen ist, kann man auch Wasser in die Flasche geben und die Tempera verdünnen, dann ist sie nicht ganz so zäh. Wir sind sehr happy mit den Flaschen. Sie sind eigentlich für Speiseöl gedacht. Wenn man nach dem Schütteln ein, zwei Minuten wartet, dann steht nichts mehr in der kleinen Rille - wie Gine sagt.
Mail mir eine Foto, wenn´s nicht besser wird.

Frohes Schaffen!

Wolfgang

Nach oben 04.06.2012, 21:55 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Wolfgang, danke für deine Infos! :)
Beitrag: Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle - 04.06.2012, 21:55 pigmenttankstelle hat geschrieben:
Du sprichst mal wieder in Zeiträumen, die kaum einer von uns erleben wird. Veronika hat Tempera Bilder, die sind 30 Jahre alt und älter und zeigen keinerlei Verfallserscheinungen, auch ohne Sonderbehandlung.

Nun, dies kann man nicht so generalisieren. ;) Es kommt immer auf die Umstände an. In einem trockenen, sauberen Raum kann sich auch ein vollkommen ungeschütztes Pastellbild Jahrhunderte halten... kommt aber nur ein Wassertropfen drauf, ist es hin. Ebenso können feuchte Luft bzw. Wände ein Bild belasten. Oder mechanische Belastungen, die dann z.B. Kratzer erzeugen können. Oder Fett in der Luft oder an den Händen, das dann mit der Zeit Schmutz anzieht.
Tempera kann ja anscheinend übermalt werden, und hat somit eine gewisse Saugkraft. Die Mattheit des Farbauftrages spricht auch dafür, dass sich an der Oberfläche Poren und Unebenheiten befinden, in denen sich Schmutz gut einlagern kann. Daher finde ich es einfach gut, zumindest an der Oberfläche eine reine Bindemittelschicht ohne Pigmente aufzutragen.

Nach oben 04.06.2012, 22:27 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle
Beo, danke für die Hinweise. Bezüglich Firnis mache ich, sobald ich mehr Zeit habe, ein neues Thema auf. Sobald Gelegenheit ist, werde ich den Priester fragen, was er da als Schutzschicht benutzt, um die Ikonen vor dem vielen Weihrauch und Berührungen zu schützen. Die Wand im Meditationsraum ist ja schon ganz schwarz.

Gine Wolfgang: Danke für den Tipp. Habe die Flasche nach dem Schütteln einige Minuten ruhen lassen. Ja, es klappt. Nun läuft nichts mehr daneben. Super.

Wolfgang: Sag mir bitte Bescheid, wenn das mit der Schutzfirnis für Tempera ausgereift ist. Klingt ganz gut. Allerdings Schellack? Ich kenne Ikonen, die mit Schellack versiegelt wurden. Ekelhaft. Die ganze Leuchtkraft von innen her geht verloren. Aber mit den von Dir genannten Bestandteilen könnte das anders sein. Meine mit Eitempera gemalte Ikone leuchtet so wunderschön ohne jede Schutzschicht. Wahrscheinlich werde ich sie so lassen. Obwohl der Hintergrund ganz hell ist, ist da bis jetzt kein bisschen Veränderung eingetreten. Und Du sagst ja, dass die Bilder absolut wasserfest sind. Meine Angst wäre nur, dass da ein Wassertropfen drauf kommt. Ich hoffe, Adrian, ich bin jetzt nicht wieder vom Thema abgewichen. Aber es geht doch hier um Eitempera, oder?

Danke an Euch und schönen Tag noch
Umaso

Nach oben 05.06.2012, 07:35 Nach unten
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