"Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche, sie ist Kühnheit und Erfindung." (Eugène Ionesco)




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 Disziplin kontra "Lustprinzip" 
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Beitrag  Re: Disziplin kontra "Lustprinzip"
Interessantes Thema und spannende Beiträge.

In meinem Kellerräumchen sammeln sich auch die Ufos. An manchen wird hin und wieder weitergearbeitet, manche dienen nur noch dazu, mir ein schlechtes Gewissen zu machen und Ausreden zu generieren, die alle mit "irgendwann einmal" anfangen...

Aber warum ist das so?
Es hat eigentlich nichts damit zu tun, dass ich nicht die Zeit finde zum Malen und Zeichnen. Aber nicht jedesmal, wenn ich mich in meine kreative Ecke zurückziehe, gelingt es mir, ganz in mein Projekt zu versinken. Kennt Ihr diesen Zustand, wenn Zeit und Raum verschwinden und nur noch das Bild und die Farben vor einem liegen? Man braucht nicht mehr zu denken, die Farbe kommt quasi wie von alleine auf den Malgrund. Das ist der Punkt, wenn alles gelingt. Ich weiß hinterher gar nicht, was ich wie getan habe, aber das Ergebnis sieht so aus, wie ich es mir vorgestellt habe.
Gut, aber dieser Zustand gelingt mir nicht jedesmal. Manchmal setze ich da, kritzel hier ein bißchen und lenke mich dort ein bißchen ab und habe nach einer halben Stunde alle Dinge auf dem Tisch einmal umgelegt aber nicht wirklich was vorwärts gebracht. Das ist der Punkt, wo ich es dann erstmal wieder sein lasse.

Der nächste Grund: Es gibt viele Bilder und viele Motive, die mich wirklich reizen. Und manchmal fange ich dann ein solches an. Aber -- zumindest bei mir -- kommt in den meisten Bildern ein Punkt, an dem weniger Kreativität, als mehr Disziplin gefragt ist, um bestimmte Details fertigzustellen. Entweder fehlt mir dann diese Disziplin (was meistens der Fall ist) oder es kommt die Angst dazu, mit den letzten Detailarbeiten eine langwierige Arbeit noch zu "verschandeln". Also ab auf den Stapel mit den "Irgendwann-Objekten".
Da bin ich auch froh, noch jede Woche zum Airbrush-Kurs zu gehen. Wenigstens drei Stunden in der Woche, in der was weiterkommt. Und in der Gemeinschaft gehen auch die Fleißaufgaben weiter. Es ist wie im Kritzelmeister-Forum: Der Zuspruch der Anderen hilft weiter. Und unser Leiter reagiert allergisch darauf, wenn einer von uns versucht, ein Bild im letzten Moment noch zu verhunzen, nur um schnell fertigzuwerden. Also genau die Art von Unterstützung, die ich brauche... :lol:

Ach ja: Wie Sabine oben und auch einige andere schon erwähnten: Es gibt ja nicht nur beim Malen viele Projekte, so dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Das ganze Haus ist voller Ablenkungen. Andere Hobbies, die auch gepflegt werden wollen; Freunde und Familie, die angerufen und getroffen werden wollen; Bücher, die zum Lesen einladen; Ecken, die mal wieder nach Aufräumen schreien. Vor ein paar Wochen ist mir das Alles so über den Kopf gewachsen, dass ich mir vorgenommen habe, mich in diesem Winter von Allem zu trennen, an dem mein Herz nicht mehr hängt. Alle Dinge, die mich nur noch belasten, indem sie mir sagen "Hallo, ich gehöre Dir, also benutz mich auch!" werden ausgemustert. Der Inhalt meines Bastelschranks wird verschenkt (viel Platz für neue Malsachen... 8) ), ich habe nun ganze Küchenschränke und Arbeitsplatten frei, mein Bücherregal sieht nicht mehr vollgestopft aus und was aus dem Platz wird, wo die DVDs und CDs gelagert haben, weiß ich noch nicht. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass mich gerade mein halber Hausrat verläßt. Aber: Das macht nicht nur die Wohnung, sondern auch den Kopf frei. Und ich habe die Hoffnung, deshalb in Zukunft auch mal wieder richtig gut abschalten und Dinge vorwärts bringen zu können. Siehe oben.

Also: Hoffentlich werdet Ihr in diesem Winter wieder mehr von mir zu lesen und zu betrachten haben.

Liebe Grüße,
Ute

Nach oben 23.10.2011, 17:58 Nach unten

Beitrag  Re: Disziplin kontra "Lustprinzip"
Beitrag: Re: Disziplin kontra "Lustprinzip" - 23.10.2011, 13:51 rommel hat geschrieben:
da hab ich mir dann vorgenommen, nicht nur zu üben sondern kleine themen zu bearbeiten... Mir hat mal ein lehrer gesagt, schmied wird man nur in der schmiede, (und zeichner wohl auch nur am zeichentisch) und ich hab das durchgehalten und mit der disziplin kam die lust...

kleine Themen - ja, ich glaube, das macht den Unterschied; da steckt ein Ziel dahinter, dann macht üben einen ganz anderen Sinn

Beitrag: Re: Disziplin kontra "Lustprinzip" - 23.10.2011, 13:51 rommel hat geschrieben:
Ich zeige meine sachen niemandem (obwohl alle wissen, dass ich male), mache das eigentlich nur für mich, muss aber sagen, dass ich an lebensqualität gewonnen habe, weil ich die zeit investiert habe und ich mir gleichzeitig durch die disziplin neue freiräume erschlossen habe, so dass sich mein alltag und meine kreativität heute ergänzen und stützen...

wundervoll ! möge es so bleiben (das gegenseitige Ergänzen und Stützen) - und schön, dass wir deine Werke sehen dürfen

Nach oben 23.10.2011, 18:30 Nach unten

Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Re: Disziplin kontra "Lustprinzip"
Beitrag: Re: Disziplin kontra "Lustprinzip" - 23.10.2011, 17:58 calendula hat geschrieben:
es kommt die Angst dazu, mit den letzten Detailarbeiten eine langwierige Arbeit noch zu "verschandeln".


Kommt mir sehr bekannt vor. Arte hat mir so eine wunderbare Anleitung für einen goldenen Knopf gepostet, dass ich mich nun nicht traue, ihn zu malen :hmm: :winken: .

Nach oben 23.10.2011, 19:16 Nach unten

Beitrag  Re: Disziplin kontra "Lustprinzip"
Na sag mal! Ich glaub ich lese nicht recht! Ist das nicht nur ne faule Ausrede? Los ran an den Knopp… :passauf:

Dann noch zum Thema. Auch ich muss hin und wieder etwas anderes arbeiten um gut über die Runden zu kommen! Dabei habe ich schon eine äußerst breite Palette abgedeckt, von Unterricht geben, Übersetzungen von Kunstkatalogen, Grafik-Design, arbeiten im Personalwesen bis hin zur Gestaltung von Theaterbühnen oder Gedenkausstellungen. Trotzdem habe ich meistens diese anderweitigen Verpflichtungen nicht als Störfaktoren gesehen, sondern als Möglichkeit zur Erweiterung meines Horizontes und sogar als Ideengeber. Natürlich ist das Leben wesentlich härter, wenn man auch noch 8 Stunden arbeiten geht, aber genau in solch einer Situation erweist sich oft, wie wichtig einem das kreative Schaffen ist. Für mich war es immer nur eine Frage der Organisation und so wie Hermann schon ganz richtig beschreibt, hält man sich an einen selbstgeschaffenen Plan, so ist man auch fähig selbst nach der Arbeit noch ein paar kreative Stündchen anzuhängen. Es gibt unglaublich viele Ablenkungen wie das Fernsehen, dumm rumsitzen usw. Zeit die durchaus sinnvoller genutzt werden kann.

Sicher ist es richtig, das ich hier eine etwas andere Position einnehme, da ich fast mein ganzes Leben der Kunst gewidmet habe, aber es ist auch richtig, das ich um dieses zu erreichen auf vieles verzichtet habe, obwohl ich es nicht als Verzicht empfinde. Ich habe keine Familie die ich ernähren muss, besitze auch kein eigenes Haus und noch nicht mal ein Automobil, aber ich fühle mich frei und habe in jedem Moment die absolute Entscheidungsfreiheit. Mir ist schon öfters in meinem Leben die Möglichkeit geboten worden endlich einmal ein anständiger Bub zu werden, :mrgreen: also Festanstellung, geregeltes Einkommen bis hin zu heiraten und solche Geschichten, aber immer wieder habe ich noch rechtzeitig die Kurve gekriegt und hier liegt das eigentliche Rätsel, was mich vielleicht von anderen unterscheidet.

Mein Verständnis von Kunst ist viel weiter gefasst und alles und jedes was mich umgibt oder womit ich mich gerade beschäftige, hat letztendlich seinen Einfluss auf meine Kunst und nur eines kann mich darin einschränken, die Beschränkung! Von Disziplin oder Lustprinzip kann ich deshalb nicht reden, geschweige den unterscheiden, denn bei mir ist es eher eine innere Notwendigkeit, der ich in natürlicher Weise nachkomme.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 23.10.2011, 23:43 Nach unten

Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Re: Disziplin kontra "Lustprinzip"
Beitrag: Re: Disziplin kontra "Lustprinzip" - 23.10.2011, 23:43 arte60 hat geschrieben:
so ist man auch fähig selbst nach der Arbeit noch ein paar kreative Stündchen anzuhängen. Es gibt unglaublich viele Ablenkungen wie das Fernsehen, dumm rumsitzen usw. Zeit die durchaus sinnvoller genutzt werden kann.

Gilt das auch, für "tot umfallen nach 10 Stunden Arbeit" :rofl: ?

bis hin zu heiraten und solche Geschichten, aber immer wieder habe ich noch rechtzeitig die Kurve gekriegt

Dabei macht heiraten Spaß, ich hab' das dreimal gefeiert :lachen:


arte60 hat geschrieben:
Mein Verständnis von Kunst ist viel weiter gefasst und alles und jedes was mich umgibt oder womit ich mich gerade beschäftige, hat letztendlich seinen Einfluss auf meine Kunst und nur eines kann mich darin einschränken, die Beschränkung! Von Disziplin oder Lustprinzip kann ich deshalb nicht reden, geschweige den unterscheiden, denn bei mir ist es eher eine innere Notwendigkeit, der ich in natürlicher Weise nachkomme.


Dafür bist DU ja auch ein Vollprofi :fans: .

So, und meinen blöden Artikel hab' ich jetzt auch fertig und morgen bin ich wieder OMA - da bin ich Vollprofi :grins: .

:gutsnaechtle:

Nach oben 23.10.2011, 23:59 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Disziplin kontra "Lustprinzip"
arte hat geschrieben:
heiraten und solche Geschichten,


und was, wenn dir eine täglich sachertorte bäckt, hmmm??? :rofl:

einen unterschied hast du noch vergessen: du bist von jung an da reingewachsen!

außerdem: wenn du mal dies mal das tust, dann kann ich mir auch vorstellen, dass man das als bereicherung empfindet.
wenn du seit jahren das selbe tätest, wär das vielleicht anders... :mrgreen:

Nach oben 24.10.2011, 00:15 Nach unten

Beitrag  Re: Disziplin kontra "Lustprinzip"
Beitrag: Re: Disziplin kontra "Lustprinzip" - 23.10.2011, 23:43 arte60 hat geschrieben:
Sicher ist es richtig, das ich hier eine etwas andere Position einnehme, da ich fast mein ganzes Leben der Kunst gewidmet habe, aber es ist auch richtig, das ich um dieses zu erreichen auf vieles verzichtet habe, obwohl ich es nicht als Verzicht empfinde. Ich habe keine Familie die ich ernähren muss, besitze auch kein eigenes Haus und noch nicht mal ein Automobil, aber ich fühle mich frei und habe in jedem Moment die absolute Entscheidungsfreiheit.


ich glaube, vor dieser Entscheidungsfreiheit mit ihren Konsequenzen haben die meisten - mich eingeschlossen - Angst
wobei ich das jetzt für den Lebensweg überhaupt meine, egal, ob man ihn in der Kunst sieht oder als Ingenieur oder Hausfrau oder was auch immer

und ich gestehe, meine Motivation ist auch nicht für ein Gebiet so stark, dass ich dem alles andere unterordnen möchte
was wiederum als Konsequenz ein gewisses Verzetteln hat :grins:
womit ich wieder bei der Disziplin angekommen bin: die verschiedenen Interessen und Aufgaben unter einen Hut bringen geht nicht nur nach dem Lustprinzip - bei mir jedenfalls nicht

Nach oben 24.10.2011, 09:07 Nach unten

Mixed

Beitrag  Re: Disziplin kontra "Lustprinzip"
Beitrag: Re: Disziplin kontra "Lustprinzip" - 23.10.2011, 16:07 Christiane hat geschrieben:
@ rommel: Als Bewunderin Deiner täglichen Skizzen kann ich nur sagen, die Idee war super :logisch: :winken: .



ich auch!

Bewundererin...

Nach oben 29.10.2011, 08:51 Nach unten

Mixed

Beitrag  Re: Disziplin kontra "Lustprinzip"
Beitrag: Re: Disziplin kontra "Lustprinzip" - 23.10.2011, 23:43 arte60 hat geschrieben:
.....
Sicher ist es richtig, das ich hier eine etwas andere Position einnehme, da ich fast mein ganzes Leben der Kunst gewidmet habe, aber es ist auch richtig, das ich um dieses zu erreichen ....
Mein Verständnis von Kunst ist viel weiter gefasst und alles und jedes was mich umgibt oder womit ich mich gerade beschäftige, hat letztendlich seinen Einfluss auf meine Kunst und nur eines kann mich darin einschränken, die Beschränkung! Von Disziplin oder Lustprinzip kann ich deshalb nicht reden, geschweige den unterscheiden, denn bei mir ist es eher eine innere Notwendigkeit, der ich in natürlicher Weise nachkomme.

LG :spanien1:
Andreas


Weise und gute Worte, Andreas.

Wenn ich mit meiner Hacke losgehe und Unkraut "bekaempfe", dann mache ich KUNST. Wie? Ich denke "Raum/Platz "space"" (mein Lieblingsthema) - Raum fuer die unterdrueckten kleinen Farne, fuer die zugewachsenen einheimischen Bueschlein, die von schnell wachsenden "Eingefuehrten Europaern" ueberwuchert wurden. Ich bin mit Liebe und Hingabe dabei.... und IMMER, wenn das der Fall ist: dann mache ich KUNST. Wenn ich mich mental erfrischt fuehle, immer dann mache ich Kunst, oft - beschaeftige ich mich dabei mit "RAUM".

Danke fuers Lesen.

Nach oben 29.10.2011, 08:57 Nach unten

Beitrag  Re: Disziplin kontra "Lustprinzip"
Hi

Ich kenne das auch, ich merke das oft das ich das Malen vergesse obwohls mir eigentlich gutgeht bzw guttut

Ich mache mir dann immer feste Verabredungen udn wenn ich dann male male ich mehrere Sachen nacheinander.

Lg Seelenfarben

Nach oben 05.11.2011, 22:30 Nach unten
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