"Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet." (Pablo Picasso)




 [ 49 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3  Nächste
 Imprimitur, watn dat??? 
Autor Nachricht

Beitrag  Imprimitur, watn dat???
Ich werde hier mal kurz den Begriff Imprimitur erläutern, sowie den Unterschied zur Untermalung und dem Inkarnat.

Wird über dem weißen Malgrund und der Unterzeichnung ein gefärbter Öl- oder Leimanstrich aufgebracht, so spricht man von einer Imprimitur. Diese Imprimitur hat auch die Aufgabe, den Malgrund weniger saugend zu machen und die Linien der Vorzeichnung zu fixieren und gleichzeitig deren markante Linien abzudämpfen. Farbige Imprimituren wurden z.b. im 15Jh. verwendet, um einen Mittelton in der Hell-Dunkel Skala der Komposition zu erreichen. Ausgehend von diesem Mittelton, war es nun einfacher, die zu malenden Formen aus der Fläche heraus zu modellieren. Meist wurde jedoch eine reine Bleiweiß - Imprimitur aufgebracht, die das einfallende Licht noch stärker reflektieren sollte, als es der Malgrund alleine vermocht hätte.
Zur Erläuterung:
Ein entscheidender Vorteil bei der Verwendung von Ölfarben, ist deren Leuchtkraft, die nicht nur aus einer Oberflächen - Reflektion besteht (wie z.b. bei den Acrylfarben), sondern auch aus einem Tiefenlicht, in dem die Lichtstrahlen die Malschichten des Öls mit den darin eingelagerten Farbpigmenten teilweise durchwandern, um dann vom Malgrund oder von der Imprimitur reflektiert zu werden. Somit entsteht ein Tiefenlicht, das die Farben von innen her erleuchten lässt. Verwendet man eine farbige Imprimitur, z.b. mit Grauwerten, dann arbeitet man mitunter gegen diesen Effekt, da das Licht nun nicht mehr von der Imprimitur reflektiert, sondern absorbiert wird. Vermeiden sollte man deshalb in der Imprimitur die Verwendung der Farbe Schwarz und ihre Abmischungen, da Schwarz auftreffendes Licht immer absorbiert und nicht reflektiert.
Dateianhang:
Lichteinfall01.jpg


Nun zur Technik der Untermalung, die am Beispiel von Tintorettos Vorgehensweise am deutlichsten wird. Tintoretto hatte in seine Leinwandbildern zuerst eine braune bis schwarze, flächigen Untermalung angelegt, auf der er mit dem Pinsel eine Öl-Bleiweiss Skizze auftrug. Danach wurden die Lichtfelder der Komposition mit Bleiweiß ausgeblockt und danach mit dunklen Konturen und Schatten verfestigt. Erst danach begann er die Formen „alla prima“ zu modellieren, wobei stellenweise die Unterzeichnung und Untermalung stehen blieb.

Als Inkarnat bezeichnet man die Untermalungen unter den Haut- und Körperpartien. Die Untermalung der Hautpartien besteht dabei aus einer dunklen meist grünbraunen Farbe (oft auch grüne Erde), auf der halbdeckend bis deckend die Fleischtöne aufgetragen werden. Dabei entstehen in den halbdurchsichtigen Schatten perlmuttartige kühle Farbtöne, das sogenannte optische Grau. Grüne Farbtöne im Inkarnat werden auch deshalb verwendet, weil Fleischfarbe eben nicht nur aus verschiedenen Braun und Rottönen besteht, sondern verursacht durch die Venen und Adern, beinhaltete eine korrekte Hautfarbe auch Grüntöne, die in den Fleischfarben leicht durchschimmern.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 22.06.2011, 04:38 Nach unten

Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
:danke2: arte, jetzt glaube sogar ich, die Unterschiede einigermaßen zu verstehen :mhh: . Wenn nun die Imprimatur, Untermalung oder das Inkarnat aufgebracht wurde, erfolgt dann im nächsten Schritt die sogenannte Weißhöhung? :winken:

Nach oben 22.06.2011, 05:00 Nach unten

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Diese drei Techniken sind natürlich nur sinnvoll bei einer nachfolgenden Schichtenmalerei und sollte man danach deckend „alla prima“ arbeiten, machen diese Vorbreitungen des Malgrunds wenig Sinn.
Danach kann man selbstverständlich mit Weißhöhungen arbeiten, sowie mit transparenten oder auch halbtransparenten Schichten. Arbeitet man mit einer dunklen Untermalung wie nach Tintoretto, ist eine Weißhöhung sogar zwingend notwendig, da man sonst keine Lichter hinbekommt.

LG :spanien1:
Andreas

Nach oben 22.06.2011, 05:10 Nach unten

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Vielen Dank Andreas,

auch wenn ich in Büchern schon mehrfach Erklärungen dazu gelesen hatte, so klar wurde das dort nie unterschieden und abgegrenzt.

Ich finde es immer wieder klasse, wie Du uns an Deinem Wissen teilhaben lässt.

Liebe Grüße,

Michaela :winken:

Nach oben 22.06.2011, 05:19 Nach unten

Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Sehr interessant, da ich die Schichtenmalerei (kleinlaut: na ja 2-3 Schichten bisher :oops: ) vorziehe, weil ich dazwischen nachdenken kann, wie es weitergeht :mhh: . Beim Kaminfeuer im Malprojekt war ich sozusagen ein kleiner Tintoretto :rofl: .

Und Wasser auf Deine Mühlen: Herdin empfhiehlt eine generelle Untermalung in grau :nein: :nein: :nein: . :winken:

Nach oben 22.06.2011, 05:25 Nach unten

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Nix zu danken ihr Lieben!!! Man muss mich nur fragen und als alte Plaudertasche kann ich mich einfach nicht zurückhalten.... ja, ja
Dateianhang:
emoticon-arreh-6.gif

@Lucie, geh mich weg mit dem olen Herdini...

Nach oben 22.06.2011, 05:28 Nach unten

Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Beitrag: Re: Imprimitur, watn dat??? - 22.06.2011, 05:28 arte60 hat geschrieben:
@Lucie, geh mich weg mit dem olen Herdini...


:rofl: :rofl: :rofl: Mir kam das auch unlogisch (nicht spanisch - ich will Dich ja nicht beleidigen) vor :grins: :winken: .

Nach oben 22.06.2011, 05:36 Nach unten

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Hallo Andreas,

sehr interessant deine Ausführungen. Ich würde mich hier gerne mal mit einklinken wenn es o.k. für dich ist.

Ich habe es folgendermasen gelernt. Ich mache mir ein Inkarnat mit einer Mischung aus bömisch grüner Erde und einem kleinen Anteil dunkles braun und streiche das ganze dünn über meinen weissen Acryluntergrund. Dann skizziere ich meine Körperpropertionen darauf. Diese modeliere ich dann in mehreren Schichten mit der Grauskala , wobei weiss die dickste Farbschicht und Schwarz das unbehandelte Inkarnat ist. Alles was im Schatten liegt oder nachher schwarz ist im farbigen Bild bekommt sozusagen keinen Auftrag bei der Grauskalamalerei. Und alles im direkten Licht ist mit weiss komplett deckend gemalt.

Wobei dazu erwähnt werden sollte das sämtliche Schichten hauchdünn sind und man hinterher den Eindruck eines völlig glatten Bildes ohne Pinselstrukturen hat.

Nach oben 22.06.2011, 07:29 Nach unten

Aquarell,Acryl,Bleistift ev.Öl

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag

Nach oben 22.06.2011, 07:39 Nach unten

Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Beitrag: Re: Imprimitur, watn dat??? - 22.06.2011, 07:29 Nici hat geschrieben:
Hallo Andreas,

sehr interessant deine Ausführungen. Ich würde mich hier gerne mal mit einklinken wenn es o.k. für dich ist.

Ich habe es folgendermasen gelernt. Ich mache mir ein Inkarnat mit einer Mischung aus bömisch grüner Erde und einem kleinen Anteil dunkles braun und streiche das ganze dünn über meinen weissen Acryluntergrund. Dann skizziere ich meine Körperpropertionen darauf. Diese modeliere ich dann in mehreren Schichten mit der Grauskala , wobei weiss die dickste Farbschicht und Schwarz das unbehandelte Inkarnat ist. Alles was im Schatten liegt oder nachher schwarz ist im farbigen Bild bekommt sozusagen keinen Auftrag bei der Grauskalamalerei. Und alles im direkten Licht ist mit weiss komplett deckend gemalt.

Wobei dazu erwähnt werden sollte das sämtliche Schichten hauchdünn sind und man hinterher den Eindruck eines völlig glatten Bildes ohne Pinselstrukturen hat.


Wäre es dann aber nicht sinnvoller (ich bin doof, aber lernwillig) neben weiß eine warme Skala zu wählen :gruebel: :winken: .

Nach oben 22.06.2011, 10:11 Nach unten

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Beitrag: Re: Imprimitur, watn dat??? - 22.06.2011, 10:11 Lucie hat geschrieben:

Wäre es dann aber nicht sinnvoller (ich bin doof, aber lernwillig) neben weiß eine warme Skala zu wählen :gruebel: :winken: .


ich bin nicht weniger doof und gerne bereit meine Gedanken ( aber keinefalls Malgesetze ) mitzuteilen

ob eine Farbe warm oder kalt wird entscheidet doch nachher der Farbauftrag und da denke ich das es kein Bild gibt wo es einheitlich warm oder kalt ist. Je nachdem was im Schatten liegt, ob es Reflektionslicht gibt und von was usw. entscheidet doch dann wie die Farb"temperatur" ist, oder ? :hmm:

Nach oben 22.06.2011, 15:28 Nach unten

kritzelkram

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Hola andreas,

hätte mal zwei fragen zu deinem ersten beitrag, und da zum punkt imprimitur, ist aber glaub' ich nur ne definitions- bzw abgrenzungsfrage.

Ich male auf leim-kreide-gründen (echten), und wenn ich die vorzeichnung angelegt habe gehe ich da mit einer schelllacklösung drüber, die einerseits die saugfähigkeit des grundes reduziert, andererseits die vorzeichnung so fixiert, dasse mir nicht die farben einsaut. Das nennt man isolierung, volkstümlich, denkichmal.
Durch die eigenfarbe des schelllacks und die reaktion einiger pigmente (z. b. zinkweiss) verfärbt sich der malgrund automatisch, fügt man dem schelllack zusätzlich noch etwas pigment hinzu kann man den grund gezielt leicht antönen, was insbesondere draussen bei der schnellen skizzenmalerei hilfreich sein kann, weils weisse 'blitzer' zwischen den farben verhindert. Schelllack trocknet an einem sommertag innerhalb weniger minuten und dann kann man drüberpinseln.

Du schreibst von öl- bzw leimaufstrichen. Ölaufstriche brauchen sicherlich lange zum trocknen, leimaufstriche wohl ähnlich kurz wie die schelllacklösungen, müssten aber, handwerklich gesehen, magerer als die leimung des malgrundes ausfallen (weil sich sonst oberflächenspannung aufbaut und der malgrund reissen könnte), und hätten also entsprechend isolatorisch wenig wirkung. Auf den inzwischen gängigen acrylmalgründen sind leimaufträge zudem fragwürdig, weil nicht materialgerecht. Aber firnisse erwähnst du überhauptnicht.

Nun die fragen:
- könntest du mal deine imprimitur von einer (meiner) einfachen isolierung abgrenzen? (pigmentierte firnisse sind doch wohl auch imprimitur, oder?)
- farbige malgründe: was meinst du: sollte man auf weissen malgründen arbeiten und sie imprimitieren oder stellt man sich besser die malgründe direkt farbig her, so wie man sie verwenden möchte, weil dünne farbschichten ja doch oft "ärmlich" wirken und ein gleich farbig hergestellter grund doch eine wesentlich andere präsenz hat (es gab ja früher auch die farbigen bolusgründe...) ? Ich tendiere zu letzterem, aber was sagst du?

Schonmal danke vorab
:winken:

Nach oben 22.06.2011, 22:00 Nach unten

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Beitrag: Imprimitur, watn dat??? - 22.06.2011, 04:38 arte60 hat geschrieben:
sondern auch aus einem Tiefenlicht, in dem die Lichtstrahlen die Malschichten des Öls mit den darin eingelagerten Farbpigmenten teilweise durchwandern, um dann vom Malgrund oder von der Imprimitur reflektiert zu werden.

Bei Acryl ist das nicht so :gruebel:

Nach oben 22.06.2011, 22:28 Nach unten

kritzelkram

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
andreas hat geschrieben:
ist deren Leuchtkraft, die nicht nur aus einer Oberflächen - Reflektion besteht (wie z.b. bei den Acrylfarben)
Naja,

acryl hat heute nicht mehr nur nur das oberflächenlicht, und die in in der wässrigen malerei verwendeten kunstharze stehen denen der ölmalerei hinsichtlich luzidität, transparenz, volumen und lichtechtheit wenig nach...

Nach oben 22.06.2011, 22:56 Nach unten

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Na, dat sind ja nen Haufen Fragen, da hab ich mir ja wat eingebrockt..... :shock:
Erst mal nen Kaffee und dann der Reihe nach......

Zuerst einmal, meine Erläuterungen zu den drei Begriffen beziehen sich auf die klassischen Unterscheidungsmerkmale, wie sie sich in der Technikgeschichte der Malerei entwickelt haben. In der heutigen Zeit verwendet jeder die Begriffe nach seinem Gutdünken, was aber meist aus einer Unkenntnis der Thematik heraus resultiert.
Es geht mir dabei auch nicht um die Propagierung von Malgesetzen (die gibt es Gott sei Dank eh nicht) sondern in erster Linie um die Klarstellung von maltechnischen Begrifflichkeiten, die z.b. bei den Restauratoren schon seit Jahrzehnten ihre Gültigkeit haben. Sollte jemandem diese akademisch Herangehensweise aus irgendwelchen Gründen zuwider sein, so bleibt es ihm ungenommen diese geflissentlich zu übersehen. Dabei sollte man sich jedoch bewusst sein, das diese Techniken über Jahrhunderter hinweg gewachsen sind und wer sich einbildet er könnte darüber hinaus in seiner kurzen Lebensspanne und kreativer Tätigkeit revolutionäre neue Techniken in der Malerei entwickeln, der wird mit Enttäuschung feststellen müssen, das in der Technikgeschichte der Malerei alles schon entwickelt und erprobt worden ist, den die Basis jeder Malerei besteht genau aus drei Dingen: Bildträger, Pigment und Bindemittel.

Nun zu Nici. Es gibt keine doofen Fragen nur bescheuerte Antworten und die auch nicht mehr, weil unser Zufluchtsort für Bescheuerte hier im Forum nicht mehr existiert! Achtung, auch an den Unsichtbaren, war nur ein Scherz! :grins: Mea culpa...

Ich glaube es ist nicht ganz klar geworden was Inkarnat bedeutet und da Bilder oft mehr als tausend Worte sagen, hier ein berühmtes Beispiel vom ollen Michel:
Dateianhang:
442px-MICHELANGELO_-_Manchester_Madonna.JPG

Wie man unschwer an seinem unfertigen Bild erkennen kann, sind die linken Figuren nur im Inkarnat vorhanden, d.h. nur die Hautpartien sind mit dem Ikarnat, in diesem Fall mit Grüner Erde in Eitempera, behandelt worden. Warum? Na weil der grünliche Untergrund nur in den Hautpartien diesen grünlichen Schimmer verursachen sollte, den bei den anderen Stellen wie die Gewänder würde er nur stören.
Weiterhin sieht man bei diesem Gemälde noch sehr gut, die lineare Unterzeichnung in Schwarz auf weißem Gipsgrund, die Stricheluntermalung in Tempera der Gewänder und einige Schlusslasuren in Ölfarben bei den Haaren und auf dem Felsstück. Also ein perfektes Beispiel einer klassischen Schichtenmalerei.

Nun aber zu deiner Grisailleuntermalung. Wenn ich mich recht erinnere wurde sie so von Max Dörner beschrieben, der mit dieser Technik den technischen Vorgang in der Malerei von van Eyck erklären wollte. Er beschreibt, das auf die Unterzeichnung eine ockerfarbige Imprimitur gebracht wird und darüber eine regelrechte Grisailleuntermalung mit Eitempera. Die Imprimitur dient dabei als Mittel- oder Schattenton über den man mit Weiß die Formen modelliert. Über diese Grisaillemodellierung trägt man dann mit Ölfarbenlasuren die Lokalfarben auf.
Diese Technik funktioniert ohne Zweifel und ist eine von Dörner entwickelte Technik, aber mit der Maltechnik von van Eyck und seine Zeitgenossen, hat sie nach heutigen Erkenntnissen überhaupt nichts zu tun.

So jetzt brauch ich erst noch eine Kaffee und dann geht’s vielleicht weiter...
Dateianhang:
Kaffeetrinken.gif

LG
Andreas

Nach oben 23.06.2011, 01:45 Nach unten

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Hola Rommel,
na jetzt wirst du aber ein bisschen pingelig... :mrgreen: Neeee, eigentlich gut das du nachfragst, aber noch besser finde ich das du deine Fragen teilweise selbst beantwortest und es freut mich wirklich das offensichtlich ein reges Interesse an dieser Thematik besteht. :doppeldaumen:

Vorweg muss ich aber gestehen, das ich von Schellack in der Praxisverwendung keine Ahnung hab und ich kenne Schellack eigentlich nur aus der Farbgewinnung von Rot, der Lac-dye-Farbstoff, der von den Lackschildläusen aus Indien abgesondert wird und unter dem Zusatz von Alaun gewinnt man dabei roten Farblack. Schellack ist aber auch gleichzeitig ein alkohollösliches Harz und damit wohl auch anderen Harzen mit ähnlichen Eigenschaften, gleichzusetzen.

Aber nun zur eigentlichen Thematik. Wie ich schon geschrieben habe, spricht man dann von einer Imprimitur, wenn man den weißen Malgrund mit einem gefärbten Öl- oder Leimanstrich versieht.
Wird der weiße Malgrund mit unpigmentierten Öl, Leim oder einer Emulsion gleichmässig vor dem bemalen eingestrichen, so spricht man von einer Isolierung des Malgrundes.
Kunstgeschichtlich gesehen gab es diese Behandlungsmethode des Malgrundes ab dem Mittelalter, da man eine emailartige Wirkung der Farben bevorzugte und ein matter Farbeffekt war unerwünscht. Also musste man dafür sorgen das die porösen Grundierungen nicht zuviel Bindemittel aus dem Farbauftrag absaugten und das erreichte man durch die Behandlung des Malgrundes mit unpigmentierten Öl- oder Leimaufstrichen. Dabei ergab sich noch ein sinnvoller Nebeneffekt, dringt ein trocknendes Öl oder Öl- Harzmischung in eine poröse leimgebundenen Grundierung, bilden sich mit dem Calcium der Kreide oder des Gipses unlösliche Kalkseifen und die Dauerhaftigkeit der Grundierung wird damit erhöht.

Soweit zur Geschichte und nun zur heutigen Zeit. Wie du schon ganz richtig schreibst haben diese Behandlungsmethoden wenig oder keine Sinn bei den heutigen vorgefertigten Malgründen oder Grundierungen. Deshalb sollte man sich bei der Fixierung von Vorzeichnungen oder bei der Herabsetzung der Saugfähigkeit eines Malgrundes eines einfachen Zwischenfirnisses bedienen. Dabei kann man natürlich auch gefärbte Zwischenfirnisse benutzen. Aber das wäre wieder ein eigenes Thema und jetzt geh ich erst mal in die Heia und schreib morgen noch was dazu, wie auch zum Bolusgrund...

Für heute nur noch eine letzte Bemerkung, als jahrzehntelanger Ölmaler, behaupte ich einfach dreist, das an die Tiefenwirkung und Farbigkeit der Ölfarbe, die Acrylfarbe niemals nur annähernd herankommt. Man beweise mir das Gegenteil...
Dateianhang:
sleeping.gif

Nach oben 23.06.2011, 03:15 Nach unten

Pastell, Aquarell, Öl

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Ich finde diesen Thread HOCHINTERESSANT, bitte weiter machen :knuddelbunt: :winken: .

Nach oben 23.06.2011, 07:02 Nach unten

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Danke fuer dieses interessante Thema Andreas :winken:

Kannst Du mal sagen von welcher Konsistenz dieser Oelabstrich in der Imprimatur sein sollte ? Gibt es da auch regeln ..oder ist das egal ? :winken:

Nach oben 23.06.2011, 08:17 Nach unten

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Hier noch ein weiteres Bildbeispiel, von den Brüdern Le Nain aus der National Gallery London. Bei diesem unvollendetem Leinwandbild sieht man die rotockerfarbene Grundierung, darüber die hellgraue halbtransparente Imprimitur, sowie die Pinselunterzeichnung in dunkelbraun. Man sieht auch beim dritten Portrait von links das helle Inkarnat, sowie die stufenweise erfolgte Ausarbeitung mit der abschließenden Ölfarbe.
Dateianhang:
The_Le_Nain_Brothers__Three_Men_and_a_Boy.JPG


Zu Rommels Frage nach den farbigen Untergründen.
Der Bolusgrund ist eigentlich nicht gedacht als farbige Grundierung, um darauf zu malen, sondern es ist ein Poliment (griechisch, roter Ton, Bolus). Das Poliment ist als spezielle Grundierung gedacht für die Polimentvergoldung, also das Aufbringen von Blattgold. Dafür wurde der Bolus, ein besonders feingeschlämmter Ton, mit geschlagenem Eiklar versetzt und in mehreren Schichten auf den Bildträger aufgetragen. Danach wurde dieser Polimentgrund fein geschliffen und danach das Blattgold aufgetragen. Die Teile die bemalt werden sollten, wurden dabei jedoch ausgespart.

Natürlich kann man farbige Grundierungen verwenden, man sollte sich aber darüber klar sein, für welche Zwecke man diese farbigen Gründe benutzt. Arbeitet man wie Tintoretto oder Goya aus dem dunklen heraus, ist eine dunkle Grundierung logische Konsequenz, auf der man dann seine ganze weitere Arbeitsweise abstimmt. Arbeitet man jedoch mit starken reinen Farbwirkungen, ist der weiße Untergrund vorzuziehen. Dazwischen gibt es aber noch eine Menge weitere Möglichkeiten. Man kann z.b. einen Mittelton als Grundierung verwenden, auf dem man später die lichten Stellen wieder mit Weißhöhungen herausarbeitet. Ich selbst habe auch schon mit Untergründen gearbeitet, auf denen das Motiv in deckenden Lokalfarben angelegt war, wobei man allerdings schon in der Anlage sicher sein muss, was man später darüber malt.

@Petra, ich weiß nicht genau was du meinst! Kannst du das noch mal erläutern?

Nach oben 26.06.2011, 23:12 Nach unten

acryl

Beitrag  Re: Imprimitur, watn dat???
Hallo Andreas,

ich setze mir hier mal sozusagen mal ein Lesezeichen. Das sind wirklich sehr interessante Ausführungen, ich hoffe der Austausch hierzu geht weiter. Vielen Dank für das Thema und deine Mühe.

LG Barbara

Nach oben 27.06.2011, 14:38 Nach unten
 [ 49 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3  Nächste

 Ähnliche Themen 
 Thema   Autor   Antworten   Zugriffe   Erstellt 
Farbig sehen? Watn dat???

in Diskussionen

arte60

20

1463

25.02.2013, 19:25

Der goldene Schnitt? Watn dat???

in Diskussionen

arte60

44

1760

27.01.2013, 13:02

Bildbetrachtung? Watn dat???

in Diskussionen

arte60

29

1331

29.06.2012, 01:49

Kunst von Behinderten? Watn dat???

in Diskussionen

arte60

42

1832

10.06.2012, 03:43

Hilfsmittel in der Malerei? Watn dat???

in Diskussionen

arte60

43

1747

25.05.2012, 23:44

Komposition watn dat???

in Technik-Tipps

arte60

82

2135

08.09.2011, 23:34

Farbe in der Tube watn dat???

in Technik-Tipps

arte60

26

649

05.09.2011, 12:28

Konstruktive Kritik watn dat???

in Diskussionen

arte60

18

1065

25.07.2011, 01:56






© Kritzelmeister.de • Alle Inhalte, Bilder und Werke sind Eigentum der entsprechenden Rechteinhaber und dürfen ohne ausdrückliche Genehmigung nicht verbreitet bzw. kopiert werden!