"Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar." (Paul Klee)




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 Bob Ross, Kitsch oder Kunst 
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Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Super, Katja BRF, genau das meinte ich, BR hat ENTZÜNDET, und das bedingt ja eine Art Leidenschaft , und wie man inzwischen an meiner Auswahl Bilder sehen kann, hab ich eben durch ihn und seine Sichtweise, "Es gibt keine Fehler, nur glückliche Zufälle" , keine scheu mehr auch modernere und experimentelle Bilder wie die Patchworkkatze zu malen. :winken:

Nach oben 13.08.2011, 20:24 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Hallo Rosita,

ich hab nur mal kurz in Deine Galerie gespickelt...woooow.... :kinnladeoffen:
da werde ich mich aber noch genauer damit befassen, wenn ich Zeit
habe. Schöön, daß Du daa bist!!! :ja:
Jaa, das meinte ich ja...Bob öffnet Tor und Tür für die Kunst. Man kann
selber daraus machen, was man will.

Ich wünsche Dir weiterhin viiiel Spaß beim Malen,
Katja BRF :knuddelbunt:

Nach oben 13.08.2011, 21:08 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Leute, was mich hier an dieser "Diskussion" mal wieder extrem stört, ist die extreme Dialektik der Fragestellung:

1. Ist schonmal einer auf die Idee gekommen, dass auch etwas "Kitsch" UND gleichzeitig "Kunst" sein kann? Wieso sollte sich das gegenseitig ausschließen?

2. Die zweite extreme Dialektik "Kunst" oder "Nicht-Kunst". Wie wär's z.B. mit "ein bisschen Kunst"?

3. Geht's hierbei wieder nur um schnell dahergesagte Meinungen, wer was gut findet und wer nicht? Wir können ja dann zählen und die Mehrheit hat wie immer Recht? :D

4. "Kunst"-Diskussionen hatten wir schon en masse (siehe auch Kunst und Regeln, das brauchen wir hier an dieser Stelle nicht auch schon wieder).

Wer sich philosophisch-tiefgründig mit dem Kunst-Begriff auseinandersetzt, kommt intellektuell zwangsläufig an einen Punkt, wo man erkennen muss: Kunst hat nichts mit Können, Kunst hat nichts mit Handwerk, Kunst hat nichts mit Schönheit, Kunst hat nichts mit Zeit, Kunst hat nichts mit Arbeit, und Kunst hat nichts mit Mehrheit zu tun - zumindest nicht primär. Kunst hat etwas mit Kontext zu tun - und nur mit Kontext.

Wer wissen will, ob "Bob Ross" etwas mit "Kunst" zu tun hat, der sollte sich daher nicht ausschließlich auf die Maltechnik, die TV-Shows, die Schnelligkeit oder die Bildwirkung konzentrieren, sondern die Summe aller Ursachen erfassen bzw. erspüren (der besagte Kontext), eben warum die Bilder so sind wie sie sind. Dann ergibt sich auch die Möglichkeit, dass sich einem die Kunst dahinter offenbart.

:winken:

Nach oben 13.08.2011, 23:43 Nach unten

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Hi

Bob Ross Kunst oder Kitsch, durchaus keine einfache Frage. Für mich ist es Kunst und zwar, einfach nur aus diesem Grund weil Bob Ross und Herdin, es fertig gebracht haben dass sich komplette Laien, zu denen ich auch zähle, mit Ölmalerei zu beschäftigen. Weil sie Menschen dazu bringen ,die noch nie mit Ölfarben etwas zu tun gehabt haben, Freude daran haben etwas zu malen. Und weil die Ergebnisse gut genug werden, dass man Sie sich selbst an die Wand hängen kann und mit Stolz behauptet das habe ich gemacht. Für jene die ein solches Bild malen stellt sich eigentlich die Frage gar nicht ob das echte Kunst ist was sie da auf die Leinwand gebracht haben. Bob Ross verbreitet die Freude am Malen und das ist eindeutig Kunst für mich. Die Vermarktung ist eine ganz andere Geschichte. Ich bin von den BR Produkten bereits völlig abgekommen jedoch wäre ich nie zur Malerei gekommen hätte es Bob Ross nicht gegeben, und ich hätte dieses wunderbares Hobby nie kennengelernt. Und ich bin sicher nicht der einzige Hobby Maler die so einen Einstieg gefunden haben in die Malerei. :grins:

Mfg Susanne

Nach oben 14.08.2011, 00:53 Nach unten

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Es gibt den abgelutschten Satz "Kunst kommt von Können", den möchte ich nicht kommentieren.
Ich kann es nicht definieren, was Kunst ist.
Aber sagen, was ich mag oder nicht, kann ich schon - doch nur für mich selbst. Jeder wird dies oder das mögen, anderes gar nicht, so ist das nun einmal. Jeder findet für seine Bilder welche, denen sie gefallen oder nicht. Auf einer meiner Ausstellungen sagte mir meine ehemalige Chefin einmal, sie möge meine Bilder nicht (das gehört auch nicht grad zum guten Ton), sie möge nur naive Malerei. Ist aber im Grunde O.K.
So geht es mir mit BR, ob seine Bilder Kunst sind, fragte ich mich nie, ist mir auch egal. Die Art zu malen wie er es tut ist nicht meine, aber wie schon erwähnt, jeder soll das machen, was er möchte, solange er Freude dran hat.
Das mit der Schere und den Haaren BR`s schrieb ich, weil mich nach etlichen Sendungen einfach die ewig gleiche Vorgehensweise nervte (ja, ich weiß, es zwang mich keiner zu zu sehen...).

Nach oben 14.08.2011, 07:04 Nach unten

Aquarell und Öl und .......

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
..der Weg ist das Ziel....fällt mir immer im Zusammenhang mit Bob Ross ein.
Er hat es tatsächlich geschafft Menschen zur Malerei zu führen die vorher nicht im Traum daran gedacht hätten. Wenn man ihn malen sieht kann man den Eindruck haben das es sehr einfach zu sein scheint. Wer´s dann versucht wird merken das dem nicht ganz so ist, aber das ist ja auf jedem Gebiet dasselbe.
Ob man einem die Bilder gefallen steht auf einem anderen Blatt. Ich mag sie nicht, - aber ich mag auch Picasso nicht und Miró nicht und van Gogh nicht undundund. Künstler sind sie dennoch alle, ebenso Bob Ross oder der Meese oder Beuys.
Was allerdings in meinen Augen Bob Ross adelt ist sein Engagement, seine Liebe zur Malerei anderen Menschen Menschen mitzugeben. Deshalb mag ich ihn.
Letztlich geht es nicht immer nur um das Ergebnis, das ist doch zweitrangig. Wichtiger ist doch der Weg dorthin, das Erlernen der Techniken, das Fördern des eigenen Talents, die Muße und Ruhe während des Malens. Vielleicht mit schöner Musik und einem Glas Wein. DAS ist mir bei der Malerei ebenso wichtig. Die Ruhe die ich dabei genieße!
Das fertige Bild ist doch dann egal, - steht eh in der Ecke! :grins:

lg udo :winken:

Nach oben 14.08.2011, 09:47 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Das fertige Bild ist doch dann egal, - steht eh in der Ecke! :grins:
udo hat geschrieben:


:rofl:

naja, aber manche leute haben schon auch ein wenig mehr ehrgeiz, was ihre bilder betrifft... :mrgreen:

adrian hat geschrieben:
Kunst hat nichts mit Können, Kunst hat nichts mit Handwerk, Kunst hat nichts mit Schönheit, Kunst hat nichts mit Zeit, Kunst hat nichts mit Arbeit,


nun ja, das würd ich so wieder nicht unterschreiben. dass kunst nichts mit all diesen dingen zu tun habe, suggeriert immer ein wenig, dass es völlig egal sei, was man macht und welches können/wissen der künstler besitzt...da kommt bei mir immer wieder die selbe frage auf: warum zum henker sollte sich dann überhaupt jemand eine akademische oder sonstige ausbildung antun?

nehmen wir als konstrast die musik dazu, da wird auf einmal keiner mehr behaupten, es käme nicht auf können an. ein sänger der falsch singt, eine band, die keinen einzigen ton richtig trifft und den rhythmus nicht halten kann, quält das publikum und würde von der bühne gejagt. eine ausgebildete stimme, eine tolle band, ein orchester, das ist ein genuss.
nur in der malerei wird immer gern so getan, als ob können oder etwas zu lernen völlig nebensächlich wär.

ein handwerklich gut ausgeführtes bild mit eigener handschrift des künstlers ist aber auf jeden fall schöner zu betrachten als ein dilletantisches, welches die augen quält... :mrgreen:
insofern quält bob ross die augen nicht, weil seine bilder technisch durchaus gut ausgeführt sind, es liegt bei mir am sujet.

und dann steckt noch was anderes drin, sowas wie ausstrahlung eines bildes, das man meistens nur sieht oder fühlt, wenn man wirklich davor steht. ich hab schon bilder gesehen, da hat mich wirklich die ehrfurcht gepackt. z.b. chagalls judenbilder. sie sind riesengroß und deren wirkung kommt nie so rüber, wenn man sie nur auf dem bildschirm oder in einem buch betrachtet.
ich hab natürlich schon andere berühmte künstler gesehen, da hat mich gar nichts gepackt... :rofl:

das menschliche denk ich, sollt man dabei beiseite lassen. war chagall ein netter kerl? war es davinci? haben sie vielen leuten das malen beigebracht? wen interessiert das heute noch...

bob ross mag also durchaus ein sehr sympathischer typ gewesen sein, aber das hat mit der qualität der bilder bzw. seiner bevorzugten sujets nichts zu tun.

Nach oben 14.08.2011, 11:06 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Beitrag: Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst - 14.08.2011, 11:06 vera-s hat geschrieben:
adrian hat geschrieben:
Kunst hat nichts mit Können, Kunst hat nichts mit Handwerk, Kunst hat nichts mit Schönheit, Kunst hat nichts mit Zeit, Kunst hat nichts mit Arbeit,

nun ja, das würd ich so wieder nicht unterschreiben.


Brauchst Du auch nicht :D

Beitrag: Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst - 14.08.2011, 11:06 vera-s hat geschrieben:
dass kunst nichts mit all diesen dingen zu tun habe, suggeriert immer ein wenig, dass es völlig egal sei, was man macht und welches können/wissen der künstler besitzt...da kommt bei mir immer wieder die selbe frage auf: warum zum henker sollte sich dann überhaupt jemand eine akademische oder sonstige ausbildung antun?


Warum lernt man Autofahren? Um von A nach B zu fahren. Braucht man zwingend ein Auto, um von A nach B zu kommen? Nein. Kann es hilfreich sein? Ja, zumindest auf Autobahnen. Hilft ein Führerschein bei einer Bergwanderung oder beim Schwimmen in der Nordsee? Wohl kaum... :wink:

Beitrag: Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst - 14.08.2011, 11:06 vera-s hat geschrieben:
nehmen wir als konstrast die musik dazu, da wird auf einmal keiner mehr behaupten, es käme nicht auf können an. ein sänger der falsch singt, eine band, die keinen einzigen ton richtig trifft und den rhythmus nicht halten kann, quält das publikum und würde von der bühne gejagt. eine ausgebildete stimme, eine tolle band, ein orchester, das ist ein genuss.

Es haben sich auch schon manche genussvoll zu Tode gelangweilt :D. Aber Musik ist ein schönes Beispiel. Man muss nicht singen können, um künsterisch-anspruchsvolle Musik zu machen. Ebenso wenig muss man ein Musikinstrument spielen können. Und noch weniger braucht man dazu heutzutage eine Band. Wenn man allerdings diesen Weg wählt, dann sollte man auch das Handwerk dazu haben, das stimmt. Das heißt aber noch lange nicht, dass man das erstens zwingend braucht, und dass dann zweitens damit auch automatisch etwas künstlerisch-offenbarendes entsteht.

Beitrag: Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst - 14.08.2011, 11:06 vera-s hat geschrieben:
nur in der malerei wird immer gern so getan, als ob können oder etwas zu lernen völlig nebensächlich wär.

Für ein konkretes Bild ist es alles andere als nebensächlich, für die Kunst allerdings schon.

Beitrag: Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst - 14.08.2011, 11:06 vera-s hat geschrieben:
ein handwerklich gut ausgeführtes bild mit eigener handschrift des künstlers ist aber auf jeden fall schöner zu betrachten als ein dilletantisches, welches die augen quält... :mrgreen:

Siehst Du, so unterschiedlich sind die Menschen: Mir ist nämlich ein Augen-quälendes Bild, das mir Kunst offenbart, unendlich lieber als ein schönes, gut ausgeführtes Bild, das allenfalls als hübsche Raum-Dekoration dienlich ist.

Beitrag: Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst - 14.08.2011, 11:06 vera-s hat geschrieben:
bob ross mag also durchaus ein sehr sympathischer typ gewesen sein, aber das hat mit der qualität der bilder bzw. seiner bevorzugten sujets nichts zu tun.

Ich vergaß noch zu erwähnen: Kunst hat auch nichts mit Qualität oder Sujets zu tun, das betrifft nämlich das Handwerk einerseits und den persönlichen Geschmack andererseits. Der "Kunst" ist das vollkommen egal, die interessiert das nicht, Kunst ansich ist transzendent, und Kunst offenbart sich gelegentlich durch den Kontext eines Werks, wodurch es dieses zu einem "Kunstwerk" macht. Die Person als "Medium der Kunst" spielt dabei eine viel größere Rolle, als die Wahl des Sujets oder des vordergründigen Zwecks. Kunst ansich kann man nicht herstellen, Kunst kann man nicht erzwingen, Kunst kann man nicht lernen. Was man lernen kann, ist Kunst zuzulassen, sich der Kunst zu öffnen. Dazu braucht man allerdings weder Können, noch Handwerk, noch BobRoss®-Farben - geht aber auch damit :D

Nach oben 14.08.2011, 12:11 Nach unten

aquarell

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Also ich wollte ja keinen 30 jährigen Krieg anfachen, sondern nur ein paar Meinungen hören. Mein Fazit aus den bisher gesagten
ist: Bob Ross kann durchaus malen, seine Farben und Motive muß man nicht mögen, kann man aber. Sein Verdienst ist die Motivation der Menschen mit Malen zu beginnen.
Nun noch eine letzte Frage:"Was ist das besondere an seiner Maltechnik? Naß in naß haben doch bestimmt auch andere schon vor ihm gemalt.

Nach oben 14.08.2011, 12:20 Nach unten

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Hi

Ich wage mich mal ein Stück weit hinaus und sage das gar nichts besonderes an seiner Technik dran ist und das höchst wahrscheinlich massig Maler geben hat, welche nass in nass und mit einer ähnlichen Technik gemalt haben, jedoch war er es, der aus dem Nähkästchen geplaudert hat und als erstes eine Maltechnik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat und und sie so weit vereinfacht hat das Laien mit ein bisschen Übung etwas zustande gebracht haben, was nach irgendetwas aussah. Ich glaub das allein war der Schlüssel zu seiner Popularität, was natürlich später sehr gut vermarktet wurde. Alles wird vermarktet wenn es sich vermarkten lässt. :)

mfg Susanne

Nach oben 14.08.2011, 12:31 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Beitrag: Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst - 14.08.2011, 12:20 quule hat geschrieben:
Nun noch eine letzte Frage:"Was ist das besondere an seiner Maltechnik? Naß in naß haben doch bestimmt auch andere schon vor ihm gemalt.


Susann's Ausführungen stimme ich zu, und ergänze: Meines Erachtens hat vor Bob Ross kein anderer Maler diese NiN-Techniken und Effekte so optimiert, vereinfacht und auf das Wesentliche reduziert. Mit dem erklärten Ziel, dass grundsätzlich jeder, der bisher noch nicht malen kann und sich nie erträumt hätte, ein foto-ähnliches Berg- und Wald-Panorama auf eine Leinwand zu zaubern, dies in relativ kurzer Zeit mit Erfolgserlebnissen bewerkstelligen kann.

Nach oben 14.08.2011, 12:38 Nach unten

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
vers-a, Du bringst es an den Tag!

Ich bin auch sehr dafür, dass man sich vieles aneignen sollte, um gut malen zu können, ob das eine Universität sein muss, sei dahin gestellt. Mein Mal Lernprozess erstreckte sich über viele Jahre, wo ich alles in mich hineinzog, übte und probierte, eigentlich bin ich nie fertig geworden damit, man lernt an jedem Bild neu. Ob ich gut bin zweifle ich ständig an, finde mich selbst höchstens im Mittelmaß. Vieles kann ich nicht und werde ich nie können.

Was ich gar nicht kann, ist jemanden Malerei beibringen, da ist mir BR weit überlegen, das liegt mir nicht. Deshalb werde ich nie jemanden zum Malen bringen. Ich schweige stets und muss Ruhe haben, kann auch keine Zuseher neben mir dulden während ich male.

Aber ich bin auch der Ansicht, man sollte - auch als Abstrakter - die Grundlagen der "normalen" Malerei können, Körper, Perspektive, Farbenkunde usw.

Es ist auch unbestritten dass BR vielen den Einstieg in die Malerei schmackhaft gemacht hat.

Nach oben 14.08.2011, 12:39 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
adrian hat geschrieben:
Kunst kann man nicht erzwingen, Kunst kann man nicht lernen.


das wohl nicht... :mrgreen: "kunst" scheint sich der näheren definition ebenso zu entziehen wie "liebe" und ähnliche begriffe.

im idealfall paart sich handwerk mit "kunst", mit dem gewissen etwas, das eben nur jener künstler in seine bilder zu bringen vermag. auch deshalb lehne ich massenhaft nachgemalte bilder ab, wo bleibt das eigene des künstlers?

jedoch das studium (damit meine ich auch nicht bloß das akademische) verschiedener techniken, das beherrschen gewisser grundsätze, ohne die bilder nunmal lau wirken (abstrakte ebenso wie realistische), versetzt den künstler erst in die lage, kunst zuzulassen. je mehr man davon beherrscht, desto mehr erweitert man die eigenen ausdrucksmöglichkeiten, je besser man es beherrscht und verinnerlicht hat, desto weniger muss man sich damit bewusst auseinandersetzen und kann so dem eigentlichen schaffensprozess des eigenen werkes raum geben.
wo sich der ungeübte noch stundenlang rumquält mit der richtigen perspektive oder irgendwelchen achsen in gesichtern, schüttelt der geübte ein perspektivisch richtiges bild aus dem ärmel als ob das gar nichts wäre. und selbst bei jenen, die schiefe häuser malen, "stimmt" die perspektive.

schaust du einem felix eckardt zu, könnte man glauben, das sei sehr leicht. ist es aber nicht. der kann nur so flott und scheinbar gedankenlos seine bilder auf die leinwand pinseln, weil er sein handwerk beherrscht und viele dinge über die jahre des lernens hinweg verinnerlicht hat!
schaust du einem bob ross zu, mag es ebenso sein.
jedenfalls der eckardt hat eine gediegene akademische ausbildung hinter sich, und auch bob ross ließ sich unterrichten.

und somit wird durch all diese fernseh- und sonstigen schnellkurse auch eine gewisse illusion bei den leuten geweckt, denn in der realität gehört schon viel mehr dazu, als bildchen vom ross oder herdin leidlich nachmalen zu können.
das ist und bleibt für mich ein nettes hobby zur entspannung.
was natürlich durchaus auch seine berechtigung hat, aber nicht das ist, worüber wir hier diskutieren... :mrgreen:

Nach oben 14.08.2011, 13:26 Nach unten

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Also eigentlich wollte ich mich aus dieser Diskussion heraushalten, weil sie nach meiner Meinung zu nichts führt und außerdem hat Adrian auch schon die wichtigsten Elemente zum Kunstverständnis oder Unverständnis genannt. Gerade die extreme Dialektik nicht nur der Fragestellung, offenbart die Sinnlosigkeit solch einer Diskussion und gleichzeitig das starre Festhalten an Argumenten, die mit Kunst nicht das Geringste zu tun haben, sondern mit subjektiven individuellen Geschmacksfragen!

Seit Anbeginn des menschlichen Bedürfnisses sich kreativ auszudrücken gibt es die Diskussion um das künstlerische handwerkliche Können, die im Mittelalter zu einer maltechnischen Hochkonjunktur in der malerischen Abbildung geführt hat. Aber in dieser Zeit entstanden kaum Werke von individuellen Malern und ihrer individuellen Sichtweise der Welt, sondern Werkstattarbeiten unter strengen Reglementierungen. Erst danach mit der Einführungen der ersten Kunstakademien in Italien entwickelte sich gleichzeitig die individuelle Künstlerpersönlichkeit und erst ab diesem Zeitpunkt auch der individuelle Ausdruck, der ein Werk von Leonardo von einem Rembrandt sofort unterscheidbar macht. Die Akademien und ihre klassisch tradierte Ausbildung wurden in späteren Zeiten immer wieder zum Konfliktpunkt einer steten Auseinandersetzung zwischen handwerklichen Fähigkeiten und der Befreiung derselben. Aus diesem immerwährenden Kampf entstanden die unterschiedlichsten Kunstrichtungen, die heute als selbstverständlich akzeptiert werden. Wer also heute noch an diese klassischen Ausbildung, als Grundvoraussetzung zur Erschaffung von Kunst glaubt, hat eine Jahrhunderte währende Entwicklung verschlafen, oder wünscht sich in Zeiten zurück in denen er mit Sicherheit über diese Thematik niemals nachgedacht hätte.

Beschäftigt man sich mit der Kunstgeschichte wird eines ziemlich klar, Kunst entzieht sich jeder Definition und das ist genau ihr Vorteil, denn in dieser Unmöglichkeit der Definition liegt die Freiheit jedes einzelnen tatsächlich Kunstwerke zu schaffen. Wie Adrian schon schrieb ist Kunst auch immer eine Frage des Kontexts und wer sich zb. mit Mondrian und seiner Reduzierung in der Malerei nicht auseinandergesetzt hat, der hat natürlich nur ein sich selbst auferlegtes reduziertes Kunstverständnis und darüber hinaus verschließt er sich einer Welt, die ihn vielleicht in vielen anderen Aspekten bereichern könnte. Erst nach einer Auseinandersetzung mit der Kunst von Mondrian, kann dann jeder für sich entscheiden ob ihm diese Kunstform gefällt oder nicht, aber eines bleibt unbestritten, das Werk eines Mondrian bleibt für alle Zeiten erkennbar, wohingegen viele Maler und da möchte ich lieber keinen benennen, sang und klanglos in der Kunstgeschichte untergehen werden, denn in ihren Werken ist ein individueller, unabhängiger, innovativer und zeitloser Charakter nicht erkennbar.

Im Übrigen halte ich die Äußerung, das Herr Ross als einer derjenigen gilt der „seine“ Technik optimiert und sie freimütig vermittelt hätte, als äußerst gewagt. Man sollte hier das Verb „vermitteln“ eher durch „geschickte Vermarktung“ ersetzen. Wer sich wirklich für Malerei interessiert, dem stehen auch heute noch klassische Standartwerke zur Maltechnik aus verschiedenen Jahrhunderten zur Verfügung, die sämtliche Bereiche der Malerei bis in letzte Detail abdecken, die aber sicherlich einen Nachteil haben, man muss sich mit ihnen auseinandersetzen und eine oberflächliche Behandlung dieser Thematik rächt sich spätestens im malerischen Endergebnis.

Aber auch das fundierte Wissen über Maltechniken macht Niemanden zu einem Künstler!
LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 14.08.2011, 14:18 Nach unten

Öl, Mischtechnik

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
andreas hat geschrieben:
die aber sicherlich einen Nachteil haben, man muss sich mit ihnen auseinandersetzen und eine oberflächliche Behandlung dieser Thematik rächt sich spätestens im malerischen Endergebnis.


ja! das ist es, was ich die ganze zeit rüber zu bringen versuche... :mrgreen: und hier würde ich auch die grenze zwischen ernsthaftem und hobbykünstler rein zur entspannung ziehen.
und gerade durch diese schnellkurse wird eben die illusion vermittelt, dass man bereits ein gutes bild malen könne, wenn man die pinseltechnik von bob ross beherrscht.
es mag natürlich auch eine rolle spielen, dass wir in einer oberflächlichen, schnellebigen welt leben...
das künstlerische handwerk zu erlernen ist ein jahrelanger prozess, nichts für leute, die nur mal schnell leidlich gute landschaften pinseln wollen und damit zufrieden sind.

ich stimme mit dir überein, dass ein guter handwerker nicht zwingend ein guter künstler sein muss, drum definiere ichs für mich ja auch so: gutes handwerk gepaart mit dem gewissen etwas, das sich halt nicht näher mit worten definieren lässt.

den eigenen, individuellen weg zu finden, ist nämlich nach beherrschen des handwerks noch mal ein anderer prozess, der wiederum jahre in anspruch nehmen kann.

Nach oben 14.08.2011, 15:16 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Adrian: Kitsch UND gleichzeitig Kunst da denke ich gleich ein wenig an paar Sachen von Jeff Koons oder Damien Hirst. Oder oh je, habe ich mich da zu weit heraus gewagt?
Was sagst Du dazu Andreas?

Man brauch gar nicht lange reden. Ich sehe es auch so, die Beherrschung des Handwerkes ist die Grundlage ,ob nun studiert oder nicht. Aber das alleine macht den Künstler nicht aus....dazu ist hier schon genug gesagt. Kitsch ist für mich Ausdruck schlechten Handwerkes und verweichtliches Anspruchsniveau ohne großen Gedankenreichtum.

Nach oben 14.08.2011, 15:35 Nach unten

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Hola Farbfreundin,

es gibt viele Künstler wie zb. Rosemarie Trockel, Cindy Sherman usw. die mit künstlerischen Mitteln sich dem Thema des banalen und trivialen annähern oder in ihre Arbeiten einfließen lassen und auch hier ist der Kontext das entscheidende Moment, wobei ich allerdings Damien Hirst nicht dazu rechnen würde.

Leider empfinde ich dein Konzept von Kitsch als grundlegend falsch, denn Kitsch ist nicht der Ausdruck schlechten Handwerkes! Es gibt ganz hervorragend gemachte Werke, die im weitesten Sinn den Anspruch von Kitsch erfüllen könnten, man denke da nur an François Boucher oder die Entwürfe zu den Tapisserien von Goya und selbst der normale Gartenzwerg kann in einem anderen Kontext zu einem Kunstobjekt werden.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 14.08.2011, 18:20 Nach unten

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Halli Hallo ,Da muss ich dir wiedersprechen,Jeff Koons ist der Meister der hohen Kitschkunst:Seine lebensgrossen Yorkshire Terriers,von 1991 sind aus Holz geschnitzt und Hand bemalt,und sind sehr gut gefertigt.Ein ganz Interessanter Artikel war in der Art vom Juli.
Nur zu empfehlen!Da die Ansichten über Kitsch deutlich sind!co :winken: co

Nach oben 14.08.2011, 18:35 Nach unten

PC

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Danke Andreas und Vera für die ergänzenden Sichtweisen!

Als wichtigen Hinweis dazu, auch zu Bob Ross, Kitsch, Herdin, Portraits, Landschaften, Abstraktionen, Dekos, etc.:

Kunst dient keinem Zweck, sondern rein sich selbst. Bitte diesen Satz nochmals lesen, weil er wichtig ist, da er einem den Weg zur Kunst weist.

Dieser Selbstzweck der Kunst schlug sich im französischen Zitat "L'art pour l'art" nieder - Kunst um der Kunst Willen.

Umgekehrt bedeutet das, dass überall dort, wo ein Zweck vorhanden ist, dieser Zweck den Blick auf die Kunst dahinter vernebelt. Kunst dient nicht der Raumverschönerung, Kunst dient nicht dem schnellen Malen von Bergen, Kunst dient nicht dem Foto-Ersatz, Kunst dient nicht der Selbsterfüllung des Malers. Kunst dient sich selbst, und nur sich selbst.

Wenn man nun ein Bild vor sich hat, dessen Entstehung offenbar einem Zweck diente, dann sollten die Alarmglocken angehen: Dieser Zweck ist nicht Kunst! Kunst ist immer hinter dem Zweck, umhüllt den Zweck, transzendiert ihn.

Auf Bob Ross bezogen: Wie bei jeder Maltechnik, die einem bestimmten Zweck dient (die Abbildung von Landschaften, Bäumen, Bergen, etc) vernebelt dieser Zweck die Zulassung von Kunst bei der Entstehung einerseits und die Wahrnehmung von Kunst am Werk andererseits. Bob Ross war nicht primär angetreten, um Kunst zuzulassen, sondern um die Entstehung von bestimmten Bildern zu demonstrieren. Was allerdings nicht gleichzeitig bedeutet, dass sich dabei nicht auch Kunst offenbaren könne. Und ich glaube sogar, Bob Ross selbst war das ziemlich klar. Er hat nie gesagt "mach das so und so", oder "so muss es sein um richtig zu sein", im Gegenteil: Er hat stets versucht, den Zuschauer von dieser Denkweise abzubringen. "This is Your World and You Can Do Anything You Want!" - "Es ist Deine Welt, und Du kannst tun was immer Du möchtest!".

Die Bob Ross Technik ist daher weder "Kunst" noch "Kitsch" noch "Nichtkunst" noch "Anspruch", sie ist ein neutrales Mittel zum Zweck. Jede Technik, jedes Können, jedes Handwerk, und auch jedes Studium (!) ist stets zweckorientiert - und daher der Kunst an sich nicht dienlich. Manchmal verhindert all das sogar das Wirken von Kunst. Und manchmal offenbart sich Kunst trotzdem.

Nach oben 14.08.2011, 23:22 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Bob Ross, Kitsch oder Kunst
Huhu, lieber Adrian, das kann doch trotzdem Kunst sein, auch wenn manchmal der Zweck offensichtlich ist. Ich finde, da müssen nicht gleich Alarmglocken schlagen.
Nochmal zu Kitsch-Kunst: Dann habe ich mich vielleicht nicht klar und unvollständig ausgedrückt. Kitsch an sich (wenn es den überhaupt gibt) ist für mich einfach schlecht gemacht mit seichter Aussage. Natürlich kann ein Künstler mit seinen Mitteln, Fähigkeiten und Fertigkeiten aus einem Gartenzwerg was ganz anderes machen. Wie ich es dann aber persönlich bewerte, ist eine ganz andere Sache. Der eine bewertet dann den Gartenzwerg des Künstlers, wenn irgendwie gelungen, als Kunst, der andere sagt schon allein wegen der Aussage nur na,ja.
Entschuldigt das Beispiel des Gartenzwerges. Mir fiel so schnell nichts anderes ein.

Nach oben 15.08.2011, 08:03 Nach unten
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