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 Frage zum Ölfarben anreiben 
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Beitrag  Frage zum Ölfarben anreiben
Hallo Ihr lieben Kritzler!

Ich habe mir vor einiger Zeit eine kleine Grundausstattung an Pigmenten zugelegt. Eigentlich für die Verwendung zur Eitempera - nun möchte ich aber auch mal versuchen mit Öl zu malen.
Nun lese ich dauernd, mann muss die Pigmente auf einer Glasplatte mit einem Stößel zerreiben. Muss das denn sein? Ich gebe ein paar Tropfen Leinöl auf einen Plastikdeckel streue die Pigmente drüber und die lösen sich sofort ohne reiben oder sonstiges auf - zu einer glatten Konsistenz. Warum soll ich eine Glasplatte verwenden und wozu brauch ich solch einen "Glasstößel"? Den hab ich gar nicht und denke ich brauche ihn auch nicht. Oder mach ich es komplett verkehrt?

Nach oben 24.09.2011, 18:02 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
wenn ich anreiben muss (aber für acryl) nehme ich ein stück einer fließe und verreibe die pigmente gründlich mit der flachen seiter einer spachtel.
inwiefern das nun einem glasläufer nachkommt :hmm:

udn hier mal 2 meinungen von pigmenttankstell und arte
Beitrag: Re: Farbe in der Tube watn dat??? - 06.09.2011, 07:33 pigmenttankstelle hat geschrieben:
Der Sache mit der Glasplatte und dem Läufer muss ich mal wieder heftig wiedersprechen. Plastikteller und Pinsel sind ausreichend. Ich war in den vergangenen zehn Jahren bei der Verarbeitung von etwa zwei Tonnen (2000 kg!) Pigmenten mehr oder weniger dabei. NIE habe ich erlebt, dass Farbe angerieben wurde. Es wurde immer nur angerührt. Das ist bei den heutigen Pigmenten vollkommen ausreichend.Frohes Schaffen!Wolfgang
Beitrag: Re: Farbe in der Tube watn dat??? - 06.09.2011, 09:41 arte60 hat geschrieben:
Hola Wolfgang,eigentlich will ich dir gar nicht widersprechen, ich tus aber trotzdem. Als ich noch in Schichten gearbeitet habe, also Tempera und Öl habe ich mir die Tempera auch immer selbst hergestellt und da reichte wie du schon sagst ein Plastikteller und Pinsel, aber bei der Zubereitung der Ölfarbe würde ich den Reiber vorziehen. Das Mischungsverhältnis und die Konsistenz der Farbe wird dadurch einfach besser.

Nach oben 24.09.2011, 18:39 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Glasplatte ist etwas angeraut .....Ich habe keine Ahnung ,aber ich könnte mir vorstellen dass dadurch besser sich verreibt.
Müsste auch andere angeraute Flächen passen-wie Steinplatte.......

Nach oben 24.09.2011, 20:20 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Hola Uschi,

es geht nicht darum das du die Pigmente zerreibst, die sind schon genügend zerrieben, aber die Verteilung des Bindemittels um die Pigmentkörner und die Konsistenz der fertigen Ölfarbe, wird nach meinen Erfahrungen einfach besser, wenn man die Farbe auf einer Glasplatte (und zwar einer die nicht angeraut ist, sonst hätte das ja auch keinen Sinn!) mit einem Glasläufer zubereitet. Zwingend notwendig ist das aber nicht, wenn du nur kleine Mengen von Farben zubereitest. Bei großen Farbmengen lohnt sich die Anschaffung aber schon…
Glasläufer
LG
Andreas :spanien1:

Nach oben 24.09.2011, 20:52 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Ach so, hab noch was vergessen! :hmm: Du kannst die Farben natürlich auch auf einer anderen glatten Oberfläche wie z.B. Resopal zubereiten, nur von weißer Farbe sollte sie sein… :logisch:

Nach oben 24.09.2011, 20:56 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Vielen Dank für Euere Antworten.

luceo, nimmst Du nur Acrylbinder oder gibst etwas anderes auch noch dazu? Ich habe zum Bspl. Carperol Acrylbinder. Damit könnt ich also mit meinen Pigmanten auch Acrylfarben anmischen.

Andreas vielen Dank genau das wollte ich wissen. Ich bereite ja nur klitzekleine Mengen zu.

Nach oben 25.09.2011, 08:17 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Andreas hat es zwar schon trefflich beschrieben, aber vielleicht hilft das:
Entgegen einer viel verbreiteten Meinung liegt der Sinn des Anreibens nicht darin, die Primärteilchen der Pigmente etwa noch weiter zu zerkleinern; diese liegen heutzutage von der Herstellung oder Aufbereitung her bereits in der so genannten optimalen Teilchengröße vor. Sofern beim Anreiben überhaupt noch Zerkleinerungsarbeit geleistet wird, sollen nur die beim Lagern entstandenen Zusammenballungen der Primärteilchen - zu so genannten Sekundäragglomeraten - zerstört und die Luft- und Feuchtigkeitshüllen ausgetrieben werden, die sich beim Transport und beim Lagern um die einzelnen Pigmente gebildet haben
Max Dörner: Malmaterial und seine Verwendun im Bilde, zwanzigste Auflage, ISBN 3-332-01465-X, Seite 32.

Mit anderen Worten: Die Knubbel müssen raus!

Wie intensiv das gemacht werden muss, ist abhängig vom Pigmente selbst und vom Bindemittel. Oft reicht Umrühren oder intensives Schütteln. Aber auch mit einer sehr glatten Fläche (Glas, Resopal, polierter Marmor....) und einem sauberen Spachtel oder einem Messer lässt sich die Malfarbe schön anteigen. Wer Spätzleteig glattrühren/-reiben/-schaben kann ist klar im Vorteil.

Selbstverständlich kann man aus den Pigmenten auch Acrylfarben machen. Voraussetzung: Sie sind dafür geeignet. Gute Pigmente haben die Angabe "Geeigent für Öl, Ac, Ei,...". "Ac" oder "A" stehen für die Eignung für Acryl. Uschi: Alle Pigmente, die Du von mir bekommen hast, sind für Acryl geeignet.

Frohes Schaffen!

Wolfgang

Nach oben 25.09.2011, 08:56 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Ich reibe die Pigmente auf einer Glasplatte mit einer Spachtel an. So kann ich auch sehr kleinen Mengen herstellen und die Dicke nach Bedarf beeinflussen.
Ich geniesse es jedes mal, :D erstens weil ich Leinöl so gerne rieche, zweitens weil es sich einfach toll anfühlt: eine ziemlich sinnliche Tätigkeit für mich :D .
Im Gegenteil zur Spätzleherstellung: das ist richtig harte Arbeit! :rofl:
lg Lilla

Nach oben 25.09.2011, 09:09 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Danke Dir Wolfgang für Deine gute Erklärung. Ich habe große Freude an meinen Pigmenten - es fasziniert mich dass ich nun selbst Acryl - Eitempera und Ölfarbe herstellen kann - je nach Lust und Laune ohne einen riesigen Berg an Tuben kaufen zu müssen. Ich kann das nur wärmstens empfehlen. Ich bin gerade in der Experementierphase und muss alles ausprobieren.

Lilla da stimme ich Dir zu - das herumschmieren mit den Pigmenten ist in der Tat eine wirklich angenehme Sache die ich auch richtig genieße.

Nach oben 25.09.2011, 13:21 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Binder und Pigmente mehr braucht es eigentlich nicht - eigentlich. Wenn du gaaanz zufällig noch Dispergiermittel für Acrylfarben rumstehen hast - schätze wohl nicht :lol: - dann kannst du das auch noch dazukippen.
Manche Pigmente setzen sich gerne, viel zu schnell wieder ab, trotz Acryltauglichkeit.

Nach oben 26.09.2011, 19:27 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Dispergiermittel oh Du meine Güte neiiiin - das hab ich grad nicht hier rumstehen. Habe heut mal mit Acrylbinder Pigmente angemischt - das funktioniert super. Diese selbstgemachte Acrylfarbe trocknet langsamer als gekaufte. Das ist eine wünschenswerte "Nebenwirkung"

Nach oben 26.09.2011, 19:35 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Beitrag: Re: Frage zum Ölfarben anreiben - 26.09.2011, 19:35 zauberflöte hat geschrieben:
Dispergiermittel oh Du meine Güte neiiiin - das hab ich grad nicht hier rumstehen. Habe heut mal mit Acrylbinder Pigmente angemischt - das funktioniert super. Diese selbstgemachte Acrylfarbe trocknet langsamer als gekaufte. Das ist eine wünschenswerte "Nebenwirkung"

hast du mit selbstgemachter Acrylfarbe auch keine Probleme, wenn du sie mit Wasser verdünnst? (oder malst du ausschließlich pastos?)
Sprich kein Pigmentabsinken?

Nach oben 27.09.2011, 15:01 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
hab einstweilen nur mal gespachtelt damit und kein Wasser zugegeben. Pigmentabsinken was`n dat? :shock:

Nach oben 27.09.2011, 15:22 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
wenn du Wasser mit Sand mischst, verteilt sich der Sand, setzt sich aber nach einiger Zeit wieder ab.
so auch die pigmente.
das ist bei mir am schlimmsten mit Chinacridonrosa und Phthalocyaningrün. Ohne anreiben, erkennt man sekunden nach dem Umrühren, dass sich die Pigmente abzusetzen beginnen (Oberfläche wird weißlich wie der Binder).
Anreiben minimiert das, meiner Erfahrung nach.

Nach oben 27.09.2011, 16:09 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Ah :logisch: dankeschön! Naja - ich steh ja noch ganz am Anfang und muss das alles erst lernen :D

Nach oben 27.09.2011, 17:06 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Oh was für ein interessanter Thread !!!! All meine Fragen werden nun beanwortet :dops:
Vielen Dank dafür !!

Ich interessiere mich - selbst in der Kennlern- & Experimenmtierphase - sehr für Pigmente
und habe mir eine Dose Caparol-Binder gekauft und mal zum testen 2 Pigmenttütchen gekauft.
Spannend das nun hier zu lesen.

Aber - und nun bitte lacht mich nicht aus -, so gerne wie ich einfach mal Pigmente und deren Verarbeitung erfahren möchte,
was ist daran soviel besser als fertige Faben zu nehmen ? :oops:

Nach oben 27.09.2011, 17:48 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Beitrag: Re: Frage zum Ölfarben anreiben - 27.09.2011, 17:48 Jeannie hat geschrieben:
was ist daran soviel besser als fertige Faben zu nehmen ?


-das ausschlaggebende wird wohl sein, dass du weißt was in den farben drin ist. keine füllstoffe etc. (sofern zu den pigmenten nichts hinzugemischt worden ist).

-man kann selbst bestimmen ob man die farbe lieber pastos haben möchte oder nicht und gleichzeitig lässt sich auch mit deckenden pigmenten einigermaßen lasieren, wenn man wenig pigmente zum jeweiligen bindemittel gibt.

-pigmente sind haltbarer

-mehr fällt mir gerade nicht ein :roll:

kontra.
-es staubt, wenn man nicht aufpasst
-aufwändig, zeitraubend...
-bei acryl verfälscht der noch nicht getrocknete, weißliche Binder die Farbe enorm. bei eitempera oft auch.

Nach oben 27.09.2011, 17:58 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Danke Lueco :knicks:
Du hast es mir nun wirklich leicht gemacht !
So hatte ich das auch vermutet, aber war so unsicher.

Nun freue ich mich erst Recht auf das experimentieren :frauenhighfive:

Nach oben 27.09.2011, 18:16 Nach unten

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
P.S. :
Muss noch mal nachtragen, dass ich mich nun freue zu experimentieren, weil ich es nicht unbedingt muss
um gescheite Farben zu bekommen (finde meine fertigen Farben nämlich prima)
Kann das mit den Pigmenten mal just for fun" machen :logisch:


Kann man eigentlich eine fertige Farbe mit Pigmenten verstärken, oder ist die Farbe dann übersättigt ?
Wenn zum Beispiel das Grün einen Hauch mehr gelblicher sein könnte, einfach ein paar gelbe Pigmente einmischen ? :logisch:

(ich hoffe die Frage ist nun nicht zu blöd :oops: .. hab noch keine Ahnung wieviele Pigmente auf wieviel Binder kommen darf)

Nach oben 28.09.2011, 07:05 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Frage zum Ölfarben anreiben
Hallo Jeannie,

man kann Pfannekuchen aus Mehl, Wasser, Milch und Eiern machen, und man kann fertige Pfannkuchenmasse in der Spritzflasche kaufen, die man nur noch in die Pfanne spritzen muss, (...... und man kann Pfannkuchen im Pfannkuchenhaus essen).

Was der wichtigste Aspekt ist, entscheidet jeder selbst. Geld sparen zum Beispiel - oder Freude am Experimentieren oder am Selbermachen. Wenn man Farben selbst anrührt/-reibt, kann man die Konsitenz selbst bestimmen. Fertige Acrylfarbe kannst Du mit Wasser verdünnen. Aber Du kannst sie nicht dicker machen - mit Pigmenten schon. Pigmente kannst Du in unterschiedlichen Bindemitteln verwenden und musst nicht für jedes Bindemittel, den kompletten Farbensatz kaufen. In der vergangenen Woche wurden bei einem Malkurs bei uns wieder viele Untermalungen mit Acrylbinder gemacht, wodurch sie wasserfest sind. Übermalungen in Tempera sind erst nach Wochen wasserfest. Also lassen sie sich wunderbar mit Schwamm und Wasserschlauch auswaschen. Diese Technik funktioniert nicht, wenn Du ausschließlich Acrylfarben hast (oder nur sehr eingeschränkt). Bei uns wurden die selben Pigmente in Acryl bzw. Tempera eingerührt.

Welche Möglichkeiten es gibt und wie sich die richtige Mischung "anfühlt", lässt sich an dieser Stelle nur schwer beschreiben. Da wäre ein Kurs bei einem erfahrenen Dozenten/Dozentin das richtige. Stattdessen kann man aber auch eigene Versuchsreihen machen, was durchaus seinen Reiz haben kann.

Pigmente kann man untereinander mischen, bevor man sie mit dem Binder mischt. Vorteil: Das Ergebnis ist dem fertigen Aufstrich ähnlicher als die "feuchte" Mischung. Man kann aber auch angerührte Fraben miteinander mischen, die sollten aber das gleiche Bindemittel haben - aber auch nicht grundsätzlich... Probieren geht über studieren!

Viel Freude dabei!

Wolfgang

Nach oben 28.09.2011, 09:20 Nach unten
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