"Meine Bilder sind klüger als ich." (Gerhard Richter)




 [ 168 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3, 4, 5, 6 ... 9  Nächste
 Eitempera 
Autor Nachricht

Beitrag  Re: Eitempera
Kann mir jemand sagen, welchen Vorteil Leinölfirnis gegenüber Leinöl hat?
Dörner bereitet die Eitempera mit Leinöl. Hier lese ich aber immer wieder Leinölfirnis.

Nach oben 13.01.2011, 10:56 Nach unten

Acryl, Öl, Aquarell

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Solarita!

Hier auf Seite 1 schreibt Pigmenttankstelle:
"Bei diesem Rezept sollte man Leinölfirnis verwenden. Das gibt es im Baumarkt und kostet auch weniger, als das Leinöl, das manchen in den Kartoffelsalat tun. Leinölfirnis enthält ein Sikkativ, das den Trocknungsprozess (also die Oxidation) beschleunigt."

Nach oben 13.01.2011, 11:35 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Das Eitempera schnell schlecht wird, wenn man kein Nelkenöl dazumischt, hab ich schon gelesen. Aber ein paar Tag im Kühlschrank reichen auch so denke ich.

Je nach Pigment, aber verallgemeinernd kann man sagen: je mehr Pigment desto pastoser. Hatte ich gestern (naja eigentlich heute) vergessen. :oops: Eigentlich logisch.

Und wie beinflusst der Öl bzw. Ölfirnisanteil die Farben? Gibst da Vorteile (zb Glanz, besser Verarbeitung)? Eventuell Nachteile?

Ích versuche mir da ein Bild von Eitempera zu machen, da ich zwschen 2 Bindemitteln entscheiden will. Entweder Acrylbinder oder Leinölfirnis. :mhh:

Nach oben 13.01.2011, 16:08 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Danke,hwilde
stimmt, das habe ich ja auch schon mal gelesen hier.
Aber, in der Ölmalerei benutzt man Leinölfirnis nicht, weil das noch mehr dunkelt als Leinöl.
??????

Nach oben 13.01.2011, 18:14 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Luceo non uro, Solarita, mel, hwilde und Eitemperafreunde,
eins nach dem anderen:

Zitat:
Ottonormalmischung 1:1:1 (Ei : Leinölfirnis : Wasser). Hat man dann eine magere, eher flüssige Mischung oder doch eher pastos?
Den Wasseranteil kann man natürlich noch Variieren (1:1:1-3), damit wird es logischerweise flüssiger.
Dann noch die Mischung 1:0,5:1. Weniger Leinölfirnis=magerer, und welche Maleigenschaften finde ich hier vor?


Achtung, nicht mager/fett und flüssig/pastos durcheinander bringen! Bei 1:1:1 hat man eine flüssige Mischung. Tut man Wasser hinzu, wird sie magerer, tut man Leinölfirnis dazu, wird sie fetter. Das ändert aber nichts an der Viskosität ("Flüssigkeit"), da Öl ähnlich flüssig ist, wie Wasser. Da das Huhn den Lecitinanteil im Eidotter reichlich bemssen hat, kann man einiges an Öl und/oder Wasser dazutun. Übertreibt man, bekommt man keine stabile Emulsion mehr - entmischt sich schnell.

Und überhaupt: Wenn Du nach dem Rezept für Eitempera fragst, kannst Du genauso nach DEM Rezept für Kartoffelsalat fragen. Du wirst ähnlich viele Antworten erhalten. Und fast alle Rezepte sind gut. Irgendwo ist es Geschmackssache, und probieren geht über studieren.

Die Pastozität steuerst Du durch die Menge der Pigmente in der Tempera. Nimm bei Deinen ersten Versuchen nur einen Spritzer Eitempera und rühre die Farbe dick an. Du kannst sie mit Tempera dann auch leicht flüssiger machen. Zur Herstellung der Tempera ist eine Spritzflasche (alte Ketup- oder Flüssigseifenflasche) optimal. Zum Vermischen reicht Schütteln, und man kann dann wunderbar dosieren.

Zitat:
Dann nur Eidotter und Wasser, kein Leinölfirnis. Oder umgedreht. Dotter mit dem gleichen Volumen an Leinölfirnis. Wie verhält es sich hier?

In der Ikonenmalerei wird nur der Dotter verwendet, der ja schon Öl und Wasser enthält. Siehe Kartoffelsalat...

Zitat:
Hat da jemand schon herumexperimentiert?

Ja, hat! Kennst Du Wolfgang Blanke? Wohnt ganz in Deiner Nähe in Kuhardt/Südpfalz. In Wolfgangs Atelier sieht es aus, wie in einer Apotheke. Alle seine Erfahrungen hier zu beschreiben würde zu weit führen. Es ist aber auch nicht erforderlich, weil er es in einem Buch schon selbst getan hat. Ich habe es weiter oben schon einmal empfohlen und tue es gerne noch einmal:

Wer gerne experimentieren möchte, dem sei das Buch von Wolfgang Blanke "Malen mit Pigmenten und variablen Bindemitteln" (2003, Knaur) empfohlen.
Wolfgang Blanke ist ein zeitgenössischer Künstler, der fast ausschließlich mit Eitempera malt:
http://wolfgangblanke.kulturserver.de/


Zitat:
Ich habs bisher nur mit Leinöl versucht, nicht mit Firnis. Geschüttelt gibt das eine eher flüssige Mischung. Wahrscheinlich wird es mit Leinölfirnis eher leicht cremig, aber auch nicht pastös. Mit Leinöl ist es für mein Empfinden schon recht fett.
Die mir am sympatischste Variante ist Eigelb mit Dammarfirnis und eventuel ein wenig Wasser. Dammer macht die Tempera auch magerer.


Leinölfirnis unterscheidet sich von Leinöl durch das Sikkativ. Sehr schön kann man das bei Wikipedia nachlesen: Leinölfirnis. Sikkativ ist ein Trocknungsstoff. Der Unterschied zwischen Leinöl und Leinölfirnis ist also eigentlich die Geschwindigkeit beim Trocknen. Als Sikkativ kann zum Beispiel Titandioxid dienen (als Katalysator) oder andere Metalloxyde. Das hat zur Folge, dass Eitempera mit Titandioxidweiss schneller trocknet, als mit anderen Pigmenten. Ganz negativ ist Dioxazinviolett. Damit trocknet die Farbe sehr langsam. Wenn wir am Ende eines Malkurses die Bilder der Malschüler verpacken, habe ich grundsätzlich violettfarbene Finger. Nie weisse.

Da nur ganz wenig Sikkativ in das Leinöl kommt, hat die Verwendung von Leinöl oder Leinölfirnis keinerlei Einfluss auf die Viskosität. Auch hinsichtlich der "Fettigkeit" macht es keinen Unterschied.

Zitat:
Vorsicht! Eitempera fault sehr schnell. Die Gefäße kann man hinterher nicht wieder für Eitempera gebrauchen, weils immer wieder schnell fault.

Das kann ich nicht bestätigen. Es trifft höchstens auf sehr heisse Sommertage zu. Der vielzitierte Dörner schreibt sogar, dass man Eitempera über ein Jahr aufbewahren kann. Nützlich sind dabei zwei Tropfen Nelkenöl pro Ei. Möglichst kühle Lagerung kann natürlich auch nicht schaden. Wir verwenden immer die gleichen Gefäße, ohne sie übermäßig gründlich zu spülen.

Zitat:
Solarita schreibt, daß Eitempera sehr schnell fault.
Aber wie ist das mit den Bildern?
Da passiert gar nichts?
Die Farben leiden nicht oder werden mit der Zeit unansehlich oder bröselig?
Ich kann mir das immer gar nicht vorstellen, daß das über Jahre hin hält!

Eitempera gibt es seit tausenden Jahren. Ölfarbe seit 500 und Acryl seit gut 50 Jahren. Es müsste also eher heissen: Kaum vorstellbar, dass Acryl so lange hält wie Eitempera. Dass Eitempera nach tausenden Jahren nicht nur ansehlich ist, sondern "wie neu", hat sie schon bewiesen. Acryl muss es erst noch beweisen. Wenn die Farbe aufgetragen ist, verdunstet das Wasser schnell und nichts fault oder bröselt. Was bindet ist das Öl. Vom Ei ist eigentilch nur das Lecitin wichtig.

Welche Vorteile die Eitempera gegenüber Ölfarbe hat, was die ölfarbentypische Rissbildung betrifft, habe ich in meinem ersten Beitrag auf der ersten Seite dieses Threads beschrieben.

Zitat:
Kann mir jemand sagen, welchen Vorteil Leinölfirnis gegenüber Leinöl hat?
Dörner bereitet die Eitempera mit Leinöl. Hier lese ich aber immer wieder Leinölfirnis.

Jetzt habe ich extra nochmal bei Dörner nachgeschaut, und dort steht tatsächlich nur Leinöl. Wenn wir von Problemen mit der Eitempera hören (telef. Notrufe), dann immer nur das, dass die Farbe nicht trocknet. Die Ursache ist dann, dass Leinöl statt Leinölfirnis verwendet wurde. Der Vorteil von Leinölfirnis ist also die schnellere Trocknung - immer noch viel langsamer als Acryl. Ausserdem bekommt man Leinölfirnis in der Regel günstiger im Baumarkt, als Leinöl im Reformhaus. Standöl, also in der Sonne getrocknetes oder gekochtes Leinöl, das auch gerne verwendet wird, ist eher dunkler als Leinölfirnis. Wir nehmen die Leinölfirnis von Kluthe, die ist recht hell und kommt wie Kritzelmeister aus Heidelberg.

Ansonsten hwilde und Solarita vielen Dank für die positiven Erfahrungsberichte!

Viel Freude mit der Eitempera!

Wolfgang

Nach oben 13.01.2011, 21:08 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Naja ein Buch wollte ich nicht jetzt auch noch kaufen.

Mhh ich habe mir gestern noch schnell Leinölfirnis gekauft, und gleich mal losgelegt. Habe allerdings eine fettere Mischung benutzt. 1 Ei : 3/4 Leinölfirnis : 1/4 H2O.
Als erstes die Untermalung mit Weiß. Nach dem "Trocknen" wurde die Oberfläche ölig. Keine Tropfen, aber ein dünner Film. Heute, ein Tag später bin ich mit einer anderen Farbe drübergegangen, und die Weiß Farbe hat sich wieder gelöst.

Meine Frage nun: Bin ich schon so nah an den Eigenschaften von Ölfarbe, dass ich länger warten muss bis es trocken ist?

Nach oben 14.01.2011, 18:46 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Luceo non uro,

die knapp 16,- EUR für das Buch wären für jemanden, der so experimetierfreudig ist wie Du, gut investiert.

Meinst Du mit Untermalung die Grundierung? Die wäre in Acryl (Fassadenfarbe) besser. Es ist nicht gut, gleich in der untersten Schicht eine dermaßen fette Mischung zu nehmen. Du weisst ja: Fett auf mager. Wenn Du so fett beginnst, nimmst Du Dir sämtliche Möglichkeiten, magerer zu werden.

Nochmal kurz zur Erinnerung: Eitempera trocknet in zwei Stufen. 1. Wasser verdunstet (innerhalb Minuten/Stunden), 2. Öl oxidiert (innerhalb mehrerer Wochen). Der Ölanteil verhält sich also wie reine Ölfarbe. Je höher der Ölanteil ist, umso mehr ähnelt die Tempera der Ölfarbe. Bei Deiner Mischung ist ja kaum Wasser dabei.
Sobald das Wasser einer Farbschicht anfängt zu verdunsten, und das kann innerhalb von Minuten sein, ist die Schicht übermalbar (mehr oder weniger vorsichtig). So lange der Ölanteil aber nicht durchoxidiert ist, ist er mit dem Pinsel durch Reiben aber wieder lösbar ("Nass in nass"). Du kannst also selbst steuern, ob sich eine vorangegangenen Schicht wieder anlöst.

Aber: Das muss bitte unter uns bleiben! Stell Dir vor, all die Acryl- und Ölmaler würden diesen Vorteil der Eitempera mitbekommen - es würde ja kaum noch jemand mit etwas anderem malen wollen, als mit Eitempera. Und dabei ist das nur ein einziger der vielen, vielen Vorteile, die Eitempera hat. Bei Chitosan-Tempera ist es übrigens ähnlich, allerdings geht alles etwas schneller.

Zwei Tipps noch:
Vor knapp einem Jahr hat der SWR in unserem Atelier die Herstellung von Eitempera gefilmt. Die Sendung ist im SWR-Onlinearchiv leider nicht mehr verfügbar. Aus urheberrechtlichen Gründen kann ich den Mitschnitt nicht öffentlich machen. Wer mir eine PN sendet, bekommt von mir aber einen Link zum Mitschnitt.

Wolfgang Blanke, der Autor des genannten Buches, stellt vom 4. bis 6. Feb. 2011 auf der Messe im Kunstgebäude am Schlossplatz in Stuttgart seine Blder aus. Falls jemand hingeht: Schönen Gruß von Wolfgang aus Enkenbach ausrichten!

Frohes Experimentieren!

Wolfgang

Nach oben 14.01.2011, 19:31 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Luceo, Wolfgang hat jetzt fast zeit gleich mit mir geantwortet. ich schick dir meinen Text trotzdem noch, obwohl Wolfgangs Meinung natürlich mehr zählt:
Hmmm, das ist schon ziemlich fett. Warum hast du den 3. Teil weggelassen?
Du hast das letzte viertel vom 2. Teil mit Wasser ersetzt. Warum hast du nicht noch einen Teil Wasser dazugegben? Willst du´s so fett haben? Klar, dann musst du natürlich auch länger.
warten. Es könnte aber auch sein, dass du nicht lange genug geschüttelt hast und das ganze nicht genug emulgiert ist. Dann könnte es so sein, das der Wasseranteil bereits verdunstet ist und der Rest eben entsprechend lange braucht. Ich schüttel mindestens 3 Minuten pro Anteil, also 3 mal 3 Minuten.
Ich hab heute auch wieder eine Emulsion gemacht.: 1 Ei, 1/2 Teel. Leinöl(sonneneingedickt) tröpfchenweise zugegeben,1/2 Teel. Dammarfirnis 1:2 und richtig lange geschüttelt. Ist auch eine prima Mischung geworden.

Nach oben 14.01.2011, 19:36 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo wolfgang
Beitrag: Re: Eitempera - 14.01.2011, 19:31 pigmenttankstelle hat geschrieben:
Meinst Du mit Untermalung die Grundierung? Die wäre in Acryl (Fassadenfarbe) besser. Es ist nicht gut, gleich in der untersten Schicht eine dermaßen fette Mischung zu nehmen. Du weisst ja: Fett auf mager.

Bei Deiner Mischung ist ja kaum Wasser dabei.

Nein keine Grundierung. Ich dachte: Im Ei ist auch noch viel Wasser... :roll: :lol:
"Wenn Du so fett beginnst, nimmst Du Dir sämtliche Möglichkeiten, magerer zu werden." Ja .... :bibber: entweder ist das Bild dann erst nächstes Jahr fertig :rofl: oder ich mir wir es zu bunt und ich schmirgel die Farbe weg.

Beitrag: Re: Eitempera - 14.01.2011, 19:31 pigmenttankstelle hat geschrieben:
Aber: Das muss bitte unter uns bleiben! Stell Dir vor, all die Acryl- und Ölmaler würden diesen Vorteil der Eitempera mitbekommen - es würde ja kaum noch jemand mit etwas anderem malen wollen, als mit Eitempera. Und dabei ist das nur ein einziger der vielen, vielen Vorteile, die Eitempera hat.

Naja dass man fett auf mager malen muss ist ein Nachteil :lol:

Hallo Solarita
Also soo lange habe ich das nicht geschüttelt :roll: Vieeeel kürzer..
Aber es trennt sich zumindest nicht mehr... :hmm:

Nach oben 14.01.2011, 20:35 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Luceo non uro,

Zitat:
Ich dachte: Im Ei ist auch noch viel Wasser...


Eben. Genau deshalb 1:1:1. Sonst müsste man ja noch mehr Wasser dazu geben.

Zitat:
Naja dass man fett auf mager malen muss ist ein Nachteil


Stimmt, das ist ein Nachteil. Aber kein Nachteil von Eitempera, weil es ja auf Acryl, Öl und alles andere zutrifft. Eher noch ein Vorteil von Eitempera, weil man damit auf Acryl malen kann und mit Öl übermalen.

Hallo Solerita, danke für die Blumen!

Schönes Wochenende!

Wolfgang

Nach oben 14.01.2011, 21:00 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Wolfgang,

vielen vielen Dank für all die tollen Informationen zu Eitempera und Deine ganze Geduld beim Erklären. Auch wenn ich mich hier bisher noch nicht gemeldet habe, ich lese immer fleißig mit, da ich auch schon angefangen habe, mit Eitempera zu experimentieren. Also danke nochmals. Und ich werde mir das vorgeschlagene Buch sicher anschaffen.

Liebe Grüße,

Michaela

Nach oben 14.01.2011, 21:05 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Beitrag: Re: Eitempera - 14.01.2011, 21:00 pigmenttankstelle hat geschrieben:
Aber kein Nachteil von Eitempera, weil es ja auf Acryl, Öl und alles andere zutrifft. Eher noch ein Vorteil von Eitempera, weil man damit auf Acryl malen kann und mit Öl übermalen.

Wenn man aber zum Beispiel sehr fein lasieren will, geht das nur wenn man mit viel Wasser verdünnt oder extrem wenig Pigment verwendet. Letzteres habe nun auch schon mit Weiß ausprobiert. Da blieb es (ei)gelbstichig. Funktioniert das nicht so gut?
Wenn eine sehr gerinige Verwendung von Pigmenten nicht klappt, dann bleibt nur noch Wasser. Und möchte ich nun eine Lasur gegen Ende des Malprozesse auftragen geht das nicht mehr. Oder ist da ein Denkfehler.

Muss die Oberfläche vollkommen trocken sein - also auch nicht ölig - bevor ich weitermal kann (ohne Nass in Nass Technik)?

Nach oben 14.01.2011, 21:35 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Luceo non uro,

tja, das sprichwörtliche "Gelbe vom Ei"...
Es ist ganz und gar nicht lichtecht. Bei Pigmenten wäre das ein Nachteil. Im Fall der Eitempera hat es den Vorteil, dass man nach kurzer Zeit nichts mehr davon sieht.

Zum Lasieren kann man daher einfach viel Eitempera und wenig Pigmente nehmen. Die Tempera im ganz normalen Mischungsverhältnis.
Für diejenigen, die hier mitlesen (winke, winke Michaela) und sich noch nicht richtig rantrauen: Ein ganzes Ei, das sind etwa 50 ml (oder 5 Eier = 250 ml, ein Viertel Liter). Dazu die entsprechende Menge (50 ml/250 ml) Leinölfirnis und genauso viel Wasser. Das wäre die Standard-Ei-Tempera.

Zur Oberflächentrockenheit, Fettigkeit und dazu, ob man nicht doch bissl-weniger-fett auf etwas-fetter auftragen kann, ist es schwierig hier zu schreiben und alles zu beschreiben. Daher einfach Experimentieren (Probeaufstriche auf ein Stück Stoff) und die Vielseitigkeit von Ei-Tempera kennen lernen. Ein wenig Geduld gehört aber auch dazu. Wenn man zum Beispiel 3000 Jahre wartet (warten kann) erfährt man, wie haltbar Ei-Tempera ist.

Ich freue mich darauf, Luceo non uro, dass Du Deine Erfahrungen weiterhin hier beschreibst.

Frohes Schaffen!

Wolfgang

Nach oben 14.01.2011, 22:13 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Beitrag: Re: Eitempera - 14.01.2011, 22:13 pigmenttankstelle hat geschrieben:
Hallo Luceo non uro,

tja, das sprichwörtliche "Gelbe vom Ei"...
Es ist ganz und gar nicht lichtecht. Bei Pigmenten wäre das ein Nachteil. Im Fall der Eitempera hat es den Vorteil, dass man nach kurzer Zeit nichts mehr davon sieht.

Aber wie gesagt, mein "Weiß" trotzdem gelbstichig :mhh:

Ich denke ich schleife mein fettiges Bild ab. :roll: Ein Grund habe ich dir per PN geschrieben.

Nach oben 14.01.2011, 23:01 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera
Zitat:
Aber wie gesagt, mein "Weiß" trotzdem gelbstichig


Geduld, Geduld, Geduld! O.K., 3000 Jahre ist etwas viel verlangt. Beim Gelbstich ist es aber auch nicht ganz so viel. Doerner geht auf die Dauer auch nicht genauer ein, sondern schreibt lediglich: Die durch den Eifarbstoff anfänglich hervorgerufene Gilbung wird nach einiger Zeit durch Licht zerstört.

Jetzt hab´ ich extra mal nachgeschaut: Der orangefarbene Farbstoff im Dotter heisst Lutein und kommt auch in vielen Pflanzen vor. Man kann ihn durch Kochen zerstören, mit schwefliger Säure und durch Warten. Für die Malerei empfiehlt sich letzteres, weil es nicht sehr lange dauert. Im Weiss fällt er halt deutlicher auf, als in anderen Farben, was sich aber spätestens nach ein paar Tagen (nicht Stunden) gegeben haben sollte. In manchen Fällen kann ein gewisser Gelbstich auch von der Leinölfirnis kommen, ähnlich wie bei reiner Ölfarbe.

Ich hoffe, das war jetzt nicht das Ende Deiner Begegnung mit der Eitempera. Das schnelle Abschleifen oder auch Übermalen ist etwas, was wir bei MalschülerInnen leider allzu oft beobachten müssen. Professionelle Maler machen sowas eher nicht. Sie versuchen aus einem scheinbar misslungenen Versuch etwas positives zu machen - manchmal nach einiger Wartezeit. Der Begriff Serendipität, den ich in diesem Forum an anderer Stelle schon erwähnt habe, geht mir dabei durch den Kopf.

Frohes Schaffen!

Wolfgang

Nach oben 15.01.2011, 07:40 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Beitrag: Re: Eitempera - 15.01.2011, 07:40 pigmenttankstelle hat geschrieben:
Zitat:
Aber wie gesagt, mein "Weiß" trotzdem gelbstichig



Jetzt hab´ ich extra mal nachgeschaut: Der orangefarbene Farbstoff im Dotter heisst Lutein und kommt auch in vielen Pflanzen vor. Man kann ihn durch Kochen zerstören, mit schwefliger Säure und durch Warten. Für die Malerei empfiehlt sich letzteres, weil es nicht sehr lange dauert. Im Weiss fällt er halt deutlicher auf, als in anderen Farben, was sich aber spätestens nach ein paar Tagen (nicht Stunden) gegeben haben sollte. In manchen Fällen kann ein gewisser Gelbstich auch von der Leinölfirnis kommen, ähnlich wie bei reiner Ölfarbe.

Ich hoffe, das war jetzt nicht das Ende Deiner Begegnung mit der Eitempera. Das schnelle Abschleifen oder auch Übermalen ist etwas, was wir bei MalschülerInnen leider allzu oft beobachten müssen. Professionelle Maler machen sowas eher nicht. Sie versuchen aus einem scheinbar misslungenen Versuch etwas positives zu machen - manchmal nach einiger Wartezeit. Der Begriff Serendipität, den ich in diesem Forum an anderer Stelle schon erwähnt habe, geht mir dabei durch den Kopf.

Frohes Schaffen!

Wolfgang

Ich merke ich bin wirklich an die "Schnelligkeit" von Acryl gewöhnt. Das merke ich auch beim Malen. Speedpainting...
Nun ganz lasse ich es mit Eitempera nicht sein. Aber bei jedem Bild bei dem ich ein schönes Grün benötige (da mir das Grün aus meinen Pigmenten nicht gefällt) verwende ich doch lieber Acrylfarbe. (Nur deswegen muss ich das Bild abschleifen)
Eitempera wäre dann für den Schlussanstrich da...

Nach oben 15.01.2011, 14:37 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo!

Auch ich möchte euch danken, für die vielen Tipps und tollen Rezepte zum Thema Eitempera!
Ich lese zwar hier nur mit und habe es selbst noch nicht probiert, aber es juckt mich immer öfter in den Fingern, es doch noch zu probieren. Vielleicht nicht gleich, aber sicher bald....

Danke und :winken:

Nach oben 16.01.2011, 08:26 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Also ichlese hier auch ganz gespannt mit und will das auch unbedingt ausprobieren ....habe alle Zutaten zu Hause .......Der Buchtip ist super, werde ich mir auf jeden Fall kaufen ....ich suche schon sehr lange nach einem guten Buch zu diesem Thema ....vielen Dank fuer all die sehr interessanten Beitraege .

:winken:

Nach oben 17.01.2011, 11:25 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Eitempera
Beitrag: Eitempera - 10.04.2010, 13:16 gigirouge hat geschrieben:
Eitempera eignet sich besonders gut für Porträtmalerei oder Landschaften.

Wikipedia hat geschrieben:
Eitempera ist ein leuchtstarkes und farbintensives Malmittel.
Sie wird aus einem Teil Eigelb, einem Teil Leinöl und einem Teil Wasser hergestellt. Je mehr Pigment verwendet wird, desto stärker ist die Deckkraft. Zur Eindickung kann man Chamois-Kreide verwenden. Eitemperafarben werden traditionell zum Malen von Ikonen und als Untermalung von Ölbildern in Lasurtechnik verwendet, fanden aber auch schon im Altertum, etwa bei Mumienporträts, Verwendung. In der Geschichte der Malerei ist die Eitempera die älteste Form, die Farbpigmente mit einem Malmittel zu binden. In verschiedenen Lehrbüchern über Malerei findet man auch Variationen, aber die Grundlage der Eitempera ist die Verbindung von Ei und Öl. Ei ist ein natürliches Emulgat, vergleichbar mit Milch, Blut oder dem Saft von Wolfsmilchgewächsen. Ein Emulgat ist eine gleichmäßige Mischung von fetthaltigen Flüssigkeiten mit wasserhaltigen Flüssigkeiten. Die gleichmässige Verteilung der ölhaltigen Teile und wasserhaltigen Teile in der Mischung wird als „temperierte Mischung“ bezeichnet, daher die Bezeichnung des Malmittels.
Quelle: Wikipedia - Eitempera

Hier ein einfaches Rezept zur Herstellung von Eitemperafarbe:
Bitte ein frisches Ei aussuchen!
Die Maßeinheit ist der Inhalt aus einem Ei.
Das ganze Ei vermische ich mit der gleichen Menge Leinölfirnis.
Am besten schlage ich die beiden Zutaten kräftig mit einem Rührbesen.
Ist es gut vermischt, für ich 1 bis 3 Ei-Maßeinheiten an Wasser hinzu.

Bitte immer diese Reihenfolge einhalten!

Um auszuprobieren, ob die Mischung stimmt, kann ich die Eitempera auf ein Stück
Papier streichen. Trocknet sie ohne Fettrand, ist es richtig.
Nun können Pigmente mit der Eitempera angerieben werden.

Es gibt noch sehr viel kompliziertere Arten, eine Eitemperafarbe anzumischen.
Wer daran interessiert ist, melde sich bitte bei mir per PN.

Ich habe früher bei einem Künstler das Malen mit Eitempera gelernt, es aber völlig aus den Augen verloren. Wir malten damals Bilder nach William Turner in dieser Technik.
Zuerst wurde das Papier mit dünnem schwarzen Tee eingefärbt, dann malten wir mit Eitempera Farben, dann darauf mit stark verdünnten Acrylfarben.
Das Ergebnis war beeindruckend. Die Farben durchscheinend und von großer Leuchtkraft.


Vielen, vielen Dank - Lg. Anneliese

Nach oben 23.01.2011, 21:52 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
:mhh: meine Eitempera trennt sich neuerdings nach 1-2 Stunden wieder - oder zumindest teilweise. Wieso das denn?

Erst Ei und ÖL vermischen und dann Wasser. Und schütteln tue ich auch bis mir der Arm abfällt. :gruebel: :hmm:
Weiß jemand weiter?

Nach oben 04.03.2011, 18:30 Nach unten
 [ 168 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3, 4, 5, 6 ... 9  Nächste

 Ähnliche Themen 
 Thema   Autor   Antworten   Zugriffe   Erstellt 
Eitempera Lernvideo jetzt bei Geistreich Lernen.

in Links, Online- und TV-Tipps

pigmenttankstelle

3

679

05.08.2013, 19:43

Fragen zu Eitempera

in Material-Tipps

GoldSeven

9

579

28.06.2013, 13:08

Eitempera, zwei Fragen haette ich ...

in Material-Tipps

Irish

13

491

20.06.2013, 18:56

Ei, so einfach kann man Eitempera selbst machen - Video

in Material-Tipps

pigmenttankstelle

9

1136

10.05.2013, 08:36

Eitempera Video von Schmincke

in Material-Tipps

pigmenttankstelle

27

963

06.05.2013, 07:42

wie lange ist Eitempera haltbar ?

in Material-Tipps

Irish

17

1002

17.04.2013, 09:33

Eitempera to go

in Material-Tipps

Augenschokolade

11

346

11.08.2012, 13:01

Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle

in Material-Tipps

Umaso

32

1221

30.05.2012, 17:37

Toller Artikel über Eitempera

in Links, Online- und TV-Tipps

pigmenttankstelle

6

646

20.05.2010, 17:59






© Kritzelmeister.de • Alle Inhalte, Bilder und Werke sind Eigentum der entsprechenden Rechteinhaber und dürfen ohne ausdrückliche Genehmigung nicht verbreitet bzw. kopiert werden!