"Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein." (Theodor W. Adorno)




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 Warum male ich dieses Motiv und kein anderes? 
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Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Adrian hat geschrieben:
"Warum male ich dieses Motiv und kein anderes? Warum gefällt es mir? Wie und warum fange ich genau so an und nicht anders. Habe ich mich dazu entschieden, oder stellt mein Verstand nur nachträglich fest, dass ich mich so entschieden habe? Hätte ich mich anders entschieden, wenn es gewisse Einflüsse in meinem Leben nicht gegeben hätte? Wenn ich wo anders wohnen würde? Andere Eltern hätte? Anderswo aufgewachsen wäre? In einer anderen Zeit? Wieviel davon entscheide ich wirklich selbst? Was bin ich mir eigentlich von meinem eigenen Kontext bewusst? Und wieviel davon steckt später im fertigen Bild?"


Hallo, liebe KritzelmeisterInnen,

Ich habe diesen Beitrag von Adrian mal abgetrennt, weil es mich interessieren würde, wie das bei Euch ist. Vielleicht schildert der eine oder die andere, wie es ihnen ergeht. Ich mache mir auch mal Gedanken dazu. :winken: .

Nach oben 15.08.2011, 13:44 Nach unten

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Hallo Lucie,das ist wirklich ein interessantes Thema.Ich kann da meinen Baum als Beispiel nehmen.Den M U S S T E ich einfach malen.Ich hätte ihn sonst nicht aus dem Kopf bekommen.Ich stelle aber fest,das solche Bilder keine Socke interessieren :winken:

Nach oben 15.08.2011, 13:53 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Danke Lucie für das separieren des Themas - bin auf den Verlauf und Eure Ansichten gespannt!

Bitte haltet das Thema inhaltlich kompakt und vermeidet Privat-Talk :winken:

Nach oben 15.08.2011, 14:03 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Das ist wirklich ein interessantes Thema. Dabei kann man ja nur mutmassen. Ich weiss ja nicht, welchen Charakter hätte ich mit einem anderen Elternhaus. Welchen Geschmack hätte - oder hätte ich überhaupt einen anderen Geschmack mit einem anderen Einfluss von draussen. Also andere Freunde, ein anderer Wohnort. Fest steht, dass der Kontakt zu verschiedenen Personen mein Leben geprägt hat und ich vielen etwas geben konnte, genauso wie ich von anderen etwas "mitgenommen" habe.
Wenn ich heute ein Bild male, das mir heute gefällt, kann es durchaus vorkommen, dass ich morgen wieder drübermale, weil ich`s grausam finde. Genauso geht es mir mit Musik, Klamotten .........
Ich tu mich immer schwer, eigene Bilder zu beurteilen oder auch etwas hinein zu interpretieren. Bei anderen fällt mir das viel leichter :hmm: . Wenn ich male, dann male ich etwas das ich mir vorgenommen habe, und doch wird es immer anders als geplant. :mhh: Und heute kann es ganz anders aussehen als morgen :sterne:
Sehr komplexes Thema, so einfach und doch kompliziert :grins:

LG Karin :winken:

Nach oben 15.08.2011, 14:05 Nach unten

Pastellkreide, Öl, Stifte

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Ja, mich hat das auch bewegt, was Adrian da geschrieben hat. Seit ich es heute morgen gelesen habe, denke ich öfter daran. Wie ist das bei mir?

Ich sehe ein Bild, ich erlebe etwas, jemand erzählt mir was, oder ich lese einen Artikel, oder sehe einen Film. Und schon habe ich ein Bild im Kopf, ein vage Idee. Manchmal auch tatsächlich ein Bild, ein Foto aus einer Zeitschrift, einem Buch oder ähnlichem.

Ich kann nix mehr andres denken, ich muss das malen. Manchmal unterbreche ich ein bereits angefangenes Bild, weil ich mich da im Moment nicht mehr drauf konzentrieren kann.

"Haiti, Januar 2010", war so ein Beispiel. Ich lag während des Erdbebens im Krankenhaus, habe den ganzen Tag die Berichte im Fernsehen gesehen, all das Elend, die Trauer. Es hat mich pausenlos beschäftigt. Dann kam ich nachhause und habe das Titelbild des Spiegel gesehen. Ich musste das unbedingt malen.

Ich habe skizziert, meine Ölfarben rausgesucht, und in wenigen Tagen war es fertig. Es war, als würde ich diese Ohnmacht damit bekämpfen können.

"Kindheit" und "Ende" der Kindheit zwei weitere Beispiele. Damals kamen viele Berichte im Fernsehen und den Zeitschriften über Kindesmissbrauch, körperlichen, seelischen. Das hat mich unglaublich beschäftigt, auch wenn ich nur indirekt betroffen bin. Es ist, als würde ich solche Themen für mich verarbeiten können, wenn ich etwas dazu male.

Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt, ob ich einen künstlerischen Beruf ergreifen sollte. Es hat sich nicht ergeben. Heute bin ich darüber fast froh. Ich kann malen was ich will, wie ich will, ohne existentielle bzw. finanzielle Bedürfnisse befriedigen zu müssen. Ich muss nicht davon leben. Mein Beruf ist recht unkreativ. Das ist ok. Er ernährt mich bzw. ist Teil des Familieneinkommens.

In meiner Freizeit kann ich malen, ich kann experimentieren, ohne Rücksicht nehmen zu müssen, ob es für solche Bilder einen Markt gibt, oder nicht.

Ja klar, Kindheit, Erlebnisse, Umfeld, haben mich geprägt, und sicher würde ich anders oder andere Motive malen, wenn ich in einer anderen Zeit, oder mit anderen Einflüssen gelebt hätte.

Es klingt vielleicht komisch, aber das Malen erdet mich irgendwie. Ich kann mir nicht vorstellen, einmal nicht mehr zu malen. Oder eingängige Motive. Das wäre nicht mehr "ich"

Warum male ich diese Motive? Weil das alles ein Teil von mir, von dem was mich beschäftigt, was und wie ich bin, ist.

Nach oben 15.08.2011, 14:06 Nach unten

Mischtechniken

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Also mir fällt spontan als Beispiel das aktuelle Thema "Sommernacht" ein.

Warum male ich keine Biergärten, keine Straßencafes, keine leuchtenden Hochhäuser?
Weil ich keinen Bezug dazu habe. Die paar abendlichen Besuche im Straßencafe, die ich
in meinem Leben verzeichnen kann, waren unspektakulär und in Erinnerung sind mir nur
die ewigen Wespen geblieben. Und im Biergarten war ich vielleicht 1-2mal vor mehr als
40 Jahren in Rosenheim.
Selbst Essen und Trinken finden in meinen Träumen nicht statt. Ich könnte in diese Bilder
nicht so viel Herz hinein legen wie z.B. Nessie in ihr wunderschönes Hochhaus und die
sommerlichen Straßenszenen.
Wenn ich sowas malen würde, wäre es Krampf

Stattdessen male ich Gnome, Trolle, sommerliche Traumuniversen mit und ohne Sterne.
Mit andern Worten, ich träume mich gern in schöne Unmöglichkeiten hinein. Ich gestatte
es mir, zu fliegen, zu schwimmen und zu phantasieren. Meine erträumten Sommernächte
sind nicht von dieser Erde.

Die ersten 12 Jahre meines Lebens wohnte ich auf dem Lande, ohne Straßenlaternen.
Es war stockdunkel.
Da gab es die seltenen Momente, in denen mein Vater mich für voll nahm und mir
die wichtigsten Sternbilder am Himmel zeigte.
Und vor 10-20 Jahren habe ich eiskalte Winterabende mit meinem Sohn und seinem Teleskop
im Garten draußen verbracht.

Daher kommt wohl meine Liebe zu den außerirdsichen Sommernachtsphantasien. Naja, eine
sternklare Winternacht täte es auch. :logisch:

:winken: camkar

Nach oben 15.08.2011, 16:03 Nach unten

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Warum male ich das was ich male :mhh: aber wirklich,bis jetzt habe ich gar keine Gedanken darüber gemacht. :mhh:
Aber warum ist das so.... :mhh:

Einfluss von anderen.....Umgebung...Unterbewustseins....
:mhh:

Nach oben 15.08.2011, 16:15 Nach unten

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
oh, das ist ein anregendes thema!! :!:

warum hab ich überhaupt angefange, das zeichnen zu lernen? weil ich einfach etwas konstruktives mit meiner zeit anfangen wollte! und das zeichnen ist mir einfach eingefallen. zufall?? keine ahnung! :hmm:

jedenfalls der beste einfall, den ich je hatte!!!!!!!!!!!! :D

warum ich die bilder so wähle, wie ich sie zeichne? ich denke, die frei gezeichneten bilder kommen aus meinem bauch, ich hab das gefühl, dass ich das zeichnen sollte und dann tu ich das auch! oder besser dann üb ich das auch. :!:

ich bin überzeugt davon, dass ich großes glück hab, auf dieser seite des erdballs und an einem so sicheren ort zur welt kommen durfte!
:mhh: hier gibt es weder naturkatastrohen, noch hungersnöte!
sicher in einzelfällen sind die schicksale schrecklich und beklagenswert, bei mir war das bisher nicht der fall.

mein fazit dazu: ich hatte glück!! :dopsblau: :dopsblau: :dopsblau:

und ich bin überzeugt davon, dass ich mich anders entwickelt hätte und auch anders denken und handlen würde, wenn ich woanders oder zu einem anderem zeitpunkt der weltgeschichte hier gelandet wäre.
es prägen uns so viele dinge, die erziehung der eltern, die geschichte des landes und sicherlich auch das zeitalter.

hätte ich im mittelalter gelebt, hätt ich vermutlich als frau schlechte karten gehabt, mit all meinem eigensinn.

es hätte für mich sicher wesentlich schlimmer kommen können!! es ist gut so, wie es ist!! :logisch:

danke, adrian, für deine anregung zu diesem thema!!

gruß tina :)

Nach oben 15.08.2011, 16:28 Nach unten

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Mir gehen diese worte auch nicht mehr zum kopf raus. wollte daas thema auch schon separieren, nun warst du schneller. danke dir.. ich mach mir auch mal gedanken dazu.. mal schauen was dabei rauskommt.

es gibt noch einen anderen satz von adrian, der mich mindestens genau so fasziniert. und der mich bewegt und mir nicht mehr aus demkopf geht..

Nach oben 15.08.2011, 16:31 Nach unten

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Hallo Zusammen,

das ist mal ein wirklich interessantes Thema! Danke!

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich im Malen unglaublich viel vom Kontext und dadurch auch unserer Persönlichkeiten zeigt. Und umso weniger man es beherrscht, wohl noch umso mehr, weil man sich nicht hinter den vermeintlichen Regeln verstecken kann und wohl auch nicht so sehr mit ihnen und den damit zusammenhängenden Erwartungen spielt.

Ich glaube, unser Unterbewußtsein spielt beim Malen sehr oft mit uns...und es sind wohl auch die "vermeintlichen Fehler", die auch einiges über uns verraten...was uns wichtig ist, was egal, wie wir mit dem vorhandenen Raum umgehen, etc.

Bei mir persönlich hat das Malen sehr viel mit dem "die Welt wahrnehmen" zu tun. Ich sehe z. B. bei meinen Skizzen, ob ich etwas mag (dann fällt mir offenbar auch das erforderliche genau hinsehen leichter) oder ob mein persönlicher Bezug eher nicht vorhanden ist. Darüber hinaus gibt das Malen die für mich einzigartige Möglichkeit, Gefühle/Stimmungen (die sich ja oft nicht richtig in Worte fassen lassen) auszudrücken.

Ich könnte übrigens bei all meinen Bildern sehr viel zum persönlichen Kontext mitteilen, d.h. ich drücke damit immer sehr viel von mir selbst aus/zeige etwas von mir. Für mich ist daher auch das Entscheidende die Bildwirkung. Wie wirkt das Bild auf Andere...? Die handwerklichen Fehler sehe ich fast immer selbst...hadere mehr als genug...und weiss, dass es eben dauert und man sich nur durch Üben verbessern kann (das tue ich auch sehr diszipliniert und regelmäßig). Was daher beim Zeigen von Bildern für mich das Wichtigste/Entscheidende ist, ist von Anderen zu erfahren, wie diese Bilder auf sie wirken.

Ich schaue mir auch hier im Forum am liebsten Bilder an, bei denen ich möglichst viel von den Malenden selbst erkennen/spüren kann. Lediglich handwerklich ansprechende Bilder sind für mich nichtssagend.

Dieser Aspekt des Kontextes geht aber leider zumeist in technischen Verbesserungsvorschlägen unter. Was mich daran am meisten überrascht ist die Tatsache, dass doch auch dafür erforderlich ist, dass sich jemand mit der Bildwirkung auseinandersetzt oder sie hinterfragt (was eher selten geschieht)....und ich frag mich manchmal, ob ich da vielleicht zu hohe Erwartungen hab....

Würde mich sehr freuen, wenn dieser Aspekt des "Kontextes" der m. E. bestenfalls im direkten Zusammenhang steht mit der beabsichtigten Bildwirkung ein größeres Gewicht bekäme.

Liebe Grüße,

Michaela

Nach oben 15.08.2011, 16:56 Nach unten

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Bei mir ist es nicht so einfach,da ich erstens nicht gut schreiben kann,und in Bildern Denke.
Ich male meine Worte,es beschäftigt mich alles.Damit meine ich es ist für mich alles interessant.
Ich beschäftige mich mit Psychologie,Mathematik,Astronomie,Physik.Und mit mir selber.
Weil ich auch ein Teil bin von allem.Meine Bildthemen sagen auch einiges darüber aus.Ohne mir Gedanken zu machen ,geht gar nichts.Ich weis nicht so recht ob es für mich wichtig ist wie die Bildwirkung ist.Da ich mir sicher bin so ist es für mich stimmig,ein anderer kann diese Gedanken
und mein Thema nicht so wie ich nachvollziehen,da ich Glaube es will sich auch keiner die Mühe
machen,da es nicht so bequem ist.co :winken: co

Nach oben 15.08.2011, 22:09 Nach unten

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Ich glaube,das Malen auch eine Suchtverlagerung sein kann.Vieles was ich im Leben mache ist sehr exessiv.So auch das Malen,wobei ich das eher als eine angenehme Sucht empfinde.Ich male jeden Tag,ich m u ß malen.Es lenkt mich auch von mir ab. :winken:

Nach oben 15.08.2011, 22:19 Nach unten

Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Ich male nach (meist eigenen) Fotovorlagen, selten am „lebenden“ Objekt (Blumen, Stillleben).

"Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?“ Manchmal suche ich verzweifelt nach einem Motiv und nichts gefällt mir. Habe ich dann keine Lust zum Malen? Na ja, meist zweifele ich dann generell, ob es mir „zusteht“, Zeit derart zum persönlichen Vergnügen zu vergeuden. Und plötzlich springt mich ein Bild förmlich an und dann muss ich es einfach malen. Meist eben sehr harmonische und anspruchslose Bilder. Harmonisch als Ausgleich zum Stress und weil ich Probleme lieber intellektuell verarbeite, anspruchslos wegen meiner mangelnden malerischen Fähigkeiten.

„Warum gefällt es mir?“ Ganz oft ist es die Farbe. Roten und weißen Blüten kann ich schwer wiederstehen. Aber auch blau in Kombination mit weiß (Schneebilder) liebe ich.

„Wie und warum fange ich genau so an und nicht anders.“ Ich versuche, mich möglichst an Regeln zu halten, klappt aber nicht immer (HG zum Schluss z.B.), aber mit der Zeit verinnerlicht man ja angelesenes Wissen.

„Habe ich mich dazu entschieden, oder stellt mein Verstand nur nachträglich fest, dass ich mich so entschieden habe?“ Bei spontanen Entscheidungen eindeutig nachträgliche Feststellung. Manchmal fotografiere ich aber auch einen halben Tag, um eine bestimmte Vorlage zu erhalten.

„Hätte ich mich anders entschieden, wenn es gewisse Einflüsse in meinem Leben nicht gegeben hätte? Wenn ich wo anders wohnen würde? Andere Eltern hätte? Anderswo aufgewachsen wäre? In einer anderen Zeit?“ Logisch, ich wäre ja auch ein anderer Mensch.

„Wieviel davon entscheide ich wirklich selbst?“ Habe ich mich entschieden, zu malen? Es war wohl mehr der Zufall, als es galt, eine Leere zu füllen, weil sich Interessen geändert hatten.

„Was bin ich mir eigentlich von meinem eigenen Kontext bewusst?“ Ziemlich viel, aber das gehört nicht hier her.

„Und wieviel davon steckt später im fertigen Bild?" NICHTS! Oder etwas, was man nicht erkennt. Im besten Falle male ich ein nettes Bildchen und meist Murks. Aber das stört überhaupt nicht die kindliche Freude, wenn auch nur IRGENDETWAS auf einem Bild gelingt – eine Blüte oder ein Schriftzug oder ein Hintergrund (eher nicht).

Nach oben 15.08.2011, 22:45 Nach unten

Bleistift, Polychromos

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Ja, das ist echt mal interessant. Ich hab bisher noch nicht drüber nachgedacht. Und ich weiß auch nicht genau, weshalb ich diese - meine jetzige - Richtung eingeschlagen habe.

Es hat sich einfach so ergeben, geplant war es nie. Beim Zeichnen kann ich am besten Entspannen und finde es immer wieder faszinierend, wie aus einem weißen Blatt plötzlich ein Motiv herauskommt, wie es Formen annimmt, wie mich mit einem Mal ein Mensch oder ein Tier "ansieht". Das ist doch spannender als der beste Krimi.

Vielleicht werde ich auch irgendwann mal Blumen, Häuser oder Autos malen. Und wenn das so ist, werde ich es ganz bewusst tun und dabei sicher immer an diesen Thread denken.

Doch warum ich das zeichne, was ich zeichne, werde ich sicher nie erfahren ...

Nach oben 15.08.2011, 22:53 Nach unten

aquarell

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Also, ich stelle fest, dass ich mich hier in einem Forum bewegen in dem Malen mit hochkomplexen Gedanken betrieben wird. Ich bin da ganz anders gestrickt. Obwohl ich nach dem 2. Weltkrieg noch die schlechte Zeit mitbekommen habe, ja als Flüchtling gehungert habe, bin ich gut behütet und glücklich (kein Konsumzwang) aufgewachsen. Aber es lag anscheinend in den Genen Erfolg haben zu wollen und entsprechend war mein Leben auf harte Arbeit ausgerichtet. Als Ausgleich dazu habe ich dann hin und wieder gezeichnet und gemalt. Tiefe Gedanken, was ich da male, habe ich mir nie gemacht. Es hat sich immer wieder einfach ergeben. Hier ein Kalenderblatt oder eine Fotografie, hauptsache es war heile Welt. Und auch heute male ich nur schöne Dinge, Probleme hatte ich in meinem Leben genug, warum in der Freizeit sich weiter quälen? Warum lerne ich nun bei Vera intensiv Portraits malen. Ganz einfach, Veras MM hat mir gefallen, das möchte ich auch können. Und wenn ich was will, kann ich ganz hartnäckig werden. So einfach ist es, wenn man ein oberflächlicher Mensch ist. Be happy!!!!

Nach oben 15.08.2011, 23:04 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Die Frage ist gut. Aber die Antwort, die ich darauf gefunden habe, erschreckt mich doch irgendwie.
Ich male Bilder, die nicht zu mir passen. Was mich in gewisser Weise sehr unzufrieden stimmt. Ich weiß, dass ich sie malen muss, um Perspektiven, Licht und Schatten, Texturen etc. zu studieren. All diese Übungen schaffen die Grundlage irgendwann surreal malen zu können. Noch bin ich technisch viel zu unbeholfen um meine Hirngespinnste so umzusetzen, wie ich es mir vorstelle. Deswegen ist für mich alles oft einfach nur frustrierend. :hmm:

Nach oben 15.08.2011, 23:29 Nach unten

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Für mich haben diese Fragestellungen einen eindeutigen Nachteil, denn sie sind zeitgebunden. Um meine aktuelle Arbeitsweise verständlich zu machen, müsste ich nun mehr 30 Jahre Revue passieren lassen, in denen es ganz verschiedenen Phasen gab, die aber letztendlich zu meiner jetzigen Arbeitsweise geführt haben. Beschränke ich mich jedoch auf den aktuellen Stand sind die Fragen recht einfach zu beantworten.

Seit ungefähr 20 Jahren arbeite ich absolut analytisch, konzeptuell und Themenbezogen, das bedeutet das vor dem eigentlichen malerischen Akt immer eine exzessive, theoretische Untersuchung einer von mir gewählten Thematik ansteht und erst während dieser Untersuchung entsteht die Bildidee, die von mir immer in einer Serie von gemalten Bildern verwirklicht wird. Dabei kann die Verwirklichung, also die Umsetzung in Malerei völlig unterschiedlich ausfallen, aber immer in Übereinstimmung mit der Thematik. Bei dieser Vorgehensweise stellen sich die Fragen nach dem „Warum und Wie“ überhaupt nicht, weil sie sich aus der Beschäftigung mit dem jeweiligem Thema automatisch ergeben. Natürlich habe ich mich für diese Arbeitsweise bewusst entschieden und sie wird auch leicht erklärbar durch die vorangegangenen Entwicklungsphasen die ich durchlaufen musste, um zu dieser Vorgehensweise zu gelangen. Daher glaube ich auch nicht, dass ich mich unter anderen Umständen anders entschieden hätte, denn auch die unterschiedlichsten Lebenssituationen in denen ich mich bisher befunden habe, haben an meiner Arbeitsweise nicht das Geringste geändert. Auch in der Auswahl meiner Themenbereiche bin ich vielleicht ein völliger Starrkopf, denn dabei interessieren mich äußere Umstände überhaupt nicht und ob ich nun in Spanien, Deutschland oder auf Feuerland wohne, meine Arbeit wird dadurch niemals beeinflusst.

Wenn ich andere Eltern gehabt hätte, Anderswo aufgewachsen wäre oder in einer anderen Zeit, diese Fragen sind mir zu hypothetisch und interessieren mich auch nicht, da ich bin wie ich bin und das Wenn, Woher und Wann für meine Arbeiten oder meine Arbeitsweise eher keine Rolle spielt.

Die Frage nach dem „Wie viel entscheide ich selbst“, ist auch einfach zu beantworten. Absolut alles, vom ersten Moment der Themenauswahl bis zum letzten Bild einer Serie, deshalb ist die Frage nach dem „Bewusstsein des eigenen Kontext“, sowie „wie viel davon steckt später im fertigen Bild” in meinem Fall überflüssig.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 15.08.2011, 23:38 Nach unten

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
Meine Gedanken schwirren um das Thema herum.

Warum male ich genau das und nichts anderes. Für mich gibt es nur eine einzige antwort, ich male in dem moment, immer genau das wozu ich lust habe. sei es figürlich, abstrakt was lernreiches, von foto, nach alten meistern. Egal, es ist und bleibt das, was ich in dem moment gerade seh. mich fasziniert überwältigt oder mein inneres den druck zum malen ausübt. das warum, weshalb oder wofür ist mir egal. und das woher, intressiert mich auch nicht sonderlich. meine bilder drücken das aus, was gerade raus will. da brauch ich mich nicht zu fragen, wäre das den nun anders gewesen, wäre ich in einer anderen welt, familie etc aufgewachsen oder änliches. denn der hätte und der wäre waren zwei torenbuben, oder anders gesagt, wann wäre das wenn nicht anders etc.. je mehr ich mich hinterfrage destomehr antworten gibts und irgendewann verliere ich den konsenz zu dem was ich tue, jetzt, heute und im hier..

Nach oben 16.08.2011, 00:16 Nach unten

Aquarell, Öl, Pastellkreiden

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
moin zusammen,

also ich kann immer nur malen, was da gerade aus mir rauswill. und ich stümpere so lange vor mich hin (manchmal über ein jahr), bis ich denke, daß das bild nun fertig ist. oder es bleibt unfertig, das kommt auch vor.
hatte auch sehr lange jahre, wo ich zwar bilder im kopf hatte, aber nicht geschafft habe, daß ich sie male - blockade nennt man das wohl.
ich habe auch nicht sehr viele bilder vorzuweisen, weil ich früher kaum zeit hatte und als ich sie hatte - siehe oben - blockade.

durch *täglich eine kleine skizze* bin ich wieder sehr gut ins malen reingekommen. und merke, daß täglich malen sehr wichtig ist. nur bei den skizzen steht mir im weg, daß ich eigentlich keine skizzenzeichnerin bin - weil - siehe oben, ich male eigentlich nur, was da gerade in mir ist und gemalt werden möchte.

über den grund, warum, weshalb, habe ich mir nie gedanken gemacht. hab halt einfach nur gemalt und fertig. da ich schon als kind so ein träumerle war, denke ich, daß ich unter anderen umständen dennoch genau dasselbe malen würde, höchstens mit mehr knowhow, weil ich dann sicher geschaut hätte, daß ich das malen von der pieke auf lerne.

liebe grüsse von morgenwind :winken:

Nach oben 16.08.2011, 09:14 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Warum male ich dieses Motiv und kein anderes?
also ich gehöre auch eher zu denen, die sich keine besonderen gedanken darüber machen, warum nun dies oder jenes.
ich male selten themenbezogene bilder, die mit aktuellen ereignissen in der welt oder meinem leben zu tun haben. in der bislang schrecklichsten phase meines lebens habe ich zwar nach einiger zeit pause wieder zu malen begonnen, aber ich habe keine schrecklichen bilder gemalt, die mit tod oder all dem sonstigen chaos zu tun hatten, womit ich in der zeit konfrontiert war. ich habe es auch nicht als ablenkung empfunden.
möglicherweise hat es zur heilung beigetragen, aber nicht als bewusste therapie oder so.
wirkt es wohltuend? schön! das muss ich nicht gedanklich zerkauen, sondern lasse es einfach so stehen und gebe mich dem hin.

ich weiß auch nicht, ob es dann noch das selbe wäre, ob das nicht die spontanität blockieren würde, wenn ich mich nach auswahl eines motives hinsetzen und das "warum?" gedanklich bearbeiten würde.
was haben bilder mit denken zu tun? insgesamt glaube ich, kreativität hat mehr mit hingabe als mit denken zu tun.
ich tu zwar auch denken, es ist ein notwendiges werkzeug im leben, aber insgesamt glaube ich, das denken wird in unserer welt sehr überschätzt. es gibt so weite bereiche in uns, die sich dem denken völlig entziehen, und fängt man an, es mit denken erfassen zu wollen, wird man immer scheitern.
ich denke allenfalls darüber nach, in welcher technik ich es verwirklichen möchte und wie ich dazu am besten anfange.

und im übrigen fällen wir JEDE entscheidung zuerst aus dem bauch heraus, wie die moderne hirnforschung längst weiß. sie weiß auch, dass es im bauch gehirnähnliche strukturen gibt, das sogenannte bauchhirn, die völlig unabhängig vom kopfhirn argbeiten. es gibt dazu sogar einen eigenen forschungszweig, dessen komplizierten namen ich mir ewig nicht merken werde... :rofl: und: nur 10% des informationsflusses geht von oben nach unten, 90% aber laufen umgekehrt, vom bauch zum kopf... :mrgreen: im grunde ist kaum etwas so, wie wir es in der schule gelernt haben. erstaunlich ist eher, dass sich trotz so vieler neuer erkenntnisse unsere alten weltbilder so hartnäckig einzementiert haben...
noch bevor es mir z.b. bewusst ist, dass ich nun mein bein bewegen werde/will, hat das unbewusste bereits den befehl dazu gegeben. der befehl erfolgt immer vor dem, was sich unser verstand dann im nachhinein dazu zurecht bastelt, um sich mit einer vermeintlich rationalen entscheidung gut zu fühlen. der verstand ist langsam! es gibt etwas in uns, das dinge viel schneller und unmittelbarer erfassen kann. wir haben in unserer denklastigen welt nur verlernt, damit umzugehen und darauf zu hören, ohne es gleich wieder gedanklich zerlegen zu wollen. und je - vermeintlich! - verstandesbetonter ein mensch agiert, desto weniger will er damit zu tun haben, weil es halt rational so gar nicht zu fassen ist. manche nennen es "innere stimme", manche "intuition"...und damit hat kreatives schaffen meiner meinung nach SEHR viel zu tun! die buddhisten sagen: du bist nicht dein denken! wir im westen habens eher mit: ich denke, also bin ich.

warum ich überhaupt male? nun es ist ein bedürfnis, und ich schätze, das ist bei den meisten anderen auch so. das talent hab ich von der mama geerbt, aber das ist keine begründung...es geht mir auch nicht um sinnvolles zeitverbringen oder so, ich male oft, während ich eigentlich was dringenderes zu tun hätte... :mrgreen: sinnvoll zeit verbringen kann ich auf vielerlei art und weisen.
als nebeneffekt denke ich, dass kreatives tun der seele gut tut.
warum? weil man dabei in den in neusprech so genannten "flow" kommt, also man ist völlig eins mit seinem tun, man vergisst die zeit, den hunger, den hund und den ehemann. und meistens stellt sich ein eher gedankenloser, meditativer zustand ein. was dem ansonsten denkgeplagten und informationsüberladenen modernen gehirn absolut gut tut. das schüttet glückshormone aus und lässt einem sich einfach gut fühlen.
deshalb hat auch jegliches kreatives tun jenseits der frage, obs nun kunst oder kitsch ist, seine berechtigung.
vielleicht wird man darauf auch einfach süchtig, wie gabi meint. aber wenn dem so ist: es gibt gewiss schlimmere süchte als das... :dops:

wenn dann bei all diesem gedankenlosen und intuitiven tun sowas wie ein kunstwerk am ende rauskommt, fein! ob das aber der eigentliche innere antrieb kreativen tuns ist...?

die frage, ob ich zu einer anderen an einem anderen ort etc. ist auch mir viel zu hypothetisch.
gewiss wäre es anders gewesen. aber wie genau, dazu hätte ich es erfahren müssen. hab ich aber nicht, also denk ich auch nicht drüber nach.

adrian hat geschrieben:
Wieviel davon entscheide ich wirklich selbst?


auch das ist so eine frage... ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich frei ist und wirklich frei, also frei von jeglichen einflüssen der vergangenheit, der umgebung, der sozialisierung, der prägungen, der gesellschaftlichen vorgaben, des eigenen und des kollektiven unbewussten etc. entscheiden kann.
wollte man das, müsste man dazu in der lage sein, sich der vergangenheit und deren einflüssen sowie der gesellschaft und deren einflüssen innerlich völlig zu entledigen, völlig leer davon zu werden. aber wer ist das schon?
in diesem sinne halte ich den sogenannten freien willen für nur mäßig frei... :mrgreen: eine ähnliche illusion wie jene der vermeintlich rationalen entscheidungen...

Nach oben 16.08.2011, 15:36 Nach unten
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