"Wer mir sagen kann, warum ein Bild schön ist, dem bezahle ich eine Flasche!" (Edgar Degas)




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 Ölmalerei und Malmittel? 
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Beitrag  Ölmalerei und Malmittel?
Ich habe vor mit Ölfarbe realistische Portraits zu malen. Ich will zunächst mit einer Untermalung des Bildes beginnen bzw. die Hauttöne mit dem dunkelsten Ton innerhalb des Gesichtes vorgrundieren. Der ganze Arbeitsablauf wird hinterher durch Lasuren vollendet. Da ich noch nie mit professionellen Malmitteln gearbeitet habe, wollte ich fragen welche Empfehlenswert sind?

Habe mir daher von Schmincke einige rausgesucht und frage einfach mal ob ich damit gut zurecht kommen werde bzgl. meines Vorhabens? Wichtig ist mir allerdings das diese Malmittel nicht stinken (wie Terpentinersatz). Kann mir da jemand was zu sagen?

- Schmincke Mussini Medium 1, zum Verdünnen
- Schmincke Mussini Medium 3, trocknungsbeschleunigend (für die Untermalung?)
- Schmincke Rapid Medium, Trocknung + Transparenz (für Lasuren und auch die Untermalung geeignet?)
- Schmincke Lasurmedium, Glanz + Verlauf

Ich habe mal in irgendeinem Forum gelesen das man auch Erdnussöl verwenden kann. Geht das? Und wie sieht es mit der Ergibigkeit aus? Reichen 60 ml Fläschchen für ein normales Bild?

Nach oben 19.02.2014, 14:01 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Erdnussöl härtet nicht aus, ist für die Malerei also gänzlich ungeeignet. Man nutzt es höchsten um die Farbe aus dem Pinsel zu reiben. Danach sollte man das Erdnussöl aber mit Seife aus den Pinseln auswaschen.

Und was du da mit den Lasuren vorhast, wird auf diese Weise wohl nicht funktionieren. Um einen dunklen Untergrund aufzuhellen braucht man viel (!) Deckkraft... welche Lasuren eben nun mal nicht bieten können. Es ist viel effektiver mit einer Untertuschung und/oder Weißhöhung das Motiv schon mal in helle und dunkle Bereiche aufzuteilen. Dafür können Malmedien wie Aquarell, Gouache, Tempera, Acryl oder Tusche verwendet werden. Sie trocknen alle schnell und benötigen keine Malmittel. Auch sinken sie gut in den Untergrund ein, wodurch sie eine enorme Einfärbekraft besitzen.

Auch danach solltest du den Einsatz von Malmittel eher gering halten. Es macht einfach keinen Sinn, die ganze Maltechnik um irgendwelche "Zaubermittelchen" aufzubauen. Man erhöht die Gefahr der Rissbildung und Gilbung, auch kann zu viel Malmittel zu äußerst irritierenden Lichteffekten führen, vor allem bei hellen Bereichen. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall kann das Bild dann total anders aussehen. Auch erhöht sich die Gefahr dass Staub ins Bild eingearbeitet wird. Dunkle Bildbereiche sind jedoch diesbezüglich etwas "dankbarer", sie bekommen mehr Tiefe, und eingemalter Staub fällt nicht so schnell auf. Man kann jedoch dunkle Bereiche noch nachträglich gut lasieren, das funktioniert sehr gut, und man kann dabei noch gleichzeitig den manchmal etwas stumpf wirkenden Halbschatten mehr Farbigkeit verleihen.

In der Regel enthalten alle trocknungsbeschleunigenden Malmedien Sikkative und/oder Lösungsmittel, sind also alles andere als gesund.

Arbeite daher lieber mit möglichst wenigen Farbschichten, und nutze nur "einfache", eher trocknungsverzögernde Malmittel wie Leinöl oder Mohnöl, um dem Bild am Schluss hier und da mit einer farbigen Lasur noch den letzten Schliff zu geben.

Nach oben 19.02.2014, 15:21 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Eijeijei, Erdnussöl zum Malen einsetzen, da komme ich gar nicht drüber weg :girlieumfall: Wie krass ist das denn.

Beitrag: Ölmalerei und Malmittel? - 19.02.2014, 14:01 EvelErnie hat geschrieben:
... Wichtig ist mir allerdings das diese Malmittel nicht stinken (wie Terpentinersatz). Kann mir da jemand was zu sagen?

- Schmincke Mussini Medium 1, zum Verdünnen
- Schmincke Mussini Medium 3, trocknungsbeschleunigend (für die Untermalung?)
- Schmincke Rapid Medium, Trocknung + Transparenz (für Lasuren und auch die Untermalung geeignet?)
- Schmincke Lasurmedium, Glanz + Verlauf ...


Die ersten beiden aufgezählten Schmincke-Mediumflaschen sind Stinker. Ich habe schon etliche Malmittel ausprobiert von Schmincke, aber keines war mit aromatischem Duft. Würde mich wundern, wenn die andern beiden nicht nach Chemie riechen.

Nach oben 19.02.2014, 17:50 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Erst einmal Danke für die Antworten.

@ Rocky:
Das mit dem Erdnussöl habe ich mal in irgendeinem Forum gelesen, dass kommt nicht von mir. Ich denke aber das es sich ganz gut eignet um die Pinsel auszuwaschen, als Alternative zum teuren Pinselreiniger inkl. Chemie.
Du hast geschrieben das die von mir angegebenen Malmittel stinken. Nun wird man ja einen Beschleuniger nur sparsam einsetzen und mit einer Pipette auf die Farbe träufeln, oder? Das sollte ja bedeuten dass das Geruchsproblem nur sehr gering auftreten wird, oder?

@Beowulf:
Hier auch noch einmal Danke für deine Ausführung. Aber das mit der Untermalung habe ich hier und da schonmal anders gelesen. Es gibt hier im Forum ja auch einen ganz interessanten Beitrag zum Thema Untermalung, Imprimitur, Inkarnat usw.

http://www.kritzelmeister.de/viewtopic.php?t=18719

Das mit den Malmitteln leuchtet allerdings ein. Was würdest du denn eher empfehlen. Leinöl oder Mohnöl? Habe gelesen das Leinöl einen Gelbstich verursachen könnte. Mohnöl hingegen nicht. Was benutzt du zum Pinsel auswaschen?

Nach oben 20.02.2014, 09:04 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 20.02.2014, 09:04 EvelErnie hat geschrieben:
... Das sollte ja bedeuten dass das Geruchsproblem nur sehr gering auftreten wird, oder?...


Du erwähntest ja die Wichtigkeit für dich, dass die Malmittel nicht stinken...

Also, das hängt mit Sicherheit auch von der Toleranzgrenze der Nasen ab. Vieleicht empfindest du die Düfte der Malmittel ja auch als aromatisch in der hohen Verdünnung?

Es wird in der Malerei nie die allerletzte Wahrheit, das allerbeste Mittel, die supergutste Farbe, die tollste Leinwand, das beste Malverfahren geben. Sonst könnte man Portrait-SOP's beschreiben (standardisierte Arbeitsanweisungen) und Standard-Malkits verkaufen.

Ich sehe das so. Du hast dir diese speziellen Malmittel aus einem bestimmten Grunde so und nicht anders zusammengestellt. Egal, wie viele Leute du wegen des Geruchs dazu befragen wirst, hat jeder einen anderen Standpunkt. Der eine sagt nein dazu, aus Gesundheitsgründen, der andere nein aus Prinzip, wiederum dem nächsten riecht es nicht gut, etc etc, der andere hat eine Allergie und sagt nein ...

Mit dem Beschreiben von Düften verhält es sich ebenso wie mit dem Beschreiben eines eines 4-Gänge-Menüs.
:grins: Versuch macht kluch... probier's einfach mal aus ...

Nach oben 20.02.2014, 10:23 Nach unten

Aquarell, Gouache, Acryl

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Huhu Ernie, ich glaube ein Teil der Verwirrung basiert darauf, dass du möglicherweise die falschen Begriffe benutzt für das was du machen willst.

Es gibt verschiedene Maltechniken in Öl und daraus resultierend völlig unterschiedliche Vorgehensweisen.

Der Begriff Untermalung ist ein Überbegriff, der für eine Reihe unterschiedlicher Techniken benutzt wird, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Lasuren dagegen sind per Definition, dünne, transparente Farbschichten, bei denen die Untermalung noch durchscheint.

Wenn du also schreibst, dass du eine Untermalung mit Lasuren obenauf anfertigen willst, geht jeder davon aus, dass du hier etwas machen willst, was in Richtung flämische Technik geht, also erst das Bild in schwarz-weiß als Untermalung und dieses anschließend mit farbigen, lasierenden Schichten kolorieren.
Bei dieser Technik definiert aber bereits deine Grisaillevorzeichnung mit hell und dunkel die Licht- und Schattenstellen, das heißt auch bei den Lasuren geht man dann tendenziell von hell nach dunkel vor. Es ist schwer beim Lasieren stellen nachträglich aufzuhellen, bzw. es geht ein wenig die Natürlichkeit verloren.


Was du aber wohl machen willst, ist einfach ein Bild in Schichttechnik malen. Erst die groben Farben einblocken und danach weitere Farbschichten auftragen, die dann sukzessive heller werden, bis zu den ganz hellen Highlights. Klar, das funktioniert gut so, in der Schichtmalerei ist es auch überhaupt kein Problem von dunkel nach hell zu malen, im Gegenteil, es ist sogar erwünscht. Schichten sind allerdings keine Lasuren, daher wohl auch die Verwirrung.

Für eine normale Schichtmalerei brauchst du auch gar nicht großartig Malmittel. Es sei denn du malst eher pastös. Generell gilt in der Malerei fett auf mager, d. h. die oberen Farbschichten sollten tendenziell mehr Öl enthalten als die unteren. Von den Malmitteln brauchst du meiner bescheidenen Ansicht nach gar keines. Achte nur einfach drauf dass du die unterste Schicht ganz dünn lässt und werde dann einfach nach oben hin etwas dicker mit den Schichten.

Nach oben 20.02.2014, 11:21 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Lasuren betreffend. Und auch die eben gelesene Variante stellt lediglich eine von vielen dar. Ich habe den Frauenkopf von der Venus in Lasuren gemalt. Vorzeichnung hauchdünn mit Kohle (die Konturen), alles an loser Kohle so weit wie möglich dann wieder abgewischt. Die farbigen Lasuren habe ich NUR mit Citrusterpin als Malmittel aufgetragen, ale paar Tage eine weitere Schicht.
Das ist ein Malmittel, was nicht gerochen hat.
Entgegen landläufiger Meinung hat die hauchdünne Kohleschicht der Farbe nicht geschadet ( :mhh: wohl Glück gehabt, bitte nicht nachmachen!); ich kenne auch niemanden, der Citrusterpin als Malmittel für Lasuren benutzt hat und ... das Bild sieht heute noch gut aus (also die Farben meine ich).
Wie gesagt, viele Wege führen nach Rom.

Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 20.02.2014, 11:21 Sharkana hat geschrieben:
.. Generell gilt in der Malerei fett auf mager, d. h. die oberen Farbschichten sollten tendenziell mehr Öl enthalten als die unteren. Von den Malmitteln brauchst du meiner bescheidenen Ansicht nach gar keines. Achte nur einfach drauf dass du die unterste Schicht ganz dünn lässt und werde dann einfach nach oben hin etwas dicker mit den Schichten.


Sharkana, mit welchem Malmittel magerst du die unteren Schichten denn aus?

Oder lese ich das schon richtig, dass du lediglich die einzelnen aufgetragenen Schichtdicken variierst? Falls dem so ist, erzeugst du damit kein Konzentrationsgefälle, was den nach unten hin abnehmenden Ölanteil betrifft.

Nach oben 20.02.2014, 11:53 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Denke auch das ich Schichtemalerei meine. Allerdings müssen die unteren Schichten ja vermutlich dennoch durchgetrocknet sein um nicht zu verschmieren.

Ich greife aber auch nochmal die Frage auf mit welchem Mittel du die unteren Schichten ausdünnst? Sollte doch mit Leinöl bzw. Mohnöl gehen oder irre ich da? Hier könnte ich ja auch sparsam einen Trocknungsbeschleuniger verwenden, der dünnt doch ebenfalls aus, oder?

Nach oben 20.02.2014, 12:34 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 20.02.2014, 12:34 EvelErnie hat geschrieben:
Denke auch das ich Schichtemalerei meine...


Aber so richtig sicher bist du nicht?
Leinöl und Mohnöl tun genau entgegengesetzt das, was ein Trocknungsbeschleuniger erreichen soll! Und du ziehst abwägend das ein oder andere vor. Für ein und dasselbe Bild? Was ist dein Ziel, monatelang an dem Portrait zu arbeiten oder ein paar Tage lang? Zeit ist z.B. e i n Faktor, der die Wahl des Öles beeinflußt. Jedoch sind Öle nicht zum Verdünnen oder Ausmagern.

Ich habe gerade geschaut, ob ich eine Arbeit von dir finden kann, um abzuschätzen, wo du malerisch stehst. Hab' leider nichts gefunden. Also, ohne dir zu nahe treten zu wollen, würde ich dir den Wehlte oder Doerner zum Lesen empfehlen. Das sind Grundlagenwerke, in denen ausführlich die Funktion und Wirkweise u.a. von allen Ölen und Malmitteln aufgelistet sind, mit allen wenn's und aber's. Und noch viel mehr.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schichtenmalerei

Nicht, dass so ein Buch die Diskussion hier erübrigen würde, aber, es ist enorm hilfreich, sich die Basics anzueignen.

Nach oben 20.02.2014, 15:15 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 20.02.2014, 12:34 EvelErnie hat geschrieben:
Ich greife aber auch nochmal die Frage auf mit welchem Mittel du die unteren Schichten ausdünnst? Sollte doch mit Leinöl bzw. Mohnöl gehen oder irre ich da?

Öle machen die Farbe fetter. Man dünnt den Farbauftrag zwar in der Hinsicht aus dass die Konzentration an Pigmenten verringert wird, aber das ist hier nicht gemeint.

Mager wird ein Farbauftrag durch weniger Bindemittel, in diesem Fall dem Öl. Und ja, Leinöl neigt stärker zum Gilben als Mohnöl, daher sollte man vor allem für blaue Lasuren Mohnöl verwenden, damit es nicht ins Grün umschlägt.

Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 20.02.2014, 11:53 Rocky hat geschrieben:
Oder lese ich das schon richtig, dass du lediglich die einzelnen aufgetragenen Schichtdicken variierst? Falls dem so ist, erzeugst du damit kein Konzentrationsgefälle, was den nach unten hin abnehmenden Ölanteil betrifft.

Oh doch, und das nicht zu knapp. Bei dünnen Farbschichten auf "nacktem" Malgrund wird das meiste Öl regelrecht "weggesaugt". Die Farbe neigt dazu, nach dem Trocknen recht matt auszusehen. Aber Fakt ist auch, dass die fertigen Tubenfarben für eine reine Öl-Schichtmalerei in der Regel doch zu ölhaltig sind, es ist schwierig nur mit diesen Farben genügend Schichten aufeinander legen zu können, ohne dass das Bild sich in eine schnell gilbende Schwarte verwandelt.

Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 20.02.2014, 09:04 EvelErnie hat geschrieben:
Aber das mit der Untermalung habe ich hier und da schonmal anders gelesen. Es gibt hier im Forum ja auch einen ganz interessanten Beitrag zum Thema Untermalung, Imprimitur, Inkarnat usw.

Ich hoffe du hast da auch meine Richtigstellungen auf der letzten Seite gelesen. ;) Und wie ich schon sagte: Mit Malmittel wirst du niemals ausreichend Deckkraft erreichen können, um einen dunkel vorbereiteten Malgrund intensiv aufhellen zu können. Es versuchen zwar heutzutage viele, aber das Ergebnis ist aber in der Regel recht kontrastarm und schmuddelig. Wenn Maler in der Vergangenheit dunkle Malgründe aufgehellt haben, dann haben sie es u.a. mit einer sehr fest angeriebenen (also bindemittelarmen!) Bleiweißfarbe getan, in Form einer Weißhöhung. Dabei haben sie intensiver aufgehellt als das angestrebte Endergebnis, da ja noch farbige Lasuren drüber kommen sollen. Aber selbst bei solchen Bildern konnte man mit den Jahrzehnten oft eine Abdunklung beobachten, weil Ölfarben sich verändern und transparenter werden können... und der dunkle Malgrund somit wieder mehr durchscheint.

Das Bleiweiß hat die Trocknung übrigens noch beschleunigt, wirkt also wie ein Sikkativ. Aber wie eigentlich alle Sikkative ist es giftig.

Auch hat Sharkana sehr richtig angemerkt, dass die nachträgliche Aufhellung von dunklen Bildbereichen diese etwas dumpf aussehen lassen kann. Das liegt an der Opaleszenz deckender Farben. Weiß über Braun ergibt Grau, und eben kein leuchtendes Hellbraun. Über diese grundlegenden Mechanismen von Lasuren musst du dir also im Klaren sein.

Oder, um es mal etwas prägnanter formuliert auszudrücken: Man sollte erst mal richtig malen lernen, bevor man anfängt mit vier verschiedenen Malmitteln zu jonglieren. Das wird sonst niemals zu einem Erfolg führen. Also Hände weg von den Malmitteln, und lieber unterschiedliche (ungiftige!) Malmedien nutzen, man hat doch eine so große Auswahl.

Nach oben 20.02.2014, 17:05 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 20.02.2014, 17:05 Beowulf hat geschrieben:
... Aber Fakt ist auch, dass die fertigen Tubenfarben für eine reine Öl-Schichtmalerei in der Regel doch zu ölhaltig sind, es ist schwierig nur mit diesen Farben genügend Schichten aufeinander legen zu können, ohne dass das Bild sich in eine schnell gilbende Schwarte verwandelt.


Eben, weil damit fett auf mager außer Kraft gesetzt wird.
Da ist es zudem vollkommen egal, wie stark der unbehandelte Malgrund saugt oder nicht saugt...
Und wenn sie sich nicht in eine gelbe Schwarte verwandeln, dann entblättern sie nach einigen, wenigen Jahren unter feiner Rißbildung, habe ich auch so ein Exemplar in meiner Sammlung...es wird halt doch eine dünne Ölschicht auf die nächste dünne Ölschicht gepackt.

Letztendlich ist das von dir bejahte Konzentrationsgefälle doch nur ein theoretisches, da es sich praktisch in Schwarten und abblätternder Farbe ausdrückt.

Nach oben 20.02.2014, 17:46 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Es kommt auf die Anzahl der Schichten und den Untergrund an. Eine einzige dünne Schicht auf saugfähigem Grund wird sozusagen "entölt", die Pigmente stehen etwas nackter da, deshalb wirkt der Auftrag auch recht matt. Die Farbe trocknet dann auch recht schnell. Dies ist auch der Grund dafür, dass Bob Ross schon bei der ersten Schicht für seine Nass-in-Nass-Malerei Malmittel einsetzt.

Der nächsten Farbschicht würde das Bindemittel nicht mehr (bzw. kaum) entzogen werden, wodurch sich dann doch ein gutes Konzentrationsgefälle einstellt. Aber das wars dann auch schon. Für die dritte Schicht müsste dann fettes Malmittel her.

Nach oben 20.02.2014, 19:08 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
@ Rocky:

Erst einmal Danke für deine Literaturtipps. Welchen von Beiden würdest du denn mehr empfehlen? Sind dort auch Bildbeispiele drin?
Zu deiner Frage bzgl. meines malerischen Könnens: Ich habe bislang immer ohne Malmittel gearbeitet, also direkt mit der Ölfarbe auf der Leinwand gearbeitet. Ich kennen Terpentin zum verdünnen, allerdings finde ich das sehr störend aufgrund des Geruches. Das sagt mir also gar nicht zu. Mit Mohnöl, Leinöl habe ich aber noch nicht gearbeitet bzw. diese ganzen Fläschchen die bei Boesner und Co rumstehen sind mir ein Geheimnis. Ich vermute das sie dazu da sind dem Maler das Geld aus der Tasche zu ziehen und weniger dazu beitragen irgendwas tolles zu bewirken. Ich kann mich aber auch irren. Ich habe diesen Thread gestartet weil ich nun sehr sehr realistisch malen will. Zeichnerisch ist das nicht das Ding, nur weiß ich halt nicht wie ich es mit der Ölfarbe richtig angehen soll um genau das zu erreichen. Wie gesagt, bislang habe ich direkt auf der Leinwand losgelegt. Das hat bisher hervorragend geklappt. Die Regel Fett auf Mager habe ich aber immer eingehalten und leuchtet mir durchaus ein.

@ Beowulf:

Du rätst von den Malmedien ab und meinst man solle mit ungiftigen Mitteln erstmal anfangen. Okay, aber welche empfiehlst du da? Welcher Verdünner wäre z.B. ungiftig und empfehlenswert?
Ich habe jetzt eine Leinwand mit Gesso grundiert, sollte darüber dennoch eine Imprimitur drübergelegt werden damit die Leinwand nicht allzu sehr die Öle aufsaugt bei der ersten Schicht? Legt man die Vorzeichnung erst nach der Imprimitur an oder vorher? Benutzt du dafür Bleistifte, Kohle? Habe auch mal was von Aquarellstiften gelesen, macht aber dann ja nur Sinn wenn man diese nach der Imprimitur aufträgt.

Sorry wenn ich so viel Frage, ich hoffe das nervt nicht?

Nach oben 21.02.2014, 09:28 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Aus Erfahrung weiß ich, dass es immer Maler gibt, die auf das eine bzw das andere Werk stehen. Das ist bedingt durch die inhaltliche Darstellung, Gliederung und wie manche Themen angegangen werden. Ich würde es so nennen, man blättert in beiden Büchern und entwickelt eine starke Neigung zu dem einen oder anderen. Mir ist es ebenso ergangen. Ich selber habe mir dann den Wehlte geholt.

Bei Amazon kannst du direkt einen Blick ins Buch werfen, wenn du "Wehlte" bzw "Doerner" eingibst.

Ich habe mir über Amazon beide Werke bestellt und eines dann wieder zurückgeschickt.

Malmittel. Jeder hat da so seins.
Wenn ich nass-in-nass male, dann bereite ich die komplette Leinwand vor, indem ich sie mit Flüßigtransparent von BR einreibe, bzw mit LiquidWhite von BR. Das ist die erste "Öl"schicht, dieses Material hält mir die Farben für eine Dauer von ca 6 Stunden "offen", dann merkt man allmählich, wie es "anzieht" oder "trocken" wird. Dieses Zeitfenster für ein Bild muss ich einhalten.

Wenn ich in Schichten male, gelingt es mir, über Gessophase und 1. Flüßigtransparentlösg innerhalb von sechs Stunden noch drei Schichten draufzulegen. Aber. Meine ersten Gemälde in dieser Technik sahen die ersten 1 1/2 Jahre toll aus, mit der Zeit jedoch verlaufen irgendwie die in einer bestimmten Art getupften Blätter. Über die Dauer der Zeit arbeiten die Schichten weiter...
Ich vermute, dass ich die ersten Ölfarbschichten einfach zu dick aufgetragen habe, bzw. zu viele Schichten.

Momentan gehe ich ein großes Waldbild aus diesem Grunde anders an. Ich benutze als Malmittel für die Untermalung ein Dammar/Balsamterpentinölgemisch, welches riecht, mir aber nichts ausmacht, weil ich das Fenster eh' aufhabe.

Ich bin also eher auch unter die Suchenden einzureihen, möglicherweise kommen ja noch Tipps rein, die für dich hilfreich sind.

Nach oben 21.02.2014, 10:52 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 21.02.2014, 09:28 EvelErnie hat geschrieben:
Du rätst von den Malmedien ab und meinst man solle mit ungiftigen Mitteln erstmal anfangen. Okay, aber welche empfiehlst du da? Welcher Verdünner wäre z.B. ungiftig und empfehlenswert?

Manche Begriffe sind etwas doppeldeutig. Wenn ich von "unterschiedlichen Malmedien" rede, dann meine ich damit in der Regel unterschiedliche Bindemittelsysteme, z.B. Acryl oder Öl. Mit "Malmittel" meine ich dann die Substanzen, die man den jeweiligen Farben beifügt um ihre Eigenschaften zu ändern. Dies kann das Bindemittel des jeweiligen Systems in Reinform sein, z.B. Acrylemulsion für Acrylfarben und Leinöl für Ölfarben. Manche enthalten aber auch Lösungsmittel, Mattierungspartikel oder Subtanzen die den Farbfilm härter machen. Die Auswahl ist sehr groß, da verliert man schnell den Überblick. Deshalb rate ich erstmal davon ab diese Mittelchen zu intensiv zu nutzen. Denn misslingt das Bild, weiß man später nicht mehr genau woran es gelegen hat.

Lösungsmittel sind in der Regel giftig. Leider sind die meisten Malmittel, die den Farbauftrag magerer machen sollen und die Trocknung beschleunigen, auf diese angewiesen.
Aber es gibt auch Ausnahmen. Da gibt es zum Beispiel die Eitempera. Da wird der natürliche Emulgator des Eis dazu genutzt, die Ölfarbe mit Wasser zu verbinden, wodurch die Farbe magerer wird. Man kann dies in verschiedenen Abstufungen machen, mal weniger, mal mehr Öl, und somit schon mehrere, recht schnell durchtrocknende Farbschichten übereinander legen. Schau mal hier im Forum, pigmenttankstelle hat hier einige Beiträge zur Eitempera geschrieben.
Aber auch Tusche oder Aquarell (vielleicht noch in Kombination mit einer Stift- oder Kohlezeichnung) sind eine Überlegung wert.

Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 21.02.2014, 09:28 EvelErnie hat geschrieben:
Ich habe jetzt eine Leinwand mit Gesso grundiert, sollte darüber dennoch eine Imprimitur drübergelegt werden damit die Leinwand nicht allzu sehr die Öle aufsaugt bei der ersten Schicht?

Richtig. Zu viel Saugkraft ist bei der Ölmalerei nicht immer so vorteilhaft. Man muss das richtige Maß finden. Wird eine Imprimitur schön dünn ausgeführt, wirkt sie sich sehr vorteilhaft aus. Ich würde da vielleicht Eitempera empfehlen.

Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 21.02.2014, 09:28 EvelErnie hat geschrieben:
Legt man die Vorzeichnung erst nach der Imprimitur an oder vorher?

Das ist Geschmackssache. Ich persönlich zeichne nicht gerne auf grellweißen Untergründen, aber das muss jeder für sich selber entscheiden.

Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 21.02.2014, 09:28 EvelErnie hat geschrieben:
Benutzt du dafür Bleistifte, Kohle?

Bleistift schlägt durch, sollte also unter allen Umständen gemieden werden. Kohle geht, aber am besten finde ich fettfreie Pastell- und Aquarellstifte. Ist meine Imprimitur in Erdfarben, dann nutze ich einen Sepiastift.

Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 21.02.2014, 09:28 EvelErnie hat geschrieben:
Habe auch mal was von Aquarellstiften gelesen, macht aber dann ja nur Sinn wenn man diese nach der Imprimitur aufträgt.

Jein. ;) Du kannst die Untertuschung auch vor der Imprimitur anlegen, um die Linien damit zu fixieren. Wie hier geschehen auf dem zweiten Foto: Re: Vitamine / Holzmini

Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 21.02.2014, 09:28 EvelErnie hat geschrieben:
Sorry wenn ich so viel Frage, ich hoffe das nervt nicht?

Ganz sicher nicht! ;) Ist ja schließlich ein Forum hier.

Nach oben 21.02.2014, 15:15 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
@ Beowulf:

Danke für deine professionellen Tipps.

Zum Thema Eitempera. Wie muss ich mir das vorstellen? Ich mische Eier mit Wasser und Leinöl und erhalte eine Flüssigkeit, mit der ich dann meine Ölfarbe für die Untermalung bzw. Imprimitur ausdünnen kann? Ich benutze somit die hergestellte Eitempera wie ein Malmittel? Und das funktioniert genauso oder ähnlich gut wie Terpentin?

Zur Unterzeichnung: Ich habe mit einem braunen Aquarellstift auf meiner weißen Gessoleinwand vorgezeichnet. Jetzt würde ich mit der verdünnten Ölfarbe (Braunton) meine Zeichnung nachmalen und warten bis diese trocken ist um daraufhin ganz dünn die Imprimitur drüberzustrcihen. Wäre diese Vorgehensweise sinnvoll?

Nach oben 22.02.2014, 13:19 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Beitrag: Re: Ölmalerei und Malmittel? - 22.02.2014, 13:19 EvelErnie hat geschrieben:
Ich mische Eier mit Wasser und Leinöl und erhalte eine Flüssigkeit, mit der ich dann meine Ölfarbe für die Untermalung bzw. Imprimitur ausdünnen kann?

Normalerweise wird das Öl/Eier/Wasser-Gemisch mit Pigmenten (in Pulverform) vermischt: Ei, so einfach kann man aus Pigmenten und Tempera Farben selbst machen
Die Tempera ermöglicht dir die Farben mit Wasser zu verdünnen, welches ja beim Trocknen recht schnell verdunstet. Dadurch musst du nicht auf öl- oder lösemittelhaltige Malmittel zurückgreifen um dünne Farbaufträge zu erzeugen.
Rührst du Ölfarben in die Tempera, machst du sie nur unnötig fettig. Dabei ist es doch bei selbsthergesteller Tempera recht einfach, durch einen hohen Pigmentanteil die Farbe schön intensiv und mager zu halten. (Meiner persönlichen Meinung nach sind Pigmente die besten "Magermacher" einer Farbe, daher kaufe ich immer nur hochwertigste Künstlerfarben.)
Auch bin ich nicht sicher, ob sich die pastosen Ölfarben gut mit der Eitempera vermischen lassen... aber einen Versuch wäre es vielleicht irgendwann wert.

Aber wie ich schon sagte, viele Malmedien taugen als Untermalung. Generell wirst du dich mit der Handhabung von schnell trocknenden Farben vertraut machen müssen, egal ob du jetzt Acryl, Gouache, Tempera, Tusche, Aquarell oder lösemittelhaltige Ölmalmittel verwendest.

Daher macht es jetzt wohl kaum Sinn, in einem Crashkurs ein komplexes, mehrlagiges Gemälde erzeugen zu wollen. Leg das Bild lieber mal für eine Weile beiseite, und versuche dich an ein paar monochromen Bildern bzw. Untermalungen auf Basis von schnelltrocknender Farbe. Wenn du willst, kannst du ja ein paar Studien deines gewünschten Portraits anfertigen. Du könntest dabei verschiedene Malmedien ausprobieren, um herauszufinden welches dir am besten liegt. Vielleicht hast du ja mit einem schon Erfahrungen sammeln können?

Nach oben 22.02.2014, 23:41 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Ich habe mal etwas recherchiert und bin auch ein angeblich Geruchsfreies Lösungsmittel gestoßen. Shellsol T. Hat da jemand Erfahrungen mit? Ich glaube zwar nicht das dies gesund ist, aber wenn es schonmal nicht so stark riecht und man es marginal einsetzt würde ich damit klar kommen.

Nach oben 23.02.2014, 15:01 Nach unten

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Dieses Shellsol T riecht im übrigen nicht. Ich habe es mir besorgt.

Nach oben 28.02.2014, 08:32 Nach unten

Öl

Beitrag  Re: Ölmalerei und Malmittel?
Alle Chemikalien haben ein Sicherheitsdatenblatt; nicht vergessen dort mal draufzuschauen, dort sind alle sicherheitsrelevanten Informationen zusammgefaßt.

Nach oben 28.02.2014, 22:29 Nach unten
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