"Kunst ist das, was übrigbleibt, nachdem alles an ihr bis ins letzte analysiert worden ist." (Martin Kessel)




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 München - Künstlerin lässt Brote explodieren 
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PC

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 26.08.2012, 20:54 vera hat geschrieben:
also ich brauch nicht unbedingt explodierende brote, um mir dessen sehr wohl bewusst zu sein... :upps:


Das ist ja bei der Kunst überwiegend der Fall. Dieses Hungerthema ist nur das Motiv, eben der Kern des Werks. Wie man auch bei Portraits diese nicht erst malen muss, um zu wissen wie die eigentliche reale Person aussieht, oder einen Sonnenuntergang oder auch ein Stillleben etc., so haben auch solche Performances eine oberflächliche Intention, also eine direkte Motivation des Künstlers. Der beabsichtigte Zweck, dass diese Intention wahrgenommen wird, darüber berichtet wird, zum Nachdenken anregt, Emotionen weckt, für Aufregung sorgt und in Diskussionen wie diesen mündet, wurde ja bereits gut erfüllt. Das betrifft das persönliche Ansinnen des Künstlers.

Dies ist aber bei weitem nicht alles wenn es um das eigentliche Wirken der Kunst hinter dem Werk geht. Wie auch bei einem Bild ist dieses Wirken stets individuell, das erstmal vollkommen losgelöst vom Willen des Künstlers ist. Man kann daher nie allgemeinverbindlich sagen "Das ist Kunst", oder "Das ist keine Kunst". Eigentlich wollte ich das hier nicht schon wieder breittreten, finde aber den Anlass und die damit verbundenen Irritationen gerade passend: Ich kann nur jedem den Rat geben den Blickwinkel weg vom sichtbaren Objekt stark zu erweitern und davon auszugehen, dass die Kunst immer und überall in allen Dingen präsent ist, nur bekommt man nur sehr selten einen Zugang zu ihr. Kunstwerke fungieren dabei wie Schnittstellen, die einen potenziellen Zugang zur Kunst dahinter öffnen, aber eben nicht immer, nicht für alle und jeweils völlig unterschiedlich. Es gibt zum Beispiel künstlerisch ganz hochkarätige Ballet-Aufführungen, oder auch Opern-Darbietungen, die so manchem Zuschauer einen Zugang zur Kunst dahinter eröffnen. Mir persönlich sind diese beiden Zugänge bisher komplett verschlossen, ich habe davon keine Ahnung, ich verstehe es nicht und es interessiert mich auch nicht. Ich werde dabei niemals etwas Künstlerisches fernab der reinen Unterhaltung erspüren können, und dennoch sind es defacto potenzielle Schnittstellen zur Kunst. Wie auch Literatur, Musik, Gemälde, Filme, Skulpturen, Installationen oder eben auch Performances.

Oben im Thema wurde von einigen gesagt, dass man das nicht tue, Essen zweckentfremden, wo doch woanders so viele Leute hungern. Das ist grundsätzlich verständlich und auch vollkommen richtig, allerdings sollte man das auch mal von den realen Auswirkungen her betrachten: Haben diese Brotzerstörungen irgendetwas an der Versorgungssituation von irgendjemandem beeinträchtigt? Musste jemand deswegen hungern?

Ich möchte das mal mit einem Gedankenspiel versehen:

Stellen wir uns einmal vor, jeder von uns derzeit rund 500 aktiven Kritzelmeistern geht morgen früh in eine Bäckerei in seinem Ort und kauft dort alles komplett leer. Ich muss gestehen dass ich keine Ahnung habe, was eine kleine durchschnittliche Bäckerei-Filiale an Tagesumsatz macht (vielleicht kann Björn mich da erhellen), aber gehen wir mal der Einfachheit von 1.000 Euro aus. Also, jeder von uns kratzt all seine Ersparnisse zusammen oder nimmt einen Kredit auf, kauft für 1.000 Euro die Bäckerei leer und wirft anschließend alles weg. Wir hätten auf einen Schlag über eine halbe Million Euro (!) an Lebensmitteln vernichtet. Glaubt ihr, dadurch müsste irgendeiner morgen hungern müssen? Möglicherweise ist jemand genervt, dass er sein Lieblingsbrötchen nicht bekommt, aber hungern? Wohl kaum. Weder hier noch beim Rest der Welt würde das etwas auswirken. Allerdings könnte man mit demselben Geld zweieinhalb Millionen (2.500.000) hungernden Kindern an ferneren Orten auf der Welt an diesem Tag eine vollwertige vitaminreiche Mahlzeit bescheren. Das ist die eigentliche Diskrepanz im System. Es ist nicht so wichtig ob hier Lebensmittel vernichtet werden, ob jemand seinen Teller vollständig leer isst, und auch ob die Treibstoffe aus Getreide sind ist nicht das eigentliche Problem (wenn natürlich auch systemrelevant). Das Essen ist da, mehr als genug für alle! Es kommt nur nicht dort bei den Hungernden an, das ist das wirkliche Problem.

Unter diesen Aspekten bekommt diese Performance (jedenfalls für mich) einen ganz anderen "Spin": Die Wahrnehmung von Kontext ändert sich - sowohl der Kontext des Werks als auch der Kontext des Betrachters...

Nach oben 27.08.2012, 00:30 Nach unten

Acryl, Aquarell, Pastel, Öl

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 26.08.2012, 20:44 Adrian hat geschrieben:
Die Tragik obiger Beispiele zu HartzIV und gewissen Systemlücken mindert das selbstverständlich nicht, insbesondere wenn es sich um stark minderbemittelte Personen ohne jegliche soziale Vernetzung handelt, die (bevor sie verhungern) entweder aus Unwissenheit oder Unfähigkeit nicht eine der unzähligen Hilfstationen aufsuchen, die hierzulande flächendeckend agieren (z.B. die sog. Tafeln). In Deutschland muss keiner verhungern und tut dies in aller Regel auch nicht, auch wenn es dabei wie überall kritikwürdige Missstände gibt.


Kurz mal was zu dieser "Tafel". Bei der Tafel gibt es meist, die über Wochen bereits abgelaufene Lebensmittel, Obst und Gemüse ist meist vergammelt. Die Spender bekommen eine Spendenquittung, so dass sie ihre Spende absetzen können und sie sparen auch noch die Entsorgungskosten für ihren Abfall, den sie gespendet haben. Wenn man in die Müllcontainer der Supermärkte hineinsteigen würde, findet mehr genießbare Lebensmittel als es bei der Tafel gibt.

Nein, niemand muss in Deutschland verhungern, aber Fakt ist, es verhungern Menschen in Deutschland und nicht weil sie schuld daran sind, sondern den Hunger gibts bei Hartz4 als pädagogische Maßnahme.

Ja, es ist kein Vergleich zu den hungernden Menschen z.b. in Afrika. Erst einmal steht die eigene Kultur, die jeweilie politische Lage deren Ländern dagegen und wir profitieren davon, dass andere Menschen an Hunger sterben. Wie sollte denn sonst unsere Wirtschaft funktonieren. Bei diesem Billigkaffee, was bekommt letztendlich der Erzeuger? Und die Liste ist endlos. Meist kann man davon ausgehen, was nicht auf deutschen Boden erzeugt worden ist, ist (außer wenn es fairer Handel ist) mit dem Blut der Menschen in den anderen Länder produziert worden.

Oder kann jemand von euch besser schlafen mit dem Wissen, die neueste aller Techniken zuhause zu haben und z.b. gleichzeitig in Afrika Kinder alte PC auseinandernehmen, die nur vor hochgiftigen Substanzen so strotzen?!

Ja, es stört mich ihre Arroganz gegenüber diesem Lebensmittel "Brot" und damit behauptet sie den Hunger in der Welt anzuprangern. Sie mißachtet die Arbeit der Menschen, die das Korn dafür angebaut haben, in den Mühlen es gemahlt haben, die das Brot gebacken haben und auch die Verkäufer, die es verkaufen und die Menschen, die es kaufen und essen.

Oh ja sie hat damit proviziert und sich selbst in die Medien gebracht, aber den Hunger dieser Welt wird sich nicht da durch ändern. Es ist auch egal, ob wir Lebensmittel weg schmeißen, ob wir Billigkaffee kaufen oder die neueste Pc-Technik zuhause zu stehen haben und egal wieviele solcher Art von Performance uns wach rütteln sollen, es ändert sich nichts.
Wenn man etwas ändern will, dann sollten wir aus diesem weltweiten Wirtschaftssystem aussteigen, was die Armut, die Not und den Hunger der anderen braucht, dass es funktioniert. Genau so ist es auch in Deutschland, das die vielen Arbeitslosen braucht und es braucht die Menschen, die mit dem Finger auf die anderen zeigen, damit sie sich selbst mit ihrem Tun noch in den Spiegel schauen können.

Die Idee Bäckereien leer zu kaufen, ist eine nette Idee. Wenn ich das jemals machen sollte, würde ich ganz bewusst diese Lebensmittel verschenken und sie hundertpro nicht in den Müll schmeißen. Und wenn meine Aktion nur einen Tropfen auf dem heißen Stein wäre, dann könnten sich einige von meinem Tropfen satt essen.

Nach oben 27.08.2012, 13:10 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
anette hat geschrieben:
Wenn man etwas ändern will, dann sollten wir aus diesem weltweiten Wirtschaftssystem aussteigen,


damit hast du vollkommen recht!

ein sehr, sehr großer paradigmenwechsel wäre dringend nötig - aber ich fürchte, dass solange die profiteure der politik die wirtschaftspolitik diktieren (auf jeden einzelnen eu-politiker kommen dutzende lobbyisten, die sehr, sehr viel geld zur verfügung haben), und die profiteure sind sehr mächtig, finanzkräftig und einflussreich (man nehme nur mal die macht, die konzerne wie monsanto selbst auf staaten ausüben können), wird sich das nicht ändern. außer es käme zu einer weltweiten revolution, oder zu einer derart schweren krise, dass wir eben, wie ich schon oben sagte, nicht mehr freiwillig verzichten können, sondern zwangsweise verzichtet werden.

abgesehen davon sind die meisten durchschnittsbürger einfach kindische konsumtrottel, vollkommen gehirngewaschen von diesem system, verliebt in ihre neuesten handys, flachfernseher, tablets und was es da sonst noch alles gibt. jugendliche sind ja schon so weit, dass sie meinen, ohne smartpohne und Ipod nicht mehr leben zu können, diese werden NIEMALS freiwillig verzichten. da fehlt es einfach total an einsicht.
nimmst du das wort verzicht in den mund, kommen gleich die üblichen totschlagargumente: technikfeindlich, fortschrittsfeindlich, zurück in die steinzeit, und was es da sonst noch an netten sprücherl gäbe.

ob dadurch das leben WIRKLICH schöner, die menschen wirklich glücklicher oder zumindest zufriedener werden, das ist überhaupt nicht der punkt. das bruttosozialprodukt und das wachstum müssen stimmen, wie es dabei den menschen geht, ist komplett einerlei. es geht NICHT um uns, es geht zur um gewinnmaximierung.
ständig steigende psychische erkrankungen, burnout, psychopillenkonsum sprechen da eine ziemlich eindeutige sprache...

da lob ich mir den kleinen himalayastaat bhutan, in dessen verfassung gibt es das BRUTTOSOZIALGLÜCK, das es zu maximieren gilt, nicht wachstsum um jeden preis.

sollte wirklich mal derart krachen, dass sich niemand mehr diese spielzeuge leisten kann, dann werden wir, die wir noch wissen, wie man ohne diesen ganzen schnickschnack leben kann, es auf jeden fall leichter haben. :grins:

Nach oben 27.08.2012, 13:44 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
also ich kann gut mit dieser performance leben. ist, wie Adrian sagt: niemand muß deshalb verhungern, das hat ganz andere gründe. und brot wird wohl tagtäglich hier tonnenweise weggeschmissen - megatonnenweise oder so.

solange nicht jemand nen lebenden hummer ins siedende wasser wirft wegen der schönen pfeiftöne, die der eine minute lang noch von sich gibt - will sagen: solange es nichts lebendes betrifft, kann ich das als durchaus auch aufrüttelnde aktion sehen...

*winke*

Nach oben 27.08.2012, 14:00 Nach unten

PC

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 27.08.2012, 13:44 vera hat geschrieben:
da lob ich mir den kleinen himalayastaat bhutan, in dessen verfassung gibt es das BRUTTOSOZIALGLÜCK, das es zu maximieren gilt, nicht wachstsum um jeden preis.


Wo knapp ein Drittel der Bevölkerung unter Nahrungsmittel-Knappheit leidet, weiß ich nicht ob das als allgemeines Gesellschafts-Modell so für alle sinnvoll ist. Die haben dort so ernste Probleme, dagegen erscheint mir das hiesige und derzeit so moderne "Hoffentlich kommt hier bald eine richtige Krise mit Revolution"-Gerede alles etwas fahrlässig und eigentlich komplett unverhältnismäßig.

Aber warum soll's mir anders als anderen gehen: Ich kann und muss nicht alles verstehen :D :knuddelbunt:

Nach oben 27.08.2012, 14:10 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
adrian hat geschrieben:
als allgemeines Gesellschafts-Modell so für alle sinnvoll ist.


natürlich nicht!
auch wenn "der westen" gerne glaubt, SEIN gesellschafts- und wirtschaftsmodell sollte allgemein gültig sein, jeans und mcdonalds weltweit. eigentlich grauslich.

ich wollte damit auch nur aufzeigen, dass es auch noch andere dinge im leben gibt als jede menge technischen schnickschnack, fortschritt und wachstum, verschwendung bis zum exzess. und auf diese dinge wird bei uns viel zu wenig augenmerk gelegt. es stellt doch kaum jemand die glücks- und sinnfrage von dem ganzen zeugs.
ich für meinen teil könnte sehr gut damit leben, wenn wir weniger augenmerk aufs materielle und einen oft eher zweifelhaften "fortschritt" legten, sondern davon ein bissl weniger hätten, dafür aber sehr viele glückliche und zufriedene menschen, die keine pillen fressen müssen, um zu funktionieren.

wir befinden uns in einer ziemlichen sackgasse, und das wissen eigentlich auch die meisten von uns ganz genau!

Nach oben 27.08.2012, 15:09 Nach unten

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 27.08.2012, 00:30 Adrian hat geschrieben:
(vielleicht kann Björn mich da erhellen)

Jein. ;) Tagesumsatz einer Bäckerei: Keine Ahnung. Aber ich weiß, dass weggeworfene Lebensmittel die Preise erhöhen. Ein paar Cent mögen uns nicht stören, jedoch in armen Ländern macht das extrem viel aus. Daher ist es sehr wohl wichtig, wie viel weggeworfen wird oder nicht.
Man möge der Künstlerin also das Vernichten der Brote verzeihen, das Umdenken der Menschen ist einfach wichtiger.

Lebensmittel herzustellen bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur für die Gesundheit der Kunden, sondern auch für das Wohl der Menschheit im Allgemeinen. Wegen unserer Wegwerf-Mentalität steht die Erde kurz vor dem Infarkt, es gibt einfach kein unendliches Wachstum wie uns der Kapitalismus glauben machen will. Daher stellt die Bäckerei in der ich arbeite auch nur so viel her, wie sie ungefähr an einem Tag verkauft. Man bekommt dann zwar Abends nicht mehr alle Brot- oder Brötchensorten, aber das ist uns egal... schließlich kann ja jeder bei uns im Voraus bestellen.

Nach oben 27.08.2012, 15:27 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
:rofl: :rofl: :rofl: Hallo Adrian- ich glaub ich lach morgen auch noch... du bist der "Brotflüsterer"....

Könnten, müßten, sollten......aber vieles geschieht einfach nicht.
Ich denke, das was man machen kann, ist einfach andere Werte vermitteln und versuchen zu leben.
Die Würde des Menschen ist unantastbar- so steht es in unserem Grundgesetz.
Wenn man sich nur einfach daran hielte, passierte so manches nicht.

Grüße
Eva

Nach oben 27.08.2012, 18:15 Nach unten

Acryl, Aquarell, Pastel, Öl

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Doch mich stört das, wenn das Brot immer teurer wird und jeden Cent, den ich mehr dafür ausgeben muss. In Deutschland gilt Brot als Grundnahrungsmittel wie in anderen Ländern Reis etc.

Das finde ich eine richtige Einstellung nur so viel zu produzieren, wie auch gebraucht wird Ich bezahle nicht nur für die Herstellung und Personalkosten, sondern auch noch für das Wegschmeissen der Lebensmittel. Wie pervers ist denn das?

Ich frage mich wirklich, sind wir wirklich so arrogant oder besser so abgestumpft? Das wir die weihnachtlichen Aktionen z.b. Brot für die Welt, brauchen, um einmal im Jahr unser Gewissen zu beruhigen, aber weiterhin leben, nach mir die Sinnflut.

Was sollen die Kinder erben? Denn niemand lebt ewig. Wir tragen für uns, für die nachfolgende Generationen und für die Erde Verantwortung, weil wir ein Teil dieser Erde sind.

Nach oben 27.08.2012, 18:41 Nach unten

PC

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 27.08.2012, 15:27 Beowulf hat geschrieben:
Aber ich weiß, dass weggeworfene Lebensmittel die Preise erhöhen. Ein paar Cent mögen uns nicht stören, jedoch in armen Ländern macht das extrem viel aus. Daher ist es sehr wohl wichtig, wie viel weggeworfen wird oder nicht.

Genau diese einfache Rechnung geht eben nicht auf. Die Gründe und Zusammenhänge von weltweitem Hunger sind viel komplexer, viele Lebensmittel sind z.B. erst durch Überschwemmung des Marktes so billig, reduziert man die Übernachfrage wird es zwar kurzfristig billiger, mittelfristig aber teurer. Ungefähr so wie wenn man den vormals geschlossenen Kühlschrank plötzlich offen stehen lässt: Erst wird der Raum kurz kühler, dann wird er wärmer als vorher. Die Dinge sind nicht immer so simpel lösbar.

Zur Problematik:
:arrow: http://www.oekonomenstimme.org/artikel/ ... -der-welt/

Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 27.08.2012, 18:41 Kundalini hat geschrieben:
Doch mich stört das, wenn das Brot immer teurer wird und jeden Cent, den ich mehr dafür ausgeben muss. In Deutschland gilt Brot als Grundnahrungsmittel wie in anderen Ländern Reis etc.

Beides wird's nicht geben. Entweder die Lebensmittel werden hierzulande extrem teuer, damit weniger verschwendet wird, oder sie bleiben aufgrund des Überangebots erschwinglich.

Ersteres haben übrigens aktuell die Grünen vor:
:arrow: http://www.gruene-bundestag.de/themen/e ... ml?type=99

Exakt diese moralischen Überlegungen sorgen für eine künstliche Teuerung der Preise, damit weniger verschwendet wird. Und damit auch weniger Kaufkraft, damit weniger Wohlstand, damit steigende Armut, und (um Deine Sorge oben aufzugreifen) auch potenziell steigende Hartz4-Hungeropfer. Diejenigen, die man damit eigentlich beschützen will, die weltweit Hungerleidenden, werden die Unterschiede gar nicht merken. Höchstens dadurch, dass weniger gespendet wird, weil die Menschen hierzulande selbst mehr zum Leben brauchen.

Das ist ja gerade die Ironie: Oftmals erreicht man dadurch genau das Gegenteil von dem, was man ursprünglich bezwecken wollte.

Nach oben 27.08.2012, 19:47 Nach unten

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 27.08.2012, 19:47 Adrian hat geschrieben:
Ungefähr so wie wenn man den vormals geschlossenen Kühlschrank plötzlich offen stehen lässt: Erst wird der Raum kurz kühler, dann wird er wärmer als vorher. Die Dinge sind nicht immer so simpel lösbar.

Ein Kühlschrank erzeugt stets mehr Wärme als Kälte. Daher geht deine Rechnung aus Prinzip nicht auf. ;)

Das manche Dinge komplex sind, sollte einem nicht dazu verleiten Vergeudung gutzuheißen... oder den hemmungslosen Handel mit Lebensmittel. Oft werden sogar welche zerstört, um die Preise künstlich hoch zu halten.

Der von dir vorgelegte Artikel versucht den Sachverhalt mit simplen Kausalitäten darzustellen, vergisst aber, dass es nicht darum geht Lebensmittelreste zurück in arme Länder zu schiffen... oder darum, ob man ein fettes Schnitzel, welches sowieso schon auf dem Teller liegt, isst oder nicht. Es ist ein globales Problem, aufgrund unserer vernetzten Wirtschaft, die hauptsächlich darauf ausgerichtet ist die Bedürfnisse der Industrienationen zu befriedigen. Dabei sollten alle Länder vom Handel im gleichem Maße profitieren.

Das Problem ist: Hier in Deutschland macht der Mehlpreis nur einen geringen Teil der Kosten eines Brötchens aus. In anderen Ländern jedoch, in denen die Lohnkosten viel geringer sind bzw. die Leute ihr Brot selber herstellen, bedeutet ein Anstieg der Mehlpreise eine mittlere Katastrophe. Wenn der Handel mit Lebensmitteln nur rein auf den Profit einzelner Unternehmen ausgerichtet ist, führt dies eben nicht zum Wohle aller... obwohl uns der Kapitalismus so eigentlich verkauft wurde.

Und in einer Zeit, wo viele nicht in der Lage zu sein scheinen mal die Lebensmitteleinkäufe und Mahlzeiten eine Woche im Voraus zu planen, erübrigt sich die Frage, ob häufigere Einkäufe zu weniger Abfall führen würden... oder sonstiger Schnickschnack. Na ja, Hauptsache alle haben ein IPad. :roll:

PS: Alles auf politische Missstände schieben gilt nicht, schließlich haben wir Europäer überall auf der Welt wahre Trümmerhaufen zurückgelassen. Und wäre unsere Wirtschaft nicht ausschließlich auf Profitmaximierung getrimmt, hätten wir diese Fehler vielleicht schon wieder (zum großen Teil) gutmachen können.

Nach oben 28.08.2012, 18:41 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Die Wirtschaft ist zu komplex geworden, als dass ein einfaches Eigreifen die Situation änderte.
Es müssen ja nur sogenannte Ratingargenturen ein Land schlechter einstufen- schon hat dies einen immensen Einfluß.
Nur gemeinsam und global können wir in eine andere Richtung denken und handeln.
Seit der sogenannten Globalisierung spielen Faktoren eine Rolle, die nicht nur das eigene Land betreffen.
Daher ist es "kurz" gedacht, nur -die durchaus vorhandenen Mißstände- im eigenen Land anzuprangern.

Alles hängt zusammen und ich glaube man weiß eigentlich gar nicht mehr genau wie...daß macht das ganze so undurchschaubar.
Selbst ein Krieg mit dem wir nichts zu tun haben, wirkt sich auf das gesamte wirtschaftliche "Gefüge" aus.

Mir scheint manchmal eine einsame Insel sehr verlockend...dann läßt man se einfach machen...
Und wenn ich dann noch ein Brothaus hätte, wäre ich bestens versorgt.. :grins:

Grüße
Eva

Nach oben 28.08.2012, 19:22 Nach unten

PC

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 28.08.2012, 18:41 Beowulf hat geschrieben:
Ein Kühlschrank erzeugt stets mehr Wärme als Kälte. Daher geht deine Rechnung aus Prinzip nicht auf. ;)

Gut dass Dir das klar ist (ernsthaft)! Die Frage wurde mal bei irgendeiner Fernseh-Quizshow gestellt, die meisten Leute haben geantwortet dass der Raum dauerhaft kühler wird, da der Kühlschrank ja kühlt - ist ja logisch... :D

Ich habe den Vergleich angestellt um zu verdeutlichen, dass man immer das Gesamtsystem betrachten muss, und das ist nicht immer so einfach. Selbst das Kühlschrank-Beispiel würde in der Realität noch viel komplexer, wenn in ein paar Monaten dadurch die Stromrechnung so stark ansteigt, diese nicht mehr bezahlt werden kann, eine Räumungsklage ansteht, die Tür aufgebrochen wird, und anschließend die Wohnung leer steht. Ist danach dann die Raumtemperatur höher oder niedriger als vorher? :grins:

Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 28.08.2012, 18:41 Beowulf hat geschrieben:
Das manche Dinge komplex sind, sollte einem nicht dazu verleiten Vergeudung gutzuheißen...

Da bin ich voll bei Dir. Ich bin grundsätzlich gegen Verschwendung jeglicher Art. Nur ist es eben ein Trugschluss anzunehmen, dass durch weniger Lebensmittelverschwendung in den Industriestaaten es mehr Nahrungsmittel in den Hungergebieten gäbe. Diese gedankliche und moralische Kopplung kritisiere ich.

Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 28.08.2012, 18:41 Beowulf hat geschrieben:
Es ist ein globales Problem, aufgrund unserer vernetzten Wirtschaft, die hauptsächlich darauf ausgerichtet ist die Bedürfnisse der Industrienationen zu befriedigen. Dabei sollten alle Länder vom Handel im gleichem Maße profitieren.

Auch da bin ich voll bei Dir. Nur schippert keiner eine Tonne Weizen in die Sahelzone, wenn der Aufwand an Transportkosten, Personal und mannigfaltigen Nebenkosten schon höher ist als der dortige maximal-erzielbare Verkaufspreis. Das wiederum kann man ja auch keinem Unternehmer vorwerfen, sich nicht der Moral wegen in den Konkurs zu stürzen, was ironischerweise auch unmoralisch wäre. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Um mal auf's Thema zurückzukommen:

Eine Künstlerin hat Brote in die Luft gesprengt. Ob einem das persönlich gefällt oder nicht gefällt ist die eine Frage, moralisch halte ich das aus vormals ausgeführten Gründen für vollkommen bedenkenlos.

Eine ähnliche Frage wurde heute übrigens im Radio diskutiert:

In der spanischen Kleinstadt Buñol fand heute die traditionelle "Tomatina" statt: Eine Stunde lang bewarfen sich wie jedes Jahr am letzten Mittwoch im August tausende Menschen mit Tomaten.
:arrow: http://www.abendblatt.de/vermischtes/ar ... t-rot.html

Ist das moralisch vertretbar? Dazu muss man wissen: Die Tomaten werden ausschließlich dafür angebaut, es kommen tausende Touristen (sogar ganze Trupps aus Japan), was dem Städtchen und den krisengebeutelten Menschen dort einen Wirtschaftsertrag in Höhe von ca. 100.000 EUR beschert.

Bilder: http://www.google.com/search?q=tomatina ... 12&bih=802

Nach oben 29.08.2012, 23:03 Nach unten

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Eigentlich ist das Fest der Tomatina gut mit dieser “Kunstaktion Breadexplocion“ zu vergleichen und zwar nicht alleine durch die Benutzung von Lebensmittel, sondern eher durch ihren Sinngehalt. Die Tomatina hat keinen wirklichen historischen oder religiösen Hintergrund oder Geschichte und selbst für die Einheimischen, also dem Spanier ist dieses Fest eher eine Touristenattraktion, als tatsächlicher Ausdruck einer Tradition. Dieses Fest dient dem Spaß, mit dem nützlichen Nebeneffekt, das der rote Saft der durch die Straßen fließt mit seiner Säure den Boden reinigt und desinfiziert.

Der Beweggrund der Brotaktion scheint mir aus ähnlichen Gründen erdacht worden zu sein. Während man früher als böser Bube mit Böllern Briefkästen sprengte (und das machte wirklich Spaß! :mrgreen: ) sucht man sich heute eine tiefschürfende Begründung und verkleidet das ganze als Kunstaktion. Der Spaß beim Briefkastensprengen bestand auch darin sich nicht erwischen zu lassen, während es doch bei solchen „Kunstaktionen“ vorrangig darum geht, sich in den Mittelpunkt zu stellen. Natürlich wird das Geschehen dementsprechend eingebunden in einen politischen Kontext, denn wie sollte man sonst die Aufmerksamkeit einiger Betrachter erwecken, die sicherlich bei einer vergleichbaren Aktion ohne den Beigeschmack des angeblichen gelittenen Weltschmerzes seitens der Macherin gesagt hätten „Na und?“ Somit können auch die glänzenden Augen beim Sprengen der Brote leicht umgedeutet werden in einen nachdenklichen und sinnierenden Blick, der aber leider nicht sehr tief blicken lässt. Stellt man die Sprengung und die Sprengmeisterin in den Mittelpunkt des Geschehens, ist auch die dilettantische Ausführung der ganzen Aktion erklärbar und daran ändern auch die mit einer roten Linie umzirkelten Kontinente nichts. Nun kann man der Macherin dieser Aufmerksamkeitserheischung zu Gute halten das sie noch sehr jung ist, aber im Vergleich zur Tomatina verbleibt nach ihrer Aktion noch nicht einmal der desinfizierende und reinigende Effekt der Tomaten.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 30.08.2012, 00:12 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Ja, nicht jede auch notwendige Protestaktion muß gleich als Kunstaktion weggehen. :mhh: :winken:

Nach oben 30.08.2012, 09:28 Nach unten

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 29.08.2012, 23:03 Adrian hat geschrieben:
Nur ist es eben ein Trugschluss anzunehmen, dass durch weniger Lebensmittelverschwendung in den Industriestaaten es mehr Nahrungsmittel in den Hungergebieten gäbe. Diese gedankliche und moralische Kopplung kritisiere ich.

Ich glaube da machst du es dir etwas einfach. ;) Vor allem im Zusammenhang mit folgendem:
Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 29.08.2012, 23:03 Adrian hat geschrieben:
Nur schippert keiner eine Tonne Weizen in die Sahelzone, wenn der Aufwand an Transportkosten, Personal und mannigfaltigen Nebenkosten schon höher ist als der dortige maximal-erzielbare Verkaufspreis.

Es muss nicht unbedingt die Sahelzone sein. Und wenn manche Regionen nicht ständig damit beschäftigt wären, für uns Bananen oder Kaffee anzubauen - oder ihren Regenwälder zu roden für ein paar Hamburger -, dann könnten sie sich auch viel besser selbst versorgen. Weltweit derart viel Lebensmittel zu produzieren bedeutet immer Raubbau an der Natur, und vor allem die armen Länder haben darunter zu leiden. Man schafft damit ganz perfide Abhängigkeiten. Es ist naiv zu glauben, dass man nur genügend produzieren und verteilen muss, damit alles gut wird.

Nein, ich bleibe dabei: Weil wir immer alles im Überfluss haben müssen, hungern in anderen Teilen der Welt Menschen. Wenn man weniger Lebensmittel wegwirft ist es zwar nicht die alleinige Lösung, aber es wäre eine große Hilfe... zumal dann die Menschen mal wirklich umgedacht hätten.

Nach oben 30.08.2012, 14:07 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
andreas hat geschrieben:
Natürlich wird das Geschehen dementsprechend eingebunden in einen politischen Kontext, denn wie sollte man sonst die Aufmerksamkeit einiger Betrachter erwecken, die sicherlich bei einer vergleichbaren Aktion ohne den Beigeschmack des angeblichen gelittenen Weltschmerzes seitens der Macherin gesagt hätten „Na und?“


ja, so in etwa seh ich das auch, und daher lass ich mir auch von niemandem einreden, hier würde es sich um "kunst" handeln... :grins:

wie ich schon weiter oben schrieb, und was auch nora sagt: nicht jede provokation, die von einem künstler kommt, ist deswegen automatisch ein kunstwerk.

selbst hier im forum findet man gelegentlich zum thema der heutigen welt/wirtschaft/politik weit tiefschürferende und interessantere werke als diese doch eher entbehrliche aktion.

Nach oben 30.08.2012, 15:40 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
björn hat geschrieben:
Und wenn manche Regionen nicht ständig damit beschäftigt wären, für uns Bananen oder Kaffee anzubauen - oder ihren Regenwälder zu roden für ein paar Hamburger -, dann könnten sie sich auch viel besser selbst versorgen.


leider findet hier genau null umdenken statt, sondern es wird schlimmer und schlimmer. inzwischen sind etliche großkonzerne damit beschäftigt, in afrika ackerland aufzukaufen, mit zweifelhaften methoden, korruption und bestechnung inklusive, um dort für die industrienationen, aber auch für länder wie china oder indien lebensmittel, aber auch sachen für den sogenannten biodiesel zu produzieren, oder rosen für europa und sonst noch einige echt nötige dinge. die oft unklaren besitzverhältnisse der kleinbauern tragen ihren teil dazu bei.

die afrikanischen staaten selber tragen leider auch sehr wenig dazu bei, dass dies besser werden könnte. nicht nur der ausverkauf fruchtbarer flächen (man könnte das ja auch schlichtwegs verbieten, wie es in österreich der fall ist), sondern auch das explodierende bevölkerungswachstum (ca. 40-60% in wenigen jahrzehnten), das man in dieser situation als blanke unvernunft bezeichnen kann, machen die sache gewiss nicht besser. wie sollten eh schon trockene und nahrungsmittelknappe regionen auf einmal doppelt so viele menschen ernähren können, wenn wir dort schon vor jahrzehnten hungerkatastrohpen verzeichnen konnten?
die ernährungssicherheit der eigenen bevölkerung, wie in einem der artikel erwähnt wurde, ist diesen staaten leider sehr, sehr wenig wert.

die lösung ist aber hier sicher nicht, dass wir mehr und mehr dort hin schicken, denn auch das führt wieder zu sehr negativen auswirkungen. wir schicken z.b. hühnerteile, die unsere verwöhnten menschen nicht mehr wollen, nach afrika, natürlich mit eu-exportsubventionen, und zerstören dadurch lokale kleinbauern. früher kaufte man ein ganzes huhn, heute wollen die leute vorwiegend keulen und brüstchen, der rest wandert nach afrika. ähnliche effekte haben unreflektierte altkleiderspenden.

eine andere art sagenhafter lebensmittelverschwendung entsteht durch unsinnige eu-normen und verblendete verbraucher: es geht nicht mehr um gesundheit und nährwert von lebensmitteln, sondern um deren optisch einwandfreie schönheit, ob sie hingegen scheiße schmecken, was inzwischen sehr viele tun, ist einerlei (und viele konsumenten, die etwa nicht in den genuss eines eigenen gartens und dort frisch geernteten, vielleicht nicht so ansehnlichen, aber großartig schmeckendem gemüse und obst kommen, wissen ja gar nicht mehr, wie sowas schmeckt). somit wird alles aussortiert, was einen kleinen fleck hat, etwas zu krumm, zu klein, zu unförmig ist.

Nach oben 30.08.2012, 16:14 Nach unten

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Nachtrag.

Natürlich ist das Medium der gezielten Sprengung als Ausdrucksmittel in der Kunst kein unbekanntes Thema und einer der bekanntesten zeitgenössischen Künstler die mit diesem Medium arbeiten ist der Schweizer Künstler Roman Signer. Ich habe damals 1987 eine seiner Aktionen in Kassel zur Documenta 8 live erlebt und es war ein ästhetischer Hochgenuss ohne jegliches politische oder sozial hintergründige Engagement. In der Aktion wurden 350 Stapel Papier, die in einer 300 Meter langen Linie auf der Wiese vor der Orangerie in Kassel angeordnet wurden, gesprengt. Die bei der zeitgleichen Sprengung der Stapel erzeugte 15 Meter hohe flatternde Papierwand war für sich gesehen schon ein unglaubliches Ereignis, aber das langsame herab segeln der Papierschnitzel danach, war ein ästhetischer Genuss.
Signer
Wer mehr von diesem Künstler sehen möchte, dem kann ich folgendes Video empfehlen, in dem er beweist dass Kunst auch humorvoll sein kann, ohne einen gehobenen Anspruch auf Tiefgründigkeit.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 30.08.2012, 16:26 Nach unten

Mischtechniken

Beitrag  Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren
Beitrag: Re: München - Künstlerin lässt Brote explodieren - 30.08.2012, 00:12 arte60 hat geschrieben:
Während man früher als böser Bube mit Böllern Briefkästen sprengte (und das machte wirklich Spaß! :mrgreen: ) sucht man sich heute eine tiefschürfende Begründung und verkleidet das ganze als Kunstaktion. Der Spaß beim Briefkastensprengen bestand auch darin sich nicht erwischen zu lassen, während es doch bei solchen „Kunstaktionen“ vorrangig darum geht, sich in den Mittelpunkt zu stellen.

Da kann ich nur den Kopf schütteln... jedesmal zum Jahresanfang liest man, was bei derartigen "spaßigen" Aktionen
alles passiert... schwerst Verletzungen... von der Beschädigung fremden Eigentums ganz zu schweigen... aber Hauptsache, man wird nicht erwischt...

Nach oben 30.08.2012, 18:11 Nach unten
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