"Nicht die Abbildung der Wirklichkeit ist das Ziel der Kunst, sondern die Erschaffung einer eigenen Welt." (Fernando Botero)




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 Gedanken zum Perfektionismus 
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Bleistift, Acryl, Stoff

Beitrag  Gedanken zum Perfektionismus
Hallo zusammen,

nachdem ich ein paar Wochen untätig war, habe ich kürzlich eine neue Zeichnung begonnen und für mich folgendes festgestellt:
Perfektionismus liegt mir nicht :lol: Bei Rastern krieg ich Herzrasen, versuche ich jedes kleinste Detail aufzunehmen, werde ich aggressiv. Natürlich möchte ich, dass meine Bilder zum Schluss schön sind und derjenige, der sie bekommt sich darüber freut. Dafür müssen sie aber nicht perfekt sein. Nein, auch die Zeichnungen nach Fotos nicht. Es ist okay, wenn ich meinen eigenen Stil habe.
Nach dieser Feststellung ist mir leichter ums Herz geworden - der Druck eine perfekte Zeichnung/ein perfektes Bild zu produzieren ist abgefallen.

Seit dem bin ich sehr viel motivierter überhaupt wieder zu Stiften und Farben zu greifen:-D
Habt ihr auch schon mal solche Erkenntnisse über euch selber gehabt?

Liebe Grüße
Colourcrazy

Nach oben 01.07.2016, 07:36 Nach unten

Tusche

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
Hallo,
ich strebe in jedem Bild den Perfektionismus an...das heisst aber nicht dass ich 1:1 eine realistische Kopie erstellen möchte....es muss für mich perfekt sein...den Ausdruck haben, den ich gerne möchte...jedes Bild entwickelt sich, und eigentlich immer anders als geplant, wenn man dies zu lässt, entstehen sehr schöne, spannende Sachen, nicht perfekt...aber ein Bild, mit meiner Handschrift, in meinem Stil mit "Herzblut" gezeichnet... :grins:

LG Christine

Nach oben 01.07.2016, 07:58 Nach unten

ich probiere gerne alles aus

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
hallöle,
ja, ich habe auch solche Erfahrungen gemacht, ich denke, jeder geht mit sich selbst sehr kritisch ins Gericht.
Oft macht sich dann eine gewisse Unzufriedenheit breit, und je mehr man Zeichnen oder Malen möchte wie.........jemand..... oder wie die Fotovorlage......, je mehr ist man von sich enttäuscht.
Ich kenne einige Personen, denen zuviel Perkfektionismus zum Verhängnis wurde! auch und vor allem in anderen Lebenslagen.

Ich male und zeichne seit ca 6 Jahren, und inzwischen kann ich mich auf mich einlassen.
Ich muss nicht mehr versuchen jemanden oder etwas zu kopieren, wenn, dann höchstens zu diszipinarischen
Zwecken, um mein Können zu erweitern.
Für mich zählt nur noch, wie ich mich beim Zeichnen oder Malen fühle.

Dieser kreative Umgang mit mir und meiner Umwelt hat mein Leben positiv beeinflusst, es gelingt mir jetzt viel mehr, eine gewisse Achtsamkeit für mich und meine Umwelt zu empfinden. Die kleinen Dinge, vor allem, alles was man mal zeichnerisch unter die Lupe genommen hat, die kleinen Schönheiten, auch wenn sie kaum Beachtung finden, das Glück einen bestimmten Moment in Zeichnung oder Bild festhalten zu können,
für all diese Empfindungen brauche ich persönlich keinen Perfektionismus.
Eine von mir sehr geschätzte Künstlerin schrieb über ihre Werke sinngemäß, dass
diese so sind, wie sie sie in diesen Momenten sieht und zeichnen kann, und das könne man eben nur einmal, und zwar in eben diesem Moment. Und jede Zeichnung, jedes Bild sei wichtig, für das nächste.
Also gönn dir die Freiheit, so zu malen wie es dir gut tut - ich wünsch dir weiterhin viel Motivation und Freude :-) :winken:

Nach oben 01.07.2016, 08:54 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
Oh ja, ich kenne den Perfektionismus auch gut. Schön, dass Du erkannt hast worauf es Dir wirklich ankommt. Der Perfektionismus steht uns meist mehr im Weg, als er uns nützt. Ich meine damit nicht, dass wir die Regeln der Malerei/ des Zeichnens außer Acht lassen sollen. Hat man aber noch nicht so viel Sicherheit in diesen Dingen, engt man sich mit allzu vielen Überlegungen solcher Art ein und Spontanität und Freude bleiben auf der Strecke. Der Ehrgeiz, besser zu werden steckt in den meisten von uns. Man kann sich Anleitung aus Büchern, Kursen etc. holen - ich denke aber, dass man sein Ziel vor allem durch kontinuierliche Praxis erreicht.

LG, Claudia

Nach oben 02.07.2016, 00:59 Nach unten

Stifte

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
Ich glaube auch, dass Perfektionismus problematisch sein kann. Ich habe immer eine Vorstellung im Kopf, wie mein fertiges Bild aussehen soll + wenn die Ausführung davon abweicht, bin ich deshalb unzufrieden. Das verhindert aber, das ich die gelungenen Bildteile sehe. Wenn ich so ein Bild nach einiger Zeit wieder hervorhole, kann ich es ohne diesen Tunnelblick betrachten + finde oft viel Schönes. Und manchmal ist das Unperfekte gerade charmant!

Ich hänge mal ein Bild an, dass ich im I-net fand, sein Titel ist 'How artists see their work':

Nach oben 02.07.2016, 07:46 Nach unten

Aquarell

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
Sehr inspirierende Frage !
Danke dafür Colourcrazy

Ich finde das Streben nach Perfektion kann gut als Orientierungshilfe (wie eine Kompassnadel) dienen um sich nicht in völliger Beliebigkeit zu verlieren. Ebenso ist es ein guter Motivator um seine handwerklichen Skills zu schulen. Als eigenständiges Ziel taugt es aber nicht.
Genauso wenig wie ich ein perfekter 'was weiß ich' für meine Mitmenschen sein möchte, möchte ich mir ein perfektes Bild an die Wand hängen.
Gerade die kleinen unperfekten Dinge sind es doch, die Sachen interessant und Menschen liebenswert machen.
Bei mir war der Wunsch mich auf das was ist besser einlassen zu können der Grund dafür mit Wasserfarben zu malen.
Eugen Roth sagte mal sinngemäß:

"Ein Mensch hält inne,
schaut in der Zeit zurück
und er erkennt,
sein Unglück war sein Glück"

Die Fähigkeit aus einem auf den ersten Blick verunglückten Pinselstrich ein tolles Bild zu machen
empfinde ich heute als viel erstrebenswerter (und nicht minder herausfordernd) als alles noch so Perfekte.

Liebe Grüße
Horst :winken:

Nach oben 02.07.2016, 12:29 Nach unten

aquarell

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
Ein sehr interessantes Thema. Ich habe schon oft darüber nachgedacht und meinen persönlichen Stil in Frage gestellt. Erst mal stellt sich die Frage ist Perfektionismus gleich Realismus? Also realistisch malen möchte ich schon. Da meine Fantasie begrenzt ist, male ich nach Fotovorlagen. Wenn ich ein Foto aussuche (meine einzige kreative Tätigkeit), reizt mich irgend ein Aspekt. Das kann das Licht sein, eine Struktur, eine Reflektion oder etwas Anderes. Dann ist es mir wichtig, diesen Eindruck realistisch rüber zu bringen. Ob dann jedes Detail stimmt, ist nicht so wichtig. Es darf aber auch nicht so falsch sein, dass es unwillkürlich den Blick auf sich zieht. Ein perfektes Bild habe ich noch nie gemalt. Meine Motivation ist die Herausforderung Spezielles, etwas für mich Neues, zu meistern. Für mich ist das kein Stress, wenn es mir gelingt überkommt mich eine schöne Zufriedenheit.

Nach oben 02.07.2016, 13:17 Nach unten

Aquarell, Tusche, Pastell

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
Je mehr ich mich von dem meist selbst auferlegten Perfektionismus verabschiede, um so mehr spaß macht das malen, zeichnen und probieren.

Ich strebe auch nicht mehr danach, für andere ein perfektes Bild zu erstellen. Wenn es gefällt und von anderen als perfekt empfunden wird gut, wenn nicht, auch gut.

Zuerst kommt der Spaß, dann wieder der Spaß...erst ganz weit hinten der Anspruch auf Perfektionismus

LG Sylvia

Nach oben 02.07.2016, 14:42 Nach unten

Polychromos,Bleistift

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
Ich unterscheide,ob ich ein Bild für mich oder für jemand anderes zeichne.Wenn ich für jemand anderes zeichne möchte ich es perfekt haben. Nur habe ich festgestellt,dass ein "perfekt" für mich ein anderes "perfekt" ist wie für denjenigen,für den ich zeichne. Manchmal höre ich:"Boah,das ist perfekt",aber mein Gedanke ist:"Na ja,geht so". Perfekt finde ich für mich ein Bild mit dem ich sehr zufrieden bin,ganz egal was andere sagen.

Nach oben 02.07.2016, 17:44 Nach unten

Bleistift, Acryl, Stoff

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
Herzlichen Dank für eure Tollen Antworten und Ideen!
Das Bild sagt wirklich alles :rofl: ich habe das Gefühl, dass jeder von uns das nachvollziehen kann!

Liebe Grüße

Nach oben 01.09.2016, 19:54 Nach unten

Öl, Acryl

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
Rainer hat geschrieben:
Erst mal stellt sich die Frage ist Perfektionismus gleich Realismus?
Ganz sicher nicht! Und darüber haben wir hier ja schon ellenlang diskutiert.

Für mich ist ein Bild perfekt wenn ich und andere Leute am Ende davor stehen und aus tiefstem Herzen sagen: Wow, das ist ja der Wahnsinn :!: :!:
Ganz egal ob das reine Fantasie oder von einer völlig veränderten Vorlage stammt.
Und bei einer akribischen Kopie kann ich dieses Gefühl einfach nicht auslösen, weil da einfach zu wenig von mir stammt.

Aber diese Perfektion strebe ich an, immer!
Jedoch meist mit mässigem Erfolg :hmm:
Auch das Malen an sich, macht mir nicht so riesig Spass wie vielen hier, die Glücksgefühle kommen erst am Ende eines gelungenen (perfekten) Bildes (und das ist selten genug. . .).

Nach oben 01.09.2016, 20:27 Nach unten

Bleistift, Polychromos

Beitrag  Re: Gedanken zum Perfektionismus
Da stellt sich die Frage: Was ist eigentlich perfekt?

Ich denke, dass jeder für sich dazu eine andere Einstellung hat. Seine eigene.

Wenn mir eine Zeichnung, die ich mache, richtig gut gefällt finde ich sie einfach nur klasse.
Bin zufrieden mit meinem Werk. Als perfekt bezeichne ich meine Arbeiten nie.

Mit dem Gedanken, etwas perfekt machen zu wollen, setzt man sich selbst nur unter Druck.
Und genau das habe ich irgendwann einmal abgelegt. Seitdem geht es mir viel besser.

Natürlich gilt bei einem Auftrag etwas anderes. Da muss das Ergebnis dem Auftraggeber gefallen.
Aber ist das dann ein Maßstab für "perfekt"? Nein, ist es nicht. Weil jeder das Ergebnis anders empfindet.
Insofern ist "Perfektionismus" nur ein Gefühl.

Liebe Grüße :winken:

Nach oben 02.09.2016, 07:33 Nach unten
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