"Oft trifft man wen, der Bilder malt - viel selt'ner wen, der sie bezahlt." (Wilhelm Busch)




 [ 168 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4, 5 ... 9  Nächste
 Eitempera 
Autor Nachricht

Öl, Pastell, Acryl, Bleistift,

Beitrag  Eitempera
Eitempera eignet sich besonders gut für Porträtmalerei oder Landschaften.

Wikipedia hat geschrieben:
Eitempera ist ein leuchtstarkes und farbintensives Malmittel.
Sie wird aus einem Teil Eigelb, einem Teil Leinöl und einem Teil Wasser hergestellt. Je mehr Pigment verwendet wird, desto stärker ist die Deckkraft. Zur Eindickung kann man Chamois-Kreide verwenden. Eitemperafarben werden traditionell zum Malen von Ikonen und als Untermalung von Ölbildern in Lasurtechnik verwendet, fanden aber auch schon im Altertum, etwa bei Mumienporträts, Verwendung. In der Geschichte der Malerei ist die Eitempera die älteste Form, die Farbpigmente mit einem Malmittel zu binden. In verschiedenen Lehrbüchern über Malerei findet man auch Variationen, aber die Grundlage der Eitempera ist die Verbindung von Ei und Öl. Ei ist ein natürliches Emulgat, vergleichbar mit Milch, Blut oder dem Saft von Wolfsmilchgewächsen. Ein Emulgat ist eine gleichmäßige Mischung von fetthaltigen Flüssigkeiten mit wasserhaltigen Flüssigkeiten. Die gleichmässige Verteilung der ölhaltigen Teile und wasserhaltigen Teile in der Mischung wird als „temperierte Mischung“ bezeichnet, daher die Bezeichnung des Malmittels.
Quelle: Wikipedia - Eitempera

Hier ein einfaches Rezept zur Herstellung von Eitemperafarbe:
Bitte ein frisches Ei aussuchen!
Die Maßeinheit ist der Inhalt aus einem Ei.
Das ganze Ei vermische ich mit der gleichen Menge Leinölfirnis.
Am besten schlage ich die beiden Zutaten kräftig mit einem Rührbesen.
Ist es gut vermischt, für ich 1 bis 3 Ei-Maßeinheiten an Wasser hinzu.

Bitte immer diese Reihenfolge einhalten!

Um auszuprobieren, ob die Mischung stimmt, kann ich die Eitempera auf ein Stück
Papier streichen. Trocknet sie ohne Fettrand, ist es richtig.
Nun können Pigmente mit der Eitempera angerieben werden.

Es gibt noch sehr viel kompliziertere Arten, eine Eitemperafarbe anzumischen.
Wer daran interessiert ist, melde sich bitte bei mir per PN.

Ich habe früher bei einem Künstler das Malen mit Eitempera gelernt, es aber völlig aus den Augen verloren. Wir malten damals Bilder nach William Turner in dieser Technik.
Zuerst wurde das Papier mit dünnem schwarzen Tee eingefärbt, dann malten wir mit Eitempera Farben, dann darauf mit stark verdünnten Acrylfarben.
Das Ergebnis war beeindruckend. Die Farben durchscheinend und von großer Leuchtkraft.

Nach oben 10.04.2010, 13:16 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Wow toll William Turner finde ich genial.Die Technik muss ich unbedingt mal probieren wenn ich Fragen habe,weiss ich ja wen ich fragen kann.Danke für die tollen Rezepte.Muss ich mir ausdrucken co :winken: co

Nach oben 10.04.2010, 17:41 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Eitempera
da hast du dir wirklich viel arbeit gemacht! sehr lobenswert!!! meistens bevorzuge ich die primamalerei, aber da ich gerne experimentiere, finde ich dein thema sehr interessant. habe selbst noch keine erfahrungen mit eitempera gemacht, da ich einfach zu faul bin mir soetwas herzustellen. im boesnerkatalog wird eine angeblich "echte feinste künstler-eitempera" von sennelier in tuben angeboten, die durch einen gärungshemmer haltbar gemacht wurde. bin aber irgendwie etwas misstrauisch. hat schon mal jemand erfahrungen damit gemacht?
lg Joachim

Nach oben 11.04.2010, 09:25 Nach unten

mein mann

Beitrag  Re: Eitempera
ich mal ja gar nicht und so professionell schon überhaupt nicht. hab nur peripher auch grad damit zu tun.
und deshalb finde ich deine ausführungen äußerst interessant.

danke dafür! Bild

Nach oben 11.04.2010, 10:16 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo zusammen!

Vielleicht liegt es daran, dass die Eitempera das älteste Malmittel sein dürfte, das zufällig entstand, als ein Ei auf einen ockerhaltigen Boden viel: Es gibt jede Menge falsche Aussagen darüber. Gleichzeitig ist Eitempera das modernste Malmittel, das es gibt, es ist nämlich eine wasserlösliche Ölfarbe. Geräte können mit Wasser statt mit Terpentin gereinigt werden, und der Terpentingestank entfällt. Es ist ein vollwertiger Ersatz für Öl- und Acrylfarben.

Mir seien ein paar kleine Korrekturen an den vorausgegangenen Beiträgen erlaubt:

- gleich im ersten Satz steckt ein Missverständnis. Eitempera eignet sich zwar grundsätzlich für jede Art der Malerei, aber gerade bei der Porträtmalerei kommen die Nachteile ins Spiel. Farben, die mit Eitempera gebunden sind, neigen dazu ihre Helligkeit in mehr oder weniger Nuancen zu verändern. Je nach Pigment ins helle oder ins dunkle. Das ist gar kein Problem, wenn man sich gut mit den Farben auskennt und weiss, wie sie sich verändern. Fehlt diese Erfahrung, tut man sich etwas schwer, wenn man ein Portrait realistisch wiedergeben möchte. Dies ist der Grund, warum vor etwa 500 Jahren damit begonnen wurde, die Untermalung (Landschaft hinter der Mona Lisa) in Eitempera zu machen und das Portrait in Öl.
Ei, Öl und Acryl lassen sich wunderbar kombinieren, wenn man beachtet: Fett auf mager. Acryl ist das magerste, Öl das fetteste und die Eitempera liegt dazwischen. Also niemals Acryl auf Öl oder auf Eitempera. Andersrum gehts.
Übrigens hat die Eitempera auch einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Ölfarben. Beim Trocknen verdunstet das Wasser recht schnell, und die Farbe ist oberflächentrocken. Innerhalb von sechs Wochen oxidiert der Ölanteil, genau wie bei der Ölfarbe, und die Farbe härtet damit aus. Oxidieren bedeutet, dass sich Sauerstoffatome an die Ölmoleküle anlagern. Das kann dann bei der Ölfarbe eng werden und führt zu der bekannten Rissbildung. Bei der Eitempera nehmen die vergrößerten Ölmoleküle den Platz ein, den die verdunsteten Wassermoleküle hinterlassen haben, und Rissbildung ist fast ausgeschlossen.

- Der Beitrag bei Wikipedia ist überarbeitungsbedürftig, vielleicht werde ich mir mal die Zeit nehmen. Ich würde Eitempera nicht als Malmittel, sondern als Bindemittel, wie Öl oder Acryl bezeichnen. Die Leuchtkraft und die Intensität hängen weniger vom Bindemittel ab, als von den verwendeten Pigmenten, ebenso die Lichtechtheit. Fertige Bilder mit Eitempera sind etwas matter als Ölbilder, was sich heutzutage aber ändern lässt, wenn man nach dem Ausoxidieren, also nach sechs Wochen, ein glänzendes Firnisspray aufträgt. Dann ist Eitempera kaum von Ölfarbe zu unterscheiden.
Ein ganz grober Fehler: Eitempera ist natürlich nicht die Verbindung von Ei und Öl, sondern die Verbindung von Wasser und Öl. Das ist etwas, was eigentlich nicht geht, weil sich Öl und Wasser eben nicht verbinden. Vor diesem Problem stand wohl auch das Huhn. Im Ei sind Öl und Wasser erforderlich, und damit das funktioniert, tut das Huhn Lecitin dazu. Lecitin ist hier der Emulgator, der eine Öl-Wasser-Emulgation ermöglicht. Bei der Milch, die bekannlicht aus knapp vier Prozent Fett und hauptsächlich Wasser besteht, ist der Emulgator das Kasein. Wir kennen ja auch die Kaseinmalerei....
Bei der Ikonenmalerei wird traditionell nur der Eidotter verwendet, der eine optimale Tempera darstellt. Verlängern kann man mit Leinölfirnis und Wasser, weil im Dotter reichlich Lecitin vorhanden ist.

- Zum Rezept: Das Ei muss nicht unbedingt legefrisch sein. Es reicht, wenn es so frisch ist, dass man es auch noch essen würde. Der Lecitingehalt nimmt allerdings mit der Zeit etwas ab. Viel wichtiger ist es darauf zu achten, dass das Ei von einem glücklichen Huhn kommt! Kein Tier soll leiden, damit wir malen können!!!
Optimal sind also Eier aus dem Reformhaus. Was man dort aber getrost stehen lassen kann, ist das Leinöl. Hier ist ein Fehler im Rezept. Bei diesem Rezept sollte man Leinölfirnis verwenden. Das gibt es im Baumarkt und kostet auch weniger, als das Leinöl, das manchen in den Kartoffelsalat tun. Leinölfirnis enthält ein Sikkativ, das den Trocknungsprozess (also die Oxidation) beschleunigt.
Zubereitung und Reihenfolge der Zutaten kann man auch im Kochbuch nachschauen, unter Mayonnaise. Wir verwenden standardmäßig die gleichen Raumteile (Volumenmenge) ganzes Ei, Leinölfirnis und Wasser. Mit der Menge der Pigmente, die eingerührt werden, kann man bestimmen, ob die Farbe lasierend oder teigig wird. Das Gelbe vom Ei hat übrigens keinen Einfluss auf die Farbe, es verflüchtigt sich. Weiss wird also weiss und nicht gelbstichig.
Eine weitere Zutat verlängert gerade im Sommer die Lebensdauer der angerührten Eitempera, nämlich ein paar Tropfen Nelkenöl. Angeblich hält sie sich im Kühlschrank dann bis zu einem Jahr.
Ein großer Vorteil der Eitempera: Man macht immer die erforderliche Mange an, ob mit einem oder mit zehn Eiern, und man rührt die Menge von Farbe an, die man benötigt. Dadurch gibt es kaum vertrocknende Farbreste, wie besonders bei den Acrylfarben. Das Pigmentpulver ist nahezu unendlich haltbar. Drei Liter Eitempera (damit kommt man schon sehr weit) kosten über den Daumen 10,- EUR. Wenn man dann die Pigmente günstig einkauft, gibt es kaum etwas preiswerteres. Angerührte Eitempera (also mit Prigment) kann man einige Tage aufbewahren, wenn man sie mit etwas Wasser "deckelt", das man später wieder abschüttet.
Übrigens braucht man den Geruch von faulen Eiern nicht zu fürchten. Sobald die Eitempera auf den Malgrund aufgetragen ist, trocknet sie und riecht allenfalls noch ein paar Wochen nach Leinölfirnis, was durchaus als angenehm empfunden werden kann.
Der Begriff "Anreiben" wird gerne für das Einrühren der Pigmente in die Tempera verwendet, es ist aber nicht erforderlich, auf einer Glasplatte zu reiben, sondern es reicht, wenn man Pigmente und Tempera mit einem Pinsel auf einer Palette oder einem Teller umrührt. Wenn die Pigmente sich nicht gut mit der Tempera vermischen, gibt man ein paar Topfen Spiritus dazu. Allerdings muss man darauf achten, dass die Pigmente für "Ei" geeignet sind. Bei guten Pigmenten wird das auf der Packung angegeben.

- zu JoachimL: Warum viel Geld für sogenannte Eitempera oder wasserlösliche Ölfarbe ausgeben, wenn´s selbstgemacht so einfach und preiswert geht?

Mit Eitempera, die langsamer trocknet als Acryl und schneller als Öl, lassen sich interessante Effekte durch Auswaschungen, Auskratzungen usw. erzielen, die mit anderen Malmitteln nicht unbegint möglich sind.

Und noch zwei Tipps:
Wer gerne experimentieren möchte, dem sei das Buch von Wolfgang Blanke "Malen mit Pigmenten und variablen Bindemitteln" (2003, Knaur) empfohlen.
Wolfgang Blanke ist ein zeitgenössischer Künstler, der fast ausschließlich mit Eitempera malt:
http://wolfgangblanke.kulturserver.de/
Eine weitere zeitgenössische Malerin die ausschließlich mit Eitempera malt, und bei der man das Malen mit Eitempera in Kursen erlernen kann ist Veronika Olma: http://www.olma.de

Ich hoffe, mein Beitrag, der jetzt doch etwas ausführlich geworden ist, hilft, der Eitempera zu neuer Geltung zu verhelfen.
Fragen dazu beantworte ich in diesem Forum gerne.

Wolfgang Löster

Nach oben 28.04.2010, 10:33 Nach unten

acryl

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Wolfgang,

vielen Dank für diese ausfürliche Beschreibung. Da ich Probleme mit Ölfarben habe und Acryl für manche Vorhaben einfach zu schnell trocknet
werde ich mich mit Sicherheit damit auseinandersetzen. Da ich seit langer Zeit Pigmente bevorratet habe aber nie wirklich eingesetzt, weiß ich jetzt wenigstens für was ich sie gut gebrauchen kann :D .

Liebe Grüße Barbara

Nach oben 30.04.2010, 12:35 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Ich würde gerne Wissen,wie man bei einer Ikone Grundiert.Wäre toll wenn die Antwort schnell kommt :knuddelbunt: ich stehe schon in den Startlöchern,da ich meine Eitempera schon gemacht habe
Danke co :winken: co

Nach oben 02.05.2010, 18:59 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera
Beitrag: Re: Eitempera - 02.05.2010, 18:59 coco coconing hat geschrieben:
Ich würde gerne Wissen,wie man bei einer Ikone Grundiert.Wäre toll wenn die Antwort schnell kommt :knuddelbunt: ich stehe schon in den Startlöchern,da ich meine Eitempera schon gemacht habe
Danke co :winken: co


Hallo Coco,

willst Du Ikonen ganz klassisch malen? Ein Spezialist dafür ist Leo Pfisterer: http://www.leopfisterer.com/.
Auf seiner Seite gibt es eine interessante FAQ-Seite: http://www.leopfisterer.com/ikonen/faq.htm. Dort empfiehlt er einen Kreidegrund aus "tierischem Warmleim" und Kreide. Vor Dispersions- (Acryl-)gründen warnt er. Es gibt auch ein Lieferantenverzeichnis. Haut- und Knochenleim gibt es bei boesner.

Bei unserem Eitemperarezept, das ich hier auch schon veröffentlicht habe, verwenden wir auf Baumwolle ohne Probleme eine Acrylgrundierung, oft sogar eine Fassadenfarbe (nicht die teuere mit Silikon!). Innen-Wandfarbe ist nicht geeignet, weil zu wenig elastisch.

Hinweisen möchte ich noch auf folgenden Kurs von Leo Pfisterer: http://www.kapuziner.de/rwprov/zell/hdb/meldungen/08ikonenmalkurs.php an Pfingsten in Zell am Harmersbach bei Offenburg. Schlappe 220,- EUR für neun Tage Kurs. Unterkunft und köstliche Vollverpflegung kosten 38,- EUR/Tag. Ich weiss das, weil wir selbst dort auch Kurse in Malerei mit Eitempera veranstalten.

Viel Erfolg!

Wolfgang

Nach oben 03.05.2010, 15:56 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Danke Wolfgang,ich konnte es gestern nicht erwarten und habe es einfachmal probiert die Farben kommen schön raus mit einer Ikone muss ich mal nach deinen Vorschlägen schauen Super mach ich gleich.co :winken: co

Nach oben 03.05.2010, 18:25 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Danke Wolfgang.co :winken: co Ich war gerade auf seiner Seite einfach toll,wenn ich nicht schon einen Kurs machen würde im Juni,ist das auf jeden fall eine Bereicherrung.
Mal sehen wann ich es machen kann.Toller Tipp nochmal Danke!

Nach oben 03.05.2010, 18:26 Nach unten

Acryl, Öl, Aquarell

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Alle zusammen!

Nachdem ich mich hier registriert hatte, bin ich beim Stöbern über dieses Thema "gestolpert" und es hat mich nicht in Ruhe gelassen. Heute habe ich es nun gewagt. Ich habe mir Farben hergestellt und das Motiv, das ich schon seit einigen Wochen im Visier habe, begonnen: "Stürmische See". Den Himmel habe ich und das Meer. Bleiben noch die Felsen uns die Brandung. Dann muss ich natürlich noch einmal Alles aufeinander abstimmen. Wenn es nicht an den Stellen, wo ich zu dick aufgetragen habe, noch feucht wäre, hätte ich es eingescannt.... Auf alle Fälle kommt das noch.

Fazit: Es ist ein tolles Gefühl Farben selbst herzustellen. Das Malen macht auch Spaß, da ich ja gern in Acryl sowie Öl male und Eitempera mir somit "liegt", da es ja verarbeitungsmäßig und von der Konsistenz her in diese Richtung geht.

Ich kann nur noch einmal sagen: Danke für diese tolle Erfahrung. :knuddelbunt:

Nach oben 27.05.2010, 17:20 Nach unten

Acryl, Öl, Aquarell

Beitrag  Re: Eitempera
Ich bin jetzt fertig. Das Ganze habe ich dann doch lieber "Die Brandung" getauft. Es ist nicht ganz so geworden wie ich das dachte. Trotzdem habe ich beschlossen, es für fertig zu erklären, da ich meist Alles kaputt mache, wenn ich trotz meines Bauchgefühls weiter "rumdoktere". Hier ist also das Ergbnis:

Nach oben 01.06.2010, 16:34 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo hwilde,

ich weiss nicht, wer´s gesagt hat: "Es ist nicht schwer, mit einem Bild zu beginnen, aber es ist schwer aufzuhören!"

Deine Arbeit gefällt mir. Vielleicht schaffen wir es irgendwann, dass hier ein eigenes Eitempera-Forum eingerichtet wird.

Viele Grüße!

Wolfgang

Nach oben 02.06.2010, 09:38 Nach unten

Acryl, Öl, Aquarell

Beitrag  Re: Eitempera
Danke für das Lob. Das macht Mut zu mehr. Du hast recht: Es macht süchtig.

:dops:

Nach oben 02.06.2010, 11:21 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo liebe Eitemperafreunde,
vor einiger Zeit habe ich angefangen mir meine Ölfarben selber anzureiben.
Ich hab viel experimentiert und es hat mir riesigen Spaß gemacht.
Gestern bin ich bei Eitempera angelangt. Ich hab mir eine Tempera aus Ei, selbst hergestelltem sonneneingedicktem Leinöl und Wasser hergestellt. Das Ergebnis war für mich absolut begeisternd. Diese Farben haben eine noch größere Leuchtkraft als Ölfarben. Leider habe ich mich mit dem eingedickten Leinöl etwas vertan, denn ich habe den gleichen Anteil genommen, der für Öl oder Leinölfirnis vorgesehen ist. Das war dann natürlich zu fett und so habe ich weiter mit Wasser verdünnt( hätte ich auch Balsamterpentin nehmen können?) und jetzt eine wunderbare Farbgrundlage. Als begeisterte Hobbyölmalerin habe ich jetzt allerdings das Problem, das diese Farbe sich anders verhält als Ölfarbe und ich nicht damit umgehen kann. Wie malt man feine Farbübergänge? Muss man beim Schichten malen warten, bis die Farbe ganz durch getrocknet ist? Meine Farbe ist ziemlich deckend (natürlich deckende Pigmente genommen) Kann man auch lasierende Pigmente verwenden und wie mit Öl lasieren? Trocknet Eitempera immer so schnellI? Mir trocknet die Farbe schon auf der Palette an. Liegt das an dem eingedickten Öl? Oder am Konservierungsmittel? ich hab ein ganz wenig Preventol hineingegeben. Ich bin sicher, da tauchen noch mehr Fragen auf.
Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen.
Sorry, falls es schon ein ähnliches Thema hier gibt, ich habe es nicht gefunden.
Liebe Grüße
Solarita

Nach oben 09.09.2010, 07:57 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Solarita,

toll, wie Du über Eitempera schreibst! Leider kann ich erst heute antworten. In den vergangenen beiden Wochen hatten wir zwei Malkurse in denen insgesamt an die 200 Bilder in Eitempera entstanden sind:
http://www.olma.bildzitat.de/multigaler ... loster910/
und
http://www.olma.bildzitat.de/multigaler ... oster9210/

Einen Acrylbinder hatten wir auch dabei, aber der wurde verschmäht. Ich denke, in der Galerie sieht man sehr schön, wie vielseitig Eitempera ist.

Beitrag: Re: Eitempera - 09.09.2010, 07:57 Solarita hat geschrieben:
Ich hab mir eine Tempera aus Ei, selbst hergestelltem sonneneingedicktem Leinöl und Wasser hergestellt.

Das eingedickte Leinöl ("Standöl") zu verwenden, macht wenig Sinn. Wir verwenden grundsätzlich einfache Leinölfirnis, und zwar im Verhältnis: 1 Ei, 50 ml Leinölfirnis und 50 ml Wasser, wobei bei uns eher immer gleich die zehnfache Menge angerührt wird. Mehr dazu hier: http://www.olma.de/kurse/malkursinfo.html

Beitrag: Re: Eitempera - 09.09.2010, 07:57 Solarita hat geschrieben:
Leider habe ich mich mit dem eingedickten Leinöl etwas vertan, denn ich habe den gleichen Anteil genommen, der für Öl oder Leinölfirnis vorgesehen ist. Das war dann natürlich zu fett und so habe ich weiter mit Wasser verdünnt (hätte ich auch Balsamterpentin nehmen können?) und jetzt eine wunderbare Farbgrundlage.

Mit Wasser kann man so lange vedünnen, wie der Emulgator im Ei das mitmacht. Wenn es Fettaugen gibt, war es zu viel. Wenn Du Terpentin verwendest, um das mühevoll eingedickte Standöl zu verdünnen, hast Du wieder den Gestank, den Du sonst nicht hast, und es wird noch teurer. Wir verwenden eine Leinölfirnis, die es auch in Baumärkten gibt (von Kluthe). Die ist nicht ganz farblos aber recht preiswert (6,- bis 8,- EUR/Liter) Die Anschaffung würde sich für Dich lohnen.

Beitrag: Re: Eitempera - 09.09.2010, 07:57 Solarita hat geschrieben:
Als begeisterte Hobbyölmalerin habe ich jetzt allerdings das Problem, das diese Farbe sich anders verhält als Ölfarbe und ich nicht damit umgehen kann. Wie malt man feine Farbübergänge? Muss man beim Schichten malen warten, bis die Farbe ganz durch getrocknet ist? Meine Farbe ist ziemlich deckend (natürlich deckende Pigmente genommen) Kann man auch lasierende Pigmente verwenden und wie mit Öl lasieren? Trocknet Eitempera immer so schnellI? Mir trocknet die Farbe schon auf der Palette an. Liegt das an dem eingedickten Öl? Oder am Konservierungsmittel? ich hab ein ganz wenig Preventol hineingegeben.


Eigentlich ist es einfacher mit den Eigenheiten von Eitempera umzugehen, als mit denen von Öl oder Acryl. Das Hauptproblem ist eigentlich, dass die Farben sich beim Trocknen zum hellen oder zum dunklen mehr oder weniger verändern. Das hängt von den Pigmenten ab und lässt ich in den Griff bekommen. Notfalls mache es wie die alten Meister und verwende für die letzten Feinheiten die gewohnte Ölfarbe auf der Eitempera.
Tempera trocknet in zwei Stufen: 1. beim Verdunsten des Wassers - wie bei Acryl und 2. durch Oxydation des Öls - wie bei Ölmalerei. Wenn es sehr warm ist, kann das Wasser schnell verdunsten. Dann kannst Du aber bedenkenlos etwas Wasser nachschütten. Wenn Du die angerührte Farbe etwas länger (über Nacht) stehen lassen möchtest, schütte etwas Wasser darüber und später einfach wieder ab.

Als Konservierungsmittel benutzen wir übrigens Nelkenöl - einen Tropfen pro Ei. Das ist im Winter nicht unbedingt erforderlich. Da wir in letzter Zeit öfter Schwangere in den Kursen haben, verzichten wir ganz darauf, da es wehenfördernd sein kann.

Eitempera kannst Du übermalen, sobald das Wasser verdunstet ist - also praktisch gleich. Da der Ölanteil aber noch lange nicht trocken ist, kannst Du die untere Farbschicht durch Reiben mit dem Pinsel wieder "aktivieren". So machst Du auch Übergänge. Bei uns wird gerne mit dem Gartenschlauch "gemalt": Viele Farbschichten übereinander und dann mit dem Wasserschlauch einzelne Schichten wieder abtragen. Das kann auch ein, zwei Tage später sein.

Da mir Dein Beitrag über die Eitempera sehr gut gefallen hat, und da Du experimentierfreudig bist, möchte ich Dir ein Geschenk anbieten: Wir hätten nie gedacht, dass es ein Bindemittel gibt, das noch besser ist als Eitempera - aber wir haben jetzt eines gefunden. Ebenfalls vollkommen natürlich, teilweise sogar biologisch. Es ist ebenfalls eine Tempera, allerdings nicht mit dem Lecitin aus dem Ei als Emulgator. Es riecht fast gar nicht, nur ein wenig nach Zitrone (Zitrone ist aber nicht drin). Ein großer Vorteil: Es lässt sich stark mit Wasser verdünnen. Damit können ganz feine Lasuren aufgetragen werden. In den beiden vergangenen Kursen wurde es neben der Eitempera verwendet. Es lässt sich unproblematisch kombinieren.
Wenn Du mir Deine Anschrift mails, sende ich Dir eine Probe und bin gespannt auf Deine Erfahrungen damit.

Viele Grüße!

Wolfgang

Nach oben 22.09.2010, 08:26 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Wolfgang,
einen ganz riesigen Dank für deine ausführliche Antwort.
An eurer neuen Tempera bin ich natürlich interessiert. Ich melde mich bei dir.
Allerdings kann ich dir nicht versprechen, dass ich direkt damit arbeiten werde. Im Moment bin ich auch sehr mit Zeichenübungen beschäftigt. Ich habe erkannt, das es ohne in der Malerei leider nicht geht.
Nochmal zum Öl, welches ich verwendet habe. Es ist kein Standöl. Standöl ist soweit ich weiß gekocht und noch irgend etwas. Ich hab schon normales Leinöl, welches ich aber an der Sonne
sozusagen schon vorgetrocknet habe, genommen. In der Ölmalerei ist das ein geniales Malmittel, weil es schnell trocknet. Aber du könntest Recht haben, für die Eitempera ist es vielleicht nicht so optimal. Obwohl, es ist im Wehlte oder im Dörner ausdrücklich dafür erwähnt ist.
Deine Tipps muss ich jetzt erst einmal ausprobieren.
Am besten wäre natürlich ein Kurs bei euch, aber ich glaube soweit bin ich noch nicht.
Ich tu mich noch schwer mit Leuten, die schon weiter sind als ich. Das lähmt mich.
Ich hab mal einen Ölmalkurs gemacht. Als ich gesehen hab, was die Leute da schon vorgearbeitet mitgebracht hatten, bin ich klein geworden, wie ne Maus. Das Wochenende war der totale Frust für mich. Nichts hat geklappt. Zuhause dann hab ich alles nochmal für mich alleine ausprobiert und ich war sehr zufrieden mit mir.
Reizen tut´s mich schon, mal sehen.
Ich häng mal mein erstes, noch unfertiges Eitemperabild an.
Mit Ölfarbe hätte ich bei dem Bild erst mit Acrylfarbe in Ocker vorgrundiert, dann in weiß vorgemalt und hinterher mit Farbe ausgestaltet. Hier war ich einfach unsicher, wie ichs machen soll. Wären die Farben nicht so schön geworden, wenn Ocker drunter wär? Jetzt hab ich erst alles in Gelb ausgemalt und wollte dann die Farben drüberlegen. Das war nicht ideal.
Wie wäre es besser gewesen?

Nach oben 22.09.2010, 10:57 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
So, nun ist das Bild fertig.
Vorlage: Eigenes Foto
Ich weiß, Rose ist kitschig, aber ich steh im Moment auf Rosen.
Vielleicht mag ja jemand etwas dazu sagen.

Nach oben 29.09.2010, 12:27 Nach unten

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo gigirouge und Wolfgang,

danke für die sehr interessanten Beiträge.

Nach oben 29.09.2010, 13:13 Nach unten

Eitempera

Beitrag  Re: Eitempera
Hallo Solarita,

Deine Rose habe ich Veronika gezeigt. Sie fand sie "locker". Kompositorisch würde die Rose nach rechts unten hängen, was aber durch den blauen Spot links oben wunderbar wieder ausgeglichen sei. Sowohl die Komposition, also auch die Ausführung seien alles in allem gelungen. Schön, dass Du eine eigene Vorlage verwendet hast, dann darf´s auch mal kitschig sein.

In unsere Kurse kommen übrigens viele Leute, die "in der Schule zum letzten mal" gemalt haben. Dass die Ergebnisse sich sehen lassen können hängt damit zusammen, dass wir versuchen eine gute Anleitung zu geben, aber auch etwaige Ängste abzubauen, zum Beispiel dadurch, dass in den Anfängerkursen am Anfang der Keilrahmenbau steht. (Hämmern und Tackern macht locker).

Zur Untermalung: Egal ob Eitempera, Öl oder Acryl, die Farbschicht liegt nie als geschlossener Film vor. Das Bindemittel bildet zwar einen Film, aber darin sind die Pigmente als Körnchen verteilt, mit mehr oder weniger großen Zwischenräumen - das hängt auch vom Pigment ab. Licht, das auf die Farbfläche trifft, wird zu einem großen Teil reflektiert, im entsprechenden Farbton der Pigmente. Ein Teil des Lichtes geht aber durch die Zwischenräume hindurch. Hat man weiß grundiert (optimal mit Titandioxyd), wird dieses Licht von der Grundierung als weißes Licht zurückgeworfen und trifft dann wieder auf die Pigmente, von hinten und von der Seite.

Diese "Hintergrundbeleuchtung" bringt Farben zum Strahlen. Grundsätzlich sollte ein Bild also mit weiss grundiert werden. In bestimmten Fällen kann die Untermalung (Imprimitur) aber auch einen anderen Farbton haben, um bestimmte Effekte zu erzielen.

Weiterhin frohes Schaffen!

Wolfgang

Nach oben 30.09.2010, 08:59 Nach unten
 [ 168 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4, 5 ... 9  Nächste

 Ähnliche Themen 
 Thema   Autor   Antworten   Zugriffe   Erstellt 
Eitempera Lernvideo jetzt bei Geistreich Lernen.

in Links, Online- und TV-Tipps

pigmenttankstelle

3

680

05.08.2013, 19:43

Fragen zu Eitempera

in Material-Tipps

GoldSeven

9

580

28.06.2013, 13:08

Eitempera, zwei Fragen haette ich ...

in Material-Tipps

Irish

13

492

20.06.2013, 18:56

Ei, so einfach kann man Eitempera selbst machen - Video

in Material-Tipps

pigmenttankstelle

9

1136

10.05.2013, 08:36

Eitempera Video von Schmincke

in Material-Tipps

pigmenttankstelle

27

968

06.05.2013, 07:42

wie lange ist Eitempera haltbar ?

in Material-Tipps

Irish

17

1003

17.04.2013, 09:33

Eitempera to go

in Material-Tipps

Augenschokolade

11

346

11.08.2012, 13:01

Eitempera und Chitosan-Binder von pigmenttankstelle

in Material-Tipps

Umaso

32

1221

30.05.2012, 17:37

Toller Artikel über Eitempera

in Links, Online- und TV-Tipps

pigmenttankstelle

6

646

20.05.2010, 17:59






© Kritzelmeister.de • Alle Inhalte, Bilder und Werke sind Eigentum der entsprechenden Rechteinhaber und dürfen ohne ausdrückliche Genehmigung nicht verbreitet bzw. kopiert werden!