"Alle Kunstgattungen sind gut, mit Ausnahme der langweiligen." (Voltaire)




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 Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften 
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Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Hier noch ein kleiner Nachtrag bezüglich der Opaleszenz:

Wir haben ja gesehen, dass "trübe" Farben verstärkt kaltes Licht reflektieren und warmes Licht weiter durchlassen. Somit wirken solche Farben bei Auflicht manchmal leicht bläulich, bei Gegenlicht etwas orange. Der Effekt tritt vor allem dann deutlich zutage, wenn man nur eine dieser Lichtsorten vorliegen hat. Denn wird die Farbe von allen Seiten gleichmäßig angestrahlt, heben sich die Opaleszenzeffekte gegenseitig auf, da sich das warme und das kalte Licht wieder zu weißen Licht addieren. Das, was vorher aufgetrennt wurde, wird also wieder über Umwege zusammengeführt.

Um den Effekt bei Weißlasuren also besonders deutlich zu machen, haben wir Gegenlicht weggenommen indem wir den Untergrund dunkel angemalt haben. Somit haben wir hauptsächlich Auflicht, was einen bläulichen Opaleszenzeffekt hervorruft.

Was passiert aber, wenn wir die trübe Lasurfarbe sehr dunkel wählen und dafür den Untergrund weiß lassen? In diesem Fall wird ja das Auflicht durch die Lasur minimiert, das Gegenlicht durch den reflektierenden Untergrund maximiert. Wie verschiebt sich da eurer Meinung nach die Mischfarbe? Und habt ihr diesen Effekt schon mal in der Praxis beobachten können?
Und noch eine Frage: Werden derlei Effekte von den "üblichen" Farbsystemen überhaupt berücksichtigt? Gehen diese überhaupt darauf ein, dass die Reihenfolge, in der Farben aufeinander geschichtet werden, eine Rolle spielt?

Nach oben 19.12.2011, 12:09 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Beowulf, ich denke daß es bei farbsystemen mehr ums mischen von farben geht, weniger um lasuren. wenn jemand z.b. nicht lasiert, sondern alla prima malt, dann interessiert den nur, wie er z.b das richtige grün oder lila oder sonstwas mischt. und dafr sind farbsysteme sehr gut. aber auch bei lasuren ergibt rot und gelb orange und man kann farbsysteme zur hilfe nehmen.
bei lasuren findet man eigentlich schnell heraus, wierum mans machen muß, um den oder den farbton zu erreichen. versuch macht klug, so nach dem motto.

also der rein wissenschaftliche aspekt, warum das so ist, hat mich noch nie interessiert. sondern das ergebnis.

:winken:

Nach oben 19.12.2011, 13:17 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
So so... :roll: Es geht hier eben nun mal um Pigmenteigenschaften, und deren Anwendbarkeit auf die gängigen Farbsysteme. Auch wenn hier nach Erklärungen gesucht wird, steht hier die Praxis im Vordergrund. Auch wird sich im Laufe dieses Themas herausstellen, dass viele Eigenschaften der Lasuren ebenso auf Mischungen zutreffen. Lasuren wurden hier nur deshalb an den Anfang des Themas gestellt, um die Komplexität nicht direkt in die Höhe zu schrauben. Also immer schön sachte! ;)

Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 19.12.2011, 13:17 Morgenwind hat geschrieben:
aber auch bei lasuren ergibt rot und gelb orange und man kann farbsysteme zur hilfe nehmen.

Eben nicht. Lasiert man ein Rot mit transparentem Gelb, dann bleibt es rot... es wird sogar noch einen Tick dunkler und leuchtender. Lasiert man mit einem deckenden Gelb, dann wird das ganze zwar orange, aber auch schnell ein wenig gräulich, wegen der Opaleszenz.

Aber dazu werden wir noch kommen. Bis dahin musst du dich etwas gedulden.

Nach oben 19.12.2011, 16:44 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
So, damit ihr seht dass meine obigen Behauptungen nicht aus der Luft gegriffen sind, hier ein weiterer Farbtest:
Dateianhang:
Gelb-Rot-Orange.jpg

Links habe ich erst einmal einen breiten, senkrechten Strich mit Kadmiumgelb gemalt, in der Mitte mit Kadmiumrot. Beide Farben sind hochdeckend. Dann habe ich nach dem Trocknen oben links mit Kadmiumrot lasiert, oben Mitte mit Kadmiumgelb. Links unten mit Quinacridone Magenta, unten Mitte mit Eisenoxidgelb, beides hochtransparente Farben. Rechts oben habe ich Kadmiumrot und -gelb gemischt und aufgetragen, rechts unten habe ich das Quinacridone Magenta und Eisenoxidgelb gemischt.

Interessant ist, dass die transparenten Pigmente farbiger und leuchtender wirken wenn man sie dünn aufträgt. Die Stellen, an denen recht viel Farbe ist, wirken eher dunkel, vor allem beim Eisenoxidgelb. Ein weiteres Indiz dafür, dass transparente Pigmente das Licht nicht reflektieren sondern lediglich (teilweise) absorbieren... und zwar umso mehr, je öfter das Licht durch sie hindurchfällt.

Ich denke die weiteren Ergebnisse sprechen ebenso für sich. Das Eisenoxidgelb hat auf dem roten Grund keine Aufhellungskraft (es dunkelt sogar weiter ab), das Kadmiumgelb schon... auch wenn dieses etwas fade wirkt, wegen der Opaleszenz die deckende Pigmente nun mal haben.
Das Kadmiumrot erzeugt auf dem Kadmiumgelb wie erwartet ein passables Orange, wenn auch das Rot sehr dominant und vordergründig wirkt. Das Quinacridone Magenta hingegen erzeugt ein leuchtendes Rotorange, vom Violettstich dieser Farbe ist nur auf weißem Grund was zu sehen.

Die Mischungen sehen auch anders aus: Die deckenden Pigmente vermischen sich zu einem Orange, bei dem der Gelbanteil gut zur Geltung kommt. Die Mischung liegt sowohl farblich als auch von der Helligkeit her irgendwo zwischen den beiden Grundfarben. Die transparenten Pigmente hingegen dunkeln sich nur gegenseitig ab, das Ergebnis ist ein leuchtendes, dunkles Rot welches an Blut erinnert.

Ihr seht, die unterschiedliche Behandlung von transparenten und deckenden Pigmenten ist kein reiner Selbstzweck. Nun mal eine Frage an euch: Welche der euch bekannten Farbsysteme kann man hier anwenden? Wenn nur teilweise, dann in welchen Situationen genau?

Nach oben 26.12.2011, 18:22 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Hier noch ein weiteres Experiment:
Dateianhang:
Farbverläufe-RotWeiß.jpg

Nicht ganz optimal fotografiert, aber ich finde, sowas muss sowieso jeder mal selber ausprobiert haben:
Die verwendeten Farben sind Naphtholrot und Titanweiß.
1) rote Lasur auf weißem Grund, nach links transparent auslaufend
2) Nass in Nass
3) weiße Lasur auf rotem Grund, nach rechts transparent auslaufend

Vor allem in natura erkennt man, dass Nummer 3 deutlich kälter wirkt, Nummer 1 hingegen leuchtender und wärmer. Die Reihenfolge, in der Farben aufeinander geschichtet werden, spielt also eine wichtige Rolle. Nummer 2 ist irgendwas dazwischen.
Ein Punkt, der von allen gängigen Farbsystemen nicht bedacht wird. Auch wenn Start- und Endwert im Verlauf gleich sind, ist die Farbwirkung irgendwie anders.

Nach oben 23.01.2012, 15:01 Nach unten

unterschiedlich

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
So Björn,

ich habe diesen Test einmal nachgestellt aber leider sind meine Fotoergebnisse wie immer
misserabel. (Aber ich versuche das bei Gelegenheit noch einmal... wenn ich fertig habe mit aufschieben und das Licht passt!) :wink:

Auf alle Fälle lässt Dein eingestellter Versuch ganz klar erkennen, worauf Du hinaus möchtest!

Liebe Grüße

Lili :winken:

Nach oben 24.01.2012, 15:49 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Hier als Ergänzung zwei sehr interessante Videos:


Dort wird schön gezeigt, wie unterschiedlich sich gewisse Pigmente in Kombinationen verhalten. So wird aus einem erhofften Violett schnell mal ein fades Grau... und Schwarz + Gelb ergibt Grün.

Nach oben 06.03.2012, 19:18 Nach unten

unterschiedlich

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Danke für die informativen Videos, Björn.

Liebe Grüße

Lili :winken:

Nach oben 06.03.2012, 19:38 Nach unten
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