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 Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften 
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Beitrag  Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Hallo zusammen! :winken3:

Ausgehend von einem Thema zur Farbenlehre haben sich manche von uns dazu entschlossen, die Eigenschaften von Farbpigmenten selber experimentell zu ermitteln. Dies alles geschah aus einer gewissen Uneinigkeit darüber heraus, ob die typischen Farbsysteme (additives und subtraktives Farbmodell) überhaupt auf Pigmente anwendbar sind. Viele Erfahrungen sprechen dagegen, viele dafür, daher ist es sinnvoll mal wirklich nachzuschauen, ob die Praxis gewisse Regelmäßigkeiten aufweist.

Pigmente sind pulverförmige Farbstoffe, die in der Regel mit einem Malmedium vermischt werden, damit diese auf der Bildfläche haften. Ich würde vorschlagen, dass wir uns hier auf Acryl und Öl beschränken, da diese Medien die breitesten Pigmentspektren bieten. Für alle Test mit Acryl gilt aber, dass dieses Medium im feuchten Zustand noch leicht milchig sein kann. Daher muss die Farbe erst gut durchtrocknen, bevor man die endgültige Farbwirkung abschätzen kann. (Dies gilt vor allem für transparente Farben.)
Ich möchte in diesem Thema ausschließlich Farben behandeln die ein Pigment enthalten. Alle anderen Farben lassen sich nachmischen, und würden dieses Thema hier zu komplex werden lassen. Wenn wir auf Mischungen eingehen, dann stellen wir diese hier für alle nachvollziehbar selber her.

Ziel dieses Themas ist es, anhand der Herstellerangaben schon einschätzen zu können wie sich ein Pigment in Mischungen verhält. Dies ist wichtig für die Kaufentscheidung. Auch möchte ich vermitteln, wie man überhaupt an diese Informationen herankommt.

Zuerst möchte ich in einem weiteren Beitrag darauf eingehen, welche Informationen man der Deklaration auf der Farbtube entlocken kann. Auch Informationen aus dem Internet (Homepage des Herstellers) können wertvoll sein. Dann möchte ich hier zusammen mit anderen Teilnehmern bestimmte Pigmente einfach mal vorstellen, bezüglich Farbwirkung, Deckkraft und Lasurverhalten. Danach kommt die Hauptaufgabe, das Mischverhalten von Pigmenten und die Anwendbarkeit gewisser Farbsysteme.

In der Schule bekommt man über das Verhalten der Pigmente wenig beigebracht, und viele Dinge sind einfach nur Halbwahrheiten. Dabei ist es für uns Maler extrem wichtig, dieses Verhalten zu kennen. Ich möchte daher jeden dazu ermutigen intensiv mitzuarbeiten, sich mit seinen Beiträgen Zeit zu lassen und diese lieber sorgfältig zu gestalten. Dann werden hier alle enorm von profitieren, da bin ich mir sicher! :)

Nach oben 17.12.2011, 20:09 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Zuerst stelle ich einfach mal ein paar Bilder von Farbtuben ein. Beides ist Titanweiß, von Lascaux und Liquitex (zwei Bilder pro Tube). Ich möchte, dass ihr euch diese Tuben mal genau anschaut und versucht zu beschreiben, wieviel Information ihr daraus für euch gewinnen könnt:

Dateianhang:
Farbtube Lascaux-Titanweiß_vorne.jpg
Dateianhang:
Farbtube Lascaux-Titanweiß_seite.jpg

Dateianhang:
Farbtube Liquitex-Titanweiß_vorne.jpg
Dateianhang:
Farbtube Liquitex-Titanweiß_hinten.jpg

Nach oben 17.12.2011, 20:22 Nach unten

unterschiedlich

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Huhu Björn,

prima, es geht los.

Die Tube von Lascaux enthält ein Pigement, PW6. Maximale Lichtechtheit, diese wird angezeigt durch die 3 Sterne.
Und die Farbe ist deckend, angezeigt durch das schwarze Kästchen.

Die Tube von Liquitex enthält ebenso nur ein Pigment, PW6. Exellente Lichtechtheit und ist deckend.
Der Buchstabe M, hinter dem Kästchen steht für mittel?

Liebe Grüße

Lili :winken:

Nach oben 17.12.2011, 20:57 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Prima Lili, so habe ich mir das vorgestellt! :)
Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 17.12.2011, 20:57 Akasha hat geschrieben:
Der Buchstabe M, hinter dem Kästchen steht für mittel

Keine Ahnung. Steht aber bei jeder Farbtube drauf die ich von dieser Marke habe, also scheint das M keine spezifische Bedeutung zu haben.

Das Kästchen steht für die Deckkraft. Ein volles Kästchen bedeutet deckend, ein leeres bedeutet transparent. Auch Zwischenstufen gibt es, wie halbtransparent und halbdeckend. Diese werden dann durch teilweise ausgefüllte Kästchen gekennzeichnet.

Bei der Lichtechtheit kocht jeder Hersteller sein eigenes Süppchen, da gibts haufenweise Striche und Sternchen. :roll: Aber in der Regel sind alle Farben aus hochwertigen Künstlersortimenten derart lichtecht, dass man sich darüber keine Sorgen machen braucht. Nur billige Noname-Produkte können schnell ausbleichen.

Als Pigment ist auf beiden Tuben Titandioxid angegeben. Dies ist die chemische Bezeichnung des Pigmentstoffes. Etwas rätselhaft wirkt das PW6. Dieser Pigmentcode versucht, jedem Farbstoff eine eindeutige Nummer zuzuordnen. Das P steht für Pigment, der nächste Buchstabe für den Farbton (auf englisch):
  • B = Blue = Blau
  • Bk = Black = Schwarz
  • Br = Brown = Braun
  • G = Green = Grün
  • M = Metal = Metall
  • O = Orange = Orange
  • R = Red = Rot
  • V = Violet = Violett
  • W = White = Weiß
  • Y = Yellow = Gelb
Die Nummer dahinter ist fortlaufend, also PW6 gibt das weiße Pigment Nr. 6 an.

Enthält eine Farbe mehrere Pigmente, dann sind auch mehrere Pigmentcodes angegeben. Das Mengenverhältnis steht dort aber leider nicht. Ich kann nur jedem raten sich solche Farben selber zu mischen, das spart Geld und man kann die Töne immer wieder etwas variieren... dann sehen die Bilder nicht immer gleich aus.

Auf der Homepages der Hersteller kann man sich nähere Informationen holen. Auf den Farbtuben stehen die Pigmente nämlich nicht immer drauf... vielleicht trauen manche Hersteller ihren Kunden nicht zu, mit diesen Informationen umzugehen. :? Marken, bei denen ihr keinerlei Pigmentinformationen erhalten könnt, solltet ihr besser nicht kaufen. Diese Farben verhalten sich unberechenbar, können minderwertige Inhaltsstoffe besitzen und schnell ausbleichen.

So, morgen werde ich vielleicht etwas mehr zu Titanweiß und Oxidschwarz (=Marsschwarz) erzählen, die zu meinen absoluten Lieblingen gehören. Vielleicht bringe ich noch was zu Zinkweiß, welches ich aber fast nie gebrauche.
Besitzt hier vielleicht noch jemand andere Schwarztöne? Ich habe nur das Oxidschwarz vorrätig.

Nach oben 17.12.2011, 21:36 Nach unten

Acryl, Öl, Kohle

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Mehr kann ich auch nicht erkennen, ausser dass beides Acrylfarben sind.

Bjoern, dieser Eintrag sollte eigentlich vor deinem stehen. War ich ein bisschen zu langsam. :mrgreen:

Nach oben 17.12.2011, 21:42 Nach unten

unterschiedlich

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Mit schwarz kann ich in Acryl nicht dienen, Björn. Schwarz gibt es bei mir bisher nur noch im Aquarellfarbkasten.

Ich hatte vorhin etwas gefunden, dummerweise nicht abgespeichert.
Da stand der Buchstabe M für mittel...ging bis F=feurig. Ob die Farbwirkung gemeint sein könnte oder
etwas anderes, war leider nicht näher beschrieben.
Sollte mir der Link wieder in die Hände fallen, dann werde ich ihn hier zur Verfügung stellen.

Interessant, dass Du schwarz benutzt. Da existieren auch verschiedene Meinungen.

Liebe Grüße

Lili :winken:

Nach oben 17.12.2011, 22:57 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 17.12.2011, 22:57 Akasha hat geschrieben:
Interessant, dass Du schwarz benutzt. Da existieren auch verschiedene Meinungen

bloß weil vera schwarz verteufelt... :mrgreen:
mal sollte es auf jedenfall nicht übertreiben damit. zb beim mischen. :wink:

sind in Cadmiumrot und Cadmiumgelb von lascaux zufällig noch Extender? Genauso auch bei Phthaloblau?

Nach oben 18.12.2011, 00:02 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 17.12.2011, 21:42 peintures hat geschrieben:
Bjoern, dieser Eintrag sollte eigentlich vor deinem stehen. War ich ein bisschen zu langsam.

Macht nichts! :mrgreen: Deine Feststellung mit dem Acryl war ja auch wichtig, man setzt gewisse Dinge als zu selbstverständlich voraus. Ich möchte noch hinzufügen, dass es sich um pastose Künstlerfarben handelt, also wirklich das Beste vom Besten, was es auf dem Acrylmarkt gibt.

Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 17.12.2011, 22:57 Akasha hat geschrieben:
Da stand der Buchstabe M für mittel...ging bis F=feurig. Ob die Farbwirkung gemeint sein könnte oder etwas anderes, war leider nicht näher beschrieben.

Derartige Buchstaben lassen sich aber auch leicht missverstehen. Die Homepage liefert diesbezüglich leider keine Infos.

Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 17.12.2011, 22:57 Akasha hat geschrieben:
Interessant, dass Du schwarz benutzt. Da existieren auch verschiedene Meinungen.

Dies stimmt. Manche Leute bilden sich was drauf ein, ein Schwarz aus verschiedenen dunklen Farbtönen zu mischen. Herdin und sein "Pomponismus" gehören auch dazu. :roll: Dabei wird aber übersehen, dass viele dieser dunklen Farbtöne der Farbhersteller selber Mischungen aus Schwarz und einem transparenten Pigment sind. So ist Vandyckbraun oft eine Mischung aus Eisenoxidschwarz und Eisenoxidrot, Preußischblau hingegen eine Mischung aus Eisenoxidschwarz und Phthalocyaninblau. Echtes Preußischblau wird selten verarbeitet, da es etwas problematisch ist.
Schwarz sorgt für Deckkraft und Dunkelheit bei dickem Farbauftrag. Die transparente Komponente sorgt für Tiefe, Farbigkeit und absorbiert etwas vom Streulicht, welches die deckenden schwarzen Pigmente noch erzeugen.

Daher mische ich auch selber gerne Schwarz mit einem transparenten Pigment zusammen um dunkle Farbtöne zu erzielen, ohne mich aber der Illusion hinzugeben ich hätte hier vollkommen auf Schwarz verzichtet. ;) Ich mische nicht wild was zusammen und reduziere dadurch die Anzahl der im Bild vorkommenden Pigmente, was das Verhalten etwas vorhersehbarer macht.
Dünn aufgetragen, wirken solche Mischungen recht farbig, aber nicht zu knallig. Dick aufgetragen wirken sie sehr dunkel und tief. Sie können bei richtiger Malweise sogar reines Schwarz an Dunkelheit übertreffen.

Aber dazu später mehr, wenn wir das mal in der Praxis erproben. :)

Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 18.12.2011, 00:02 Luceo non uro hat geschrieben:
sind in Cadmiumrot und Cadmiumgelb von lascaux zufällig noch Extender? Genauso auch bei Phthaloblau?

Was meinst du mit "Extender"? Und welche Produktlinie meinst du genau? Ich habe von Lascaux Artist nur das außerordentlich gute Titanweiß.

Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 18.12.2011, 00:02 Luceo non uro hat geschrieben:
mal sollte es auf jedenfall nicht übertreiben damit. zb beim mischen.

Meiner Meinung gelten da etwas andere Gesetze. Schon geringe Mengen Schwarz können zusammen mit Weiß die Leuchtkraft und Tiefe eines Bildes deutlich herabsetzen. Daher trenne ich diese beiden Pigmente äußerst strikt. Ich trage erst dann Weiß auf, wenn die Farben mit Schwarzpigmenten trocken sind - und umgekehrt.
Ähnliches gilt aber generell auch für andere Farben, wenn man viele deckende Pigmente miteinander kombiniert.

Nach oben 18.12.2011, 00:10 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
extender sind streckmittel wie beispielsweise blanc fix. manche pigmente fühlen sich mit >etwas< streckmittel wohler. sogar bei den Cad. rot und gelbpigmenten von kremer soll ein kleiner anteil banc fixe drin sein.

Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 18.12.2011, 00:10 Beowulf hat geschrieben:
Schon geringe Mengen Schwarz können zusammen mit Weiß die Leuchtkraft und Tiefe eines Bildes deutlich herabsetzen. Daher trenne ich diese beiden Pigmente äußerst strikt.

ja das stimmt. schwarz zusammen mit weiß in einer mischung ist der "obergau". kann man vergessen - wird schmutzig...

Nach oben 18.12.2011, 00:22 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Jepp, Weiß in Kombination mit Schwarz nimmt den restlichen Pigmenten der Mischung schnell die Einfärbekraft und Tiefe. Das ganze wirkt dann sehr vordergründig. Auch monochrome Bilder aus Weiß und Schwarz wirken meiner Meinung nach schnell etwas fade, wenn man hier alles Nass-in-Nass miteinander vermalt. Das ganze hat dann die optische Tiefe einer marmorierten Plastikschüssel. :roll:

Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 18.12.2011, 00:22 Luceo non uro hat geschrieben:
extender sind streckmittel wie beispielsweise blanc fix. manche pigmente fühlen sich mit >etwas< streckmittel wohler. sogar bei den Cad. rot und gelbpigmenten von kremer soll ein kleiner anteil banc fixe drin sein.

Verstehe. Derart genaue Angaben habe ich nicht zu diesen Farben. Ich weiß nur, dass Lascaux auf perfekte Verarbeitbarkeit und geringen Volumenverlust beim Trocknen Wert legt. Da ist es wohl nur natürlich, dass da ein gewisser Anteil an Füllstoffen zum Einsatz kommt. Liquitex hingegen hat extrem reine Farben, die aber beim Trocknen stark in sich zusammensacken können.

Es kommt immer darauf an was man im speziell braucht. Sollten Füllstoffe in den Farben von Lascaux enthalten sein, so machen sie mir zumindest beim Titanweiß nichts aus, da diese ja auch weiß sind und somit die Farbwirkung nicht behindern.

Nach oben 18.12.2011, 00:35 Nach unten

kritzelkram

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
:winken:

Schwarz ist meine lieblingsfarbe, und ich mischses eigentlich auch vielen farben zu, wenn ich sie abstumpfen will, man muss vorsichtig sein damit, aber da ich eh mehr auf tonwerte hin arbeite... egal

Als anlage eine alte farbprobe schwarz in wasserfarbenbindung (kein aquarell, pigmente in gummi-arabicum!), auf billigem aquarellpapier, nur um zu sehen, wie sich die pigmente in vollton und verdünnung verhalten.

Zeigt leider auch die grenzen deas internets, da es die haptik, die ja sogar wasserfarben haben, völlig unterschlägt, und schwarz ist nunmal wohl die subtilste und empfindlichste aller "farben", was meineserachtens auch der grund ist, dass sie so verboten ist...

Schön ist magnetit, nicht die volle schwärze erreichend, aber lasierend uind gut zur abstumpfung anderer farben geeignet, das schönste schwarz aber das mischschwarz unbestimmter zusammensetzung (Eisenoxid und verkohlungsprodukte), das im vollton die matte samtige schwärze des blickes in ein ofenrohr hat und aussieht wie gutes schwarzes pastell, und schön für schwarze lavuren geeignet, da es in der verdünnung keinen farbstich zeigt aber für (farb-)mischungen in wasserfarbe ungeeignet, da es die farbe zu sehr vergraut. Oxidschwarz ist vergleichsweise ziemlich langweilig (da einfach nur ***schwarz***), flammruss etwas besser weil lebendiger...

In ölbindung sieht die farbwirkung völlig anders aus, da ist das mischschwarz grottig, stumpf, weil es wohl oberflächenlicht braucht, um zu wirken und das oxidschwarz vorzuziehen, obwohl es sich neutral /langweilig verhält...

:winken:

Nach oben 18.12.2011, 01:51 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Ganz toll rommel! :daumen: Man sieht hier auch, dass sich die Schwarztöne ein klein wenig unterscheiden. Manche wirken etwas wärmer, manche etwas kälter.

Das Fließverhalten von Schwarz ist natürlich besonders interessant, es verhält sich ganz anders als die meisten anderen Pigmente, irgendwie "körperhafter". Beim Magnetit sieht man gut die Schaumbildung und die dadurch entstehenden Strukturen.

Hier mal ein Ausschnitt aus einer Untermalung. Diese wässrige Imprimitur habe ich aus einer Mischung aus Eisenoxidrot und Eisenoxidschwarz gemacht, auf hochwertigem Aquarellbüttenpapier, mit einem großen weichen Pinsel:
Dateianhang:
Imprimitur Eisenoxidschwarz-Eisenoxidrot.jpg

Da sich die beiden Pigmente recht unterschiedlich verhalten, wirken manche Stellen schwärzer, manche rötlicher... je nachdem, wie das Wasser gerade geflossen ist.

Es lohnt sich verschiedene Pinsel / Malwerkzeuge auszutesten, das Bild mal mehr oder weniger schräg zu halten, und auch mal mit Tensiden zu experimentieren. So lässt sich schnell und bequem das Bild mit einer lebendigen Struktur überziehen, die dann nach Bedarf übermalt und abgeschwächt werden kann. Es wird dabei nur sehr wenig Farbe gebraucht, wodurch der Malgrund in seiner Saugkraft nicht nennenswert beeinträchtigt wird.

Schwarz ist somit das perfekte Pigment zur Bildstrukturierung. Schade, dass ihm so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Vielleicht kann dieser Thread aber was daran ändern! ;)

So, dann werde ich mich gleich mal an das Titan- und Zinkweiß begeben. Zu diesen Farben gibt es auch einiges zu erklären, vor allem die Opaleszenz dieser Pigmente ist interessant.

Nach oben 18.12.2011, 13:12 Nach unten

Aquarell, Acryl, Öl, PC

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
joa, danke für das *Schwarz-Thema*, super Beiträge!

Ich persönlich liebe Schwarz, kann mich aber für keine Seite entscheiden.

Es gibt Bilder da nehm ich vorgemischtes Schwarz und andere da misch ich es selber. :hmm:

Bin gespannt wie es weitergeht ...

Nach oben 18.12.2011, 14:43 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
So liebe Leute, hier ein etwas bescheidener Farbtest, aber ich denke man kann erkennen was ich damit zeigen wollte:
Dateianhang:
Weiß.jpg

Alle Farben sind von Liquitex. Links ist immer Titanweiß, rechts Zinkweiß. Oben pastos, unten dünn lasiert. Auf drei verschiedenen Untergrundfarben.
Man sieht gut dass Titanweiß deckender ist als Zinkweiß. Deshalb wird Zinkweiß auch oft bewusst in Mischungen eingesetzt, dort wirkt es nicht so dominant und bringt die Farben besser zur Geltung.

Interessant ist, wie kalt das Weiß auf farbigen Untergründen wirkt. Vor allem auf braunen Untergründen lassen sich so tolle Grautöne erzeugen. Auch wirken Übergänge zwischen Rot und Weiß auf diese Weise nicht so kitschig rosa. Auf schwarzen Grund wirkt die Lasur sogar leicht bläulich. Noch besser sieht man dies hier:
Dateianhang:
Weiß2.jpg


Aber warum ist das so? Warum kann man Blautöne erzeugen, obwohl man gar keine blauen Pigmente benutzt? Nun, der Grund liegt in der Opaleszenz. Haben die Pigmente eine gewisse Größe (nicht zu klein und nicht zu groß) und sind etwas verteilt angeordnet, so dass das Licht dazwischen durchfallen kann, werden die unterschiedlichen Wellenlängen des Lichts in unterschiedliche Richtungen gestreut. Deshalb wirkt auch tagsüber der Himmel blau und abends rötlich, je nachdem wie die Sonne steht. Das Licht wird an den Teilchen in der Atmosphäre gestreut.
Gut sieht man diesen Effekt auch am Opalit, einem milchig weißen Halbedelstein:
Dateianhang:
Opalit.jpg

Bei Auflicht (oben) wirkt er leicht bläulich, bei Durchlicht (unten) intensiv orange-rötlich. Könnte man weiße Lasuren auf dem Bild auch von unten (also von der Bildfläche aus) betrachten, dann hätten diese auch diesen warmen Farbton.
Dieser Opaleszenz-Effekt ist auch bei noch nassen Acryl-Dispersionen oder Milch zu beobachten. Testet das ruhig mal aus!

Nach oben 18.12.2011, 15:11 Nach unten

unterschiedlich

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Sehr interessant, diese ganze Schwarz-Geschichte.
Samtiges Schwarz wie der Blick ins Ofenrohr... interessant, hätte ich gerne auch...
Verdammt, ich kann nicht mehr nachvollziehen welches schwarz sich in meinem Aquarellmalkasten befindet. Ich entsorge
nämlich sofort alle Umverpackungen.

Schade, dass mit dem Opal hätte ich gerne versucht in Natura nachzustellen... habe aber keinen. Aber die Bilder sind aussagekräftig.
Eigentest mit Zinkweiß kann ich auch nicht versuchen, habe nur Titanweiß.

Ich dachte, pastose Farben verwende ich nur, wenn ich sehr dicke Aufträge erzielen möchte?
Geht also auch für ganz normal "dicke" Farbaufträge.
Ist es dann besser im allgemeinen sich nur pastose Farben zuzulegen? Oder habe ich das missverstanden?

Benutzt Du ausschließlich die Farben von Liquitex und Lascaux? Oder die unterschiedlichen Farben, von unterschiedlichen Herstellern?

Liebe Grüße

Lili

Nach oben 18.12.2011, 15:29 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 18.12.2011, 15:29 Akasha hat geschrieben:
Schade, dass mit dem Opal hätte ich gerne versucht in Natura nachzustellen... habe aber keinen. Aber die Bilder sind aussagekräftig.

Ein Glas Milch funktioniert aber auch! ;) Eventuell etwas mit Wasser verdünnen, dann kann der Effekt deutlicher sein.

Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 18.12.2011, 15:29 Akasha hat geschrieben:
Ich dachte, pastose Farben verwende ich nur, wenn ich sehr dicke Aufträge erzielen möchte?Geht also auch für ganz normal "dicke" Farbaufträge.Ist es dann besser im allgemeinen sich nur pastose Farben zuzulegen? Oder habe ich das missverstanden?

Man kann ja beliebig mit Wasser verdünnen. Daher bevorzuge ich pastose Farben, mit denen kann ich alles machen. Und günstige Studienfarben enthalten in der Regel auch mehr Acrylbinder. Aber da Acrylbinder bzw. Malgel billiger sind als Farben, lohnt es sich bei Bedarf die pastosen Farben selber damit zu strecken.

Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 18.12.2011, 15:29 Akasha hat geschrieben:
Benutzt Du ausschließlich die Farben von Liquitex und Lascaux? Oder die unterschiedliche Farben, von unterschiedlichen Herstellern?

Von Lascaux benutze ich nur das Titanweiß, weil ich es häufig benutze und die Verarbeitbarkeit optimal ist. Von Liquitex benutze ich meist nur die Farben (also alles außer Titanweiß ;)), weil sie extrem rein und leuchtend sind.

Aber stellt ruhig mal die Farben anderer Hersteller rein, da gibt es bestimmt noch von mir unentdeckte Schätze! 8) Es kann sich ja keiner alle Farben kaufen!

Nach oben 18.12.2011, 15:38 Nach unten

unterschiedlich

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Ein Glas Milch tut's also auch... :grins:...so eins sollte sich finden lassen. Und dann einmal von unten anstrahlen und einmal von oben.
Hoffentlich kleben die Milchmoleküle nicht dicht auf dich aneinander, sonst aus der Traum vom großen leuchten. :wink:

Ah mensch, dass sagste mir jetzt, wo ich mir all diese Flaschen von Schmincke zugelegt habe.
Hätte ich das gewusst, hätte ich gleich auf pastose Farben zurückgegriffen. :dops:
Naja, in 10 Jahren dann, wenn alles aufgebraucht ist... kaufe ich mir die Tuben dann nach. :grins:
Schön, dass man hinterher immer schlauer ist. :roll:

Ich kann diesen Test nicht machen. Habe kein Schwarz und kein Zinkweiß. :mhh: Ich beleuchte dafür mein Glas Milch!
Welche Farbe ist dieser Blauton und dieser Braunton (beim Weiß-Test)?

Liebe Grüße

Lili :winken:

So, ich begebe mich zum Milchtest! Die Taschenlampe hat aber ein blaues LED-Licht... :mhh:

Nach oben 18.12.2011, 16:03 Nach unten

unterschiedlich

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
->Milchtest...

Bei Auflicht war die Milch tatsächlich bläulich, leider gibt dies mein Foto nicht so gut wieder.
Und noch weiter in die Milch abtauchen, wie Cleopatra, erschien mir mit Taschenlampe in der Hand nicht ratsam. :grins:

Das Ergebnis bei Durchlicht wird dafür eindeutig wiedergegeben.

Liebe Grüße

Lili :winken:

Nach oben 18.12.2011, 16:29 Nach unten

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 18.12.2011, 16:03 Akasha hat geschrieben:
Welche Farbe ist dieser Blauton und dieser Braunton (beim Weiß-Test)?

Der Braunton ist Siena gebrannt (PBr 7), der Blauton ist Coelinblau (PB 36).

Beitrag: Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften - 18.12.2011, 16:29 Akasha hat geschrieben:
Und noch weiter in die Milch abtauchen, wie Cleopatra, erschien mir mit Taschenlampe in der Hand nicht ratsam.

Hehe, dafür hätte es auch Eselsmilch sein müssen! :mrgreen:

Man sieht toll den Effekt, vor allem im Durchlicht! :daumen: Ihr seht, man kann gewisse Farbtests durchaus mit Lebensmitteln durchführen. Wer z.B. gerne die ganzen bunten Fruchtgummis nascht, der versteht genau was ich meine! :mrgreen:

Mal schauen wie viel Zeit ich in den nächsten Tagen habe, da möchte ich langsam zu bestimmten Farben übergehen. Wahrscheinlich zuerst Eisenoxidrot und -gelb. Neben ihrer Farbigkeit haben diese Pigmente noch andere nützliche Effekte. :)

Nach oben 18.12.2011, 17:29 Nach unten

unterschiedlich

Beitrag  Re: Experimentelle Ermittlung von Pigmenteigenschaften
Ah, Siena und Coelinblau dürfte ich haben.

Und Eselsmilch ist richtig. Aber diese müsste ich mir in diesen Breitengraden wohl aus dem Zirkus besorgen und Alternativen tun's auch.
Cleopatra hat bestimmt auch Kamelmilch, Stutenmilch oder ähnliches getestet. Ich glaube alles was Schönheit verspricht, damit wurde
sich gesalbt, in "das" hat man sich eingelegt... auch heute noch.:shock: :grins:

Bin gespannt wie es weitergeht. Den Test mit Titanweiß kann ich noch ausführen, außer auf schwarz.

Liebe Grüße

Lili :winken:

Nach oben 18.12.2011, 18:26 Nach unten
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