"Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht." (Caspar David Friedrich)




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 Ein kleiner Farbkompass 
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Beitrag  Ein kleiner Farbkompass
Ich habe hier im Forum Einiges gelesen, das ich verwirrend fand.
Zur Löslichkeit von Aquarellfarben: Aquarellfarben sind Substanzfarben, keine Farbstoffe. Sie sind in Wasser unlöslich. Gießt man in Wasser gelöste Farbstoffe durch einen guten Filter, kommt unten gefärbtes Wasser raus, sofern die Farbstoffe in Wasser löslich sind. Bei Aquarellfarben kommt beim selben Vorgang klares Wasser unten raus. Weil A. Farben unlöslich sind. Man muss sich die Farbe als Staub oder feines Salz vorstellen, dass mit einem Bindemittel ( Klebemittel für den Untergrund) versehen wird. Bei Aquarell ist das Gummi Arabicum. Man nimmt dieses Zeug auch um Pudding steif zu machen, gibt's in jedem Reformhaus.
Wenn man von Löslichkeit spricht, meint man wie einfach oder schwer sich getrocknete Aquarellfarbe wieder "anlösen" lasst, also in den flüssigen Zustand malbar versetzen lässt. Es ist aber trotzdem ein in Wasser unlöslich verteiltes Pulver. Darum "fransen" auch die Ränder beim Aquarell so schön aus, weil durch die Oberflächenspannung des Wassers das Pigmentpulver eigenartig verteilt wird.

Die Transparenz von Aquarellfarbe:
Man malt lediglich transparent, d.h. der Maler trägt die Malschicht so dünn auf, dass die darunter durchscheint. Viele Aquarellfarben sind aber deckend. Darunter die wichtigsten Malfarben überhaupt: Alle Kadmiumtöne von zitrongelb bis dunkelrot. Transparenz bezieht sich nur auf die Technik, d.h. man wendet diese Farbe in der Regel dünn, sprich transparent an. Das technologische Mittel, also das Pigment ist oft deckend. Gute Hersteller geben das als Eigenschaft auch auf der Farbe an.
Im Grunde sind viele Aquarellfarben sehr deckend, deckend und halbdeckend.
Umgekehrt gibt es viele Wasserdeckfarben, die lasierend sind. Es ist schlicht physikalisch so.
Ob etwas Aquarell oder Gouache ist, bezieht sich auf die Technik, nicht auf die Technologie!

Lackfarben, Farblacke:
Mit Ersteren streicht man Türen, mit Letzteren bereichert man seinen Farbkasten, da handelt es sich nämlich um Kostbarkeiten, die sehr raffiniert hergestellt wurden. Töne von Farblacken kann man grundsätzlich nie aus den Grundfarben anmischen, weil sie zu eigenartig sind. Viele Farblacke sind aber nicht lichtbeständig, leider!
Es gibt aber Hersteller, die eine große Auswahl beständiger Farblacke anbieten, wie beispielsweise Old Holland.
Die kosten aber ihren Preis!
Bei einem Farblack wird ein natürlicher Farbstoff gewonnen ( z.B. Kuhurin beim echten Indischgelb). In einem zweiten Schritt wird Feldspat/Bariumsulfat ( muss man sich als weißes Gesteinsmehl vorstellen) genommen und mit diesem Farbstoff eingefärbt. Dieser Einfärbungsprozess wird dann mit speziellen Salzen fixiert, sodass das ursprünglich weiße Bariumsulfat jetzt dauerhaft "gefärbt" ist. So erhält man wieder ein Pigment, also eine Substanzfarbe. Die wird dann mit Bindemitteln wie Gummi Arabicum, Acrylleim, oder Leinöl versetzt und fertig ist die Künstlerfarbe.
Der bekannteste Farblack ist sicher Krapplack. Aber es gibt unzählige , einer schöner als der andere! Farblacke sind wirklich hochinteressante Töne, liegen preislich etwa im mittleren Bereich und sind natürlich nie so lichtecht wie Kadmiumtöne, aber sie sind niemals neutral. Farblacke sind wirklich klasse!
Fast alle sind transparent. Soweit ich weiß, auch in anderen Bindemitteln wie Acryl und Öl.

Oft stehen auf den Tuben auch Fantasienamen von Farben. Echtgelb, Neapelgelb, oder Mittelgelb. Das ist alles Quatsch!
Es gibt nicht das Pigment an.
Gut ist, wenn dort steht: Hansagelb, Kadmium..,Kobalt oder Azo. Obwohl das alles sehr gesundheitsschädlich ist, aber man beraucht es halt.

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Malfarben sind Pulver, die mit " Klebemitteln (Bindern)" versehen werden, die auf Bildgründen haften. Wenn die Farbe gut aussieht, sollte sie auch lichtbeständig sein. Dann ist sie tatsächlich gut!
Bindemittel ist dabei egal.

zugast

Nach oben 04.08.2010, 00:54 Nach unten

Beitrag  Re: Ein kleiner Farbkompass
Stimmt :daumen2: und schön verständlich hast Du es auch beschrieben.
Ich habe aber hier eigentlich nie bemerkt, das es grobe Verwechslungen gegeben hätte - :mrgreen: über Lackfarben bzw. Farblacke hab ich aber auch noch nie wirklich nachgedacht.... :rofl:

LG
Monika :winken:

Nach oben 05.08.2010, 08:55 Nach unten

Beitrag  Re: Ein kleiner Farbkompass
Das nenne ich mal eine wirkliche Hilfe.Ich habe mich bei Dir und Deinen Themen mal umgesehen und ich muß sagen,Du bist echt eine Berreicherung des Forums.Vielen Dank dafür

Nach oben 05.08.2010, 08:59 Nach unten

Beitrag  Re: Ein kleiner Farbkompass
Sehr interessanter Beitrag :!: :!: :!:

Gruß kujome

Nach oben 05.08.2010, 10:55 Nach unten
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Kleiner Tipp....

in Material-Tipps

mayjulie

2

100

15.07.2009, 19:24






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