"Echte Kunst ist eigensinnig." (Ludwig van Beethoven)




 [ 6 Beiträge ] 
 turandot - volksoper wien - 28.3.2011 
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mein mann

Beitrag  turandot - volksoper wien - 28.3.2011
nun ja, die begeisterung meines letzten theaterbesuchs (harold und maude) kann ich hier nicht verbreiten. es war mit sicherheit kein vergeudeter abend, aber um die vorstellung weiterzuempfehlen ...

die geschichte, vielleicht so manchem bekannt, spielt an und für sich im alten china. die wunderschöne, aber eiskalte prinzessin turandot stellt den männern, die um sie werben 3 rätsel. können sie nicht gelöst werden, lässt sie die werber hinrichten.
zu einer dieser hinrichtungen kommt calaf, der sohn des entthronten königs der tartaren. er trifft seinen totgeglaubten vater wieder, der von der jungen dienerin liu begleitet wird, die bei ihm geblieben ist, weil der junge calaf sie im palast einmal angelächelt hat.
das wiedersehen ist von kurzer freude.
calaf verflucht wohl erstmal die harte, blutrünstige turandot, aber nur solange bis er sie sieht. denn in diesem augenblick entflammt auch er in unlöschbarer sehnsucht nach ihr.
er stellt sich gegen alle bitten und warnungen den 3 rätseln. kann sie lösen, jedoch turandot will sich ihm trotzdem verweigern. mit gewalt will er sie nicht nehmen, also gibt er ihr seinerseits ein rätsel auf. sie muss bis zum morgengrauen seinen namen erfahren, dann will auch er sterben.
sie ordnet schlaflosigkeit für das ganze volk an, alle müssen nach dem namen des jungen mannes forschen. der singt derweil die berühmte arie (nessun dorma - keiner schlafe!)
liu wird gefunden, die - um den alten könig zu schützen - zugibt, dass sie als einzige den namen weiß, ihre unerwiderte liebe gesteht und sie so beweisen will, dass sie lieber stirbt, als den namen bekannt zu geben. sie weiht ihren tod der liebe des geliebten zu prinzessin turandot.
diese muss sich eingestehen, dass sie calaf vom ersten augenblick an fürchtete, weil sie spürte, dass er ihrer harten schale gefährlich werden könnte. dieser härte, die sie in sich aufgebaut hatte, weil eine vorahnin von ihr von den tartare verschleppt, vergewaltigt und getötet wurde ...

es gibt ein happy end auf den gräbern so vieler toter ... aber das ist halt nun mal oper. da gibt es das ja öfter ...

die musik von puccini ist pucciniresk, also melodiös und leicht ins ohr gehend, bis hin und wieder dramatisch anschwellend. ab dem liebesduett gegen ende allerdings nicht mehr von puccini, weil dieser leider schon vorher verstorben ist.

die musik in der volksoper war für mich eindeutig zu laut und zu scheppernd. vielleicht lag es auch unseren karten, wir saßen auf dem ersten rang in der ersten reihe der 2. balkonloge. da sitzt man ziemlich genau über dem orchestergraben. was die lautstärke einigermaßen erklären oder gar entschuldigen könnte, aber das scheppern eher nicht.

in den dramatischeren passagen kamen die sänger oftmals nicht über die musik hinweg, was aber meines erachtens nach nicht an der qualität ihrer darbietung lag, sondern eben daran, dass die musik zu laut war.

der tenor - mario thang - ein sehr guter! ja, der hat wirklich alles schön gebracht und sein "nessun dorma" war begeisternd. leider war in der inszenierung keine pause für einen zwischenapplaus gelassen, was mich auch ein wenig störte ...

liu - melba ramos - einfach zum schwärmen! von stimme und vortrag her. beides sehr emotional. leider in einem unbeschreiblich unkleidsamen kostüm, wozu ich aber später noch komme.

die drei minister ping, pang, pong - gute stimmen, guter vortrag, gute choreographie, unterhaltsame auftritte.

ja, und das wars aber auch schon.

bühnenbild und kostüme - eine mittlere katastrophe für jemanden wie mich. ich mag kein regietheater! und in der oper noch weniger.
hier wurde die geschichte also aus dem alten china in ein fantasiereich transformiert, die kostüme waren sämtliche an insekten erinnernd ausgerichtet. bunt und prächtig und sollen vielleicht ein sinnliches erlebnis sein. aber halt nicht für jemanden wie mich. für mich kam das alles wie eine schlechte revue herüber.
turandot ist für mich china. und da hätte ich es gerne ein wenig chinesisch. und nicht mit bunt geschminkten gesichtern wie im fasching und kostümen wie aus jonkes insektarium.

gut, aber das mag geschmacksache sein ...

aber die "heldin", die war nicht geschmacksache.
frau turandot, namens anda-louise bogza steht auf der bühne wie walküre, bewegt ihre arme in abgezirkelten bewegungen wie sie ihr einfallen, dass der regisseur sie dazu ermahnt hat und so singt sie leider auch. seelenlos und hölzern. und wenns dramatisch wird, dann klirren orchester und die prinzessin um die wette.

und deshalb war dieser abend einerseits wohl nicht verloren und auch nicht, um in der pause zu gehen, aber andererseits die aufführung nicht, um sie (meinerseits) weiter zu empfehlen.

hier noch ein link, da gibt es auch ein kleines video

Nach oben 29.03.2011, 11:27 Nach unten

Acrylund Öl

Beitrag  Re: turandot - volksoper wien - 28.3.2011
Hallo Lintschi
Oh wie schön diese Oper wollte ich immer schon einmal sehen.Leider wird sie hier nicht gespielt.
Danke das du uns daran teilhaben läßt.
Liebe Grüße Marion :winken:

Nach oben 29.03.2011, 15:52 Nach unten

Aquarell

Beitrag  Re: turandot - volksoper wien - 28.3.2011
Danke Lintschi für den Einblick. :D Ich war schon ewig nicht mehr in der Volksoper :roll: und mich hätte es gewaltig hingezogen. Ich liebe Aufführungen in italienischer Sprache :D und mag altes chines. Ambiente, das Flair und vor allem den Zauber, den nur das alte China versprühen und einem gefangen nehmen kann, aber wenn ich Deine Zeilen so lese und den Videoausschnitt betrachte, glaube ich nicht, dass ich tatsächlich traurig sein muss, dass ich die Aufführung nicht gesehen habe. :mhh:
Leider ist die Tendenz zu
Zitat:
regietheater
lt. meiner Freundin, die eine leidenschaftliche Volksoperbesucherin ist, steigend. :hmm:

Naja, aber die Volksoper selbst ist einfach ein Traum :D :wolke7w: :wolke7w: :wolke7w: und man/frau sieht ja noch nebenbei sooooooo viel, dass einmal eine wenig gute Aufführung den Abend trotzdem nicht als vergeudet betrachtet (von den Opernkartenpreisen abgesehen :lol: ), wenn Du weißt, was ich meine. :grins:
:winken: :winken: :winken:

Nach oben 29.03.2011, 16:37 Nach unten

Acryl, Öl, Kohle

Beitrag  Re: turandot - volksoper wien - 28.3.2011
Ich kenne Turandot seit der Theaterauffuehrung meiner Tochter in der 8. Klasse. Die Kostueme waren allerdings einfach und chinesisch gehalten, was dir bestimmt auch gut gefallen haette. Als Oper wuerde ich das Stueck auch gerne mal sehen. Ich hab dir mal ein Foto der Auffuehrung angehaengt. Meine Tocher ist die ganz rechts in rosa.
Dateianhang:
IMG_2292.JPG

Nach oben 29.03.2011, 17:07 Nach unten

Aquarell

Beitrag  Re: turandot - volksoper wien - 28.3.2011
Ja. So würde mir das gewiss gefallen (Deine Tochter sieht allerliebst aus) und die Kleidung ist absolut stimmig. :D :danke1: peintures :winken:

Nach oben 29.03.2011, 17:18 Nach unten

mein mann

Beitrag  Re: turandot - volksoper wien - 28.3.2011
danke silvia!
ja, das würde mir sicher sofort gefallen Bild


und an alle anderen, natürlich auch danke, und:
ja, es ist eine sehr schöne oper. wenn man diese richtung mag, klarerweise. und wie gesagt, ich habs ja auch genossen. irgendwie. hab mir die schönen punkte halt herausgesucht!
aber manchmal fragt man sich schon, was so regisseuren einfällt ...
und wie so manche/r sänger/in zu rollen kommt. ich meine, das ist ja sicher auch nicht leicht, da hineinzukommen.

ich freue mich jedenfalls sehr, dass ihr diesen versuch mit den rezensionen so positiv aufnehmt. danke!


Bild

Nach oben 29.03.2011, 17:25 Nach unten
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