"Die Kunst spiegelt den, der sie ansieht, nicht das Leben." (Oscar Wilde)




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 Neubeginn mit Acryl 
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Beitrag  Neubeginn mit Acryl
Hallo liebe Kritzelmeister,

wie in meinem ersten Thread angesprochen, möchte ich mich an die Acrylfarben wagen. Für mich ein ganz neues Medium, ich hab es bisher nur zu Grundierungen genutzt. Nun meine spezielle Frage (mal wieder ;-)) Wie fange ich an?

Ich male bisher auf Hartfaserplatten, die ich bisher entweder mit Wandfarbe oder selbst angerührter Grundierung: 1 Teil Acrylbinder - 1 Teil Wasser - 1 Teil Titanweißpigment und 1 Anteil Kreide grundiert habe. Vorher wurde geleimt mit 1 Teil Acrylbinder - 4 Teile Wasser (hab ich mitttels eines Messbechers - also Volumenteile als Teile zu verstehen). Leinwand habe ich noch nicht so häufig genutzt.
Frage: Was speziell muss ich beachten bei der Grundierung?

Wie macht man die Imprimitur bzw. eine Untermalung? Gibt es bei Acryl die Fett auf Mager Regel auch? Gibt es spezielle Malmittel, mit welchem ich die Acrylfarbe länger nass halten kann?

Vielen Dank für die Hilfe
LG Petra

Nach oben 28.01.2015, 09:21 Nach unten

Pastell,Acryl

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Da ich meist grundierte Keilrahmen nutze kann ich bezüglich der Grundierung keine Tipps geben. :hmm: Ich weiß allerdings, dass es diverse Grundierungen gibt (Gesso)

Die Fett auf Mager Regel gibt es nicht, du kannst bei Acryl beliebig malen wie du möchtest.

Du kannst die Acrylfarbe mit verschiedenen Methoden länger nass (offen) halten:
- Wasser: Nicht zu stark verdünnen, sonst läuft es dir davon und wenn du z.B. mit Sprühflaschen auf deinem Malgrund arbeitest kann es zu Tröpfchenbildung kommen, da kannst du eine Airbrush nutzen, die mit Wasser gefüllt ist und viel feiner zerstäubt.
- Acryl Retarder: Gibt es von verschiedenen Herstellern und sind eigentlich alle kompatibel. Ich selbst habe den von schmincke und kombiniere ihn mit Acrylfarben verschiedener Hersteller. Bitte unbedingt auf das Mischverhältnis achten! Sonst dauert es ewig bis es trocken ist. Ich meine bis maximal 30% kannst du Retarder zugeben.
- Malmittel: Erzeugen zusätzlich einen glänzenden oder matten Effekt, lassen sich recht gut zum lasieren verwenden, Malgel Spezial von Schmincke hält die Farbe sehr lange offen, für mich persönlich zu lange.

Ansonsten solltest du erst einmal die Farben "pur" verwenden und rausfinden bei welchem Hersteller sie wie lange offen bleiben. Ich persönlich finde Daler & Rowney trocknet mit am schnellsten, gefolgt von Schmincke, Golden bleiben von Haus aus recht lange offen.

Wenn du noch Fragen hast immer her damit und ansonsten viel Spaß beim Ausprobieren! :winken:

Nach oben 28.01.2015, 10:19 Nach unten

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Hallo Petra,

mögliche Grundierungen gibt es viele. Ich persönlich nutze anstatt der von dir angesprochenen Leimung den Uni-Primer von Lascaux, das ist eine stark pigmentierte Grundierfarbe ohne Füllstoffe wie Kreide, die trotzdem anschleifbar ist. Ist nicht ganz billig, aber deutlich billiger als normale Acrylfarbe. Diese Farbe verdünne ich nur leicht mit Wasser, sie zieht dann stark in den Untergrund ein und sorgt dann schon mal für eine ordentliche Aufhellung. Dann hat man es mit der nächsten Grundierschicht in Form von Gesso nicht so schwer, ein reines Weiß hinzubekommen. Gesso ist ja auch unflexibler als normale Acrylfarbe, daher ist es sowieso vorteilhaft dieses eher dünn zu halten. Ich benutze das Gesso von Lascaux, das ist ergiebig und robust.
Ich male auf Holztafeln, und der Uni-Primer lässt (da er Wasser enthält) die Fasern bekanntlich etwas aufstellen. Diese raue Oberfläche lässt sich aber nach dem Trocknen gut glattschleifen, nach dem Entstauben kann dann direkt das Gesso drauf. Nach dem Trocknen das Gesso dann auch sanft anschleifen, das öffnet die Poren. Dann kann meist schon die Imprimitur drauf, wenn du willst kannst du aber auch zwei Schichten Gesso nutzen. Ich mache das nicht, weil ich das Gesso mit dem Spachtel auftrage und somit die Schicht direkt etwas dicker ist. Ergibt auch schöne Strukturen. :)

Was das Malen mit Acryl angeht, möchte ich dir Tenside ans Herz liegen, siehe hier: Re: Einführung in die Acrylmalerei
Ich benutze Acrylic Flow Release von Golden, das ist das beste was ich bisher getestet habe: Hochkonzentriert, ergiebig und wirkungsvoll. Daher nicht zu viel benutzen!

Fett über Mager gilt bei Acryl auch, wenn man versucht stark mit Wasser verdünnte Farben über einen schon mit Malmittel abgedichteten Untergrund zu legen. Der Pinselstrich wird dann unsauber, die Farbe haftet schlecht. Umgehen kann man dies dann nur mit weiterem Malmittel. Daher würde ich versuchen möglichst wenig Malmittel zu verwenden, sonst sinkt die Einfärbekraft schon am Anfang der Bildentwicklung zu stark, schon die ersten Farbschichten werden sehr transparent und glasig, hohe Kontraste sind schwierig. Das ist eher erst in den oberen Farbschichten erwünscht, wenn man etwas Leuchtkraft und Tiefe herstellen möchte, und die Kontraste zum großen Teil schon vorhanden sind.

Da ich die schnelle Trockung von Acryl gut finde (Schichttechniken gehen dadurch recht fix), nutze ich keinerlei Retarder (sie machen die Farbe zäh und klebrig). Die Imprimitur kann man quasi in Aquarell-Manier auftragen, indem man den kompletten Untergrund vorher gut mit einem Pinsel anfeuchtet und dann etwas Farbe überall verteilt. Trocknet die Farbe dabei zu schnell an, kann man zwischendurch einfach ein wenig Wasser mit einer Sprühflasche draufgeben.

Ein paar Streifen oder Unregelmäßigkeiten sind dabei nicht schlimm, das gibt dem Bild Struktur, die später nur noch ganz leicht in den dunklen Schattenbereichen durchschimmert.

Nach oben 28.01.2015, 20:21 Nach unten

Pastell,Acryl

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
wegen Fett auf Mager: Da ich kaum oder erst zum Schluss Malmittel nutze ist mir dieser Effekt bisher nicht wirklich aufgefallen. Danke Beowulf für die Aufklärung!

Nach oben 29.01.2015, 10:22 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Toll, daß du es nun angehst! :D
Aber nicht wieder in der Theorie verzetteln, versuch es einfach!
Grüße
Eva :winken:

Nach oben 29.01.2015, 19:16 Nach unten

verschiedene

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Zu Acryl kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen.. Probieren geht über studieren...und was soll schon passieren? Nach dem Durchtrocknen kann man Acrylbilder leicht übermalen, zuspachteln oder abschleifen. :rofl: Wenn du Angst hast, ne Leinwand zu versauen, kannst du ja auch mit nem guten Acrylblock anfangen. Als, ran an die Farben! :winken:

Nach oben 29.01.2015, 20:28 Nach unten

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Hallo ihr Lieben,

leider komm ich erst jetzt zum Antworten ......

Zunächst mal dankeschön für eure Hilfe.

Ich werde zunächst auch auf Malmittel verzichten und werd es erstmal so probieren. Lascaux Primer und Gesso hab ich im Moment nicht da. Es könnte auch noch etwas dauern, es zu kaufen, ist doch ganz schön teuer. Also werde ich zunächst mit meiner Grundierung arbeiten.

Also Fett auf Mager verstehe ich dann so, unten fast pure Farbe, in den nächsten Schichten dann dünner (dünn auf dick) oder unten ohne Wasser, nach oben hin dann mehr Wasser??

Ich bin fast!! voll eingerichtet zu Hause, alles selber herzustellen. So auch die Farben, die ich aus Pigment und Binder/Wasser herstelle/anreibe. Ich hätte auch noch fertige Acrylfarben (Rubens Atelier, ein paar von Daler und Rwney und noch ein paar aus nem Billigladen). Welche Farben nutzt ihr so??
Ups .... übersehen:
Beitrag: Re: Neubeginn mit Acryl - 28.01.2015, 10:19 elfinchen hat geschrieben:
Ich persönlich finde Daler & Rowney trocknet mit am schnellsten, gefolgt von Schmincke, Golden bleiben von Haus aus recht lange offen.
Danke :-)

Das mit den Tensiden war mir neu bei Acrylfarbe, ich kenne auch Ochsengalle, hab es aber noch nie eingesetzt. Das Acrylic Flow Release von Golden geht ja vom Preis her- wenn man nicht zuviel nehmen muss. Es wäre auch Ochsengalle möglich?
Bei Imprimaturen hab ich bisher kein oder nicht so viel Wasser zugegeben (bei BinderWasserVerhältnis 1 : 1) nur eben noch mehr Binder/Wasser-Mischung zugegeben, damit es eben wischfest bleibt. Aber dies hab ich NUR bei Imprimaturen mit anschließenden Ölfarbenschichten angewendet (Nur EINE Schicht). Ansonsten müsste man bei reiner Acrylmalerei wegen der FettaufMagerRegel das Mischungsverhältnis (Binder und Wasser) mit einbeziehen. Ich hab ja bisher nicht in Schichten in Acryl gearbeitet.

Ich habe mir eure Hinweise bisher gut abgespeichert. Sie sind sehr wichtig für mich.
Nochmals vielen Dank
Petra

Nach oben 30.01.2015, 19:40 Nach unten

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Beitrag: Re: Neubeginn mit Acryl - 30.01.2015, 19:40 Angelita hat geschrieben:
Also Fett auf Mager verstehe ich dann so, unten fast pure Farbe, in den nächsten Schichten dann dünner (dünn auf dick) oder unten ohne Wasser, nach oben hin dann mehr Wasser??

Nein, wie kommst du von "Fett auf Mager" auf "Dünn auf Dick"? ;) Unten so wenig Malmittel wie möglich, oben darf es etwas mehr sein wenn es dem Malprozess dienlich ist. Es kommt weniger aufs Wasser an, sondern eher auf den Bindemittelanteil. Da zu viel Wasser auf zu bindemittelreichem Untergrund zum Abperlen neigt. Kannst ja mal versuchen, mit Wasserfarben auf Plastik zu malen, der Effekt ist ähnlich. :roll: Auf blankem Gessogrund hingegen ziehen verdünnte Farben gut ein, wie Aquarellfarben auf Papier.

Also: Je früher du Bindemittel einsetzt, umso früher reicht nur Wasser zum Verdünnen der Farben nicht mehr aus, ohne einen unsauberen Pinselstrich zu riskieren. Du brauchst dann etwas, was die Haftung verbessert und den Farbfilm stabilisiert... also Malmittel. Dadurch brauchst du aber bei der nächsten Farbschicht noch mehr Malmittel, die Bildentwicklung kommt zum Erliegen da kaum noch vernünftig Pigmente aufs Bild gebracht werden können. Ich würde Malmittel erst dann im großen Stil einsetzen, wenn die grobe Farbgebung schon abgeschlossen ist und es darum geht, die Leuchtkraft, Tiefe und die Lichtbrechung der Bildoberfläche zu verändern.

Nach oben 30.01.2015, 21:41 Nach unten

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Beitrag: Re: Neubeginn mit Acryl - 30.01.2015, 21:41 Beowulf hat geschrieben:
Beitrag: Re: Neubeginn mit Acryl - 30.01.2015, 19:40 Angelita hat geschrieben:
Also Fett auf Mager verstehe ich dann so, unten fast pure Farbe, in den nächsten Schichten dann dünner (dünn auf dick) oder unten ohne Wasser, nach oben hin dann mehr Wasser??

Nein, wie kommst du von "Fett auf Mager" auf "Dünn auf Dick"? ;) Unten so wenig Malmittel wie möglich, oben darf es etwas mehr sein wenn es dem Malprozess dienlich ist. Es kommt weniger aufs Wasser an, sondern eher auf den Bindemittelanteil. Da zu viel Wasser auf zu bindemittelreichem Untergrund zum Abperlen neigt. Kannst ja mal versuchen, mit Wasserfarben auf Plastik zu malen, der Effekt ist ähnlich. :roll: Auf blankem Gessogrund hingegen ziehen verdünnte Farben gut ein, wie Aquarellfarben auf Papier.

Also: Je früher du Bindemittel einsetzt, umso früher reicht nur Wasser zum Verdünnen der Farben nicht mehr aus, ohne einen unsauberen Pinselstrich zu riskieren. Du brauchst dann etwas, was die Haftung verbessert und den Farbfilm stabilisiert... also Malmittel. Dadurch brauchst du aber bei der nächsten Farbschicht noch mehr Malmittel, die Bildentwicklung kommt zum Erliegen da kaum noch vernünftig Pigmente aufs Bild gebracht werden können. Ich würde Malmittel erst dann im großen Stil einsetzen, wenn die grobe Farbgebung schon abgeschlossen ist und es darum geht, die Leuchtkraft, Tiefe und die Lichtbrechung der Bildoberfläche zu verändern.


Ich bemerke gerade, ich habe wohl ein Verständnisproblem, was die Fett auf Mager Regel bei Acryl bedeutet - (bei Öl ist es Öl) - also bei Acryl: viel Bindemittel = fett - wenig Bindemittel (mehr Wasser) = mager. Fett (oder mager) bedeutet dann also die Sättigung der Farbe mit Bindemittel bzw. Malmittel. Es leuchtet mir ein, dass ein zuviel an Bindemittel/Malmittel Auswirkungen auf die Pigmentdichte der Farbe hat .... Aber bevor ich mich hier verheddere - lese ich das Ganze morgen nocheinmal. :oops: schon auch wegen der Tenside
LG Petra
... melde mich dann wieder

Nach oben 31.01.2015, 23:46 Nach unten

verschiedene

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Hallo, Tanja, nun zerbrich dir doch nicht so den Kopf, fang einfach mit dem Malen an! Ich hab schon viel Theorie zum Thema Acryl gelesen, weiter gebracht hat mich aber letztendlich die Praxis. Was hindert dich daran loszulegen? :winken:

Nach oben 31.01.2015, 23:58 Nach unten

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Richtig. :) Wasser verhält sich ähnlich wie das Terpentin bei Ölfarben.
Beitrag: Re: Neubeginn mit Acryl - 31.01.2015, 23:46 Angelita hat geschrieben:
wenig Bindemittel (mehr Wasser) = mager

Das Wasser verdunstet, und je mehr Pigmente im Verhältnis zu Binder da sind, umso magerer die Farben. Künstlerfarben sind daher magerer als Studienfarben.

Aber im Endeffekt heißt das für dich nur: Nicht direkt von Anfang an mit speziellen Zaubermalmittelchen rummachen. Allein mit Wasser und sorgfältigem Farbauftrag lässt sich sehr viel machen. Dabei lernst du die Eigenschaften von Acryl und Pigmenten auch am besten kennen.

Und was die Tenside angeht, da geht natürlich auch Ochsengalle wie bei der Aquarellmalerei. Denn wenn du gut mit Acryl malen willst, musst du das Wasser kontrollieren können. Malmittel sind da erst mal nur hinderlich. Du wirst sehen, was für wunderbar dichte und leuchtende Flächen man auf diese Weise hinbekommt. Da kannst du richtig anfangen kreativ zu malen.

Nach oben 01.02.2015, 10:16 Nach unten

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Danke :-)

Was jetzt die Farben selbst angeht, die von Daler und Rowney hab ich ja da. Allerdings nicht alle Farbtöne. Wäre es ausreichend für den Anfang, nur die Grundfarben: Rot, Gelb, Blau (Schwarz und Weiß) zu verwenden? Hier müsste ich Schwarz und Weiß selbst anreiben (später dann welche kaufen). Bei der Lasurtechnik ist es doch so, dass durch das Übereinanderlegen sich diese optisch zu den Farbtönen mischen lassen, die man dann braucht. Oder ist es besser ein Grundsortiment an bestimmten Farben zu haben, hier würde es zusätzlich um Umbra bzw. Sienna und andere Töne gehen? Was ist für den Anfänger besser? Das mit der Ochsengalle - das bräuchte ich um Elfenbeinschwarz zu benetzen. Denn das ist schwierig anzureiben (eigene Erfahrung beim Anreiben von Aquarellfarbe). Schwarz lässt sich eigentlich auch optisch herstellen ...
Die Billigfarben möchte ich lieber weglassen, da ist wenig Pigment drin, da hätte ich auch noch verschiedene Farbtöne. Ich denke, dass das so nicht funktionieren würde, Farben von verschiedenen Herstellern zu verwenden. Auch bei den Bindern gibt es ja verschiedene ......

LG
Petra

@brigitte Ich weiß, was du meinst, aber ich möchte eben wissen was ich wie tun muss ...

Nach oben 01.02.2015, 21:59 Nach unten

Acryl

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Hallo Petra,

sorry, aber ich bin auch der Meinung, dass Du es Dir mit viel zu viel Theorie gerade richtig schwer machst, zu beginnen. Ich habe am Anfang auch viel gelesen über das Material und seine Eigenschaften, das war auch nicht verkehrt und hat mir ein paar grobe Anhaltspunkte gegeben. Inzwischen kann ich behaupten, dass ich mir mein "Wissen" über die Eigenschaften der Farben , Binder und diverser Füllmittel größtenteil selbst beigebracht habe . Es beruht auf den vielen Versuchen, die ich gemacht habe. Natürlich kamen dabei oft keine "Kunstwerke" heraus, aber ich habe dabei nicht nur viel über das Material gelernt sondern auch über die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Techniken und es war immer spannend. Ich möchte Dich wirklich ermutigen, ganz viel auszuprobieren. Dazu eignet sich Malpappe ganz gut, die ist stabil und kann auch öfter übermalt werden.

Zu Deiner Farbauswahl möchte ich noch dieses anmerken: Selbstverständlich kannst Du die Farben untereinander mischen, auch unterschiedliche Fabrikate. Am Anfang ist es aber wohl empfehlenswert, sich ein paar Farben zuzulegen, auch gibt es einige Farbtöne, die man nicht so einfach aus drei Grundfarben ermischen kann. Es gibt zum Beispiel kein Violett, wenn Du ein Scharlachrot (hoher Gelbanteil) mit einem Blau mischst - und auch beim Blau gibt es unterschiedliche Töne, usw.
Mein Standardsortiment: Karminrot, Cadmiumrot hell, Magenta, Zitronengelb, Cadmiumgelb, Ultramarinblau, Phtaloblau, Siena, Ocker, Schwarz, Weiss.

Die Billigfarben würde ich auch liegen lassen, wenn der Binderanteil sehr hoch ist, wirken die Farben "schmierig" und man hat keine Freude mehr dran.

Viel Spass beim Ausprobieren,
LG, Claudia

Nach oben 02.02.2015, 00:08 Nach unten

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Beitrag: Re: Neubeginn mit Acryl - 01.02.2015, 21:59 Angelita hat geschrieben:
Schwarz lässt sich eigentlich auch optisch herstellen ...

Eigentlich schon, das ist aber sehr schwierig zu kontrollieren. Denn je nachdem um welche Pigmente es sich dabei handelt, können bei unterschiedlichen Schichtdicken leicht unterschiedliche Farbtöne herauskommen, auch in wässrigen Lösungen verhalten sich manche Pigmente recht unterschiedlich.

Aber gerade am Anfang würde ich versuchen, die Komplexität zu verringern. Du darfst am Anfang nicht zu viel auf einmal wollen.

Beitrag: Re: Neubeginn mit Acryl - 01.02.2015, 21:59 Angelita hat geschrieben:
Bei der Lasurtechnik ist es doch so, dass durch das Übereinanderlegen sich diese optisch zu den Farbtönen mischen lassen, die man dann braucht.

Das ist ein großer Mythos. ;) Es geht nicht darum, irgendwelche Grundfarben wie ein Farbdrucker übereinander zu legen, sondern darum die Einheit im Bild zu erhalten. Transparenz ist der Hauptaugenmerk, weniger simple Farbtheorie. Auch können Lasuren eine große Hilfe bei dem Erreichen komplexer Kompositionen sein.
Eine typische Anwendung wäre es, z.B. ein relativ monochrom gemaltes Gesicht im Nachhinein noch durch dünne Lasuren hier und da Rötungen zu verpassen, z.B. an Nase, Lippen, Ohren oder Wangen. Und die Untermalungen lässt man gerne in den Schattenbereichen durchschimmern, damit diese teilweise eine andere Farbe enthalten, z.B. die des Hintergrundes. Wenn dieser Lila ist, dann malt man ihn besser mit Lila, und nicht durch komplizierte Rot-/Blau-Lasuren.
Auch kann z.B. ein mit deckendem Rot gemalter Bereich durch eine transparente Rotlasur zusätzliche Leuchtkraft und Tiefe erhalten.

Die bevorzugten Farben (Pigmente) eines Künstlers entstehen durch Experimente. Schwarz zählt da zu meinen Favoriten, in geringen Mengen, zusammen mit transparenten Pigmenten (z.B. Eisenoxidrot oder Phthaloblau/grün) entstehen sehr farbstarke, aber trotzdem nicht künstlich wirkende Farben, die dünn aufgetragen schön leuchten, dick aufgetragen aber sehr dunkel und tief werden. Ideal für Lasuren. Solche Mischungen werden auch von den Farbherstellern vertrieben, z.B. als Vandyckbraun, Saftgrün oder Preußischblau. Aber monopigmentierte Farben sind beim Kauf natürlich vorzuziehen, den Rest kann man ja ermischen.
Sehr helle Bildbereiche können durch deckende Farben bzw. Mischungen mit Weiß etwas Stabilität erhalten. Denn gerade dünne Lasuren wirken bei wechselnden Lichtverhältnis gerne mal sehr unterschiedlich.

Also: Sei kein Farbdrucker, sondern nutze die Transparenz der Farbschichten eher zur Erleichterung des Malprozesses und zum Erhalt der bildlichen Einheit.

Nach oben 02.02.2015, 00:41 Nach unten

Beitrag  Re: Neubeginn mit Acryl
Beitrag: Re: Neubeginn mit Acryl - 02.02.2015, 00:08 spectrum hat geschrieben:
Hallo Petra,

sorry, aber ich bin auch der Meinung, dass Du es Dir mit viel zu viel Theorie gerade richtig schwer machst, zu beginnen. Ich habe am Anfang auch viel gelesen über das Material und seine Eigenschaften, das war auch nicht verkehrt und hat mir ein paar grobe Anhaltspunkte gegeben. Inzwischen kann ich behaupten, dass ich mir mein "Wissen" über die Eigenschaften der Farben , Binder und diverser Füllmittel größtenteil selbst beigebracht habe . Es beruht auf den vielen Versuchen, die ich gemacht habe. Natürlich kamen dabei oft keine "Kunstwerke" heraus, aber ich habe dabei nicht nur viel über das Material gelernt sondern auch über die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Techniken und es war immer spannend. Ich möchte Dich wirklich ermutigen, ganz viel auszuprobieren. Dazu eignet sich Malpappe ganz gut, die ist stabil und kann auch öfter übermalt werden.

Liebe Claudia,
dieses Richtig Machen Wollen entstand (unter anderem) auch aus meinem klammen Geldbeutel damals, der keine Versuche zuließ. Deswegen begann ich auch mit der Farbenherstellung, Grundierung usw. zu experimentieren. Also hab ich experimentiert mit Grundierungen, Ölfarben ... und nun in Acryl. Ich habe dabei festgestellt, dass das Selbstherstellen für mich (ganz ehrlich) billiger kam. Ich gestehe mir schon seit langem ein, dass ich es auch ungeheuer spannend finde, zu experimentieren UND dass ich deshalb nicht zum Malen komme. Darum möchte ich jetzt endlich zum Malen kommen. Bin aber auch der Meinung, dass man schon sein Material kennen sollte theoretisch UND auch praktisch. Nun gehe ich den Weg in die Praxis zusammen mit der Theorie.
Beitrag: Re: Neubeginn mit Acryl - 02.02.2015, 00:08 spectrum hat geschrieben:
Mein Standardsortiment: Karminrot, Cadmiumrot hell, Magenta, Zitronengelb, Cadmiumgelb, Ultramarinblau, Phtaloblau, Siena, Ocker, Schwarz, Weiss.

Vielen Dank für die Empfehlung, soweit ich sehe, hab ich diese Farben da. :-)

Lieber Björn
Beitrag: Re: Neubeginn mit Acryl - 02.02.2015, 00:41 Beowulf hat geschrieben:
Aber gerade am Anfang würde ich versuchen, die Komplexität zu verringern. Du darfst am Anfang nicht zu viel auf einmal wollen.

Ich versuche das abzustellen.
Zitat:
Wenn dieser Lila ist, dann malt man ihn besser mit Lila, und nicht durch komplizierte Rot-/Blau-Lasuren.
Auch kann z.B. ein mit deckendem Rot gemalter Bereich durch eine transparente Rotlasur zusätzliche Leuchtkraft und Tiefe erhalten.

So hab ich mir das vorgestellt. Ich hab mal aus Rot und Blau versucht Lila herzustellen ... nach dem Ergebnis hab ich dann auch Lila genommen. :-)
Zitat:
... entstehen sehr farbstarke, aber trotzdem nicht künstlich wirkende Farben, die dünn aufgetragen schön leuchten, dick aufgetragen aber sehr dunkel und tief werden. Ideal für Lasuren. Sehr helle Bildbereiche können durch deckende Farben bzw. Mischungen mit Weiß etwas Stabilität erhalten.

So ist meine Intention. :-) Dankeschön.

Ich fang dann mal an ......
:winken:

Nach oben 02.02.2015, 09:48 Nach unten
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